Berlin ist sich einig: Der Rücktritt von (jetzt Ex-)Bausenatorin Katrin Lompscher, der gänzlich ohne Politrumdruckserei vollzogen wurde, verdient „Respekt“ und „Anerkennung“. Weniger eindeutig fällt die politische Bilanz aus. Das Spektrum reicht von „Ein großes Dankeschön für Deinen unermüdlichen Einsatz für die Mieter*innen dieser Stadt“ (Linken-Fraktionschef Carsten Schatz) bis zu „Der Regierende muss diese Chance jetzt nutzen, um die ideologische Geiselhaft Berlins zu beenden“ (FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja). Die Nachfolge könnte sich mit Staatssekretär Sebastian Scheel, der Lompscher-Vertrauten Katja Jösting oder bis-vor-kurzem-Fraktionschefin Carola Bluhm relativ schnell lösen. Einen größeren R2G-Um-und Aufbruch soll es dem Vernehmen nach nicht geben. Dabei böte sich jetzt, ein Jahr vor der Wahl, die einmalige Chance, nochmal durchzustarten – personell wie politisch. „Es wissen doch alle, wo die Schwachstellen sind, und auch, dass ein großer Wechsel mit dem Abgang von Michael Müller ohnehin kommt“, kommentiert Lorenz Maroldt heute im Tagesspiegel. „Warum nicht das Jahr noch nutzen? Warum nicht Prioritäten setzen und pragmatisch entscheiden, anstatt sich immer mehr zu verzetteln mit nebensächlichen Themen. Wie wäre es mal mit Pop-up-Politik statt der täglich gleichen Tristesse zwischen Behördenpingpong und Amtsmikado.“

Um das Anforderungsprofil für die neue Stadtentwicklungsspitze zu schärfen, haben wir Tag eins nach dem Rücktritt genutzt, um konkrete Forderungen aus der Bau- und Wohnungswirtschaft zu sammeln. Wo doch sonst alle immer so berlinlaut schreien, wird es die doch sicher in großer Anzahl geben? Oder? Oder auch nicht. Die Deutsche Wohnen hat die Anfrage erst gar nicht geantwortet. Die landeseigene Gewobag wollte ebenso wenig ein Statement abgeben wie Christoph Gröner von der CG-Gruppe. Der Mieterverein verweist auf eine Mitteilung, die vor allem daraus besteht, der alten Bausenatorin hinterher zu trauern. Die Initiative „Deutsche Wohnen & Co.“ will sich dagegen wehren, dass „die Immobilienlobby und ihre Verbündeten in CDU und FDP“ den „bedauerlichen Rücktritt von Frau Lompscher zu nutzen, um eine unsoziale Mietenpolitik durchzusetzen“. David Eberhard, Sprecher vom Verband Brandenburgischer Wohnungsunternehmen, fordert „pragmatische Lösungen im Sinne der wachsenden und sozialen Stadt“ (immer gut!). Allein Kerstin Huth, Vorsitzende des IVD Berlin-Brandenburg, fordert konkret: „Eine gute Baupolitik, die Wohnungsbau und Bestandsmodernisierung in Berlin voranbringt, ist existentiell. Bauen sollte jetzt zur Chefsache werden.“ Mit Grüßen an Herrn Müller.
Weiter geht’s mit einem eher ungewöhnlichen Fall von Behördenpingpong. Ungewöhnlich deshalb, weil ausnahmsweise darum gestritten wird, wer zuständig sein *darf*. Das Land Berlin und die Galeria Karstadt Kaufhof GmbH haben sich in einer Absichtserklärung mit der Signa-Gruppe darauf geeinigt, die Filialen Ring-Center (Frankfurter Allee), Müllerstraße (Wedding), Tempelhofer Damm und Wilmersdorfer Straße zu retten. Im Gegenzug will der Senat Signa bei der Realisierung diverser (umstrittener) Bauvorhaben entgegen kommen.
