soll das hitzig sein? Heute wird Berlin wieder ein ganz schön heißer Sonneproppen. Aber bevor es Ihnen diese Woche kalt den Rücken runterläuft, weil Sie sich in einen Sarg mit Eiskübeln legen (der wird am Mittwoch für schwitzende Bierbike-Touristen vor dem „Berlin Dungeon“ aufgebahrt), wärmen Sie sich lieber an dieser Geschichte hier: In den Ferien sind immer mehr Berliner Schülerinnen und Schüler ermattet – weil sie unermüdlich Schach spielen. Im Soldiner Kiez im Wedding sucht man gleich in mehreren Projekten den Königsweg; laut Schachverband hat sich im Kinder- und Jugendbereich die Zahl der Spieler innerhalb weniger Jahre verdoppelt. Bauer sucht Frau als Sommerspiel – aber nur, wenn’s die Dame ist.
Eins, zwei, Polizei - drei, vier, jemand hier? Polizeipräsidentin Barbara Slowik hat in einer internen Mail, die dem Checkpoint vorliegt, mal durchgezählt. Berlins zuweilen hilflose Helfer haben bis Ende Mai immerhin 576 Personalzugänge zu verzeichnen, davon 413 fertige Auszubildende. Abzüglich der Abgänge und Pensionierungen bleiben jedoch nur netto 195 Leute mehr übrig. Um die Arbeit attraktiver zu machen, werden laut Slowik Zulagen und Familienfreundlichkeit erhöht, neue Technik und größere Funkwagen angeschafft. Und es gibt eine neue „Ansprechstelle für Gewalt gegen Polizeidienstkräfte“. Hier sollen sich drei Mitarbeiter um angegriffene Beamte kümmern – schließlich sind im vergangenen Jahr fast 7000 Polizisten Opfer von Straftaten im Dienst geworden. „Das sind durchschnittlich 19 von Ihnen pro Tag!“, schreibt Slowik an ihre Bediensteten. „Diese Dimension der Gewalt fordert von mir klare Taten.“ Polizeigewerkschafter Benjamin Jendro findet jedenfalls klare Worte angesichts der Betreuung von angegriffenen Beamten: „Unsere Kollegen werden irgendwann wie eine Nummer behandelt, ihr Fall kommt zu den Akten und sie müssen nicht selten jeden Euro für Behandlungen einklagen.“ Auch Helfer brauchen eben mehr Hilfe – damit allen besser geholfen ist.
Eigentlich ist die SPD ja längst die Schwindende Partei Deutschlands (SPD). Doch für ihre Politik- und Netzwerktalente hält sie noch Aufstiegsmöglichkeiten bereit. Nancy Böhning zum Beispiel hat eine spannende Karriere hinter sich. Sie war 2014/15 Büroleiterin der Partei-Vize Manuela Schwesig, dann Büroleiterin der damaligen SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, danach Büroleiterin der damaligen Familienministerin Katarina Barley. Anschließend wurde sie für ein halbes Jahr Büroleiterin der ganzen SPD – als Bundesgeschäftsführerin, bis sich Parteichefin Nahles jemand Anderes suchte. Böhning wollte dann, im Frühjahr 2018, Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes werden. Ein Posten, der in dieser Wahlperiode vom SPD-geführten Familienministerium (Ministerinnen: erst Barley, dann Giffey) besetzt werden darf. Doch eine Mitbewerberin klagte erfolgreich gegen die geplante Postenvergabe zugunsten Böhnings; die Ernennung wurde per einstweiliger Anordnung vom Verwaltungsgericht Berlin gestoppt. Ihre Auswahl sei nicht mit dem „Prinzip der Bestenauslese“ vereinbar, urteilte das Gericht. Außerdem habe Böhning keine Bewerbung „im engeren Sinne“ eingereicht – das Anschreiben fehlte. Die Richter fanden, dass bei Böhnings Auswahl nicht ausreichend darauf geachtet worden sei, ob die Kandidaten die erforderlichen Kompetenzen mitbringen. „Insgesamt entsteht der Eindruck, dass das Verfahren nicht in der gebotenen Weise ergebnisoffen geführt wurde.“
