und willkommen zu unserem heutigen Schulausflug auf Berlins Bildungsbaustelle. Um die Laune nicht gleich zu vermiesen, starten wir mit einer positiven Meldung: Am Montag wurde in Marzahn-Hellersdorf nicht einmal ein Jahr nach der Grundsteinlegung der erste Neubau der Berliner Schulbauoffensive eröffnet: die Integrierte Sekundarschule (ISS) Mahlsdorf. Das ist die kleine gute Nachricht. Die große schlechte: Der Gesamtbaustellenfortschritt bleibt desaströs.
Rund 26.200 Schulplätze werden im Jahr 2021 fehlen, darunter mehr als 11.200 an den Grundschulen, mehr als 7.500 an den Sekundarschulen und fast 7.500 an Gymnasien. Das geht aus dem Bericht der Taskforce Schulbau zum Maßnahmen- und Finanzcontrolling hervor. Für Mittwoch hat die Linke im Koalitionsausschuss das Thema auf die Tagesordnung gesetzt. Der parlamentarische Geschäftsführer Steffen Zillich spricht von einer „sehr beunruhigenden Information“, die Grünen von „alarmierenden Zahlen“ und für die amtierende Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) wird’s langsam eng.
1) Der Berliner Landeselternausschuss attestiert der Senatorin in einem offenen Brief eine insgesamt katastrophale Bilanz. „Schönreden und Intransparenz helfen hier nicht weiter!“, schreibt der Vorsitzende Norman Heise (den die Senatorin selbst übrigens mal für „seine ruhige Art, seine Gelassenheit“ gelobt hat). Seine Forderung: ein Krisengipfel. Sollte Scheeres dem nicht nachkommen, werde 1.) der Regierende aufgerufen, diese Aufgabe zu übernehmen und 2.) die Zusammenarbeit mit der Senatorin beendet. Soweit die Drohung – ruhig und gelassen.
2) Die GEW-Vorsitzende Doreen Siebernik unterstützt die Forderung des Landeselternausschusses. „Wir haben seit 2012 darauf hingewiesen, dass Plätze fehlen. Seitdem wird immer nur an der Oberfläche gekratzt. Ich erkenne keine Strategie“, sagte sie dem Checkpoint. Und zu den fehlenden 26.000 Schulplätzen: „Das ist schlimmer als ein Vulkanausbruch, das ist eine Explosion. Schwer vorstellbar, dass Scheeres das noch schafft.“
3) Scheeres selbst scheint es zumindest schaffen zu wollen und will am heutigen Dienstag Norman Heise treffen – gegebenenfalls auch die GEW. Gegebenenfalls mit Nachsitzen.
Weil 4) konkret immer besser ist, hier noch ein Baustellenbeispiel aus Pankow, über das man bei der Gelegenheit gleich mal sprechen könnte. Ein Brief, adressiert an alle Eltern (Freitag im Postfach), beschreibt die derzeitige Situation an der Bornholmer Grundschule: „Die Einstellungsverfahren laufen aktuell, aber es ist absehbar, dass wir mit einer Unterbesetzung in das neue Schuljahr starten werden. Daher müssen wir Kürzungen bezüglich der Förder- und Integrationsstunden vornehmen“, heißt es da. Die Auswirkungen: Einen Stundenplan gibt es noch nicht. Von Dienstag bis Freitag ist der Unterricht für die 1. bis 4. Klassen nach der vierten Stunde beendet, danach erfolgt die Übernahme der Kinder durch die ErzieherInnen. Gleiches gilt für die 5. und 6. Klassen nach der fünften Stunde. Der Schulchor startet erst in der zweiten Woche. Für die 2. und 3. Klassen beginnt der praktische Schwimmunterricht erst am 09. August. Der Religions- und Lebenskundeunterricht beginnt für die Klassen 2 bis 6 in der zweiten Schulwoche, für die 1. Klassen in der vierten Schulwoche. Die Arbeitsgemeinschaften beginnen ab der 2. Schulwoche. So weit so verwirrend, wiederholen wir an dieser Stelle gerne nochmal die Frage an den Regierenden: Herr Müller, wollen Sie nicht doch übernehmen?
