Um 13:12 Uhr unserer Zeit wird ohrenbetäubender Donner die kasachische Steppe erschüttern. Mit über 4000 Kilonewton – so viel Schub wie 15 Jumbojets – wuchtet die Sojusrakete dann die gleichnamige Raumkapsel in den Himmel. Ihr Ziel: die Internationale Raumstation ISS. Die Mission: bemannte Reisen zu Mond und Mars vorbereiten. An Bord: der russische Kosmonaut Sergei Prokopjew, die US-Astronautin Serena Aunon und der deutsche Astronaut Alexander Gerst. Er soll – und das ist Premiere in der deutschen Raumfahrtgeschichte – für die Hälfte der Zeit das Kommando übernehmen. Wer sich an diesem Mittwochmorgen musikalisch einstimmen will: Seinen persönlichen Start-Soundtrack hat Gerst bereits vorab veröffentlicht. Darunter: die Titelmelodie von Captain Future, Castle in the snow (The Avener), Die Mensch-Maschine (Kraftwerk), When You Go Forward (Triangle Sun) und Astronaut (Sido feat. Andreas Bourani).
Ein kurzer Blick in die Rubrik „Was man in Zeiten wie diesen von Sido, Andreas Bourani und dem All lernen kann“: „Fast acht Milliarden Menschen, doch die Menschlichkeit fehlt / Von hier oben macht das alles plötzlich gar nichts mehr aus / Von hier sieht man keine Grenzen und die Farbe der Haut / Dieser ganze Lärm um nichts verstummt, ich hör’ euch nicht mehr / Langsam hab ich das Gefühl, ich gehöre hierher / Es gibt kein Vor und kein Zurück mehr, nur noch Unten und Oben / Einer von Hundert Millionen / Ein kleiner Punkt überm Boden / Ich heb’ ab!“ (Astronaut)
Und damit zurück auf den Boden der Tatsachen…
Die CDU-Fraktion im Berliner Parlament wählt einen neuen Chef. Wer das werden soll, steht seit Dienstag fest: Burkard Dregger. Der Innenexperte wird als einziger Kandidat bei der Wahl am 12. Juni antreten. Darauf haben sich er selbst und der ebenfalls an dem Posten interessierte CDU-Abgeordnete Mario Czaja in einem Gespräch mit der CDU-Landesvorsitzenden Monika Grütters geeinigt. Der ein oder andere mag sich die berechtigte Frage stellen, warum nicht einfach beide kandidieren und die Mitglieder entscheiden lassen. Man wolle keine „Kampfkandidatur“, heißt es. Ein schönerer Begriff für die Wahl zweier konkurrierender Vertreter wäre Demokratie.
Monika Grütters hat mit Dregger jedenfalls ihren Wunschkandidaten durchgesetzt. Es ist ein Sieg für sie. Und eine klare Ansage, dass sie sich die Spitzenkandidatur 2021 für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin offenhält. Mario Czaja hätte ihr als Fraktionsvorsitzender gefährlich werden können. Und auch wenn er in einem Brief an seine Fraktionskollegen betont, die Entscheidung jetzt sei keine Festlegung für die Spitzenkandidatur in drei Jahren: Grütters hat das Spiel gekonnt in ihrem Sinne gedreht. Sie ist jetzt am Zug.
Brennpunktschulen sollen in Berlin künftig weniger unter dem Lehrer- und Erziehermangel leiden. Mit einem Bündel an Maßnahmen will die Koalition eine bessere Personalverteilung erreichen und zieht damit eine Konsequenz aus etlichen Brandbriefen sowie aus den schlechten Schülerleistungen in den sozial abgehängten Quartieren. Die Klagen aus den sozialen Brennpunkten häufen sich. Zuletzt hatten 500 Erzieherinnen aus 22 Neuköllner Grundschulen einen Forderungskatalog präsentiert. Die Zeit (b)rennt.
Mickey-Mouse-Themen hat Rot-Rot-Grün vorerst ebenfalls beiseitegelegt und sich darauf verständigt, spekulativen Leerstand von Wohnungen und Häusern stärker zu bekämpfen. Die Bezirke sollen soll bei Bedarf zusätzliches Personal erhalten. Die 1981 vom damaligen Regierenden Bürgermeister Hans-Jochen Vogel (SPD) entwickelte „Berliner Linie“, nach der Neubesetzungen innerhalb von 24 Stunden notfalls durch die Polizei beendet werden sollen, werde allerdings weiterhin gelten. Sie soll „mit Augenmaß“ und zunächst deeskalierend angewendet werden.
Ralph Korbus (Bezirksverordneter Treptow-Köpenick) verkündet derweil via Pressemitteilung, dass er bis zur Eröffnung eines neuen Bürgerbüros in der Bölschestraße Mitte Mai die Chance genutzt habe, vorübergehend leerstehende Gewerberäume für ein temporäres Bürgerbüro zu nutzen. Die CDU-Fraktion teste den „Pop-up-Store“ als neues Format und zeige, „wie Leerstand auch mit legalen Mitteln vorübergehend genutzt werden kann“, lässt er sich zitieren. Immerhin „mit einem Augenzwinkern“.