Alle zentralen Projekte „am Kurfürstendamm, am Hermannplatz und am Alexanderplatz werden angepasst und zu Projekten gesamtstädtischer Bedeutung. Der Senat sichert hier in Zusammenarbeit mit den Bezirken eine enge Kooperation zu“, heißt es in der Mitteilung. Klingt nach: Der Senat übernimmt die Federführung u.a. beim Karstadtneubau am Hermannplatz. Vorab informiert wurde der bis dato zuständige Xhain-Baustadtrat (und Projektgegner) Florian Schmidt (Grüne) nicht.
Dem Checkpoint sagte er: „Der Senat beabsichtigt offenbar, dem Bezirk die Zuständigkeit für das Bebauungsplanverfahren zu entziehen. An der fachlichen Bewertung der Stadtentwicklungsämter von Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln ändert dies nichts. Natürlich erwarten wir, dass die Leitlinien für Bürgerbeteiligung volle Anwendungen finden und das Verfahren genauso transparent wie ergebnisoffen ist.“ Man werde das dem Senat vorschwebende Vorgehen „prüfen und dann entscheiden, ob und wie wir uns daran beteiligen können“. Ping… pong.
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Reden ist Silber, Zuhören ist Gold. Rund 20 Checkpoint-LeserInnen haben sich am gestrigen Abend – natürlich coronakonform auf 1,5 Metern Abstand – im Tagesspiegel-Innenhof versammelt, um gemeinsam mit Moses Pölking über seine Petition zur Umbennenung von „Onkel Toms Hütte“ zu diskutieren. Grün-Schwarze Bezirksverordnete waren ebenso vertreten wie Anwohner, „die teilweise schon ihr gesamtes Leben in der Onkel-Tom-Straße wohnen“. „Die Menschen fühlen sich mit dem Ort und dem Namen verbunden“, sagt einer. „Ich verstehe nicht, warum das rassistisch sein soll“, sagen mehrere. „Verletzte Gefühle sind für mich das stärkste Argument für eine Straßenumbenennung“, sagt Moses Pölking. „Seit mehr als fünf Jahren habe ich an der Station ein ungutes Gefühl, wenn ich aussteige. Das löst Dinge in mir aus, erinnert mich daran, wie ich als Kind Negerküsse essen sollte und dass ich beim Basketball als Nigger bezeichnet werde. Daran, dass Leute mir immer wieder sagen, ich solle dahin gehen, wo ich herkomme. Ja, wohin denn? Nach Moabit? Nur, weil Leute das nicht verstehen, bedeutet das nicht, dass er weniger schlimm ist.“
Weil manchmal ja schon Fragen helfen, den eigenen Horizont zu erweitern, hier noch ein paar Anstöße, die in der Debatte aufgekommen sind – zum Nachdenken und Weiterreichen: Nach wem wurde „Onkel Toms Hütte“ eigentlich benannt – nach dem lokalen Wirt oder dem Buch von Harriet Beecher Stowe aus dem Jahre 1851? Ist das Buch rassistisch oder ein „Anti-Sklaverei-Buch“? Welche Rolle hat Onkel Tom in dem Roman? Wurde er als Sklave entmenschlicht oder war er ein Held? Wussten Sie, dass Onkel Tom in den USA als Schimpfwort genutzt wird? Spielt das Buch für die aktuelle Debatte überhaupt eine Rolle? Haben nur AnwohnerInnen das Recht, mitzudiskutieren, weil sie das Privileg haben, zufällig dort zu wohnen? Gehört der Name „Onkel Toms Hütte“ zur Berliner Identität? Was wiegt wichtiger: die Berliner Identität oder der Bezug zur Sklaverei? Was würden Nachfahren von Sklaven zu dem Namen sagen? Wie relevant sind internationale Interpretationen für eine lokale Sache? Wie relevant sind persönliche Empfindungen für eine gemeinschaftliche Entscheidung? Würden Sie sagen, dass Sprache Menschen verletzen kann? Wer definiert, was verletzt? Und: Wem tut das weh, wenn die Straße umbenannt wird?
„Erzähl mal weiter“ – gemeinsam mit AutorInnen und Ihnen wollen wir während der Sommerferien Fortsetzungsgeschichten schaffen. Den Auftakt der letzten Woche machte Berit Glanz (hier zu lesen). Heute folgt Teil 2.