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Dass Bildung und Schulbau Berlins Regierendem am Herzen liegen, zeigt eine aktuelle Personalie: Frank Nägele, Staatssekretär in der Senatskanzlei, geht in den Howoge-Aufsichtsrat – und soll dort den Schulbau vorantreiben. Ebenfalls einen Posten im Aufsichtsrat zu besetzen hat übrigens die Gewobag (weil Finanz-Staatssekretärin Margaretha Sudhof jetzt Ex ist). Ist Müller etwas daran gelegen, wird er versuchen, auch dort einen Vertrauten zu platzieren.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Liebe, Glück, Graffiti, Feuerwehr, Angeln, Bairisch – Forderungen nach neuen Schulfächern gab es bereits viele. Die Kollegen von „Krautreporter“ haben jetzt ihre LeserInnen gefragt, welches Schulfach sie gern gehabt hätten. Die Antworten: Programmieren und mit digitalen Medien klarkommen (5), Kommunizieren oder „wie rede ich über meine Gefühle?“ (4), Wirtschaftswissen, Finanzen oder einfach Geld (3), Psychologie oder „wie gehe ich gut mit mir um?“ (2) und Alltagskunde oder das „echte“ Leben (1). Weil die Frage so schön ist, geben wir sie mit Berlin-Fokus gerne auch nochmal an Sie weiter. Welches Schulfach fehlt? Wir sammeln unter checkpoint@tagesspiegel.de.
Wenn man in zwei Debatten nicht vorankommt, bringt man sie einfach zusammen – das zumindest dachte sich wohl die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU Berlin, als sie das Papier „Vision 2030“ verfasste. Die „radikale“ Idee: Das bestehende Messegelände in Charlottenburg-Wilmersdorf soll vom Land Berlin verkauft, abgerissen und für neue Wohnflächen genutzt werden („ein komplett neuer Stadtteil könnte entstehen“). Ein neues Messegelände soll parallel für 1,5 Milliarden Euro gebaut werden – am Alt-Flughafen Tempelhof, am bald Alt-Flughafen Tegel oder am vielleicht bald Neu-Flughafen BER.
Vom BER gibt’s ausnahmsweise gute Neuigkeiten: Die Wirkprinzipprüfung ist planmäßig gestartet. Der Eröffnungstermin „ist verlässlich und belastbar“, sagt Flughafen-Chef Engelbert Lütke Daldrup und meint weiterhin Oktober 2020. Das genaue Datum werde man „definitiv vor Weihnachten“ und „eventuell vor Halloween“ verkünden, konkretisierte FBB-Sprecher Hannes Hönemann auf Nachfrage. Gesucht werden dann auch 20.000 Komparsen, die ab April 2020 beim ORAT-Probebetrieb im Terminal alle Abläufe testen und trainieren. Krimivorerfahrung erwünscht.
Wetter I: „Ihr lacht über die Kabel vom BER? Dann schaut erstmal ins Rathaus Mitte!“, twitterte gestern der Bezirksverordnete Taylanz Kurt (Grüne). „Nein, hier gab es kein Erdbeben, es hat wieder mal nur in Mitte geregnet.“ Das ganze Ausmaß der Zerstörung sehen Sie hier. Eigentümer ist übrigens die Union Invest, das BA Mitte nur Mieter.
Wetter II: „Regen übernimmt jetzt in Berlin die Verkehrswende“ hatte ich am Samstag zum Radweg in der Greifswalder Straße getwittert und damit eine kleine grüne Welle ausgelöst (CP von gestern). Jetzt stellt die Senatsverwaltung fest: 1) Auf dem etwa 100 Meter langen Abschnitt ist das Material eine Stunde zuvor aufgetragen und dann um 15 Uhr vom heftigen Regen die Straße entlanggespült worden. 2) Das weggespülte Material war grün eingefärbter Quarzsand und „vollkommen ungefährlich“. 3) „Wie Sie an der genannten Stelle heute sehen können, ist der überschwemmte Radweg nach wie vor vorhanden und sieht aus, als wäre nichts geschehen.“ Schmale Fahrradwege und breite Autospuren – Berlinverkehr as usual.
