wir beginnen mit einer angekündigten Corona-Panne: In Tegel wurden am Freitagabend Passagiere aus Malle nicht mehr getestet, obwohl ihre Maschine bereits um 20:30 Uhr gelandet war – offiziell ist das Corona-Zentrum von 8 bis 21 Uhr geöffnet. Auch die Idee, Busreisende nur am ZOB an der Messe aussteigen und dort testen zu lassen, ist zu schön, um zu funktionieren: Die Fahrer machen die Tür für Quengelgäste gerne schon mal vorher auf – was aber keinen großen Unterschied macht, weil auch am ZOB… (siehe oben).
Und am Sonntag war die Teststelle Tegel sogar schon um 18 Uhr dicht: Die Charité hatte den Posten nach einem „tätlichen Angriff“ auf eine Mitarbeiterin geräumt (Q: Erklärung von Charité-Vorstand Ulrich Frei). Die Attacke kam aus einem Kreis von Passagieren, die nicht per Flugzeug aus einem Risikogebiet kamen, sondern mit dem Auto aus Berlin: Sie wollten einen kostenlosen Covid-19-Test erzwingen. Nachdem die Charité-Leute abgezogen waren, landeten übrigens noch sechs Maschinen aus Spanien (Madrid, Mallorca, Ibiza – keiner der Passagiere wurde getestet. Drei Flugzeuge davon wären allerdings auch ohne den Vorfall am Nachmittag zu spät gekommen: Sie landeten planmäßig um 21:00 (Mallorca), 21:35 (Ibiza) und 21:55 (Mallorca) – also nach Dienstschluss der Tester. Heute früh um 8:00 wollen sie weitermachen. Landungen am Montag nach 21:00 Uhr: Mallorca (21:30), Mallorca (21:40), Mallorca (22:45).
Aber wer ist für die Tests eigentlich zuständig in der Hauptstadt der organisierten Unzuständigkeit? Nehmen Sie sich einen Kaffee, schauen Sie kurz zu bei einer Runde Behördenpingpong: Der Bundesgesundheitsminister erlässt eine Testpflicht, der Senat beauftragte für die Flughäfen die Kliniken Charité und Vivantes, am ZOB macht’s das Rote Kreuz (oder auch nicht, siehe oben), am Hauptbahnhof die Bundeswehr (ein bisschen). Die Charité möchte die Verantwortung an die Kassenärztliche Vereinigung abgeben, die KV schiebt’s auf die Krankenkassen und auf die Gesundheitssenatorin – und damit sind wir wieder am Anfang. Nächste Runde: Jetzt spielen die Gesundheitsämter mit, die auch irgendwie zuständig sind, aber wegen völliger Überforderung das Bällchen schnell weiterschmettern an die Bundesärztekammer, deren Return beim Bundesgesundheitsminister landet, womit wir schon wieder einmal rum sind.
Bis zum Zusatzspiel machen wir eine kleine Pause, weiter unten im Telegramm gehen wir dann mit Innensenator Andreas Geisel, Bürgermeisterin Monika Herrmann und den Leuten vom Ordnungsamt auf die Suche nach den Corona-Kontrollen am Ballermann Berlin (Mitte).
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Sie denken, verrückter wird’s heute nicht mehr? Na, dann lesen Sie mal weiter: Marzahn-Hellersdorf hat nach Checkpoint-Informationen mitten in der Pandemie ab Ende August keinen Amtsarzt mehr – auf die freiwerdende Stelle (B2) hat sich niemand beworben. Aus dem Bezirksamt heißt es, die Bitte um Hilfe sei an der Gesundheitsverwaltung abgeprallt („nicht unser Problem“). In Friedrichshain-Kreuzberg läuft die Zeit ebenfalls langsam ab: Da muss bis spätestens Ende des Jahres jemand gefunden werden.
Und auch an den Schulen geht das Corona-Durcheinander weiter – einen öffentlichen Überblick gibt es bereits eine Woche nach Ferienende nicht mehr. Neue Fälle meldete z.B. das Sophie-Charlotte-Gymnasium auf seiner Website: Zwei achte Klassen und der gesamte Jahrgang Q3 befinden sich seit Freitag in Quarantäne, heute soll getestet werden. Und in Schöneberg platzte mitten in eine Einschulungsfeier die Nachricht, dass ein anwesender Vater positiv getestet wurde – da war der erste Elternabend gerade vier Tage her. Die Folge: Auch die anderen Erwachsenen sehen ihre Wohnungstür für die nächsten 14 Tage nur von innen (die Kinder gehen weiter zur Schule).