Stalagmit
von Berit Glanz und (heute) Uwö
Zumindest war der Akku noch voll genug, um sich ein wenig abzulenken, dachte sie und öffnete... die Brusttasche ihrer Latzhose, um ihre geliebten Tarot-Karten herauszuholen. Gerade hatte sie die erste Reihe gelegt, als ein quietschendes Geräusch sie hochfahren ließ. Es kam aus einer Ecke hinter ihr. Sie sammelte sich und lauschte, nichts. Ein zaghaftes „Hallo“ kam über ihre Lippen und dann nochmals mit festerer Stimme: „Hallo, ist da jemand?“ Aber nichts rührte sich. Auch wenn es ihr kindisch vorkam, klopfte sie nun mehrfach ein SOS an die geschlossene Eingangstür, in der Hoffnung, jemand würde den Krach hören. Plötzlich hörte sie wieder das quietschende Geräusch hinter sich, doch bevor sie reagieren konnte, legte der Feueralarm los als gäbe es kein Morgen...
Und jetzt sind Sie gefragt – Wie soll es weitergehen? Schicken Sie uns Ihre Fortsetzung (maximal 600 Zeichen) bis spätestens heute um 16 Uhr an checkpoint@tagesspiegel.de. Die beste Idee veröffentlichen wir morgen im Newsletter. Und die gesamte Geschichte (deren Ende wiederum Berit Glanz am Freitag schreiben wird) lesen Sie am Wochenende im Tagesspiegel und auf Tagesspiegel.de.
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Kommenden Montag enden bereits die Berliner Ferien, da ist es mit dem Ende des Berliner Sommers auch nicht mehr weit her… Zeit für eine touristische Zwischenbilanz. „Aus Gesprächen mit Hotels wissen wir, dass es im Juni und Juli zwar schon eine gewisse Auslastung gegeben hat – auch wegen der Ferien – aber im Vergleich zum Vorjahr liegt die Auslastung gerade mal zwischen 30 und 40 Prozent“, sagt „visitBerlin“-Sprecher Christian Tänzler am Checkpoint-Telefon. Hostels seien durch das Wegbleiben jüngerer Menschen oder Studenten „besonders betroffen“. Ein letzter Hoffnungsschimmer: „Die Ferien in Bayern und Baden-Württemberg gehen ja noch bis September, wir hoffen, dass uns das einen Vorteil bringen wird.“ Keine sonnigen Aussichten.
Vielleicht wird ja Rudow Berlins neuer Publikumsmagnet. „Was soll ich alle zehn Minuten in Rudow?“, hatten wir an dieser Stelle gestern gefragt (weil die U7 nicht mehr alle fünf fuhr). Die Antworten kamen natürlich prompt. „5.151 Mitglieder der Nachbarschaftsgruppe ‚Rudow-News‘ haben gesammelt und ich darf Ihnen eine kleine Auswahl präsentieren“, schreibt uns CP-Leser Hannes Rehfeldt und wir präsentieren die Top 10 an dieser Stelle gerne weiter: 1) Man kann täglich den Leuten beim „Katzen-finden, -suchen und so weiter behilflich sein“ 2) Rudow ist die neue Mitte 3) Nahe der Stadtgrenze sind „die Luft und das ganze Drumherum“ noch in Ordnung 4) Der Hermannplatz ist weit weg 5) Rudow ist „das geilste Dorf der Welt. Wir haben Berge, Grundwasser, ein Jagdschloss und bieten die einzige Zufahrt zum Flughafen an!“ 6) Man kann alle zehn Minuten nachschauen, ob der Flughafen schon fertig ist 7) Man kann auf dem Wochenmarkt „gemütlich (!)“ einkaufen 8) Man kann nette Rudower kennen lernen 9) Dank der Straßennamen lernt man etwas über tolle Pflanzen und Frauen 10) Lieber alle 10 Minuten nach Rudow – als nach Spandau. Was soll ich alle zehn Minuten in Spandau?
Berliner Schnuppen
Telegramm
Jeden Tag landen in Berlin laut Flughafengesellschaft rund 2.000 Passagiere aus sogenannten Risikogebieten. Seit Mittwoch bzw. Freitag gibt‘s deshalb in Tegel bzw. Schönefeld eine freiwillige (und kostenfreie) Corona-Teststelle. Bis Montagmittag wurden 2.300 Rückkehrer auf Covid-19 getestet. „Knapp ein Prozent der getesteten Personen waren positiv“, teilte Charité-Vorstand Ulrich Frei mit. Wann die bundesweit angekündigte TestPFLICHT kommt, konnte das Gesundheitsministerium auf Checkpoint-Anfrage nicht sagen.