Wetter III: 30 Autokennzeichen hat der Regen in der vergangenen Woche in Hellersdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf weggeschwemmt. 29 konnte die Polizei inzwischen wieder aushändigen. Das letzte gehört einem Pflegedienst, den die Beamten bis dato noch nicht erreicht haben. Abzuholen beim Polizeiabschnitt 63, Heinrich-Grüber-Straße 35.
Der Berliner AfD droht ein Machtkampf. Landeschef Georg Pazderski gilt vielen als zu moderat. „Die Zeichen stehen auf Sturm“, heißt es aus Parteikreisen. Und allein dieser Satz zeigt, wie der Wind weht.
Geht es im Unterricht um rechtsextreme Positionen, haben LehrerInnen nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht diese entsprechend einzuordnen und diesen zu widersprechen. Das hat das Deutsche Institut für Menschenrechte in einer Analyse zum Neutralitätsgebot klargestellt. Gilt nicht nur, „aber eben auch dann, wenn Positionen politischer Parteien benannt werden“. Beispiel: AfD.
Ist Berlin noch Berlin ohne seine Sonntagsspätis? Eine Anfrage von Stefan Evers (MdA CDU) zeigt jetzt die Zahl der Verstöße gegen das Ladenöffnungsgesetz: Insgesamt 854 Anzeigen wurden im vergangenen Jahr aufgenommen (davon 452 Verstöße und 182.518,00 Euro Bußgeld wegen der Schließung an Sonn- und Feiertagen). Es kommentiert die Senatsverwaltung: Weder Bußgeldtatbestände noch Bußgeldhöhen, Bußgeldsummen oder die Anzahl von Bußgeldern lassen „eine Beurteilung bzw. Interpretation der Wirksamkeit der Vollzugspraxis durch die zuständigen Behörden zu“. Und: Flächendeckende Kontrollen seien aufgrund der Personalressourcen weder realisierbar noch vorgesehen.
Wann ist Berlin nicht mehr Berlin? Vielleicht, wenn die Häuserfassaden Graffiti mit den Worten „Krass hier!“ und „Coole Location“ ziert (gesehen von Sophie Regel in der Heidestraße). Ironiefrei.
Schätzung adé, jetzt ist es Airbnb-amtlich: Nach eigenen Angaben vermittelt das Unternehmen in Berlin derzeit 13.045 Wohnungen (+ nochmal viele Gästezimmer mit Couch). Finanziell lohnen soll sich das Geschäft offiziell ab 137 vermieteten Tagen pro Jahr – zuletzt erreicht hatten das 2.600 Anbieter. (Q: Handelsblatt) Mehr als die Hälfte vermieteten ihre Räume weniger als 30 Tage pro Jahr. Von Senatsseite wollte man keine Einschätzung zu der Validität der Zahlen abgeben. Anträge auf Zweckentfremdung wurden bis dato nur circa 4.150 gestellt.
BVG-Zwangs-Tickets für Berlin-Besucher? In einem Brief an Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) und den Regierenden Michael Müller (SPD) spricht sich der Hotel- und Gaststättenverband Berlinvehement gegen den Vorschlag der Grünen aus. „Wir alle sollten bedenken, dass der Tourismus und hier auch der Geschäftsverkehr ein zärtliches Pflänzchen sind. Schnell kann der gute Ruf von Berlin zerstört werden und sich der positive Trend in das Gegenteil drehen“, heißt es. Aktuell erwirtschafte die Branche jährlich mehr als 12,5 Milliarden Euro Umsatz.