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Michael Müller erreicht die nächste Stufe seiner Karriere – er spricht, wie alle großen Caesaren und Häuptlinge vor ihm, von sich selbst in der dritten Person: „Ein Ministerpräsident, der ohne Skandal mit einer erfolgreichen Bilanz aus dem Amt geht, wird nicht auf einem hinteren Listenplatz kandidieren.“ Gesagt hat’s der Ministerpräsident von Berlin in der „BamS“, wo er auch gleich erklärt, warum das so ist: „Das wäre bundesweit einmalig und wird insofern nicht stattfinden“. Aha. Dabei ist Berlin doch sonst so gerne einmalig… na ja, hoffentlich lesen die Delegierten des Wahlparteitags alle die „BamS“, sonst sind sie am Ende noch völlig verwirrt und vergeben ihre Stimme an wen sie wollen. Da ist das Ende der Demokratie nicht mehr weit.
Tja, und wie soll’s weitergehen, Herr MdB in spe? Welches Ministeramt in einer Bundesregierung hätten Sie denn gern, was wären Sie am liebsten? „Natürlich Wissenschafts- oder Bauminister!“, sagt Müller, und die „BamS“ fügt in Klammern trocken hinzu: „(lacht)“. Alles klar. Und was sagt Müllers Fast-Namensvetter Möller dazu? „Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien!“.
Aber wie lange bleibt der Berliner Ministerpräsident ohne Skandal mit einer erfolgreichen Bilanz denn nun Regierender Bürgermeister? Schauen wir uns mal Müllers SPD-Zeitplan im Herbst 2020 an. Für den 31. Oktober hat er notiert: „Vormittags halte ich eine schöne Rede auf dem Landesparteitag und nachmittags fahre ich zur Eröffnungsfeier“ (gemeint ist die Eröffnung des BER). Am 19. Dezember steht die Wahl der Landesliste für den Bundestag in Müllers Kalender (Ziel: Platz 1, siehe oben). Und im Herbst 2021? Unwidersprochen lässt Müller die Frage-Einleitung der „BamS“ stehen: „Im Herbst 2021 hören Sie als Regierender Bürgermeister auf…“. Das gefällt ihm.
Und Franziska Giffey steht nett lächelnd daneben – so jedenfalls stellt Müller sich das wohl vor. Tatsächlich demoliert er die Chancen seiner Nachfolgerin (und damit der SPD, am Ende wohl auch seine eigenen) jeden Tag mehr. Die wilde Kandidatenkür überschattet Giffeys Start – die Verantwortung dafür trägt Müller, als Regierender und Landesvorsitzender formal einflussreichster Sozialdemokrat Berlins (zum Tagesspiegel-Leitartikel „Chebli gegen Müller: Die enthüllende Kandidatur“ geht’s hier).
Doch da auch Giffey Machiavelli nicht für eine weichgekochte Nudelsorte hält, wird sie kaum lange zusehen (können): Vom 31. Oktober an, nach Müllers „schöner Rede“ und ihrer Wahl zur Vorsitzenden, hat sie es in der Hand, noch vor der Abgeordnetenhauswahl im Herbst 2021 Regierende Bürgermeisterin zu werden und den Senat in Teilen neu zu besetzen, als Zeichen des Aufbruchs und auch gegen den Willen Müllers, der am 19. Dezember auf Platz 1 der Landesliste will. Die SPD kann es ihr nicht verwehren, Grüne und Linke werden sie wählen oder tolerieren – zwar schlecht gelaunt, aber ohne bessere Option. Nur das Wissenschaftsressort wird Giffey abgeben müssen, so wie andere (in ähnlicher Situation) ihren Doktor-Titel.
