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Abgeordnete positiv getestetSchulprüfungen sollen nach Ostern stattfindenStandesbeamter bietet Trauung in seiner Küche an

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„Soziales Leben muss möglich sein“, sagte Michael Müller am Sonntag. Ein Satz, der nun seit zwei Tagen über der Stadt hängt, die zwischen Atemschutzmaske, Ausgehverbot und Aufgetautem irgendwie versucht, einen Alltag daraus zu machen. Schaffen wir das?
 
Den einen ist es zu viel, den anderen zu wenig – ist die Mitte das Maß? Eine Ausgangssperre mit ein bisschen Ausgang, die nicht so heißen darf, weil das hier eben R2G ist und nicht CSU?

Der Regierende geht jedenfalls davon aus, dass die Einschränkungen noch bis nach Ostern dauern werden. In der rbb-Senung „Wir müssen reden“ widersprach er gestern Abend der Gesundheitssenatorin seiner eigenen Partei, die am Montag alle Menschen über 70 aufgefordert hatte, sich in Quarantäne zu begeben. „Sie kennen ja meine Position zur Ausgangssperre, dann können Sie sich vorstellen, wie ich zur Quarantäne stehe“, sagte Müller.

Wie schnell sich die Lage verändern kann, sieht man am Beispiel der Abiturprüfungen. Erst wollte die Schulsenatorin gar nicht verschieben, nun sollen die Prüfungen nach den Osterferien stattfinden – und während der Regierende schon weiß, dass Corona dann sicher nicht weg ist, zögert Scheeres, die Prüfungen ganz abzusagen. Während sie noch versuchte, eine gemeinsame Linie mit Hamburg, Brandenburg und Schleswig-Holstein zu finden (die alle den Zeitdruck der frühen Sommerferien haben), hatte SH-Bildungsministerin Karin Prien bereits ihre Prüfungen abgesagt.

Was bleibt den anderen nun?

Aber wir gewöhnen uns ja zum Glück sehr schnell an alles. Oder hätten Sie vor zwei Wochen gedacht, dass Sie Menschen mit Masken im Supermarkt ganz normal oder sogar vernünftig finden würden? Doch die Welt heute ist eine andere, wir warten vorm Eingang wie einst an der Clubtür, hoffen auf Einlass, und dass noch was vom guten Stoff da ist (nicht dem, der so am Po kratzt). Auch gelten die alten Clubregeln: Abstand halten und wenn voll ist, ist voll.

Umfrage zu Gesichtsmasken

Seine Regierungserklärung will Müller jedenfalls am Donnerstag nachholen – und Stand heute, 6 Uhr, findet die Sitzung des Abgeordnetenhauses wie geplant statt, obwohl es nun auch im Abgeordnetenhaus zwei bestätigte Corona-Fälle gibt. Frank Zimmermann (SPD) und Martin Trefzer (AfD) sind positiv getestet worden und nun in Quarantäne. Zimmermann hatte sich nach dem positiven Testergebnis des israelischen Botschafters testen lassen (Müller selbst war negativ).

„Corona hat unser Land verändert“

Überhaupt gehen ja einige Dinge wesentlich harmonischer zu dieser Tage, „Corona hat unser Land verändert“, schreibt Staatssektretärin Sawsan Chebli (der Beitrag erscheint morgen im Tagesspiegel). „Ich meine nicht den Stillstand und die plötzliche Ruhe auf den Straßen und Plätzen.... Ich meine – nach all dem Hass, dem Rassismus und der Spalterei der letzten Zeit – das freundliche Gesicht, das unsere Gesellschaft angesichts der großen Herausforderung durch das Virus zeigt.

Heute exklusiv für Abonnenten:

Zwei Abgeordnete infiziert: Die neue Sitzordnung des Berliner Parlaments.