Also arbeitet Nancy Böhning seit Februar 2019 als Politische Sekretärin im Vorstand der IG Metall, zuständig für Grundsatzfragen und Gesellschaftspolitik. Das ist aber nicht alles: Bei der Aufstellung der Bundesliste der SPD für die Europawahlen im Mai wurde Nancy Böhning als persönliche Ersatzkandidatin für Spitzenkandidatin Katarina Barley nominiert (dokumentiert hier). Sollte Barley in den nächsten fünf Jahren aus dem EU-Parlament ausscheiden, rückt Nancy Böhning automatisch nach.Offiziell gewählt, öffentlich bekannt – überrascht waren mehrere Vorstandsmitglieder des Berliner Landesverbands offenbar trotzdem. Die Personalie sei nicht abgestimmt gewesen, sagen sie und ärgern sich – mit ziemlicher Verspätung – über diesen eigentlich demokratisch ganz normalen, transparenten Vorgang.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version haben wir geschrieben, im SPD-Landesverband habe niemand von der Nominierung als Ersatzkandidatin fürs Europaparlament gewusst. Das war falsch formuliert. Die Bundespersonalie war in der Tat öffentlich bekannt. Mehrere Vorstandsmitglieder der Berliner SPD sind von der Nominierung aber offenbar im Nachhinein überrascht worden. Wir bitten, diese falsche Formulierung zu entschuldigen.
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In Berlin um die Welt: Zypern: Berlin braucht auf jeden Fall ein Mehr an Meer – kulinarisch kann man immerhin in Zypern stranden, etwa im Restaurant „Ta panta ri“ in Wilmersdorf. Wirt Andreas Patsalidis ist dabei ein richtiger Mezen; als Meze serviert er unter anderem: Tzaziki, Tarama (Aufstrich mit Fischeiern), Auberginensalat, gefüllte Weinblätter und gebratene Sardellen. Als Nachspeise gibt es zypriotischen Trester-Schnaps (Tägl. ab 17 Uhr, Düsseldorfer Straße 75, U-Bhf Hohenzollernplatz, Infos hier). Und zwischendurch noch diese Zahl zu verdauen: Zypriotische Einwohner in Berlin (Stand Ende Dez 2018): 382.
Sommerspaß: Lebenskünstlern lauschen. Wer als Schwimmer keine Wende im Wasser mag, kann sich in den Ferien flüssig durch die Wende in Ostdeutschland lesen. „Kein Land in Sicht“ ist ein Interview-Buch von Michael Kleff, der zwischen 1990 und 1992 ostdeutsche Liedermacher zu ihren Gefühlen zum Umbruch befragte, den sie selbst herbeigesungen hatten. Oft artete Kunst nach der Zeitenwende in Überlebenskunst aus – auch davon erzählt das Buch, das heute um 18 Uhr im DDR-Museum vorgestellt wird (Karl-Liebknecht-Str. 1, S-Bhf Hackescher Markt; der Eintritt ist frei). Frei nach dem Soundtrack von Gundermann: „Hier bin ich geboren, wo die Kühe mager sind wie das Glück. / Hier hab‘ ich meine Liebe verloren und hier krieg ich sie wieder zurück.“
Sommersport: Roboterfußball: Wer die Bundesliga-Sommerpause nicht mehr erträgt und schon jetzt eisern mit HaHoHerzlichen Grüßen verbleibt, sollte einen Querpass zum Roboterfußball wagen. Hierfür sucht das Institut für Informatik an der Humboldt-Uni jederzeit Zuschauende, Mitstreitende und natürlich Roboter (Infos hier). Ziel der Fußballtüftler ist es, mit Tore schießenden Maschinen im Jahr 2050 die menschliche Weltmeister-Mannschaft zu schlagen. Da in Berlin aber alles immer später passiert, dürften Hertha und Union noch lange ungeschlagen bleiben – zumindest gegen die RB-Männchen.