Die Berlinovo pflegt als landeseigenes Unternehmen mit ihren möblierten Apartments weiterhin ein Geschäftsmodell, das die wohnungspolitischen Ziele des Senats untergräbt – und Finanzsenator Matthias Kollatz pflegt weiterhin die Berlinovo, bei der er als Chef im Aufsichtsrat sitzt. Neuester Coup: die „Entnahme einer Teilfläche“ (Grundstück Radelandstraße 21 in Spandau) aus dem Sondervermögen Immobilien des Landes Berlin, um sie in die Grundstücksentwicklungs-GmbH der Berlinovo „einzubringen“. Konkret geht es um 4150 Quadratmeter des dortigen Polizeischulgeländes, die der Senat nach Checkpoint-Informationen dem Unternehmen mal eben so zu übertragen plant (obwohl das eigentlich „grundsätzlich“ so nicht vorgesehen ist). Die Berlinovo will dort, was auch sonst, möblierte, „kostengünstige“ Apartments für Polizeischüler bauen und „bewirtschaften“. Das Parlament muss der Entnahme aus dem Landesvermögen zugunsten der Berlinovo noch zustimmen, aber der Senat lockt mit einem Zauberwort: „Gesamtkosten: keine“. Ergo: Die Berlinovo wächst wie von selbst, die Rechnung zahlen die neuen Mieter – z.B. für den überteuerten, obligatorischen „Service“ (und wie bei der bösen privaten Konkurrenz müssen sie in der Regel zudem eine fiese „Mietendeckel-Klausel“ unterschreiben). Warum Grüne und Linke das tolerieren, bleibt ein Rätsel dieser Regierungszeit.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Mehr als 47 Millionen Euro lässt sich das Land Berlin die Ausrichtung von sechs Spielen der Fußball-Europameisterschaft 2024 kosten (Stand jetzt, Q: Drucksache 2947 B Agh) – 7 Millionen davon fließen direkt ins Klo: Das Olympiastadion bekommt mehr Toiletten.
„Wespen-Wahnsinn“, titelt die „B.Z.“, und empfiehlt: einfach mit Wasser bespritzen (die denken dann, es regnet und hauen angeblich ab). Aber Achtung: Ich habe das mal mit den Tauben in unserem Hof probiert, seitdem kommen die immer wieder und bringen auch noch ihre Freunde mit – zum Planschen.
Den „Wespen-Wahnsinn“ kommentiert Judith Holofernes so:
„Was macht die Wespe im Gefüge,
macht’ es was wenn man sie schlüge?
Ach, ich mag die Wespe nicht,
ich glaub das Tier ist nicht ganz dicht.“
(Q: „Tiergedichte“)
Und warum Wespen gerade so aggressiv sind, hat hier für Sie Susanne Wiborg recherchiert (Abo).
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Es geht gleich tierisch weiter. Die Meldung des Tages für die Rubrik „Dit is Berlin“ kommt heute von Frau Kulli – sie schrieb gestern um 14:50 Uhr: „Auf dem Potsdamer Platz trägt ein Mann eine riesige Vogelspinne (oder ist es eine Tarantel?) auf seinem Unterarm spazieren.“ Ohne Maulkorb, ohne Leine. Tja, wenn man das Ordnungsamt mal braucht, ist es… ja wo ist es denn?
In der Nacht zum Sonnabend waren sechs OA-MA jedenfalls in der Torstraße unterwegs: Zusammen mit ebenfalls sechs Polizisten jagten sie die Corona-Gespenster von Mitte – nur hatten sie keine „Proton packs“ im Anschlag wie einst die Ghostbusters, sondern nur Strafzettel. Doch dagegen hat sich inzwischen eine abstoßende Herden-Immunität verbreitet, die vor allem nachts wirkt. Auffällig ist jedenfalls: Zugekokste Cool-Kids in vollgestopften Bars kommen leichter davon als der einsame Besitzer vom „M.K. Spätkauf“. Was sonst noch geschah in dieser Nacht, können Sie hier in der Reportage von Julius Geiler lesen.
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Wir kommen zum Zusatzspiel, es heißt „Corona-Karussell“ (nur für Angehörige der Ordnungsämter): Der Innensenator will 240 Leute aus der Parkraumüberwachung abziehen und in den Allgemeinen Ordnungsdienst versetzen, die Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg kontert mit der Idee, die Parkraumüberwachung dem Straßen- und Grauflächenamt zu übertragen. Aber wer soll dann künftig die von Anwohnern liebevoll gepflegten Baumscheiben und Straßenbeete abholzen? Checkpoint-Tipp: Wie wäre es mit den Angestellten der KfZ-Zulassungsstellen? Dann hätte sich auch das Problem mit der Parkraumüberwachung gelöst.