Verkehrt rollt’s in Berlins Verkehr. Die Ordnungswidrigkeiten (19.05.2018 bis 19.07.2019) im Überblick: 3.544.899 Verstöße des ruhenden Verkehrs, 1.097.032 Geschwindigkeitsüberschreitungen, 86.198 Verkehrsunfälle, 67.106 Rotlichtverstöße, 5.919 Mal wurden Verkehrszeichen ignoriert, 2.421 Mal das Überholverbot, 2.327 Mal wurde unvorsichtig Gefahren, 2.250 Mal berauschende Mittel eingenommen und 1.057 Mal Alkohol konsumiert. (Q: Anfrage Stefan Evers / MdA CDU)
Gutes Kreuzberg:In der Böckhstraße entsteht in dieser Woche Berlins erste Temporäre Spielstraße. Ein Teilabschnitt ist künftig von 14 bis 18 Uhr für Autos gesperrt.
Schlechtes Kreuzberg: Wegen Bauarbeiten in der Oranienstraße werden Radfahrer zurzeit umgeleitet – der Weg führt mitten in die Absperrung.
Der Leihradanbieter Mobike gibt Daten seiner NutzerInnen nach China weiter. Das ist hochumstritten – aber nach einer ersten Prüfung der Berliner Datenschützer legal.
Klopapier und iPads: Das Hamburger Auktionshaus HAT Hanseatische Industrie Consult startet die nächste Versteigerungsrunde für die Reste der insolventen Fluglinie Germania. Die Platte mit 36 Kartons aufblasbaren Strandbällen soll mindestens 100 Euro bringen. (Q: Berliner Morgenpost)
Konsum oder Kriminalität? Shoppen oder Sightseeing? Was verbindet Sie mit dem Alex? Und wer ist eigentlich schuld an diesem Platz? Für ein Tagesspiegel-Projekt interessiert uns Ihre Meinung. Zur Umfrage geht es hier.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Natürlich das Brandenburger Tor. Ich muss aber auch das Hotel Adlon nennen, wo ich immer gerne bin, in meiner Suite sitze und rübergucke zu dem Platz, wo ich ‘89 gesungen habe.“
David Hasselhoff verrät im Interview mit dem Berliner Kurier seinen ganz besonderen Lieblingsplatz in Berlin.
Tweet des Tages
In der U-Bahn knallt es. Alle schrein. Bis auf das kleine Mädchen, das gerade seinen Ballon kaputt gemacht hat. Alle beruhigen sich wieder. Bis auf das kleine Mädchen ohne Ballon. #weilwirdichlieben
Stadtleben
Essen – Bellendes beißt bekanntlich nicht, sagt man. Und wer sein Geschäft Barkin' kitchen (bellende Küche) nennt und anschließend in die Welt hinaus bellt, besonders nah am Zahn der Zeit zu kochen, nun… – eine riskante Glatteismetaphorik. Die übrigens von einer ausgewiesenen Agentur für Kommunikation namens Bark stammt. Die zum Haus gehörige Küche genießt dennoch auch über ihre Glogauerstraßen-Nachbarschaft hinaus einen guten Ruf – am Ende wiegt schließlich das Veto der Geschmacksknospen am schwersten. Nach einiger Renovierungszeit feiert der beliebte Mittagstisch heute seine Wiedereröffnung. Und aus diesem Anlass gibt es Sekt aufs Haus von 12 bis 18 Uhr auf der neuen Terasse und mit erweiterter Speisekarte. Glogauer Straße 7, U-Bhf Görlitzer Bahnhof, reg. Di-Fr 12-15 Uhr
Trinken – Man kennt es von digitaler Technologie: Unaufhaltsam schreitet die Miniaturisierung in Richtung Nano-, Pico-, Femtometer voran, während die Menge der Objekte, Daten und Rechenoperationen auf gleichem Raum immer weiter zunimmt. So ähnlich ist das auch beim Bier: Zwar werden nicht die Brauer selbst immer kleiner. Aber Mikrobrauereien und Craft-Beer-Manufakturen machen den seit Jahrzehnten etablierten, mittlerweile zu großen Konzernen gehörenden Traditionsbrauereien zunehmend den ein oder anderen Kunden streitig. Und ab 20 Uhr treffen sich heute in Potsdam einige der Kleinsten in der Bar Gelb – da findet nämlich das Hobby-Brauer-Treffen statt, bei dem Freunde der Hausbraukost sich gegenseitig die größte Geschmacksvielfalt auf kleinstem Raum einschenken.Charlottenstraße 29, Tramstation Platz der Einheit/ Nord