Jottwede: Bei Ziegen liegen. Nüscht zu meckern hat der Mensch, wenn Ziegen in der Nähe sind. Auf dem Capriolenhof wirtschaften Sabine Denell und Hanspeter Dill seit 1993 mit der Natur – und machen dabei ziemlich viel Käse. Mit zehn Ziegen haben sie angefangen, heute sind es 180 Tiere. Von Mittwoch bis Sonntag ist der Hofladen geöffnet, am Wochenende gibt es Frühstück und Abendessen (Infos hier). Eine Weide weiter lockt die Himmelpforter Heide mit Blumen. Wer die Gegend abgrasen will, muss erst mal hinkommen – aus Berlin mit dem Auto über die B96 etwa anderthalb Stunden.
Berlin, aber Sommerloch. Hier darf diese Meldung auf keinen Fall versickern: Die Wasserbetriebe haben den „Wechsel der provisorischen Fäkalieneinleitung von Heiligensee nach Wittenau“ bekannt gegeben. Es geht um ein Thema, das nicht wenigen Anwohnern stank, wie unser Reinickendorf-Reporter Gerd Appenzeller zu berichten weiß (kostenlose Bestellung seines Newsletters hier). Nach Protesten kommen nun Abwässer aus den Sammelgruben von Kleingärten in einem Gewerbegebiet in Wittenau unter die Erde. Weil sich in Heiligensee gleich Häuser neben der Pumpstation befanden. Weil die Abfuhrunternehmen trotzdem eine Einleitstelle im Norden von Berlin brauchten. Weil sie nicht immer extra aus dem Süden anfahren wollten und drohten, gar nicht mehr abzupumpen. Und schlussendlich eben, weil man auch als ehrenamtlich engagierter Gärtner zugeben muss: Kleingärtner machen auch Mist.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Wichtige Meldung aus der Nacht, die es aufzuklären gilt: Der Berliner Flüchtlingsrat macht in einer Erklärung einen möglicherweise schweren Fall von verweigerter Hilfe für eine hochschwangere Frau in einer Flüchtlingsunterkunft publik. Demnach bekam die Frau in der Nacht zum 23. Juni starke Schmerzen und Blutungen; ihr Mann bat die Security, den Krankenwagen zu rufen. Dies sei jedoch verweigert worden „mit der Begründung, es sei Sonntagnacht, da könne man nicht die Feuerwehr rufen“. Auch eine Taxifahrt wurde demnach nicht gestattet. Das Ehepaar habe laut Flüchtlingsrat nur die Adresse eines drei Kilometer entfernten Klinik bekommen, die es dann zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht hätte. Im Krankenhaus gebar die Frau einen toten Jungen; möglicherweise hätte das Baby bei früherer Hilfe gerettet werden können. Ein Fall für Sozialsenatorin Elke Breitenbach. Und für die Stadt.
Auch wichtig, weil schon lange virulent: Die Polizei richtet nach Tagesspiegel-Informationen eine „Ermittlungsgruppe Nachtwache“ ein. Diese soll endlich gegen die zunehmenden Brände von Autos, zuletzt in Britz und Wilmersdorf, vorgehen. Allein in diesem Jahr wurden bereits 280 Autos durch Brandanschläge beschädigt oder zerstört. Fünf Beamte sollen sich nun darum kümmern. Zeit, dass hier nicht nur hinterher gelöscht wird.
