Gewitter und Regen bei maximal 18°C

Exklusive Umfrage: Mehrheit der Berliner „sehr unzufrieden“ mit Rot-Rot-GrünVerdacht auf Amtsmissbrauch: Op­po­si­ti­on will Michael Mül­ler vor­la­denSicherheitsbehörden blicken besorgt auf israelfeindliche Demonstrationen

Berlin ist unzufrieden und wird immer unzufriedener mit Rot-Rot-Grün. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Instituts Civey für den Tagesspiegel hervor, die wir in Auszügen exklusiv im Checkpoint veröffentlichen. Waren im April 2017 noch 61,3 Prozent sehr oder eher unzufrieden mit der Regierung (davon 34,2 sehr unzufrieden), sind es heute 69,3 Prozent (davon 50,2 sehr unzufrieden). Dabei staut sich der Frust vor allem am Stadtrand und bei den Besserverdiener:innen. So lag die R2G-Unzufriedenheit bei den Befragten mit sehr hoher Kaufkraft bei 76,8 Prozent, bei jenen mit sehr niedriger Kaufkraft bei 59,4 Prozent. In Bereichen einer sehr niedrigen Bevölkerungsdichte lag die Unzufriedenheit bei 76,8 Prozent, bei einer sehr hohen Bevölkerungsdichte bei 62,3.

Weitere Ergebnisse und Antworten auf die Fragen, wem die Berliner:innen aktuell ihre Stimme geben würden (& welche Inhalte für Sie wahlentscheidend sind), fasst Checkpoint-Kollege Julius Betschka für Sie in der Sonntagsausgabe des Tagesspiegels zusammen. Heute Abend schon im E-Paper verfügbar unter: epaper.tagesspiegel.de.

Die Beliebtheitswerte des Regierenden dürften dieser Tage nicht unbedingt steigen: We­gen des Ver­dachts auf Amts­miss­brauch will die Op­po­si­ti­on Michael Müller am kom­men­den Mitt­woch in den Rechts­aus­schuss zi­tie­ren (CP von gestern). Kurzversion: Weil der Regierende sich an einem Facebook-Post störte, ging die Justiz mit aller Härte gegen eine Berlinerin vor.

Thomas Wochnik

Wochniks Wochenende

Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.

48h Berlin

Samstagmorgen – Eine Woche vor der geplanten Wiedereröffnung der Berliner Außengastronomie am 21. Mai erleichtert uns das Wetter das Warten: Laut Wetterbericht soll es eine Woche lang einfach durchregnen. Zum Wochenendauftakt legt Zeus, oder wer auch immer für die Planung verantwortlich zeichnet, noch einen dröhnenden Gewittersoundtrack auf und befeuert die Leselaune mit Blitzen. Passenderweise bietet die Leipziger Buchmesse anlässlich der baldigen Preisverleihung literarisches Programm. Heute um 11.05 Uhr nehmen sich Andrea Gerk und Christian Rabhansl im Gespräch im Deutschlandfunk Kultur der Finalist:innen aus der Rubrik Sachbuch und Essayistik an. Darunter etwa der Titel Menschwerdung eines Affen, in dem Heike Behrend die Kolonialgeschichte bearbeitet oder Freiheitsgrade, in dem der Rechtsprofessor Christoph Möllers durchaus kritisch mit den Freiheitsbegriffen liberaler Politik umgeht – passend, in einer Zeit, in der der Ruf nach Freiheit mitunter absurde Ausmaße annimmt.

Samstagmittag – Einschub in Sachen „Bildung, die niemand braucht“: Heute vor 175 Jahren beobachtete der englische Astronom Francis Baily von Roxburghshire aus erstmals das sogenannte Perlschnurphänomen: ein Leuchten der Täler des Mondes kurz vor und nach einer totalen Sonnenfinsternis, verursacht durch das an der ungleichmäßig gekrümmten Mondoberfläche sich ungleichmäßig krümmende Sonnenlicht. Da wir davon am heutigen Tag genau nichts haben, wie wäre es mit dem Leuchtpixelphänomen moderner Bildschirme und Projektoren? Ein Zusammenschluss von Berliner Indie-Kinos ermöglicht authentisches Kinofeeling daheim – inklusive Ticket zu 3,99 Euro pro Film oder für 5 Euro pro Monat im Jahresabo – mit einer kuratierten Auswahl von bis zu 20 Filmen aus Arthouse- und Indie-Produktionen. Um 18 Uhr ist heute der Film Und Morgen die Ganze Welt von Julia von Heinz zu sehen – mit anschließendem Gespräch mit der Autorin und Regisseurin. Kurz vor dem Lockdown war der Film in den Kinos angelaufen, der Publikums- und Kritikerbeifall zur persönlichen Antifa-Millieustudie, die dieser Film bietet, war groß. Corona ließ ihn aber jäh verhallen.