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Telegramm

Die Verkehrswende erledigt Corona übrigens gleich mit: Ein Datenanalyse des Tagesspiegel Innovation Lab zeigt, dass der Verkehr bereits in der vergangenen Woche stark abgenommen hat. Beispiel: Donnerstagnachmittag um 16 Uhr lag die Verkehrsbelastung in Berlin 31 Prozent unter dem durchschnittlichen Vorjahreswert.

Gibt es einen besseren Moment, um als Sprecher in der Gesundheitsverwaltung anzufangen? Die bisherige Sprecherin Lena Högemann geht in Mutterschutz, sie wird vertreten von Moritz Quiske, der als erfahrener Krisenmanager mit Krankenhauserfahrung gilt. Wir wünschen beiden gute Nerven.

20.000 Spandauer standen am Montagabend auf einmal ohne Heizung da und die meisten konnten nicht mal zur Arbeit fliehen. Ein Bagger hatte eine 70 Zentimeter dicke Wärmeleitung angebohrt. Keine 24 Stunden später war alles wieder dicht und um 18.20 Uhr fand Vattenfall wärmende Worte bei Twitter. „Danke für Eure Geduld in dieser besonderen Zeit und bleibt gesund!“

Ach und wo uns gerade so schön warm ums Herz ist: Die Berliner Wasserbetriebe haben beschlossen, derzeit niemandem das Wasser abzuschalten. „Händewaschen ist in diesen Tagen lebenswichtig“, sagte Ramona Pop. „Unsere Wasserbetriebe sorgen dafür, dass alle Berlinerinnen und Berliner Zugang zu Wasser haben. Niemandem wird der Hahn abgedreht.“

Erst sollen wir die ganze Zeit zu Hause sitzen und jetzt sollen wir auch noch das Licht ausmachen. Der WWF ruft für Samstag, 20.30 Uhr, wieder zur „Earth Hour“ auf. Eine Stunde Dunkelheit für den Klimaschutz. „Anders als in den vergangenen Jahren, in denen Menschen die abgedunkelten Monumente gemeinsam betrachteten, rät der WWF ... ein Zeichen von Zuhause zu setzen. So könnten Selfies aus der Dunkelheit online geteilt werden.“ Augen zu und durch.

Currywurst ohne Darm ist jetzt offiziell Berlinerin. Sie ist patentiert und darf nur noch hier hergestellt werden (Q: rbb24). Psst: Sonst will die auch niemand essen.

Polizeimeldung 0708 – Drogeriemarkt von angeblichen Handwerkern überfallen. Waren offenbar Amateure: Nur Geld und Zigaretten mitgenommen, Klopapier haben sie dagelassen.

Update: Aus der polizeibekannten Edeka-Filiale in Schmargendorf (CP von gestern) wurden gestern keine weiteren Vorkommnisse bekannt.

Trau Dich in der Küche

Der Standesbeamte Heinz Zimmermann fragt bei Twitter, ob sich jemand in seiner Küche trauen lassen würde. Nachfrage Jochen Biedermann, Stadtrat in Neukölln: „Was würden Sie denn dazu servieren?“ Antwort Zimmermann: „Servieren?!? Eine rechtsgültige Eheschließung reicht wohl nicht? Es gäbe das gleiche, was es dazu in jedem personell gut besetztem Berliner Standesamt gibt: Nüscht.“ (Über eine Rolle Klopapier für sympathische Pärchen lässt sich reden...)
 
(mehr Homeoffice im Encore)

Apropos Klopapier: Das hat der Otto-Versand nicht im Angebot. Der Otto-Normalverbraucher bestellt stattdessen vor allem Körperpflegeprodukte (beruhigend bei all dem Abstand!), Haarschneider und Wandfarbe. (Q: BZ) Corona-Deutschland verschönert sich.

Wenn Sie wie ich zu denjenigen gehören, die sonst eher auswärts gegessen haben, empfehle ich Ihnen ab sofort die tägliche Kolumne unserer Genuss-Menschen beim Tagesspiegel. Das erste Rezept kommt von Kai Rögers Oma: Majorankartoffeln.

