glänzen Ihre Augen schon? Berlin jedenfalls funkelt. Am Potsdamer Platz wird bereits Glitzer verkauft (biologisch abbaubar; für 9.90 Euro) – aber nur wegen der Berlinale. Mit Funken gefeiert wird dagegen mit großem Helau und Hejo im Verborgenen: beim Berliner Karneval. „Für die tollen Tage ziehen wir in unsere Hofburg, das Hotel Berlin, Berlin am Lützowplatz“, verrät Klaus Heimann, Präsident der Berliner Karnevalsverbands und in diesem Jahr als Klaus I. auch Prinz von Berlin. Leider fühlt sich der König des köllschen Kalauers nicht genug gewürdigt in Neukölln und den umliegenden Dörfern. Und über die letzte jeckische Residenz, das Hostel auf dem Gelände der nordkoreanischen Botschaft, wurde auch nur berlinisch rumgemeckert. „Es wird Zeit, dass man uns anerkennt und fördert wie den Karneval der Kulturen“, fordert Klaus I. am Checkpoint-Telefon. Etwas verändern will er trotzdem nicht am närrischen Vertreiben der neuen Zeit; Brauch ist Brauch – egal, wer’s braucht.
Einen Berliner Karnevalsumzug gibt es mangels Kohle für Kamelle auch in diesem Jahr nicht. Schon die letzten sind – wegen hoher Lärmschutz- und Sicherheitsauflagen – in die Spree gefallen; dabei waren einst immer mindestens 300.000 lustige Leute dabei. So steht es jetzt zumindest bei Wikipedia (entdeckt vom Bot @bundesedit). In dem Online-Lexikon war zuletzt noch von 10.000 Besuchern die Rede gewesen – „ich weiß nicht, wer das da eingetragen hat“, entrüstet sich Heimann, der zugibt, „das jetzt mal korrigiert zu haben“. Nicht mal der Regierende Bürgermeister habe Zeit für die Sorgen der Trachtenträger, die die Sorgen anderer mit Frohsinn zu vertreiben trachten. Für seine trächtigen Tage hat Heimann immerhin genug Zeit; der gebürtige Kölner ist im Bundestag in der Verwaltung angestellt. Er kann deshalb Ausfallstunden nacharbeiten und mal fünf Wochen lang fünfe gerade sein lassen. In Berlin nimmt ihm das sowieso keiner krumm.
Die Hauptstadt hält uns sowieso auch ohne Karneval zum Narren – braucht es dafür wirklich einen Fasching? Stimmen Sie hier ab und Berlin um. Damit die Stadt bald noch mehr Funken schlägt.

Schalten wir aus der Hauptstadt rüber in die Bonner Republik. Hier schlagen sich vier Herren älteren Schlages aus Nordrhein-Westfalen um den Parteivorsitz der CDU, der gesamtdeutschen wohlgemerkt. Dabei sind Unwohl und Wehe der Ost-CDU gerade viel entscheidender für die Zukunft der Partei. Wie also soll die Chaotisch-Demokratische Union von Thüringen auf den Vorschlag des Ex-Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) reagieren, die Ex-Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) als vorübergehende Ministerpräsidentin zu wählen? Das wüsste sie selbst gerne – eine Krisensitzung der Parteien in Erfurt brachte in der Nacht jedenfalls keine Antwort.
Der neue Ostbeauftragte der Bundesregierung Marco Wanderwitz, wegen des Thüringer Desasters gerade erst ins Amt gekommen, hat zumindest eine klare Meinung. „Eine auf Dauer angelegte überparteiliche Regierung wäre das Gebot der Stunde“, sagt der sächsische CDU-Politiker auf Checkpoint-Nachfrage. Gegenüber der Linken besteht er weiter auf Abgrenzung wie zur AfD. „Ich bin sehr dafür, dass wir den Unvereinbarkeitsbeschluss nach beiden Seiten halten“, sagt Wanderwitz. „Es gibt ihn jeweils aus guten Gründen. Bei der Linken wegen der Vergangenheit – Stichwort Unrechtsstaat – und wegen der Gegenwart – Stichwort linksradikale Tendenzen.“ Abgesehen von Thüringen sei die Linke im Osten sowieso im freien Fall; „gut so“, findet der neue Ostbeauftragte. Allerdings muss seine CDU noch eine Idee finden, um nicht mitzufallen.