Bürgermeisterin Monika Herrmann möchte übrigens Falschparker in einem Modellprojekt digital überwachen lassen, per Kennzeichen-Scan, so wie in Holland. Kleiner Haken: Voraussetzung dafür ist, lesen wir, „dass der Parkschein per Handy gekauft wurde“. Typische Berlin-Reaktion: Hm, welcher Parkschein? Na, vielleicht schauen wir uns das nochmal an, wenn im Amt das nächste Schreibmaschinen-Update durch ist.
Aus der „Berliner Liste“ für die Checkpoint-Reihe „Berlin, aber Schnauze“: Am Eingang zum Sommerbad Olympiastadion, ein Mitarbeiter scannt das Ticket. Er rät: „Schwimmen Sie nicht so weit raus!“

Das Projekt @wasihrnichtseht macht Rassismuserfahrungen von Schwarzen sichtbar. Wir machen das durch eine Kooperation an dieser Stelle auch.
Hinweis: Die Überschrift „Joe Bidens Ass“ zu einem Text über Kamala Harris (hier ein Beispiel) kann bei englischsprachigen Leserinnen und Lesern zu Missverständnissen führen (und Kamala mit drei „a“, bitte).
Die „Nacht Floh“-Meldung „Audi R8 rast durch Kreuzberg und schießt auf Gehweg“ ist in ihrer doppeldeutigen Klarheit genial: Wer schießt, braucht selbstverständlich einen Waffenschein – aber wer in Berlin rast, hat oft nicht mal einen Führerschein (wie natürlich auch in diesem Fall). Die Flucht vor der Polizei endete für den als Zivilfahrzeug zugelassenen Rennwagen (Vmax bis 331) übrigens auf der Fichtestraße schleudernd an einem stabilen Verkehrsschild: „Fahrradfahrer und Anlieger frei“, steht darauf geschrieben. Immerhin: Daran hatte sich bisher niemand gehalten.
Dazu noch eine Portion Berliner Logik: „Seit Rasen ein Straftatbestand ist, sind die Fallzahlen dramatisch gestiegen“ (Q: dpa) – und Berlin ist natürlich (gemessen an der Einwohnerzahl) mal wieder Spitze. Früher wurden solche Fahrer übrigens „Wildsau“ genannt, heute wird das als Beleidigung angesehen (nicht der Fahrer, sondern der Wildsauen).
Apropos „Schießen“: Nicht nur unser Lieblingswildschwein Kevin hält es für eine Sauerei, dass die Bache, die am Teufelssee einem nackten Mann den Laptop klaute, jetzt abgeknallt – ach nein, sorry: „vorrangig entnommen“ werden soll, wie es das Forstamt etwas vornehmer ausdrückt. Gestern demonstrierten Tierschützer im Grunewald gegen die Jäger, während die wahren Schweine weiter am See in der Sonne badeten: Das sind nämlichen diejenigen, die ihre essbaren Abfälle liegen lassen und so die echten Schweine aus der Deckung locken. Übrigens hat die Bache, nach der jetzt gefahndet wird, von ihren Freunden den Namen Elsa verpasst bekommen – vielleicht fällt Ihnen ja noch was Besseres ein, bevor es zu spät ist (gibt’s eigentlich eine weibliche Form von Kevin?).
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Mehr Glück als die Wildsau hat in Berlin der Froschlurch: Weil sich ein Kreuzkröten-Clan am Pankower Tor niedergelassen hat, beginnen dort die Bauarbeiten für u.a. 2000 neue Wohnungen frühestens im Jahr 2025. Bis dahin muss irgendwer die Tierchen mit allerlei Versprechungen nach Brandenburg gelockt haben, denn laut Vorschrift dürfen sie nicht mal gefangen werden (geschweige denn gentrifiziert). Da hat der Mieter-Verein allen Unkenrufen zum Trotz wohl mal wieder ganze Arbeit geleistet.