Samstagabend – Will man sich am Samstagabend schon mal auf das eines Tages zurückkehrende Musikprogramm einstimmen, empfiehlt sich der Blick ins Programm des XJazz-Festivals, das natürlich online stattfindet und heute ab 20.50 Uhr mit Studnitzky und Katharina Ernst zwei Ausnahmesolist:innen die Bühne überlässt, die den Begriff Jazz anregend weit auslegen. Tickets gibt es ab 8,56 Euro.

Sonntagmorgen – Etwas unglücklich fällt das Timing des Internationalen Museumstages aus, nur wenige Tage vor dem voraussichtlichen Ende der Notbremse am 19. Mai. Das heutige Programm der staatlichen Museen zu Berlin ist daher digital und umfasst Live-Führungen, 360°-Rundgänge, Gespräche mit Künstler:innen und Workshops. Das Dokumentationszentrum zur NS-Zwangsarbeit etwa gibt um 11 und 14 Uhr interaktive Zoom-Workshops zur Recherchearbeit im Zentrum und beleuchtet, wie Unternehmen in der NS-Zeit Zwangsarbeiter:innen ausbeuteten, von ihnen profitierten und wie die Nachfahren noch heute mit der Geschichte umgehen. Die Teilnahme ist frei, der Anmeldeschluss am Samstag.

Sonntagmittag – Apropos NS-Zeit: Seit bald zwei Wochen läuft ein Vermittlungsexperiment von BR und SWR auf Instagram: Unter dem Account @ichbinsophiescholl postet eine in die heutige mediale Gegenwart übertragene Sophie Scholl, gespielt von Schauspielerin Luna Wedler, mehrmals täglich kurze, mit dem Handy aufgezeichnete Selfie-Clips aus ihrem Alltag. Die Ereignisse und Aussagen beruhen auf historischen Materialien der echten Sophie Scholl und zeichnen die letzten zehn Lebensmonate der am 22. Februar 1943 von den Nazis ermordeten Studentin nach. Bis zum 22. Februar kommenden Jahres, für den die letzte Story geplant ist, soll die Geschichte der Widerstandskämpferin so nacherlebbar gemacht werden.

Sonntagabend – Der Wilmersdorfer Dirk Lausch ist Schausprecher, der Weißenseer Thomas Jäkel Improvisationsschauspieler. Heute Abend liest Lausch klangvoll Kurztexte, die Jäkel nicht kennt. Jäkels Aufgabe: das Vorgelesene aufnehmen und spontan weiterspinnen, ad absurdum führen und, wie es ihm beliebt, weiterdrehen. Lesung trifft Impro ist eine Art Lesung mit Improvistaionstheater, und zwar interaktiv: Die von Lausch zu lesenden Texte stammen vom Publikum. Wer seinen Beitrag vorgetragen hören möchte, schicke dazu Kurzgeschichten, Gedichte, kuriose Einkaufszettel oder sonstige Erzeugnisse aus eigener Feder bis 17 Uhr per E-Mail. Um das Chaosmoment zu maximieren, darf das Publikum dem Schauspieler Zurufe und Regieanweisungen via Zoom und Youtube-Chat in Echtzeit zuwerfen.

Mein Wochenende mit

Durchgecheckt

Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. In diesen Zeiten bleibt er jedoch lieber im heimischen Bau und kocht, aus Gründen der Selbsterhaltung, feine vegetarische Gerichte.