In Kreuzberg kriegt man auch nichts mehr für ‘nen Appel und ‘n Ei. Erst recht nicht in der Markthalle Neun, bei deren Umgestaltung der Aldi auf dem Grabbeltisch landen soll. Die Initiative „Markthalle für alle“ beklagt nun in einem Brief an den Checkpoint „Chaos, Desorganisaton, Intransparenz“ des Bezirksamts bei der Bürgerbeteiligung: „Kläglich steht derzeit die Tafel zum Dialogverfahren in der Halle, arg zerrupft, obwohl eigentlich diese Dialogtafel alle zwei Wochen geupdatet werden sollte.“ Eine Ende Januar geplante Dialogwerkstatt sei auf Mitte März verschoben worden. Und in den Umfragen im Kiez werde „gar nicht explizit zur Markthalle Neun oder gar zum Aldi oder einer bezahlbaren Lebensmittel-Grundversorgung in selbiger gefragt“. Auf Nachfrage lässt Bezirksbürgermeisterin Monika Hermann (Grüne) wissen, dass derzeit alle Dialogbögen durchgekaut ausgewertet würden. „Das kann noch einige Wochen in Anspruch nehmen.“ Die Öffentlichkeit werde bald umfassender informiert, was im Kern die neue Markthalle sein soll und wer künftig hier in welchen sauren Apfel beißt. Das scheint auch nötig, ehe sich die Bürger an die Birne fassen.
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Im Rahmen des 34. Deutschen Krebskongresses findet am 22.2.2020 der Krebsaktionstag im CityCube Berlin statt. Betroffene, Angehörige und Interessierte können sich dort informieren: über verschiedene Krebsarten und Themen wie Bewegung und Ernährung bei Krebs. Experten und Selbsthilfevertreter stehen für Fragen zur Verfügung. Eintritt frei.
www.krebsaktionstag.de
In Berlin kommt man ja nachts nicht in jeden Schuppen rein. In einen Bretterschuppen in Wedding darf man allerdings ab sofort einziehen (Foto hier). Auf 18 Quadratmetern bietet die Holzbude auf einem Hinterhof in der Grüntaler Straße immerhin Platz für ein Bädchen mit Waschmaschine und Schränkchen, ein Küchenzeilchen mit Kühlschrank und Spüle sowie ein Bettchen mit Fernseher. Und wegen eines kleinen Treppenschränkchens gibt’s auch noch ein Staffelmietchen (startend bei niedlichen 578 Euro). „Dafür wird es beim Heizen schnell warm“, erzählt Marianne Strauss. Die 37-Jährige hat hier nach eigener Aussage zwei Jahre gewohnt und sucht nun einen Nachmieter. „Ich hatte sogar ein Klavier drin, darauf konnte ich nachts um zwei spielen und es hat keinen gestört“, behauptet sie. Inzwischen wohnt die Journalistin in Mitte auf etwas größerem Fußabdruck, aber eigentlich brauche man nur ein paar Quadratmeter und einen Sessel zum Leben, oder?
Ach so, Tisch und Barhocker sowie ein Glasschrank werden auch noch angeboten, die lagern in einem Keller nebenan; für alles zusammen möchte Strauss gerne 4000 Euro Abstand. Vorher aber will der Bezirk Mitte erst mal den Anstand des Angebots prüfen. „Schicken Bau- und Wohnungsaufsicht raus, solchen Schurken muss das Handwerk gelegt werden!“, twitterte Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne), als die Anzeige publik wurde. Mit allzu vielen Leuten sollte der Bezirk jedoch nicht anrücken. Strauss sagt: „Auch bei Partys haben da immer nur fünf Leute reingepasst.“ Für den kleinen Bretterbudenzauber.