Nachtrag zur Meldung „Fahrradpyramide am Adenauerplatz“ (CP v. 15.8.) – viermal hatte sich eine Checkpoint-Leserin deswegen zuvor ans Ordnungsamt gewandt (ohne Ergebnis), am Sonnabend meldete sich jetzt Stadtrat Arne Herz: „Auftrag von mir ans OA ist raus, dass Fahrräder überprüft werden, ob auch nach rechtlichen Maßstäben welche beseitigt werden können. Nicht alles, was nach Schrottfahrrad aussieht, ist auch rechtlich eins. Aber so kann das natürlich nicht bleiben.“ Hinweis: Checkpoint wirkt.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Hust, Hust, Hust, Hust – Tourists go home!“
Filzstift-Kritzelei auf einer heruntergelassenen Jalousie in Neukölln.
Tweet des Tages
Ärgerlich, wieviel Ressourcen im Gesundheitssystem Reiserückkehrende beanspruchen. Gleichzeitig machen sie 50% der Neuinfektionen aus. Ich fordere Sie auf: Verzichten Sie auf das Reisen in die Risikogebiete, wenn nicht nötig! Schützen Sie sich und schonen Sie uns vor Infektionen!
Stadtleben

Essen & Trinken – Wen in Zeiten der Pandemie die Unruhe plagt, der spaziert nach Prenzlauer Berg. Seit wenigen Tagen kredenzt das Chaomin vietnamesische Powersuppen, die es in sich haben: Der Congee-Reisbrei soll Yin und Yang in Einklang bringen, den Körper reinigen und dabei Schönheit und Stärke verleihen. Diese gehörige Ladung Energie serviert das Lokal ab 8 Euro, mit Hühnchen, Rind, Garnelen und Pilzen. Dazu mixt die Bar bunte Shakes und Tees, die am liebsten geschlossen durchprobiert werden – unser Favorit: der „Green Hunter“ samt Agave, Spinat, Spirulina und Matcha (4,90 Euro). Drinks und Suppen verkosten die Gäste neben riesigen Zeichnungen der Altstadt Hanois – skizziert auf vietnamesischem Zeitungspapier. Täglich 11-23 Uhr, Prenzlauer Allee 27a, U-Bhf Rosa-Luxemburg-Platz (Foto: Chaomin)
Sommerrezepte für Selbst-am-Herd-Steher hat mein Kollege Kai Röger kuratiert: Hier geklickt für Melonen-Gazpacho und Lachs-Poke.
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Wie lange braucht es nach 367 Tagen in türkischer Haft, um wieder im Berliner Alltag anzukommen? In der neuen Podcastfolge „Eine Runde Berlin“ spricht der Journalist Deniz Yücel mit Ann-Kathrin Hipp über seine Zeit im Gefängnis, die Macht des Schreibens und AKP-Anhänger in Deutschland. Jetzt hören auf Spotify, Apple Podcasts und Tagesspiegel.de.
Berlinbesuch mitnehmen ins nächtliche Humboldt Carré: Noch bis Samstag ruft hier der 4. Berliner Kunstsommer zum Wandeln durch sphärische Soundinstallationen, entlang von Lichtern, Skulpturen und Ideen. Unter dem Titel „Floating Presence“ erforschen Kunstschaffende aus fünf Ländern die Begriffe des Menschseins und des Transhumanismus – und füllen den noblen Mitte-Lichthof mit 3D-Drucken, Mode und Recyclingfiguren. Die Ausstellung ist abends zwischen 18 und 23 Uhr zu bestaunen, der Eintritt ist frei. Behrenstraße 42, U-Bhf Französische Straße
Urlaub ganz nah – Abgehoben: Flugzeuge mögen am Boden bleiben, doch Berliner Entdecker gleiten trotzdem in die Lüfte – per Heißluftballon. Hoch über den Wipfeln Brandenburgs schweben Mutige, wohin der Wind sie treibt und blicken von oben auf Schlösser und Seen. Wer selbst einmal emporsteigen möchte, fährt hinüber nach Beelitz: Hier steigen die Ballons von Boris Schäfer dem Himmel entgegen. Im Dämmerlicht von Sonnenauf- und -untergang segelt sein Team über Fläming, Potsdam oder Berlin, über Kirchen und Paläste bis über die Spree. Eine Fahrt buchen Sie für 220 Euro pro Person hier – mehr slow travel geht nicht.