„Ich bin ganz aufgewühlt. Chantal, die Sau von nebenan, ist nämlich ganz beflügelt vom Regenwetter und ja, das war ich anfangs doch auch. Nur muss ich gestehen, dass mir ihre Euphorie etwas zu weit geht. Neulich habe ich mich glatt vor der Haustür verlaufen, weil ich die Umgebung nicht wiedererkannte, nachdem sie sie zerwühlt hatte. Ein andermal wollte ich gerade in einen Apfel beißen, als sie wie ein Schatten angeflogen kam und ihn, für mein bequemes Auge zu schnell, in feinstes Muß verarbeitet hatte. Und das vielleicht größte Problem ist, dass ich schon seit Tagen nichts mehr finde, das ich selbst zerwühlen könnte. Sie wissen doch, die Freiheit der einen sollte da enden, wo die Freiheit des anderen und so weiter. Zum ersten Mal in meinem Leben freue ich mich auf sonnigere Tage – und das entspricht mir nicht. Ich werde mir fremd. Vielleicht wissen Sie Rat? Gestern habe ich mich sogar dabei erwischt, wie ich ganz uneberlich von ihr zerwühlten Bananenmatsch wieder zu etwas Festem verwandelte – so gab es süße vegane Bananenpfannkuchen. Das Gute daran: die waren köstlich. Auch das Apfelmus erhielt so eine Daseinsberechtigung – aber wer zerwühlte Beeren oder Ahornsirup hat, darf sich ebenso freuen. Mit freundlichen Grunzen, ich empfehle mich.“

Lese­empfehlungen

Diesen Sonntag vor 62 Jahren übergab der noch nicht allzu bekannte Bildhauer Joseph Beuys das „Ehrenmal der Gefallenen des Zweiten Weltkriegs“ an die auftraggebende Gemeinde Büderich, der erstmals seinen kommenden, erweiterten Kunstbegriff vorwegnahm. Heute ist er ein Gigant der Kunst – an den Menschen Beuys erinnern sich nich heute Zeitgenoss:innen. Nicola Kuhn (Abo) sprach mit einigen. Über die mutmaßlich bald öffnende Ausstellung im Hamburger Bahnhof schreibt Alexandra Lebedowicz (Abo).

Und noch mehr Geschichte: Die Traumfabrik der DDR ist 75 Jahre alt, Checkpointer und Filmliebhaber Robert Ide (Abo) erzählt von Träumen, Propaganda und einigen ihrer besonders berührenden Momente.

Zurück zur Gegenwart: Der Heinrichplatz wird in den Rio-Reiser-Platz umbenannt. Was der Ton-Steine-Scherben-Frontmann („Das ist unser Haus – ihr kriegt uns hier nicht raus“) wohl zur heutigen Verdrängung in Kreuzberg sagen würde, erzählt sein Bruder Gert Möbius im Gespräch mit Lars Spannagel (Abo).

Wie sich Berliner Fahrradläden durch die Krise schrauben, erzählt Lars Laute.

Und zum Abschluss etwas Zukunftsmusik: Thomas Loy (Abo) spekuliert über die Veränderungen im Berliner Südosten, die mit der Tesla-Fabrik in Grünheide kommen könnten.

Wochen­rätsel

In welchem S-Bahnhof haben sich die Türen eines Aufzugs als besonders wetterfühlig erwiesen?

a) Grunewald
b) Wannsee
c) Nikolassee

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Encore

Zwei Sport-Meldungen zum Schluss:

1) Angela Merkel wird nicht DFB-Chefin. Die Bundeskanzlerin habe deutlich gemacht, dass sie nach dieser Legislatur keine weiteren politischen Ämter anstrebe, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in der Regierungs-PK mit. Er sei sich „ganz sicher”, dass sich das auch auf den DFB beziehe.

2) Der britische Junge, der bereits das Hertha-Station aus Lego nachgebaut hat, hat nun auch ein Abbild der alten Försterei geschaffen (Foto hier). Checkpoint-Analyse: Klassischer Erfolgsfan. 

Vorlagen für diesen Checkpoint gefliefert hat heute Teresa Roelcke (Recherche). Den Newsletter in Ihr Postfach gekickt hat Florian Schwabe (Frühschicht). Am Montag liefert Ihnen Nina Breher die neuesten News aus der Hauptstadt. Kommen Sie gut durchs Wochenende!

Ann-Kathrin Hipp