Sind 17.000 (Polizei), 1,3 Millionen (Veranstalter) oder 19 Trilliarden (Postillon) Demonstranten am Samstag gegen die Corona-Politik (und für Corona) auf Berlins Straßen gegangen? CP-Kollege Julius Betschka hat sich dieser neuesten Verschwörungstheorie seriös angenommen. Sein Fazit: „Die Zahlen der Polizei sind deutlich realistischer einzuschätzen.“ Unabhängige CP-Analyse: Es waren zu viele.
Wie verrückt die aktuellen Zeiten sind, beweist die folgende Meldung: Linke und Grüne wollen mehr Polizei und härtere Auflagen bei Corona-Protesten. Linkes Law & Order. Zu Recht.
Eigentlich sollte morgen, am Mittwoch, die traditionelle Schuljahresanfangspressekonferenz stattfinden, bei der es in den letzten Jahren immer vor allem um den Lehrermangel ging. In diesem Jahr wurde die PK gestrichen, weil Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) bereits heute nach der Senatssitzung erzählen will, wie der Unterrichtsbeginn organisiert wird. Checkpoint-Prognose: Bestimmt gibt’s so viel zu sagen: dass für die fehlenden Lehrer die Zeit fehlt.

Das Projekt @wasihrnichtseht macht Rassismuserfahrungen von Schwarzen sichtbar. Wir machen das durch eine Kooperation an dieser Stelle auch.
Eine Meldung, die man zweimal lesen muss: „Sarrazin verlässt die SPD – freiwillig“. Moment mal. Achso, … gemeint ist Ursula. Sie folgt ihrem Mann.
Fünf Jahre ist „Wir schaffen das“ her. Rückblickend sagt Berlins Regierender, er habe nie das Gefühl gehabt, dass Berlin es nicht schaffen könnte. „Es war von Anfang an zu spüren, dass wir viel Unterstützung von den Berlinerinnen und Berlinern erhalten und auch mit der Zeit immer besser geworden sind mit der Aufnahme von Geflüchteten.“ Und die Verwaltung? Habe aus dem Chaos gelernt. (Q: rbb Inforadio)
„Das ist ein Verschiebebahnhof, den die SPD seit Monaten betreibt“, sagt Grünen-Fraktionsvorsitzende Antje Kapek heute über die Verzögerungstaktik des Koalitionspartners beim Thema Flüchtlingsaufnahme. Innenminister Horst Seehofer (C!SU) hatte die verboten, Grüne und Linke fordern deshalb eine Klage, der Sprecher von Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagt: „Den Menschen in Moria hilft kein – womöglich jahrelanger – Rechtsstreit zwischen dem Land Berlin und dem Bund.“ Klassischer Fall von Betriebsstörungsbingo.
Tödliches Déjà-vu: In Adlershof hat ein Lkw-Fahrer am Montag die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und einen 35 Jahre alten Radfahrer getötet. Laut ADFC war es der zwölfte getötete Radfahrer auf Berlins Straßen in 2020 – die Hälfte davon starb durch Lkw-Unfälle.
Ein Kleinkind mit Sonnenbrille und Banane vor einem Sportwagen. Dazu der Spruch: „Lässt dein Herz schneller schlagen – in jeder Hinsicht“. Hat bei vielen offenbar für Bluthochdruck gesorgt und war wohl nicht die cleverste Idee, gibt Audi nun selbst zu. „Wir entschuldigen uns für diesen unsensiblen Schritt aufrichtig und sorgen dafür, dass dieses Motiv künftig nicht mehr verwendet wird“, heißt es auf Checkpoint-Anfrage. Werbung – aber für die andere Seite.