Damit das Olympiastadion wieder einen Sinn hat, wenn Hertha mal ausgezogen ist (Jürgen Klinsmann ist ja schon vorgeflogen), will Berlins Sport gerne um die Olympischen Spiele 2036 werben. Doch zunächst wird intern um die Ringe gerungen. Denn Präsident Thomas Härtel und Direktor Friedhard Teuffel (Disclaimer: der einmal beim Tagesspiegel arbeitete) wollen nach Tokio fliegen und bei den diesjährigen Sommerspielen schon mal auf einem Berliner Abend netzwerken. Dem Schatzmeister des Landessportbundes Reinhard von Richthofen ist das aber zu teuer, zumal die Mitgliedsbeiträge für Berlins Sportvereine bald angehoben werden dürften. Die Lust auf die Reise, die er keinesfalls als „Lustreise“ deklariert sehen will, ist Härtel trotz der Kritik seines Vizes nicht vergangen. Und bei der internen Entscheidung wird der Schatzmeister nicht aufkreuzen – er ist auf Kreuzfahrt gegangen. Gerade in der Sportpolitik ist aber dabei sein alles.
Stefan guckt traurig in die Kamera, der Busfahrer aus Biesdorf ist gestern an seiner Stadt verzweifelt – vor allem an uns Berlinerinnen und Berlinern. Einer seiner Kollegen, so schilderte er es am Abend im Internet, habe seine erste Tour allein mit dem BVG-Bus gehabt und sei dabei nicht ganz auf Linie geblieben. Er sei etwas vorsichtiger gefahren, denn „Sicherheit geht vor Pünktlichkeit“. Der Bus habe so Verspätungen gesammelt, der junge Fahrer sich auch noch am Bordcomputer verdrückt. Stefan half dem Neuen, als er ihn mit seinem Bus einholte, warb um Verständnis bei den Fahrgästen – sei aber sofort angegangen worden, was die BVG für ein „inkompetentes, unfähiges, blödes, dämliches Personal einstellt“. Verständnis: null. „Jeder wollte nur: Ich. Ich. Ich. Ich.“ Stefans Fazit an der Endhaltestelle: „Ganz ehrlich Leute, wo ist die Menschlichkeit geblieben?“ Im Berufsverkehr wird sie jedenfalls schon länger vermisst:
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Vorfreude auf den Ball der Wirtschaft 2020!
Der Countdown läuft, nur noch drei Tage bis zum Ball der Wirtschaft 2020! Der VBKI freut sich auf das Who’s Who der Hauptstadt, rund 3000 Gäste werden erwartet. Steigern Sie Ihre Vorfreude und folgen Sie uns auf unseren Social-Media-Kanälen – beispielsweise auf Instagram >>
Nicht wenige verstehen in Berlin nur Bahnhof. Erst recht der Senat, der mit der Bahn über eine „Rahmenvereinbarung zur Investition in Bahnhöfe“ verhandelt. Dabei geht es etwa um Barrierefreiheit. Und so viel steht jetzt schon fest, wie die Verkehrsverwaltung auf Anfrage des CDU-Abgeordneten Mario Czaja verrät: „Da die Rahmenvereinbarung derzeit noch verhandelt wird, kann weder das Investitionsvolumen noch die Verteilung der Mittel auf die Bezirke, die Anzahl der Maßnahmen oder die Priorität einzelner Maßnahmen benannt werden.“ Was soll’s, noch im ersten Quartal 2020 soll es erste Eckpunkte geben nach fünf Jahren Verzögerungen im Gesprächsablauf und manch entgleisten Gesichtszügen. Bei seinen Bahnhöfen tritt Berlin auf der Schwelle.