Air Berlin fliegen noch viele Herzen zu, auch wenn niemand mehr bei ihnen landet. Firmengründer Kim Lundgren wurde zwei Jahre nach der Insolvenz zur „Lebenden Legende der Luftfahrt“ gekürt. John Travolta, Pilot und nebenbei Schauspieler, übergab dem 77-Jährigen die Auszeichnung bei einer Gala am Wolfgangsee. Lundgren, der Aufstieg und Absturz seiner Airline abseits am Boden verfolgte, sagt heute: „Ich wollte immer ein gutes, kleines Unternehmen.“ Ein paar Kleinflugzeuge würde der Verfluchthafen Tegel auf jeden Fall besser verkraften. Der Easyjetset muss seine Koffer am überfüllten Airport längst selbst aufgeben (wie in Schönefeld bald auch; CP von gestern). Das geht meist ganz gut, außer bei der dokumentierten Anzeige: „Bitte warten Sie, Gepäckband beschäftigt.“ Womit, steht über den Wolken.
Jetzt wird alles Knut: Zum 175. Jubiläum des Zoos, das Anfang August mit einer Mammutparty gefeiert wird, suchen wir Ihre schönsten Erinnerungen und Erlebnisse im Garten der Tiere. Schreiben Sie einfach an checkpoint@tagesspiegel.de oder berlin@tagesspiegel.de – die schönsten Geschichten veröffentlichen wir. Nur tun Sie uns bei der Erinnerung bitte einen Gefallen: Machen Sie aus einer Lücke keinen Elefanten.
Und noch eine gute Nachricht: Berlins Bruttolöhne gleichen sich langsam, aber sicher dem Bundesniveau an: durchschnittlich bekommen wir 3242 Euro monatlich – verdienen tun wir natürlich mehr. Aber eine schlechte Nachricht in der guten gibt es auch: Frauen werden weniger entlohnt als Männer, mit durchschnittlich 100 Euro. Brandenburg ist da schon weiter. Obwohl in der Mark längst nicht mehr in Mark gezahlt wird.
Viele tolle Dinge passieren ja kostenlos, obwohl sie in Geld kaum zu bezahlen sind: Zuwendung zum Beispiel, ehrenamtliches Engagement. Weil wir als Tagesspiegel die zahllosen Ehrensachen unserer Stadt bekannter machen wollen, schon seit Jahren miteinander vernetzen und durch eigene Initiativen unterstützen, starten wir ab 14. August einen monatlichen Newsletter „Ehrensache“ (Anmeldung hier). Natürlich von unserem Ehrenamts-Experten Gerd Nowakowski. Und natürlich kostenlos. Das ist es uns wert.
Gut ausgegangen: Die Malerin und DDR-Regimekritikerin Annemirl Bauer wäre in diesem Jahr 80 geworden. Doch vor 30 Jahren starb sie an Krebs. Seitdem hält ihre Tochter das Andenken hoch, hat ihr Leben dem Vermächtnis ihrer Mutter verschrieben. Am Ostkreuz hat sie erreicht, dass der Bezirk einen Platz nach Annemirl Bauer benennt. Einer Frau, die mit Haut und Haaren Künstlerin war, die manisch alles bemalte, was ihr unter den Pinsel kam, vom Waschbrett bis zum Spiegel – und 16.000 Werke hinterließ. Die Geschichte der beiden Frauen hat meine Kollegin Silvia Perdoni aufgeschrieben (nachzulesen hier). Sie handelt von Wurzeln. Von Erinnerungen. Und von der Frage, wie man sie aufrechterhält, wenn alles Gewohnte wegbricht.
Nicht gut ausgegangen: Erneut ist die Imbissbude vom Berliner Schlagerstar Frank Zander am Kurt-Schumacher-Damm überfallen worden. Ein maskierter Dieb mit gezücktem Messer erbeutete im Imbiss „Würfel II“ die Tageskasse; nun suchen Geschäftsleute auf eigene Faust nach dem Täter und haben eine Belohnung von 1000 Euro ausgesetzt (via „Berliner Kurier“).