Die Checkpoint-Laufgruppe lässt das Herz auch schneller schlagen – solange Sie teilnehmen. Die nächste Möglichkeit dazu gibt’s bereits am Samstag auf dem Tempelhofer Feld. Treffpunkt ist um 11 Uhr am nördlichen Eingang (Herrfurthstraße), wir bringen, wie immer, ein Auto für Wechselklamotten, Getränke und eine Kontaktliste mit. Gemeinsam, aber mit Abstand geht‘s 6 bzw. 12 Kilometer rund.
Beef in der Unterwelt: Rapper Bushido wirf seinem früheren Kumpel und Clan-Chef Arafat Abou-Chaker Freiheitsberaubung, gefährliche Köperverletzung, Nötigung, Beleidigung und Untreue vor. Geklärt werden soll der Streit aber – ganz bürgerlich – vor Gericht.
Warten auf mehr Transparenz: Vor mehr als einem Jahr startete die Initiative Volksentscheid Transparenz ihre Unterschriftensammlung. Seit Beginn dieses Jahres wartet die Initiative auf Antwort: Nach erfolgreicher Übergabe von ca. 33.000 Unterschriften an die Innenverwaltung und Mitteilung über die formale Zulässigkeit, lässt die rechtliche Zulässigkeitsprüfung durch die Innenverwaltung auf sich warten. „Wir sind extrem frustriert“, sagt Sprecher Arne Semsrott. Wo nicht gearbeitet wird, braucht’s auch keine Transparenz.
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Sie möchten sich sinnvoll engagieren, aber wissen nicht wo? Unser Newsletter „Ehrensache“ informiert Sie jeden Monat über die vielfältigen Möglichkeiten des Engagements, Charity und Ehrenamt in der Hauptstadt. Außerdem: Nachrichten rund um alles, was Ehrenamtler in Berlin und Brandenburg beschäftigt. Anmeldung unter: ehrensache.tagesspiegel.de
Berlin hat einen neuen Antisemitismusbeauftragten. Der Professor für Politikwissenschaft, Dr. Samuel Salzborn, der sich laut eigener Aussage seit gut 20 Jahren mit dem Thema „in all seinen Facetten“ auseinandersetzt, übernimmt und sagt: „Wir müssen uns gleichermaßen mit Präventionsfragen und mit Intervention und schließlich der Frage der Repression beschäftigen.“ Niemand komme als Antisemit auf die Welt.
„Du bist bei uns ein Profi, was Sauberkeit angeht?“, fragt die Deutsche Bahn. Es werden Fahrzeugreiniger (w/m/d) für die S-Bahn Berlin eingestellt.
Es kann so einfach sein: Deutschland hat einen neuen Bundespräsidenten! Also, bis zum 12. August. So lange darf Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) Urlaubsvertretung für Frank-Walter Steinmeier machen. Die Brandenburger SPD spricht von einem „Fun Fact“.
Die wahrscheinlich schon jetzt gemütlichste Pressemitteilung dieser Woche kommt von MdB Klaus-Dieter Gröhler. Titel: „Gröhler startet Grillsaison – Bürgersprechstunden bei Bratwurst und Getränk im August“. Mit einem mobilen Stand will der CDU-Mann durch Charlottenburg-Wilmersdorf touren, „vegetarische und vegane Alternativen“ inklusive. Ein Wink für Schwarz-Grün?
Bleiben wir kulinarisch: Am heutigen Dienstag ist sowohl Tag des Weißweins als auch
Tag der Schokoladentropfen-Kekse. Und spätestens jetzt wissen Sie, wie ich meinen Abend verbringe.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Mit Anfang 30 sollte man sich ruhig vor Augen führen, dass man mehr als doppelt so alt ist wie die jüngsten Mitglieder im eigenen Laden. Dann wird es Zeit, zu gehen.“
Juso-Bundeschef Kevin Kühnert gibt sein Amt vorzeitig ab und will für die Bundestagswahl im Herbst 2021 im Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg kandidieren.
