Ist es Ihnen gerade zu heiß in Berlin? Die Gewitter der vergangenen Tage haben in der Region zwar einige Schäden angerichtet und den Flugbetrieb in Schönefeld und Tegel stundenlang lahmgelegt, allerdings kaum Abkühlung gebracht (ab heute wieder 27 Grad aufwärts). Zumindest sollten seit gestern nun endlich alle Freibäder geöffnet sein (der Mai kam mal wieder recht unerwartet in diesem Jahr), nur im Olympiabad und im Prinzenbad sind die Duschen gesperrt (Legionellenbefall) – ach und irgendwas ist ja immer (gerne per Mail checkpoint@tagesspiegel.de). Wenn Sie bei den Temperaturen mal kurz nach Stockholm jetten wollen (heute sonnig, 21 Grad), hier ein Hinweis der Flughafengesellschaft: Sie sollten „je nach Reiseziel zwei bis drei Stunden vor ihrer Abflugzeit“ in Tegel und in Schönefeld sein, um in der Ferienzeit „möglichst reibungslose Abläufe beim Check-in und den Sicherheitskontrollen gewährleisten zu können.“ Grund: Air Berlin ist längst vergessen, die Flughäfen platzen aus allen Nähten – und damit ist nicht der Asphalt am BER gemeint, den sich die Natur langsam zurückholt. Apropos: Gestern vor sechs Jahren hätten am „modernsten Flughafen Europas“ die ersten Flugzeuge starten sollen, aus Solidarität hat Hamburg gestern den Flugbetrieb komplett eingestellt. Das wäre doch nicht nötig gewesen.
„Ich habe gehört, ich müsse heute einen Denkzettel bekommen. Das ist es nicht, was wir jetzt dringend brauchen.“ Nun, die einen (Michael Müller) sagen so, die anderen (Landesparteitag) bedenkzetteln den Regierenden Parteichef (ohne Gegenkandidat angetreten) mit 64,92 Prozent. Müller rauschte ab wie vor sechs Jahren, als er den Vorsitz an Jan Stöß verlor, sprach mit niemandem mehr, ließ die Blumen liegen, ein Foto und kein Tschüss. Fazit der Hauptstadtpresse am Sonntag: „Denkzettel für Michael Müller“ (MoPo), „Ziemlich abgemüllert“ (BZ), „Sozis nehmen einen Absacker“ (Kurier), „Müller warnt die SPD – und wird gewarnt“ (Tagesspiegel)
Von einem verheerenden Parteitag, einer dramatischen Lage, ist am Tag danach die Rede, wenn auch niemand namentlich hervortreten möchte. Tenor: Hätten alle ehrlich abgestimmt, wäre es noch schlimmer geworden. Müller könne nicht führen, höre nicht zu, kommuniziere schlecht, hieß es. Begeistert hat mal wieder ein anderer: Kevin Kühnert, den Müller eigentlich zum Vize hatte machen wollen, das aber nicht verhandelt gekriegt hat.
Kühnert appellierte an die Genossen, R2G nicht kaputtzumachen – was soll für eine Partei, die derzeit bei 18 Prozent liegt, auch drin sein. So bemühte sich Müller auch zu betonen, er fühle sich „pudelwohl“ in seiner Koalition – was vorige Woche noch etwas anders klang (Vgl. „Mickey-Mouse-Themen“, CP vom Mittwoch ).
Annäherung an die (bislang) kleineren Partner hat der Parteitag dann auch mit dem Verständnis für die Pfingst-Hausbesetzer beschlossen, Herzensthema der Grünen und der Linken – und auch der Wähler, wie eine aktuelle Forsa-Umfrage zeigt, zu lesen heute in der Berliner Zeitung. 53 Prozent der Befragten halten Hausbesetzungen für ein legitimes Mittel, um auf Wohnungsnot aufmerksam zu machen, 83 Prozent bei den Linke-Wählern, 77 Prozent bei den Grünen und immerhin knapp die Hälfte der SPD-Anhänger (49 Prozent).