Wenn Sie Ihre Geschichte erzählen möchten, wie Corona ihr Leben verändert: Bitte gerne. Wir sammeln sie, alle Infos dazu gibts hier.

Die FBB hat derweil ihr Jobportal aktualisiert. Derzeit gibt es allerdings nur eine Stellenausschreibung: „Test normale Ausschreibung IT“ – gesucht werden Spezialisten/ Akademiker. Alles wie immer, denken Sie jetzt vielleicht. Könnte allerdings auch einen ernsten Hintergrund haben: Auch die Flughafengesellschaft hat Kurzarbeit beantragt.

AbonnentInnen der Vollversion lesen heute außerdem:

+ Live-Stream: Eine Gute-Nacht-Geschichte für Erwachsene.

+ Von den Großeltern lernen: Dieser Nachhilfeunterricht macht Kindern sogar Spaß!

+ Trinken: Cocktailstunde trotz Corona.

Zur Anmeldung fürdie ungekürzte Version (60 Tage gratis inklusive!) bitte hier entlang.

BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:

2853

Zitat

„Wahre Schönheit kommt von innen! Das sollten alle wissen, die versuchen, Hausbesuche zum Frisieren, zu Kosmetik, Nageldesign etc. zu vereinbaren. Das ist im Sinne des Kontaktverbotes nicht sinnvoll & gemäß der VO zur Eindämmung des #Coronavirus verboten.“

Polizei Berlin (https://twitter.com/PolizeiBerlin_E/status/1242403839363383296)

Tweet des Tages

Drosten wird schon bald als Verb im Duden erscheinen. Wie googeln.

@Peter_Ahrens

Berlins heimliche HeldInnen

„Gar nichts tun, das ist die allerschwierigste Beschäftigung und zugleich diejenige, die am meisten Geist voraussetzt.“ Das wusste schon Oscar Wilde zu seinen Lebzeiten im 19. Jahrhundert – heute erfahren es Berliner Schüler*innen wegen des Corona-Lockdowns am eigenen Leib. Der Lehrer Martin Hansen hat deshalb einen YouTube-Channel gestartet, auf dem er nun täglich Homeschool-Videos veröffentlicht. Er will seine Schüler*innen so zu Hause zum Lernen motivieren und ihnen Vorschläge zum Zeitvertreib machen: „Wir können den Jugendlichen momentan gar nicht genug Beschäftigung bieten“, findet er. Hansen unterrichtet eine achte Klasse an der Freien Waldorfschule Berlin-Südost in Schöneweide. In seinen Videos stellt er ihr Rechen- und Textaufgaben, empfiehlt Lernportale und Dokumentationen, oder zeigt zwischendurch einfach lustige Videoclips aus dem Internet. Das soll das analoge Angebot der Schule, bestehend aus Arbeitsblättern, sinnvoll und altersgerecht ergänzen. Bei den Schüler*innen kommt das YouTube-Format offenbar gut an, sie probieren sich schon fleißig an den Aufgaben, manche gucken die Videos sogar mit ihren Familien. Letztere dürften sich besonders über eines der „Drei Ns“ freuen, die Martin Hansen den Jugendlichen regelmäßig ans Herz legt: „Nutzt eure Zeit, nervt eure Eltern nicht und Neues ausprobieren.“ Den YouTube-Channel finden Sie hier. (Text: mlk; Foto: privat)

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Stadtleben

Ein Filmtipp für alle, die zur Zeit stärker gefordert sind, denn je. Garantiert virenfreie Unterhaltung zum Abschalten gibt's mit der Komödie „Willkommen bei den Sch’tis“. In dem französischen Streifen wird der Postbeamte Phillipe aus dem Süden in den Norden Frankreichs versetzt. Für ihn ist das der schlimmste Ort der Welt. Dialekt und Umgangsformen der Sch’tis machen Phillipe zu Beginn schwer zu schaffen. Doch allmählich findet er gefallen an seinem neuen Job. Seiner im Süden gebliebenen Frau erzählt er jedoch, wie unzivilisiert und provinziell es dort sei. Als sie ihren Besuch ankündigt, muss er sich etwas überlegen. Zum Lachen, Weinen und Welt-Vergessen. So muss es Berlinern gehen, die in den Bayerischen Wald versetzt werden. Zu finden kostenlos und barrierefrei in der ARD-Mediathek.