Tweet des Tages
wenn ihr in berlin an einen see wollt, verzweifelt ihr dann auch immer an einem ‚das sind die 23 besten seen in berlin‘-artikel statt an einen see zu fahren
Stadtleben
Lesereise – Auf eine Reise mit ungewissem Ausgang nimmt uns heute Silke Johannes von der Buchhandlung Godolt mit: „Der junge Mann ist 13. In den Sommerferien arbeitet er an der Tankstelle und verliebt sich in Elsa, die allerdings mit Tscho, dem LKW-Fahrer, verheiratet ist. An der Tankstelle ist der junge Mann immer bestens informiert, wann und wo Tscho unterwegs ist und er Elsa heimlich Englischunterricht geben kann. Eines Tages erwartet Tscho, dass der junge Mann ihn auf einer Tour nach Griechenland begleitet, als Dolmetscher. Er hat keine Ahnung, wieviel Tscho von der Liason mit Elsa weiss. Die Stationen, die die beiden anfahren, werden allerdings immer suspekter. Leider kann hier nicht gespoilert werden, nur soviel: das Ende ist anders, als man erwartet.“ Junger Mann von Wolf Haas ist 2018 bei Hoffmann und Campe erschienen.
Urlaub ganz nah – Das Alte Museum in Mitte präsentiert bis zum 29. September „Starke Typen. Griechische Porträts der Antike". Zu sehen sind dort u.a. marmorne Porträtköpfe historisch bedeutender Dichter, Strategen, Philosophen und Könige. Ein Ticketkauf vorab erforderlich und hier möglich. Di-So 10-18 Uhr, Am Lustgarten, S-Bhf Hackescher Markt
Trinken – Das D59B, Café und Bar zugleich, gibt es noch nicht allzu lange. Unter den Friedrichshainern scheint es sich trotzdem bereits rumgegesprochen zu haben. In gemütlichem Ambiente treffen sich dort tagesüber Menschen zum Spezialitäten-Kaffee trinken. In den Abendstunden ist dann eher Craft Beer und Naturwein angesagt. Di-So 12-0 Uhr, Stralauer Allee 20a, S-Bhf Ostkreuz/Treptower Park
Das ganze Stadtleben – mit täglich neuen Ideen für den spontanen Urlaub vor der Haustür – gibt's mit Tagesspiegel-Plus-Abo.

Essen – Mediterranes Flair mit Spreeblick bietet das arabisch-orientalische Cana Restaurant am historischen Hafen auf der Fischerinsel. Das Cana ist nach dem Dorf bei Nazareth benannt, aus dem der Inhaber und Chefkoch Mohanad Zureiki ursprünglich kommt. Dort soll Jesus Wasser zu Wein verwandelt haben. „Zu uns kommen Menschen, die gutes, qualitatives Essen schätzen. Vegetarier, Veganer und Fleischesser fühlen sich bei uns wohl", sagt Asia Zureiki, die Managerin des Restaurants. Sehr beliebt ist die „Karawane der Köstlichkeiten", eine Vorspeisenplatte für Zwei, mit zwölf Schälchen, die jeweils verschiedene Spezialitäten enthalten (chef´s choice), z.B. gegrillte Auberginen, Falafel, Hummus und Tabouleh-Salat. Wer hat Lust, eine Karawane der Köstlichkeiten zu zweit auf der Terasse des Cana zu verspeisen und dazu einen Sommercocktail zu genießen? Eine Teilnahme an der Verlosung ist bis 12 Uhr möglich.
Noch hingehen – Bis zum 6. August sind im Kunsthaus KuLe in der Auguststraße 10 die Werke des queeren Künstlers Victor Hensel-Coe in der Foto-Ausstellung Berlin is Wonderland zu sehen. Die Fotos dokumentieren Coes erste zwanzig Monate in Berlin und thematisieren Mode, Fetisch, die Clubszene und persönliche Beziehungen. S-Bhf Hackescher Markt
Rock 'n' Roll – Das Regenbogenfamilienzentrum Berlin lädt zum gemeinsamen Rollern mit Inlinern, Rollschuhen, Laufrädern, Rollis, Kinderwagen oder Tretrollern über das Tempelhofer Feld ein. Los geht´s um 15 Uhr. Solche Treffen soll es in Zukunft öfter geben, dann aber immer mittwochs. Treffpunkt ist der Eingang zum Feld auf der Seite des S+U-Bahnhofs Tempelhof.