Die Kritik der Besetzer an der dramatischen Situation auf dem Wohnungsmarkt teilen wir, hieß es denn auch auf dem SPD-Parteitag. Spekulativer Leerstand, die Umwandlung in Eigentumswohnungen und Scheinsanierungen auf Kosten der Mieter zeigten, „dass die Politik viel zu lange eine wachsende Stadt gefeiert hat, ohne die richtigen Weichen zu stellen“. Die SPD regiert hier übrigens seit 1989. Da können die Genossen nächstes Jahr zum 30. ein Gläschen Berliner Luft drauf trinken.
Sonstige Beschlüsse: Gesichtserkennung abschaffen, weiteren Feiertag (nicht-christlich) und Solidarisches Grundeinkommen einführen, feministische Pornos fördern.
Die Kritik der Besetzer an der dramatischen Situation auf dem Wohnungsmarkt teilen wir, hieß es denn auch auf dem SPD-Parteitag. Spekulativer Leerstand, die Umwandlung in Eigentumswohnungen und Scheinsanierungen auf Kosten der Mieter zeigten, „dass die Politik viel zu lange eine wachsende Stadt gefeiert hat, ohne die richtigen Weichen zu stellen“. Die SPD regiert hier übrigens seit 1989. Da können die Genossen nächstes Jahr zum 30. ein Gläschen Berliner Luft drauf trinken.
Sonstige Beschlüsse: Gesichtserkennung abschaffen, weiteren Feiertag (nicht-christlich) und Solidarisches Grundeinkommen einführen, feministische Pornos fördern.
„Einen klugen und metropolentauglichen Gegenentwurf“ möchte Mario Czaja den Bürgerinnen und Bürgern Berlins gerne bieten, der sich „inhaltlich und qualitativ deutlich von der mangelhaften Arbeit des rot-roten-grünen Senats abhebt“ – am liebsten als CDU-Fraktionschef im AGH. Der ist bekanntlich seit Donnerstag neu zu besetzen und Czaja hat in einer Mail an seine Kollegen im Abgeordnetenhaus am Sonntagabend (Betreff: „Anmerkungen zur aktuellen Lage unserer Fraktion“) mitgeteilt, dass er es gern würde – und, dass der Fraktionsvorsitz nicht unbedingt heißt: Spitzenkandidat bei der Wahl 2021 (Stand heute). Am Freitag hatten sich Vertreter einflussreicher Kreisverbände auf Czaja verständigt (und nicht Burkard Dregger), ohne Monika Grütters einzubeziehen, was vielerorts als Schwächung der Landeschefin interpretiert wurde. „Dies ist sehr bedauerlich und entspricht in keiner Weise meiner Intention“, schreibt Czaja. Nun gibt es offenbar einen Deal mit Grütters: Falls sie selbst Regierende Bürgermeisterin werden möchte, steht Czaja zurück. Heute Vormittag treffen sich die drei.
Bekommen Sie heute auch eine Prämie, einfach dafür, dass Sie Ihre Arbeit machen? Den Computer anschalten? Die Akten durchsehen? Nein? Tut mir leid, wenn das in Ihrem Unternehmen nicht üblich ist, bei Vivantes aber offensichtlich schon. Das geht aus einem Bericht des Landesrechnungshofes hervor, den die Morgenpost am Wochenende öffentlich machte. Während die meisten Beschäftigten beim landeseigenen Klinikkonzern unter dem Sparkurs des Senats ächzen, werden die Oberen offenbar unangemessen fürstlich entlohnt: Außertarifliche Bezahlung, Zulagen ohne System und eben Prämien für Dinge, die zu den „originären Aufgaben von Führungskräften“ zählen, etwa die Teilnahme an Teamgesprächen. Die CDU spricht von Selbstbedienungsmentalität, bei der Linken zeigt man Verständnis: „Wenn wir von unseren öffentlichen Krankenhäusern erwarten, dass sie sich im Konkurrenzkampf mit privaten Klinikkonzernen behaupten, kann man sie nicht dafür kritisieren, wenn sie genau dies auch tun“, sagt Wolfgang Albers, Chef des Gesundheitsausschusses im AGH (und Vivantes-Arzt).