Erhebliche Unruhen soll es derzeit im Landeslabor Berlin-Brandenburg (LLBB) geben. Seit der Kündigung der ehemaligen Direktorin zum 31.12.2017 (neue Stellenausschreibungsverfahren läuft noch bis 17.06.2018), sollen chaotische Zustände herrschen. Ein entsprechender „Öffentlicher Hilferuf“ erreichte den Checkpoint via Mail. Das Landeslabor sei seit Wochen führungslos, irgendwer mache irgendwas, Entscheidungen würden immer wieder verhindert. „Es ist unerträglich unserer so wichtigen Arbeit nachzugehen“, schreiben die Verfasser der Mail, die mit „Zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LLBB“ unterzeichnetet ist. Der Pressesprecher der LLBB hingegen erklärte in Absprache mit den zuständigen Staatssekretärinnen: „Durch die Organe des LLBB werden die laufenden Geschäfte und Projekte des LLBB sichergestellt.“ Eine Gefährdung des Dienstbetriebes sei nicht erkennbar.
Telegramm
Die Polizei hat am Dienstagmorgen eine Schule in Mitte evakuiert. Die Rede war zunächst von einer „Gefahrenlage“. Wenig später dann die Entwarnung – es wurden keine verdächtigen Personen in der Schule gefunden.
An der Spreewald-Grundschule in Berlin-Schöneberg wird ab heute erneut ein privater Wachschutz eingesetzt. Der Bezirk wolle mit dieser Maßnahme zur Beruhigung der Situation an der Schule beitragen, heißt es. In der Vergangenheit war die Schule mehrfach aufgefallen, weil sich sowohl Eltern als auch Schüler übergriffig verhalten und schulfremde Personen das Gelände betreten hatten.
Der selbst ernannte „Volkslehrer“ Nikolai N. wehrt sich gerichtlich gegen seine fristlose Kündigung durch die Berliner Schulverwaltung. Sein Vorwurf: Diese sei politisch motiviert. Zu Erinnerung: Der Grundschullehrer selbst hatte via YouTube Verschwörungstheorien und Hetze verbreitet. Die Geschichte des Holocaust hatte er „eine Geschichte voller Lügen“ genannt.
Unter dem Ausruf „Nazis brauchen keinen Badespaß“ soll dem AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland am Dienstag vergangener Woche an einer Badestelle am Potsdamer Heiligen See Kleidung gestohlen worden sein. Die Polizei bestätigte auf Nachfrage Tatzeit, -ort, -und -bestand. Gauland bestätigte der „B.Z.“, dass er es war, der beklaut wurde. In den sozialen Medien wird derweil ein Foto verbreitet, auf dem der Politiker nur in Badehose und in Begleitung einer Polizeibeamtin zu sehen ist. Hier im CP ist es absichtlich nicht verlinkt. Häme und Hass muss man nicht mit Häme und Hass begegnen.
Eigentlich sollte Horst Seehofers großes Heimatprojekt an diesem Mittwoch vom Kabinett auf den Weg gebracht werden: Einsetzung der Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ stand auf dem Programm, aber der Punkt wurde abgesetzt. Dem Vernehmen nach gibt es noch Abstimmungsbedarf in der Bundesregierung, wer denn nun wie eingebunden wird und welcher Minister in welcher der geplanten sechs Arbeitsgruppen den Hut aufhaben soll. Horst ist also erstmal weiter auf Heimatsuche.
Wegen einer fehlenden Rettungsgasse mussten Sanitäter und Notarzt vier Kilometer über die Autobahn 24 laufen, um zwei Schwerverletzten zu helfen. Die Freiwillige Feuerwehr macht den Verkehrsteilnehmern nur bedingt Vorwürfe: Problematisch waren auch die enge Streckenführung und das hohe Verkehrsaufkommen. Trotzdem der wichtige Hinweis: Rettungsgasse immer offenlassen, bis der Verkehr wieder läuft. Kann im Ernstfall Leben retten.
Hier noch der freundliche Hinweis auf dem LED-Verkehrsleitsystem am ICC: „Mo - Fr Polizeikontrollen: Rad- und Busspuren freihalten.“ Ab Samstag dann wieder business as usual.
Ein 30-Tonner wurde gestern in der Maaßenstraße gesichtet. Es ging nicht voran. Und mehr muss man zum derzeitigen Stand des Modellprojekts „Begegnungszone“ eigentlich nicht sagen.