Unerfahrener Berlinbesuch kommt in aller Regel mit Fragen angereist, die man zu beantworten mal mehr und mal weniger Lust hat, je nach Tagesform. Wer heute keine Lust hat, schicke seine Leute ins Literarische Colloquium zu Fabian Hirschmann. Der in der Hauptstadt ansässige Autor, der um 19.30 Uhr sein neues Buch „Alle wollen was erleben“ vorstellt, sollte alle Fragen zum Erleben der Hauptstadt eloquent beantworten und mit seiner Lesung auch selber für ein nacherzählenswertes Erlebnis sorgen können. 8/ 5 Euro, Am Sandwerder 5 (S-Bhf Wannsee)
Geschenk – Dass „Probieren sie es doch mal mit einem freundlichen Lächeln“ in Berlin nicht immer zum gewünschten Ziel führt, wird ja gern der Berliner Schnauze zugeschrieben, an der sich Besucherinnen und Zugezogene zunächst manchen Nerv aufreiben. Das gilt heute in besonderem Maß. Denn die radikale Ehrlichkeit geht um – und wer diesen Trend noch immer nicht ganz versteht, kann sich im Offenen Wohnzimmer Nachhilfe holen. Um 19 Uhr beginnt das Radical Honesty Meet-Up, bei dem alle üben können, auszusprechen, was sie schon immer mal loswerden wollten. Und so nebenbei die guten Seiten der Schnauze kennenlernen. Waldenserstraße 13 (U-Bhf Birkenstraße), Teilnahme und Getränke auf Spendenbasis
Last-Minute-Tickets – Wer das „A L'Arme Festival“ am Wochenende verpasst hat oder einfach prinzipiell nicht genug Schräglage bekommen kann, wird sich an den beiden Sets im Au Topsi Pohl freuen. Den Anfang macht um 20 Uhr ein elektrifiziertes Quartett um E-Gitarre und Elektronik, durch Saxophon und Schlagzeug geerdet. Das zweite Set ist ein Duo mit Klavier und Schlagzeug. Geht man der Einfachheit halber davon aus, dass alle sechs Musikerinnen und Musiker ab dem 20. Lebensjahr regelmäßig auf Bühnen stehen, ergeben sich immerhin stattliche 158 Jahre geballter Bühnenerfahrung im Bereich experimenteller Instrumentalmusik am Rande dessen, was man allgemein Jazz nennt. Pohlstraße 64 (U-Bhf Kurfürstenstraße)
Noch hingehen – In Ausstellungen ganz allein sein zu können ist schon eine sehr interessante Erfahrung. Man muss nicht nur den Dingen beim Verkünden ihrer Botschaften zuhören, sondern kann auch antworten, ohne gleich vom Aufsichstpersonal gemaßregelt zu werden. Und es ist doch immer schön, wenn man unverhofft ins Gespräch kommt. Eine ganz andere Dimension des Zusammenseins erlebt man im Jüdischen Museum bei der Preisträgerinnen-Ausstellung des DAGESH-Kunstpreises. Hier befindet man sich nämlich immer in Anwesenheit eines Roboters, mit dem zusammen zu arbeiten man eigentlich nicht ablehnen kann, will man die Ausstellung im gedachten Sinne begreifen. Noch bis 11. August ist die auf zwei Räume verteilte Multimedia-Installation mit Hang zu Kabala, Mystik und Technik zu erleben. Eintritt 8/ 3 Euro, Lindenstraße 9-14 (U-Bhf Hallesches Tor)
Mit diesem Stadtleben wünscht Ihnen Thomas Wochnik einen schönen Tag.