Plätze sichern I – Zurück auf die Bretter der Opern Berlins pirouettieren die Tänzer des Staatsballetts. Ab Ende August lädt das Ensemble zu edlen Nächten und virenkonformen Choreografien: „Lab_works Covid_19“ zeigt künftig Tanzideen aus der Isolation, lässt Distanz zum Teil des Stückes werden. Mit der Gala „From Berlin with Love“ begrüßt das Ballett vom 27.-29. August die neue Saison und präsentiert klassische wie moderne Werke – von den Arbeiten der eigenen Compagnie bis hin zu Ausschnitten aus „Schwanensee“. Rasant schwindende Tickets erhalten Sie hier, zwischen den Plätzen bleiben mehrere Sitze frei. Tanzneulinge und Ballettconnaisseure lassen uns eine Email zuflattern – bis 12 Uhr verlosen wir zwei Tickets für die Galanacht am 28. August (19.30 Uhr, Deutsche Oper).
Plätze sichern II – Auch die Philharmonie nimmt ihren Spielbetrieb am 28. August wieder auf. Heute um 9 Uhr beginnt der Kartenvorverkauf (nur online oder telefonisch) für die Konzerte bis Ende Oktober – schnell noch einen Blick ins Programm werfen.
Plätze sichern III – Wer schon immer davon träumte, Charlottenburgs Dächer von oben zu zählen, der haut flugs in die Telefontasten: Am 11. September, dem Tag des offenen Denkmals, öffnet das Rathaus Charlottenburg seinen steinernen Turm und lässt Besucher in die Höhe klettern. Damit es dort oben nicht zu eng wird, beginnt alle 20 Minuten eine Kleingruppe den Aufstieg. Flott angemeldet, wer mitkommen möchte – gekraxelt wird nur zwischen 14 und 17 Uhr, die Plätze sind begehrt. Die Nummer zum Glück: 030/ 9029-12194.
Save the date – Berlin liest! Vom 9.-19. September steigt das 20. Internationale Literaturfestival, das in diesem Jahr an sieben verschiedenen Orten stattfinden wird. Heute präsentiert das Fest sein Programm – hier entlang.
Sommerblues-Therapie – Das Handy surrt, die Stadtluft steht und draußen brüllen Virus-Leugner? Wem vor Weltschmerz und Chaos die Gedanken wirbeln, flieht auf die Wiesen des Viktoriaparks: Vor dem Rauschen des Wasserfalls shufflet Kreuzberg seine Sorgen fort – mit afrokubanischer Tanztherapie. Im Offenen Kurs lernen Beginner und Profis Rumba, Salsa und Son Cubano, die Last und Lethargie verschwinden lassen. Getanzt wird jeden Montag barfuß auf dem Gras, dazu werden Rock und Taschentuch geschwungen – Kostenpunkt: 10 Euro pro Session. Treffpunkt ist die Monumentenstraße 20 (17.45 Uhr), Zuspätkommer folgen einfach den Beats und finden den Weg den Tanzenden selbst. Frohes Grooven!
Last-Minute-Kino – (ein Tipp von Ticket-Kollege Jörg Wunder) „Ein Abenteuerfilm von beachtlicher Qualität“ – lakonischer als im katholischen „Film-Dienst“ ist einer der größten Publikumserfolge der Kinogeschichte selten beschrieben worden. Steven Spielbergs bissiger Salzwasserschocker „Der Weiße Hai“ aus dem Jahr 1975 gilt als die Geburtsstunde des modernen Blockbusters und bereitete eine ganze Flut von meist mediokren Meeresmonsterfilmen vor, darunter gleich drei Fortsetzungen mit noch größeren, aber nicht mal mehr halb so erschreckenden Knorpelfischen. Das Original dagegen ist auch nach 45 Jahren noch furchteinflößend und ein Lehrstück in Sachen cinematographischer Suggestion – zu sehen um 21 Uhr im Sommerkino Kulturforum, Tickets gibt's hier.
Insel-Check
Team Checkpoint hat die Segel gehisst und alle Berliner Inseln besucht – es sind mehr als 50. An dieser Stelle und auf Instagram stellen wir Ihnen täglich eine davon vor. Und oben drauf gibt’s unser Inselquartett – zum Ausschneiden für lange Autofahrten in den Ferien und Sommer-Sehnsucht im Winter.