Mit Dank an Kirstin Lemke noch ein Nachtrag zur Meldung über die bestens gelaunte Busfahrerin (CP von gestern): Der Kommentar der BVG „die kann nicht von uns gewesen sein“ trifft tatsächlich zu. Die Linie 106 wird von einem Subunternehmer (der Omnibusgesellschaft Hartmann GmbH) betrieben. Kurz nachgefragt: „Der Durchschnitt unserer Leute ist recht nett und freundlich. Es kommt aber auch vor, dass sie mal super nett sind.“
Kirstin Lemke selbst hat allerdings auch schlechte Erfahrungen gemacht: Nachdem sie beim Anfahren eines Busses der Linie 106 derartig stürzte, dass sie ihr Schlüsselbein brach, verwies die BVG in Sachen Schadensersatz ebenfalls an die Firma Hartmann. Die entsprechende Klage ist beim Landgericht eingereicht.
Zum Schluss noch eine Randnotiz aus der „Hauptstadt der Digitalisierung“. Im Hauptausschuss (Bezirk Mitte) wurde gestern Abend der „Stand der Stellenbesetzungsverfahren konkret auf die einzelnen Ämter bezogen“ vorgestellt. Um die zusammenzutragen wurden die 100 Stellen bei den einzelnen Ämtern abgefragt und händisch in einer Tabelle zusammengefasst. Dazu die Randbemerkung von Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel: Anhand der Antworten sei erkennbar, wie professionell die Ämter arbeiten. Ob entsprechend Fleißsternchen verteilt wurden, ist nicht bekannt.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
"Wir haben damals die klassische Eckkneipe besungen, die steht heute unter Naturschutz. Die „Kreuzberger Nächte“ sind im Alt-Berlin entstanden – da ist heute ein Latte-Macchiato-Laden namens Uschi Nation drin. Immerhin wird die ehemalige Wirtin Ursula Montinaro noch im Namen gewürdigt."
Mit ihrem Lied „Kreuzberger Nächte“ landeten Beppo Pohlmann und die Gebrüder Blattschuss einst einen Hit. 30 Jahre später verpasst der türkischstämmige Rapper Sultan Tunc dem Lied in einer orientalischen Version neue Beats. Die Berliner Zeitung hat sie gemeinsam zum Doppelinterview getroffen.
Tweet des Tages
"Sind wir zu tolerant gegenüber dem Islam? Das ist unser Thema morgen im Anschluss an den Spielfilm Unterwerfung. Es diskutieren Julia Klöckner, Jan Fleischhauer, Natascha Kohnen, Necla Kelek, Haluk Yıldız – morgen 21:45 im Ersten."
Tweet des Tages
"Gestern fragt Plasberg @hartaberfair, wie kriminell Flüchtlinge sind. Morgen will Maischberger wissen, ob wir zu tolerant ggü dem Islam sind. Geht‘s noch?"
Tweet des Tages
"Die Islamdebatte: Wo endet die Toleranz? Das ist unser Thema morgen im Anschluss an den Spielfilm Unterwerfung. Es diskutieren Julia Klöckner, Jan Fleischhauer, Natascha Kohnen, Necla Kelek, Haluk Yıldız – morgen 21:45 im Ersten."
Tweet des Tages
"MUSS ICH HIER JETZT AUCH NE LISTE MIT MAISCHBERGER-SENDUNGSTITELN MACHEN, ODER WAS? DENKT DOCH EINFACH MAL SELBER NACH, WELCHE THEMEN IHR SETZT, MAN!"
Antwort d. Red.: Sie hat die Liste erstellt. Für „hart aber fair“ und für „Maischberger“.
Stadtleben
Zum Lunch auf die Sommerterrasse: Der gerade als „Aufsteiger des Jahres“ nominierte Küchenchef Nicholas Hahn kocht abends im Restaurant am Steinplatz in höchsten Sphären. Aber auch sein Lunch-Angebot ist nicht ohne, als Sommerspecial kommt derzeit (bis 15. Juni) auf den Tisch: Ceviche mit grüner Papaya, Tofu und Erdnüssen, Kräuteromelette mit Basmatireis, Pasta mit Miesmuscheln und Chickenwings mit Mais und Rohkostsalat. Dazu gibt es ausgefeilte Vorspeisen wie Kaltschale mit geräucherter Forelle. Zwei Gänge mit Wasser und Kaffee gibt es zu sehr fairen 19 Euro, mit Dessert (Panna Cotta oder Kaffeeeis) für 23 Euro. Steinplatz 4 (S-/U-Bhf Zoologischer Garten), Charlottenburg
Und gleich noch ein Tipp aus unserer „Mehr Genuss“-Redaktion: Diese Woche wird nämlich (nicht nur) in Berlin einem Drink ganz besonders gehuldigt - dem Negroni. Die Mischung aus Campari, Gin und Wermut begleitet bereits seit 1919 unzählige Sommernächte, doch der Klassiker existiert in so vielen Nuancen wie es versierte Bartender gibt. Zur Negroni-Week lohnt sich ein Abstecher u.a. ins House of Gin im Hotel Palace in Charlottenburg (Budapester Straße 45) oder dem Windhorst in Mitte (Dorotheenstraße 65). Welche Bars sich noch beteiligen, steht hier.