„Wir haben keinen Kontakt zur AfD“, sagt Jeremy Issacharoff, Israels neuer Botschafter in Berlin. Er habe seit seinem Amtsantritt vor rund einem Jahr mit allen Parteien gesprochen von Linkspartei bis CDU, auch von der AfD habe es Interesse gegeben. „Doch als ich Ende August Botschafter wurde, hörte ich von Äußerungen hochrangiger Mitglieder der Partei, die mich verstört haben.“ Äußerungen wie die Vogelschiss-Verharmlosung der Nazi-Zeit, mit der Alexander Gauland am Samstag allseitige Fassungslosigkeit auslöste. „Wer heute diesen einzigartigen Bruch mit der Zivilisation leugnet, kleinredet oder relativiert, verhöhnt nicht nur die Opfer, sondern will alte Wunden wieder aufreißen und sät neuen Hass. Dem müssen wir uns gemeinsam entgegenstellen“, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Der Tagesspiegel leistet seinen Beitrag heute mit einer besonderen Titelseite, die zeigt, dass der Vogelschiss ein riesiger brauner Haufen war. (Epaper hier)
Telegramm
Einen kurzen Schreckmoment gab es gestern Nachmittag, als es hieß: Schüsse im Berliner Dom. Doch schnell war klar: Keine Terrorgefahr. Ein 53-jähriger Österreicher hatte mit einem Messer herumgefuchtelt und randaliert, als er sich nicht beruhigen ließ, schoss ein Beamter in die Beine. Der Mann und ein anderer Polizist wurden verletzt, 100 Besucher in Sicherheit gebracht, der Gottesdienst mit Abendmahl ist ausgefallen.
Überpünktlich kam Axel Rose, früher bekannt als notorischer Zuspätkommer, gestern Abend 19.35 Uhr auf die Bühne des nicht ganz vollen Berliner Olympiastadions. Schnellkritik von Tagesspiegel-Kollegin Nadine Lange zum Comeback, das es niemals hätte geben sollen (Tour-Name: „Not in this Lifetime“): Die Zeiten des Exzesses sind vorbei für Guns N' Roses, doch das macht gar nichts. Es sind immer noch starke Songs und Slashs Virtuosität hat die Jahrzehnte schadlos überstanden. Außerdem: Wo sonst könnte man heute noch rote Bandanas tragen?
Apropos zu spät: +++ Eilmeldung+++ Martin Schulz ist robuster als wir dachten. +++ Einen ganzen Winter lang hat er Wind und Wetter die Pappstirn geboten und lächelt unverfroren von einem Laternenmast in der Prenzlauer Allee/Ecke Belforter Straße. Bei der SPD bleibt eben doch was hängen.
Ach und wo wir gerade hier hängengeblieben sind: Auch in Brandenburg fliegen die Helikopter-Eltern tief. Vereinzelt würden Schüler bis zur fünften Klasse täglich von einem Elternteil bis in den Klassenraum begleitet, sagt Hartmut Stäker, Präsident des Brandenburgischen Pädagogenverbands. Dort packten die Eltern die Schulsachen für die erste Stunde aus und warteten im Klassenraum, bis der Lehrer kommt, um ihn noch über die aktuellen Befindlichkeiten des Kindes zu informieren. Reaktion eines Elternteils aus Prenzlauer Berg: „Was, nur bis zur fünften Klasse?!”
Wenn Sie ausgerechnet heute vorhatten, endlich mal die U55 auszuprobieren (das ist dieser Kanzler-Touri-Stummel vom HBF zum Brandenburger Tor): Da ist jetzt für ein halbes Jahr Ruhe, um den Lückenschluss zur U5 (zum Alex) vorzubereiten, Eröffnung 2020 (Stand heute).
