bewölkt und Schneefall bei -7 bis -6°C

Tennis-Gate: Wegner in der Vorwärtsverteidigung Initiative „Autofrei Berlin“ startet Unterschriftensammlung Neue Langstreckenverbindung am BER

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heute gibt‘s Wetter, und zwar intensiver als sonst: Sturmtief „Elli“ bringt starken Schneefall und kräftigen Wind – und könnte damit weite Teile der Stadt in den kommenden Tagen lahmlegen. Für Berlin gilt eine amtliche Wetterwarnung. Wer kann, sollte zu Hause bleiben.

Die Bildungsverwaltung hat die Präsenzpflicht an allen Berliner Schulen aufgehoben. „Eltern entscheiden unter Berücksichtigung der örtlichen Witterungsbedingungen, ob sie ihre Kinder am Unterricht teilnehmen lassen“, sagte Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) gestern im Bildungsausschuss.

Der Bezirk Neukölln hat vorsorglich alle Sportanlagen und -hallen geschlossen. In mehreren Bezirken öffnen zudem zahlreiche Senioren- und Jugendeinrichtungen heute nicht. Auch Zoo und Tierpark bleiben geschlossen. Der Bezirk Mitte empfiehlt, Bäumen nicht zu nahezukommen, falls Äste unter dem Schneegewicht nachgeben.

Bei aller Gefahr erwartet Berlin aber auch ein Naturschauspiel. Falls Sie rausgehen (müssen), freuen wir uns auf Ihre eindrucksvollen Fotos an berlin@tagesspiegel.de.

Was folgt nach dem Doppelfehler? Richtig: der mutige Netzangriff. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) ging gestern in die Offensive: Es gebe für seinen Tennisausflug zu Beginn des größten Stromausfalls in Berlin seit dem Zweiten Weltkrieg keinen Grund zur Entschuldigung, sagte er. Zuvor hatte es in einer Schalte der CDU-Fraktion nur leichte Kritik, vor allem aber viel Rückendeckung für Wegner gegeben.

Die SPD-Granden in der schwarz-roten Koalition distanzierten sich dagegen gestern deutlich. „Ich kann es nicht ganz nachvollziehen“, sagte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey. SPD-Fraktionschef Raed Saleh sprach von einem „unverständlichen Umgang des Regierenden Bürgermeisters mit dieser Krise“.

An einen Bruch der Koalition denkt in der SPD freilich niemand – es wäre auch vermessen. Wegner hat einen Fehler gemacht, als er zu einem Zeitpunkt, an dem für viele das Ausmaß der Katastrophe längst klar war, auf den Tennisplatz ging. Ein Grund für einen Rücktritt ist das nicht. Den größeren Fehler beging Wegner danach, als er die Öffentlichkeit mehrmals über seinen Tagesablauf täuschte (T+).

Problematisch ist zudem, dass auch Wegners jetzige Rechtfertigung nicht glaubhaft wirkt. Dass ein Regierender Bürgermeister nach wenigen Stunden Krisenmanagement Tennis spielen muss, um den Kopf frei zu kriegen, wie er sagt, ist entweder verstörend oder gelogen. Wahrscheinlicher ist Letzteres. Wegner war zu Beginn der Krise schlecht informiert oder hat sie unterschätzt. Dafür muss man nicht zurücktreten – eine Entschuldigung darf man aber erwarten.