Lesung – (Ein Tipp von Ticket-Kollege Ingolf Patz) Vorne Palmen, hinten Eisberg. Das neue Buch der Berliner Autorin Charlotte Krafft hat zwei Seiten, von denen man beginnen kann und einen langen Titel: „Die Palmen am Strand von Acapulco, sie nicken: Eine endlose Geschichte über den Tod in einer fremden Welt“. Krafft, Gründungsmitglied der Literatur-Clique Rich Kids Of Literature und Entdeckerin der „Hyperironie", stellt heute um 18 Uhr bei den Festspielen am Plötzensee jede Menge merkwürdige Gestalten vor, z.B. eine Forscherin, die extraterrestrischen intelligenten Schleim entdeckt hat, einen Mörder, dessen Bewusstsein in einer Schneekugel gefangen ist und „last but not least" Ben Becker.
Full Moon in Mitte – Das Stadtmuseum lädt zu einem nächtlichen Spaziergang durch das Nikolaiviertel bei Mondschein ein – gestern Nacht war Vollmond, mit ein bisschen Glück und wolkenlosem Nachthimmel sollte also einiges zu entdecken sein. Der Eintritt ist kostenlos, aber eine vorherige Anmeldung ist per Mail oder unter 030 24002162 erforderlich (noch sind einige Plätze für die Tour um 22.30 Uhr frei, Interessierte sollten sich bestenfalls heute Vormittag für die verbleibenden Plätze melden). Alternativ gibt es morgen zwei weitere Spaziergänge um 21.30 und 22.30 Uhr.
Insel-Check
Team Checkpoint hat die Segel gehisst und alle Berliner Inseln besucht – es sind mehr als 50. An dieser Stelle und auf Instagram stellen wir Ihnen täglich eine davon vor. Und oben drauf gibt’s unser Inselquartett – zum Ausschneiden für lange Autofahrten in den Ferien und Sommer-Sehnsucht im Winter.
Der Seddinwall, der große, war jahrzehntelang ein vom Berliner Kanuverband betriebener Natur-Campingplatz für Wasserwanderer. In diesem Jahr ist Schluss damit, weil die Senatsverwaltung den Ende April ausgelaufenen Pachtvertrag nicht verlängert hat. Der Kanuverband hält das Argument der Forsten, die hohen Bäume seien wegen möglicher Abbrüche und Umstürze potentiell lebensgefährlich, für vorgeschoben: Man habe sich regelmäßig gekümmert. Ganz aufgegeben haben die Kanuten die Hoffnung noch nicht, aber im Moment gehört der Seddinwall den Tagesausflüglern und der Natur, die hier beispielsweise in Gestalt von Bibern und Fischottern gastiert. Im Übrigen wusste auch Theodor Fontane schon einiges über die Insel zu berichten.
Text: Stefan Jacobs
Berlin heute
Verkehr – Kreuzung Landsberger Allee/ Blumberger Damm (Marzahn): Wegen Gleisbauarbeiten ist auf der Landsberger Allee stadteinwärts das Linksabbiegen in den Blumberger Damm nicht möglich. Auf dem Blumberger Damm gibt es in beiden Richtungen Fahrstreifenreduzierungen für ca. drei Wochen (ab 9 Uhr).
Fehrbelliner Platz (Wilmersdorf): Ab morgens steht auf der Brandenburgischen Straße Richtung Berliner Straße zwischen Westfälischer Straße und Hohenzollerdamm sowie auf dem Hohenzollerndamm Richtung Bundesallee in Höhe Brienner Straße jeweils bis vsl. 11.8. nur ein Fahrstreifen zur Verfügung.
A114 (Pankow-Zubringer): Stadteinwärts ab Schönerlinder Straße bis Pasewalker Straße gesperrt (20-5 Uhr).
Demonstration – „Auf den Tempelhofer Damm muss jetzt ein Radweg hin” fordern 50 durch Changing Cities e.V. angemeldete Teilnehmende vor dem Rathaus Tempelhof (8-8.30 Uhr). „Gegen Verdrängung und Luxussanierung” protestieren im Wedding in der Müllerstraße 146 etwa 50 Teilnehmende (11-13 Uhr). „Werte unserer Verfassung, wo sind sie geblieben?” fragen 50 Demonstrierende am Alexanderplatz in Mitte. Anmelder ist die Run the Race e.V. (13.30-19 Uhr). Etwa 200 Teilnehmende treffen sich am Maybachufer 20-21 zu der Demo „1. Milieuschutzgebiet Reuterkiez 2. Wir fordern die Ausübung des bezirklichen Vorverkaufsrechts vom Bezirk Neukölln“ (11-19-30 Uhr).