Community – Einen hilfreichen Tipp gegen Langeweile hat mein Kollege Tilmann Warnecke vom Queerspiegel: Das Karada House, ein queerer Kunstraum in Prenzlauer Berg, sucht Leute, die Hilfesuchende und Helfende zusammen bringen wollen. Mit der Initiative Queer & Womxn Relief soll in Zeiten der Corona-Krise ein Hilfsnetzwerk für queere und anderweitig marginalisierte Menschen in Berlin geschaffen werden. Da die Organisation des Ganzen online staffindet, kann von zu Hause aus gearbeitet werden. Der Appell von Beatrice aus dem Karada House: „Wer also zu Hause in Quarantäne ist und sich langweilen sollte, melde sich bitte bei uns.“

Das ganze Stadtleben gibt´s mit Checkpoint-Abo.

Berliner Gesellschaft

GeburtstagFrieda M. (10) „Mögen sich all deine Träume und Wünsche erfüllen. Oma und Opa helfen dabei soweit es ihnen möglich ist. Leider können wir diesmal nicht zusammen feiern. Das holen wir aber schnell nach, sobald das wieder möglich ist. Oma I. und Opa W. / Franz Dinda (37), Schauspieler / Wolfgang Helfrich (88), Physiker / Hannah Köhler (20), „Komm gut wieder von Panama nach Berlin zurück! Wir lieben dich! Mama, Papa, deine Brüder und deine Tante“ / Wolf Maahn (65), Musiker / Marita Vorwerk, „In liebe Günter“ / Ulf Poschardt (53), „Die Welt“-Chefredakteur / Ralf von Grafenstein (47), Digitalunternehmer und Extremsportler / Petra Zieger (61), Sängerin / Ulrich Zawatka-Gerlach, „Glückwünsche zum 65. Geburtstag an den liebsten, klügsten und junggebliebenen Schwager. Von Lutz und der ganzen Familie“

Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.

Gestorben Helga Mende, * 15. Juni 1938 / Elisabeth Rieck, * 30. April 1920 / Christel Sokolowski-Krewer, * 30. April 1939

StolpersteinAdele Alifeld (Jhg. 1865) wurde in Pasewalk bei Stettin geboren. In Berlin lebte die alleinstehende Frau in der Nassauischen Straße 30 in Wilmersdorf. Ihre Deportation in das Ghetto Theresienstadt erfolgte am 17. März 1943. Dort wurde die 78-Jährige am 25. März 1943 – heute vor 77 Jahren – ermordet. 

Encore

Zum Abschluss noch eine Empfehlung der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, die vielen von Ihnen beruhigen könnte:
 
„Liebe Mitbürger/innen
 
dass Sie in der Quarantäne mit Ihren Tieren, Pflanzen oder Haushaltsgeräten reden ist völlig NORMAL. Deswegen müssen Sie sich nicht bei uns melden. Eine fachliche Hilfe sollten Sie erst aufsuchen, wenn diese Ihnen anfangen zu antworten.
 
Besten Dank
Ihre überlasteten Psychiater und Psychotherapeuten.“

In diesem Sinne: Wünschen Sie Ihrem Kaktus ruhig einen guten Morgen, Höflichkeit ist auch im Homeoffice wichtig. Morgen desinfiziert Sie hier Julius Betschka.

Ihre Anke Myrrhe

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