Noch nicht ausgegangen: Der Arbeitsgerichtsprozess um den ehemaligen Manager im Olympiapark Lutz Imhof geht weiter. Er war praktisch über Nacht versetzt worden, mutmaßlich von Sport- und Innensenator Andreas Geisel (SPD) selbst, nachdem ein Sicherheitsmann den Star-Dirigenten Daniel Barenboim nach einem Symphoniekonzert in der Waldbühne nicht mit dem Auto zur Party im Olympiapark durchfahren lassen wollte – wegen erhöhter Sicherheitsmaßnahmen. Der Streit eskalierte (via RBB), und geht in Moll weiter.
Schnell noch ein neues Betriebsstörungsbingo aus dem ICE von München nach Berlin, festgehalten von unserer Leserin Hanna Wegerich. Auf der Bahnanzeige (Beweisfoto hier) ist zu lesen: „ICE 77777: Wir reinigen.“ Der nicht ganz saubere Zug fährt übrigens nach: „einsteigen! Via: bitte nicht.“
Und dann auch das noch; mitgehört im Zug von Dresden nach Berlin bei einem älteren Herrn: „Die Mondlandung hab ich nicht mitbekommen. Wir hatten kein Westfernsehen.“ Offenbar erst recht kein Sattelitenfernsehen.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Die Zigarette nach Feierabend, wenn der Laden geschlossen war und ich noch mit der Belegschaft an der Bar saß. So haben wir miteinander die schlechten Abende durchgestanden, an denen irgendjemand von uns durch den Wind war, die guten Abende, an denen wir kein Ende fanden, wir saßen in einem wackligen Bus in Nairobi, in der Bibliothek mit Kant und am Abgrund eines längst vergessenen Liebeskummers, im Wissen darum, dass auch die größte Liebe niemals diesen Ort aufwiegen kann, an dem wir alle zusammen durch den Raum getanzt sind.“
Nora Bossong, Berliner Schriftstellerin, erinnert sich an das alte Café Sur in der Schöneberger Akazienstraße. Nach einem Pächterwechsel ist alles anders geworden – ein Nachruf zu Lebzeiten.
Tweet des Tages
Im Urlaub gewesen, und jetzt: erstes Ferienhauses bewerten, das zweite, Mietwagen bewerten, Airline fragt, wie der Flug war, gerade beim Friseur gewesen, hier kannst du uns bewerten. Bewerten, bewerten, bewerten. Ach ja, bestes Berliner Bier: in Randolphs Desperado-Kneipe.
Stadtleben
Essen & Trinken – Im Rahmen der Berlin Beer Week, veranstalten der Käsehandler aus der Markthalle Neun, Alte Milch, und die Berliner Berg Brauerei aus Neukölln einen „Saure Milch“-Abend. Aber keine Sorge, sauer ist hier nur das Bier, und der Käse schön gereift. Auf der Karte stehen vier verschiedene Sorten Berliner Weiße, zu jedem sauren Tropfen gibt's den dazu passenden Rohmilchkäse. Das Ganze findet im hipsterig-rusikalen Bergschloss im Rollbergviertel, dem „Brauereikiez" Neuköllns, statt. Kopfstraße 59, 20-22 Uhr. Tickets gibt es hier für 24,62 Euro und an der Abendkasse, U-Bhf Karl-Marx-Straße.