Gericht – Eine Busfahrerin, die in einem Streit mit einem Radfahrer absichtlich auf den Mann zugefahren und einen Zusammenprall verursacht haben soll, muss sich u.a. wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und gefährliche Körperverletzung verantworten (9.15 Uhr, Amtsgericht Tiergarten, Kirchstraße 6, Saal 2108).
Heimuniversität – Seit dem 27. Juli können SchülerInnen im Rahmen der Sommeruni der Freien Universität online in die Welt der Naturwissenschaften und technischen Forschung blicken. Heute gibt es z.B. einen Vortrag über Psychoaktive Pflanzen (ab 15 Uhr). Noch sind Restplätze vorhanden. Eine Anmeldung ist hier möglich.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Johannes Bauser (34), „Bambi bester Mann“ / Frank Bewig (45), Spandauer Stadtrat für Bauen, Planen und Gesundheit (CDU) / Dominic Boeer (42), Schauspieler und Autor / Andreas Bretschneider (31), Kunstturner / Knut Elstermann (60), Filmkritiker und Moderator / Peter Frey (63), Journalist, seit 2010 Chefredakteur des ZDF / Robert Jäger, Film-Mischtonmeister, „Herzlichen Glückwunsch von den Interaudioten!" / Armin Ledwinka (20), „Glückwünsche von Klaus und Holde" / Ginette Liebert (70), aus der Normandie und ehemalige Mitarbeiterin im OFAJ (Deutschen Französischen Jugendwerk) in Berlin, „Zum runden Geburtstag alles Liebe von ihrem Ehemann und den Kindern und Enkelkindern aus dem Rheinland!" / Kerstin Linnartz (44), Moderatorin und Autorin / Günther Schulze (70), Gründungsmitglied und Sprecher vom Willkommensbündnis für Flüchtlinge in Steglitz-Zehlendorf / Klaus Schulze (73), Komponist, Musiker und Produzent / Michael Skibbe (55), Fußballtrainer, 2011 für 50 Tage Trainer von Hertha BSC / „Happy Birthday Christian Wentzel!"
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Bernt Ammerlahn, * 12. November 1938 / Prof. Dr. Werner Dewitz, * 22. Februar 1932 / Stefan Hahn, * 6. Dezember 1961 / Uwe Schnegelsberg, verstorben am 20. Juli, Mosaik-Unternehmensbund
Stolperstein – Heinrich Keller (Jg. 1887) lebte in der Koppenstraße 31 in Friedrichshain. Am 4. August 1942 – heute vor 78 Jahren – wurde er in Meseritz-Obrawalde ermordet.
Encore
Wer sich schon immer den Traum von den eigenen vier Späti-Wänden ermöglichen wollte, hat derzeit gute Chancen. Mehr als ein Dutzend Kioske werden berlinweit auf Ebay-Kleinanzeigen angeboten. Da wären etwa ein „Spätkauf in Schöneberg nähe Hauptstraße“ für 65.000 Euro (VB), ein 15 Jahre alter „Spätkauf mit Amazon und Hermes“ in Neukölln für 35.000 Euro (VB) und ein 20-jähriger „Kiosk mit Lotto Post DHL“ in Reinickendorf für 55.000 Euro (VB). „Stammkundschaft inklusive.“ Wir ergänzen die Anzeigen an dieser Stelle um den Werbeslogan, der hier eigentlich stehen sollte. „Nutzen Sie Ihre einmalige Chance, sich auch am Sonntag einen offiziellen (und sogar privaten) Zugang zum RundumdieUhr-Bedarf zu sichern.“ Besser jetzt als zu späti.
Früh aufgestanden, um diesen CP zu unterstützen sind Vivien Krüger (Recherche), Felix Hackenbruch (Mitarbeit), Masha Slawinski (Stadtleben) und Katrin Maurer (Produktion). Die morgige Nacht macht für Sie Anke Myrrhe durch. Machen Sie's gut!