Berlin heute
Verkehr – Zwischen 21 und 5 Uhr ist die A 113 (Schönefeld-Zubringer) zwischen AS Adlershof und AS Schönefeld-Nord stadtauswärts gesperrt, ebenso die Reinickendorfer Residenzstraße in Richtung Holländerstraße zwischen Ritterlandweg und Letteallee - bis auf Weiteres. In Biesdorf gibt's ab 8 Uhr bis vsl. Ende August auf dem Blumberger Damm Richtung Landsberger Allee auf Höhe Rapsweg nur eine Spur und auch auf der Bahnhofstraße in Blankenburg (in Höhe „Netto“ beim S-Bhf Blankenburg) steht für beide Richtungen abwechselnd nur ein Fahrstreifen zur Verfügung, hier leider open end.
Demonstration – „Nein zu Zwangsräumungen – keine Verdrängung im Wedding“ fordern etwa 70 Demonstrierende zwischen 6 und 22 Uhr an der Dubliner Straße/ Ecke Glasgower Straße. Beim „Warnstreik uni-assist e.V.“ versammelt ver.di ca. 80 Personen, die vom Hegelplatz zur Markgrafenstraße ziehen (13-15.30 Uhr). Die Friedensglockengesellschaft e.V. ruft auf zu „Erinnern, Gedenken und Mahnen – 74 Jahre Atombombenabwurf auf Hiroshima“, am Japanischen Pavillon im Volkspark Friedrichshain von 18 bis 19.30 Uhr.
Gericht – Nach einer Schießerei in Neukölln vor knapp einem Jahr muss sich ein 43-Jähriger wegen versuchten Mordes verantworten. Er soll mit Mittätern versucht haben, den Fahrer eines Autos zu erschießen – laut Ermittlungen aus Rache für eine vorangegangene Attacke. Der Fahrzeugführer wurde nicht getroffen (13 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 217).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Vedad Ibišević (35), Fußballspieler bei Hertha BSC / Cherno Jobatey (54), Moderator und ehem. Herausgeber der dt. Huffington Post / Ulrike Mehl (63), Ingenieurin für Landespflege und Politikerin, ehem. für die SPD im BT ('90-'05) / Birgit Paul, „die faszinierendste Stimme von Kulturradio, RadioEins und Deutschlandfunk Kultur“ / „Herzlichen Glückwunsch, Pontow! Unserem langjährigen guten Freund wünschen wir Gesundheit und viele weitere glückliche Jahre. Gaby und Hartmut“ / Anouschka Renzi (55), Schauspielerin / Saskia Valassis (45), „aktive Checkpointläuferin“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Katrin Antl / Renate Hunscha-Heinrichs, ehem. Schulleiterin der Nahariya-Grundschule Lichtenrade / Bernhard Pospiech, * 4. März 1933 / Ernst Sinnig, * 2. April 1926 / Dorte Wunderlich-Küsters, Amtsrätin im Bundesministerium für Finanzen
Stolperstein – Adolf Russ (Jhg. 1867) lebte in der Flotowstraße 7 (heute Schleswiger Ufer 2). Am 6. November 1942 wurde er mit dem Transport „I/77“, dem „73. Alterstransport“, in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er 2 Jahre später ermordet wurde.
Encore
Mal wieder Lust auf was Altes? Der 70-jährige Heino Fröhlich sucht einen Nachfolger bzw. eine Nachfolgerin für seine Druckerei in der Leibnizstraße in Berlin-Charlottenburg – 1982 gegründet, seit 15 Jahren von ihm geführt. Weil für ihn aus Alters- und Gesundheitsgründen Schluss ist, wünscht er sich jemanden, der Freude am Traditionshandwerk hat. 30.000 Euro soll die Übernahme kosten (die Ladenfläche steht zur Miete). Gedruckt werden Visitenkarten, Briefpapier und Einladungskarten. Kleine Aufträge, dafür aber mit Herz und handgemacht.
Nicht gedruckt, aber dafür ebenfalls mit Herz und handgemacht, flattert morgen wieder der Checkpoint in Ihr Mailpostfach. Bis dahin. Machen Sie's gut!