Berlinbesuch – Manchmal steht es einem nach seichter, aber guter Unterhaltung. Sind wir allein, setzen wir dabei meist auf bekannte Streamingdienste. Doch mit dem Berlinbesuch muss schon ein etwas elaborierteres Programm her. Diesen Kriterien entspricht im besten Sinne wohl der heutige Abend im Kunsthaus Acud (Veteranenstraße 21, U-Bhf Rosenthaler Platz). Die Jungs von Punchline Comedy präsentieren dort die „heißesten Talente der Berliner Standup Comedy Szene“. Angesagt ist ein gemischtes Programm mit jungen Nachwuchskünstlern und fortgeschrittenen Talenten, es ist schließlich ein Open Mic und damit offen für alle. Losgelacht wird ab 20.15 Uhr, Eintritt ist um 20 Uhr und kostenlos. U-Bhf Rosenthaler Platz
Geschenk –Wie die Urban Gardener glauben die Gründer von Urban Cosmetics, dass eine nachhaltige und biologische Produktion in der Stadt Sinn macht. In dem Fall geht es aber nicht um Gemüse, sondern um Kosmetikprodukte. Diese sind handgemacht, vegan und frei von Tierversuchen. Die Unisex-Produkte werden mit ausgesuchten Rohstoffen natürlichen Ursprungs in einer Berliner Manufaktur hergestellt. Der Shop befindet sich am Lausitzer Platz 11 (U-Bhf Görlitzer Bahnhof), wenn Sie aber nicht genügend Zeit haben, selber hinzufahren und was auszusuchen, können Sie auch einfach etwas über den Onlineshop bestellen. Hier gibt es zum Beispiel eine kleine Geschenkbox, die ein dreiteiliges Gesichtspflegeset aus Blütenwasser und Gesichtsölen beinhaltet (24,90 Euro).
Last-Minute-Tickets – „Wish You Were Here!“ ist die dritte Ausgabe des Sommerfestivals von AFAC (Arab Fund for Arts and Culture) und findet in diesem Jahr vom 23. bis 26. Juli im Silent Green Kulturquartier statt. Heute tritt um 20 Uhr der tunesische Künstler Mohamedali Ltaief auf und gibt mit Live-Klängen und Tanz „Denkanstöße und untersucht Stereotypen zwischen Islamophobie und Selbstorientalisierung.“ Seine Musik wird als „transorientalistische Ästhetik“ beschrieben. Um 21 Uhr geht es weiter mit „Sawt Out“ – eine Zusammenarbeit des libanesischen Künstlers Mazen Kerbaj mit den Perkussionisten Michael Vorfeld und Burkhard Beins, beide bekannte Namen der Berliner Echtzeitmusikszene. Die Tickets sind ausschließlich an der Abendkasse (tgl. ab 19 Uhr) erhältlich und kosten für ein Konzert 5 Euro, für zwei 10 Euro. Gerichtstraße 35, S/U-Bhf Wedding
Noch hingehen –Kennen Sie eigentlich die Geschichte Ihres Kiezes? Friedrichshain-Kreuzberg zum Beispiel war ein zentraler Schauplatz der Revolution 1918/19 im Kampf der Bevölkerung um Frieden, Freiheit und Brot. So heißt auch die Sonderausstellung im Friedrichshain-Kreuzberg Museum, die noch bis zum 28. Juli geöffnet hat. Anlässlich der 100 Jahre Revolution werden Themen aufgezeigt, die weniger im kollektiven Gedächtnis verankert sind, so wie die Friedensbewegung, die Versorgung der Verletzten nach den Barrikadenkämpfen und die Rolle der Arbeiterfrauen im Vorfeld und während der Revolution. Di-Fr 12-18 Uhr, Sa-So 10-18 Uhr, der Eintritt ist frei. Adalbertstraße 95a, U-Bhf Kottbusser Tor
Mit diesem Stadtleben wünscht Ihnen Carmel Schnautz einen sonnigen Dienstag.
Prominent verraten
Unser Berliner ist gerne sportlich unterwegs – ist aber kein Sportler. Wenn er mit dem Fahrrad über die Schillingbrücke fährt, hält er gerne kurz an, um sich der Aussicht zu erfreuen, gerade wenn die Dämmerung anbricht.
Bekannte Berliner fotografieren für uns eine Woche lang täglich Ausschnitte aus ihrem Leben. Die Auflösung kommt immer freitags mit einem Selfie.
Erraten Sie, wer sich diesmal hinter den Bildern versteckt?