Die Verkehrslenkung sucht Mitarbeiter im gehobenen Dienst (Vollzeit oder Teilzeit/befristet), Tätigkeitsprofil: „Sachbearbeitung straßenverkehrsbehördlicher Anordnungen mit Schwerpunkt auf schwierigen Sachverhalten im Zusammenhang mit Maßnahmen zur Förderung des ÖPNV in wechselnden Bezirken einschließlich Zuarbeit in Widerspruchs- und Verwaltungsstreitverfahren, Mitwirkung als Träger öffentlicher Belange und sonstige Stellungnahmen in verkehrsrechtlicher Hinsicht, Bearbeiten von Anfragen aus politischen Gremien und Sonderaufgaben; Mitarbeit in den Task-Force Projekten.“
Dem Vernehmen nach gab es bisher nur für drei von fünf Stellen angemessene Bewerber. Könnte aber auch daran liegen, dass niemand den Ausschreibungstext versteht.
Apropos Verkehrslenkung: Ab heute gibt es eine weitere Testzone gegen Luftverschmutzung: Auch auf der Potsdamer Straße zwischen Potsdamer Platz und Kleistpark gilt nun Tempo 30. Anders als auf der Leipziger Straße wird sofort kontrolliert. Bei den vielen Baustellen rund um den Kleistpark sollte die Polizei da aber erstmal nicht zu viel Kleingeld erwarten.
Ach und wo wir gerade beim Kleingeld sind: Das verdienen die Krebsfischer inzwischen offenbar nicht schlecht. 8500 Sumpfkrebse haben sie bereits im Tiergarten und Britzer Garten gefangen, Derk Ehlert, bekanntester Wildtierexperte der Welt, schätzt, dass es Ende des Monats mehr als 10.000 sein werden.
Ganz so viele Shisha-Bars hat die Stadt zwar noch nicht, doch da die Tendenz steigend ist, will Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel nun mehr Auflagen und weniger Auflagen – in Form von Kohle. „In einigen Bars wird die Kohle auf billigen Baumarkt-Grills in einem Hinterzimmer erhitzt – Brandschutz: Fehlanzeige.“
Vergessen Sie nicht: Wir sind gerade mal wieder im Zeitplan! Eine kleine Andenkensammlung zum Geburtstag der Nichteröffnung hat Lorenz Maroldt hier aufgeschrieben.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
"Ich war sieben Jahre alt und das Spiel endete 2:1. Ich war wohl nie wieder so nah dran, zu null zu spielen."
Petr Stochl, 42, Handballtorwart, auf die Frage, ob er sich noch an sein erstes Spiel erinnern kann. Nach zwölf Jahren im Tor der Füchse hat er gestern seine Karriere beendet – mit einem Sieg.
Tweet des Tages
"Tut mir leid Chefin. Ich kann leider nicht ganz pünktlich zur Arbeit erscheinen. Ich habe einen schweren Fall von Guns‘n‘Roses."
Stadtleben
Essen & Trinken Das Interieur am Pariser Platz 6a ist so dezent, die Deko so sparsam gewählt, dass die Qiez-Kollegen die zweite Dependence des Italieners Mama Trattoria mit der Ikea-Kantine vergleichen. Viel mehr als die hellen Holztische braucht es auch nicht, denn die hohen Decken und tiefhängenden Lampen geben dem Laden einen modernen und industriellen Touch und somit doch etwas Szeniges. Wer seine Pizza Diavolo oder die Spaghetti Bolognese doch in etwas besonderer Atmosphäre verspeisen möchte, geht in den zweiten Stock, von wo aus man aufs Brandenburger Tor blickt. Sich mal wie ein Touri in der eigenen Stadt fühlen, das ist hier definitiv drin - nach zwei Gläsern Hauswein gelingt das vielleicht sogar ironiefrei. Laktose- und glutenfrei sind die Speisen auf Wunsch übrigens auch, sogar die Pana Cotta mit Blaubeeren und karamellisierten Walnüssen. Tägl. 11.30-23.30 Uhr, S/U-Bhf