Hoher Norden? Wilder Westen! Heute eine Dienstreise ins exotische Spandau. Da gibt‘s eine Insel, die nicht mal die Spandauer als Insel kennen – nämlich die Altstadt-Insel. Doch, kein Witz, wer von oben guckt (schöne Grüße in die TXL-Schneise!) oder unten nicht aufs Handy starrt, bemerkt es: Ein langer Graben voll mit trägem Havel-Wasser zieht sich um Berlins größte Fußgängerzone. Zehn Brücken führen in die Altstadt, es gibt eine Wasserstraße, ein Fischer-Denkmal, einen klasse Fischladen mit Berliner Krebsen (aus dem Tiergarten). Und im Rathaus nennen sie die Altstadt-Insel sogar „Schildkröte“, weil die in der Tat so eine Form aufweist (nee, auch kein Witz, Beweis hier). Eine der Attraktionen ist die große Schleuse am Altstadt-Ufer. Und einer der schönsten Orte ist die Flussmündung: Da hat die kleine Spree keine Chance und endet in Spandau. Ätsch, Berlin!
Text: André Görke
Berlin heute
Verkehr – In ganz Berlin haben heute die Berliner Schulanfänger ihren ersten Schultag. Bitte fahren Sie daher besonders vorsichtig – gerade in der Nähe von Schulen.
S-Bahn: Bis zum 27. August kommt es auf den Linien S2, S8 und S85 zwischen 9 und 15 Uhr zu Fahrplanänderungen. Die S2 verkehrt nicht zwischen Nordbahnhof und Pankow, Fahrgäste steigen bitte auf die S1 und den Ersatzverkehr um. Zwischen Pankow und Blankenburg sowie Blankenburg und Buch fahren die Züge im 20-Minutentakt. Die S8 ist zwischen Schönhauser Allee und Pankow unterbrochen, bitte steigen Sie hier auf S1 und Busse um. Zwischen Pankow und Blankeburg fährt ein Pendelverkehr im 20-Minutentakt. Die S85 fährt ebenfalls nicht zwischen Schönhauser Allee und Pankow, bitte nutzen Sie auch hier die S1 und den Ersatzverkehr.
Anna-Seghers-Straße (Adlershof): Sperrung zwischen Schneckenburgstraße und Weerthstraße in beiden Richtungen, Fuß- und Radverkehr frei (bis Anfang September).
Britz: Aufgrund eines Prozessionsumzugs kommt es rund um Britzer Damm, Blaschkoallee, Hannemannstraße und Riesestraße zu Sperrungen (12-18 Uhr).
Rennbahnstraße (Weißensee): Sperrung im Kreuzungsbereich Berliner Allee in Richtung Pankow-Heinersdorf, Fuß- und Radverkehr darf passieren. Eine Umleitung ist ausgeschildert (bis Ende August/Anfang September).
Hallesches Ufer (Kreuzberg): Zwischen Möckernstraße und Schöneberger Straße ist in Richtung Potsdamer Straße nur eine Spur frei (bis Ende September).
Hönower Straße (Mahlsdorf): Auf Höhe Markgrafenstraße ist für beide Richtungen nur eine gemeinsame Fahrbahn verfügbar (bis Mitte September).
Beusselbrücke/Beusselstraße (Moabit): Hier steht stadteinwärts nur eine Spur zur Verfügung (6-18 Uhr, bis Freitag).
Michael-Brückner-Straße (Niederschöneweide): Auf Höhe Hasselwerder Straße sind stadteinwärts nur zwei Fahrstreifen frei (bis Ende August/Anfang September).
Greifswalder Straße (Prenzlauer Berg): Stadteinwärts ist zwischen Immanuelkirchstraße und Heinrich-Roller-Straße nur eine Spur verfügbar (bis Freitag).
Reinickendorfer Straße (Wedding): Auf Höhe Gerichtstraße ist aufgrund einer Begutachtung der Eisenbahnbrücke in Richtung Fennstraße nur eine Spur frei, am Dienstag ist die Gegenrichtung betroffen.
Hauptstraße (Französisch-Buchholz): In der Nähe der Einmündung Mühlenstraße regelt bis Mitte September eine Baustellenampel den Verkehr.