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Berlin heute
Verkehr – Auf der Landsberger Allee (Marzahn) kann bis zum 9. August stadteinwärts an der Kreuzung Rhinstraße nicht abgebogen werden, nur die Geradeausspur ist befahrbar. Ab 7 Uhr ist die Johannisthaler Chaussee (Buckow) in Richtung Baumschulenweg zwischen Buckower Damm und Heideläuferweg bis Mitte September gesperrt. Auf der Danziger Straße (Prenzlauer Berg) ist ab 7 Uhr an der Kreuzung Kniprodestraße in Richtung Eberswalder Straße das Linksabbiegen bis Ende August nicht möglich.
Demonstration – Etwa 100 Menschen versammeln sich heute zwischen 16.30 und 17.30 Uhr am Nollendorfplatz anlässlich „30 Jahre Mahnmal Rosa Winkel“. In der Emmentaler Straße 97 kommen von 18-19.30 Uhr ca. 20 Menschen „In Gedenken an Beate Fischer, die vor 25 Jahren von Neonazis ermordet wurde“, zusammen. Auf dem Breitscheidplatz demonstrieren ungefähr 20 Personen zwischen 18 und 20 Uhr unter dem Motto „Black July 1983 – Gedenken an die Opfer in Sri Lanka“ .
Gericht – Weil er rund um den Hauptbahnhof gestohlen sowie Reisende beleidigt und bedroht haben soll, kommt ein 30-Jähriger auf die Anklagebank. Der Mann gilt als schuldunfähig. Die Staatsanwaltschaft strebt seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 820).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur Tagesspiegel (59) / Volker Hasewinkel (60): „Deine Hasen wünschen Dir alles Gute zum 60. Geburtstag“ / Susan Hoecke (38), Schauspielerin und Model / Irina Liebmann (76), Schriftstellerin / Anna Maria Mühe (34), Schauspielerin / Wolfgang Schäche (71), Architekturhistoriker / Ines Heuer-Sehlmann (55): „Immer schön treffsicher bleiben“, wünscht ihr Mann.
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Hildegard Lösche , *4. Juli 1920 / Renate Gombert / Friedrich-Wilhelm Dähne, *29. Juli 1928 / Martin Behnisch, *28. Januar 1944
Stolperstein – Hedwig Pinkus (Jhg. 1886) wohnte in der Thomasiusstraße 20 in Mitte. 1939 floh sie nach Amsterdam, wo sie 1943 verhaftet und mit ihrem Sohn und dessen Frau ins Sammellager Westerbork überführt wurde. Nach zwei Monaten brachte man sie in das Vernichtungslager Sobibor – direkt nach ihrer Ankunft brachten die Nazis sie um. Ihr Sohn und seine Frau wurden nach Theresienstadt deportiert und 1945 befreit.
Im Tagesspiegel
Sie will sich das Land ihrer Kindheit zurückerobern. Dieses Land, das vielen Deutschen trotz der Nähe so fern geblieben ist. Für ein Jahr zieht Emilia Smechowski nach Danzig, beobachtet Politik, Menschen, Alltag – und stößt an Grenzen.
Lesen Sie das Portrait von Katja Demirci heute auf Seite 3 im Tagesspiegel und im E-Paper.
Encore
So, zum Abschied machen wir hier mal keine Hitzewelle, sondern lassen uns leise berieseln von Schnee und Schlagern. Denn jedes Jahr hat ein Ende – nur bei der ARD nicht, da hat es diesmal zwei. Der Sender ließ gestern wissen, dass die ARD-Silvestershow „in diesem Jahr nicht live gesendet“ wird. Vielmehr soll die Party-Sendung bereits am 15. November in der Offenburger Stadthalle aufgezeichnet werden. Um Mitternacht immerhin wird dann live nach Berlin ans Brandenburger Tor geschaltet. Was die ARD bei ihrer Konservenbüchsenplanung allerdings vergessen hat: Wir feiern hier dieses Jahr schon am 9. November. Mit Jubiläumspilsner aus der Büchse.
Morgen haben wir bestimmt wieder ein paar Knaller für Sie. Bis dahin lassen Sie es krachen – oder machen Sie im Urlaub mal so gar keine Sachen. Ich grüße Sie,