Demonstration – In der Spandauer Rhenaniastraße demonstriert die örtliche FDP-Fraktion für den „Gewerbeerhalt in Spandau“, erwartet werden 200 Personen (9-18 Uhr). „Gegen Begnadigung von Kriminellen und Gewalt gegen Frau Belqis Roshan in Afghanistan“ protestieren zudem 100 Teilnehmende vor der afghanischen Botschaft in der Taunusstraße 3 (14-16 Uhr). In Kreuzberg ruft die Stadtteilinitiative Bizim Kiez zur Demonstration „gegen die Verdrängung der Pizzeria De Noantri“ vor dem Büro der Eigentümerin Lavdije Thaqi in der Stralauer Allee 5, angemeldet sind 100 Personen (17-20 Uhr). Vor der Botschaft der Vereinigten Arabischen Emirate in der Hiroshimastraße 18 kommen 100 Teilnehmende zu einer „Protestkundgebung gegen Verachtung und Untergrabung palästinensischer Rechte seitens der Vereinigten Arabischen Emirate“ zusammen (18.-19.30 Uhr).
Gericht – Der Prozess gegen Clan-Chef Arafat Abou-Chaker und drei seiner Brüder um mutmaßliche Straftaten zum Nachteil des Rappers Bushido geht an den Start – unter massiven Sicherheitsvorkehrungen. Der 44-jährige Clanchef und einstigen Bushido-Vertraute soll die Trennung der Geschäftsbeziehung zu dem Rapper nicht akzeptiert und unberechtigte Geldzahlungen gefordert haben – es geht unter anderem um versuchte schwere räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung, gefährliche Körperverletzung, Nötigung (10.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 500).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Axel Ekkernkamp (63), Chirurg, Hochschullehrer und CDU-Politiker / Nikolas Eschen (44), Rechtsanwalt / Stephan Hauck (59), ehem. Handballer / Daniela Hohme, „Alles Gute, Glück, Gesundheit und Erfolg. Im Job, beim Sport und Radfahren! Ich danke dir auch dafür sehr, dass du immer für mich da bist!“ / Frederick Lau (31), Schauspieler / Birgit Monteiro (51), stellv. Bezirksbürgermeisterin von Lichtenberg / Herta Müller (67), Schriftstellerin / Michael Preetz (53), Hertha-Manager / Nachträglich: Katja Grübel, Drehbuchautorin / „Julia und Marc gemeinsam 100 - nah beieinander und doch jeder ganz Besonders. Alles Liebe von den Silbies“ / Jacobus van Vliet, „Verhandlungsberater, ENS International, Gelukkige verjaardag!“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Edith Keitel, * 11. Januar 1940 / Margrethe Kranich, * 5. November 1922 / Isa Nickel, * 2. September 1938 / Volker Panzer, 31. Mai 1947, Kulturjournalist und langjähriger Leiter des ZDF-„nachtstudio“ / Karl-Heinz Raasch, * 8. März 1939
Stolperstein – Alice Simon (Jg. 1887) wurde im Mai 1943 nach Auschwitz verschleppt. Gemeinsam mit weiteren 85 Häftlingen ließ sie dort der Anatom Prof. August Hirt für seine Skelettsammlung „Fremdrassiger“ in seinem Institut an der Reichsuniversität Straßburg selektieren. Nach einer weiteren Deportation ins KZ Natzweiler-Struthof im Elsass wurde Alice Simon wie die übrigen Selektierten mit Blausäure ermordet – am heutigen Tag jährt sich ihr Todesdatum zum 77. Mal. In der Joachimstaler Straße 12 in Charlottenburg liegt ein Stolperstein zu ihrem Gedenken.
Encore
Zum Schluss ein Blick nach China, nach Meinung einiger Visionäre ist das ja gleichbedeutend mit einem Blick in die Zukunft: In einem Restaurant wurden dort die Gäste vor dem Aperitif auf die Waage geschickt – je nach Gewicht gab’s dann entsprechende (und rigide durchgesetzte) Menü- und Diätempfehlungen. Da aber offenbar etliche Menschen aufgrund ihres Ausgangsgewichts zu verhungern drohten und einen Shitstorm anzettelten, bekommen auch dort jetzt wieder alle was sie wollen.
Ich wünsche Ihnen unbeschwerten Start in die neue Woche, in der Sie ruhig mal etwas wagen können. Von Team Checkpoint waren heute früh mit dabei Lotte Buschenhagen (Stadtleben) und Florenz Gilly (Produktion), morgen begrüßt Sie hier zur gewohnten Zeit und mit allerbester Laune Stefan Jacobs. Bis dahin,