Und dann noch diese schlechte Nachricht: Der Politiker Karamba Diaby, dessen Bürgerbüro in Halle beschossen worden war, erhält nun auch Drohungen aus Berlin. In einem anonymen Schreiben an die SPD-Fraktion Marzahn-Hellersdorf (unterzeichnet mit „wir = das deutsche Volk“) wurde Diaby rassistisch mit dem N-Wort beschimpft und, sollte er nicht „schleunigst in seine Heimat zurückkehren“, mit Gewalt durch eine „Karbatsche“ (eine frühere Sklavenpeitsche) bedroht. Die SPD Marzahn-Hellersdorf, in der der in Senegal geborene Diaby öfter Gast ist, hat Anzeige erstattet. „Diese feige und widerliche Herabsetzung der Würde eines Menschen darf in keiner Form geduldet werden und muss als Drohung und Angriff auch auf das demokratische und freiheitliche Zusammenleben aller Bürgerinnen und Bürger gewertet werden“, sagte Fraktionschefin Jennifer Hübner. Die Würde jedes Menschen, sie muss unantastbar bleiben.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Quadratisch, praktisch, nett. So ritt der Berlkönig durch Nacht und Wind. Doch nun erreicht das BVG-Sammeltaxi den Hof nur mit Müh und Not, die Koalitionsfraktionen erklärten das Projekt in ihren Armen gestern für tot (via „Morgenpost“ und RBB). 43 Millionen Euro pro Jahr waren Rot-Rot-Grün als Fahrpreis zu hoch. Ab Ende April gibt es ein alternatives Angebot zum eigenen Auto weniger. Und der Bus als Taxi ist endgültig abgefahren.
Machtwort in eigener Sache: Das wollte Raed Saleh nach seiner verunglücken Demokratietheorie im Fernsehen bei Talk-Trasher Kurt Krömer sprechen. Nur: Berlins SPD-Fraktionschef kam kaum zu Wort, weil er nur vorgefertigte Worte mitgebracht hatte: „Ich möchte gemeinsam mit Franziska Giffey Verantwortung übernehmen.“ Tja, das wusste man schon – aber warum, blieb in der RBB-Nachtsendung unklar. Selbst Krömer, der irgendwann fragte: „Macht es Ihnen auch so wenig Spaß wie mir?"
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Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie sucht für das Programm „ProRespekt“ ab sofort Fachkräfte (w/m/d) im Bereich Sozialarbeit zur Gewaltprävention und -intervention sowie Demokratieentwicklung an Berliner Schulen im Bezirk Reinickendorf.
Anstellung in Vollzeit | Entgeltgruppen S 11b TV-L | zusätzliche Altersvorsorge
Mächtiges Wort in wichtiger Sache: Die grüne Wirtschaftssenatorin Ramona Pop ist wegen der grün angemalten Baumbesetzer im Tesla-Wald hinter der Stadtgrenze auf dem Baum. „Man muss nicht immer gegen alles sein. Es ist abwegig, eine Kieferplantage zu einem Wald zu erklären“, ließ Pop durch den Blätterwald rauschen. Die Aktivisten, die nach eigener Aussage auch für „die kurdische Resistance“, gegen „Patriarchat und Ausbeutung von Mitlebewesen“ sowie sämtliche „kapitalistische Kackscheiße“ kämpfen, werden zu den Brandenburger Randfichten.
Gar nicht am Rand, sondern im Zentrum stehen queere Filme bei der Berlinale. Quer durch alle Reihen, aber vor allem in der Sektion Panorama wird mit der Vielfalt des Lebens und dem Teddy-Award gekuschelt. Im Interview mit unserem morgen erscheinenden Queerspiegel-Newsletter (kostenloses Abo hier) sagt Panorama-Chef Michael Stütz: „Das queere Element ist nicht nur so ein lasches ‘Das ist schon okay, dass es das gibt‘, sondern es besteht ein ausgeprägtes Bewusstsein dafür, dass es der Berlinale guttut.“ Und das ist gut so.
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Wenn die Bahn schon nicht kommt, soll sie bald gehen. Zumindest soll sie ihre alten Grundstücke an Berlin veräußern, damit die Stadt dort ihre Wachstumsschmerzen mit Wohnungen oder Kitas oder gar sauberen Grünflächen lindern kann. Nach Checkpoint-Informationen aus Senatskreisen soll die Bahn demnächst 80 Vorschläge für Flächen machen. Wird auch Zeit, dass hier die Weichen neu gestellt werden. Bisher hat sich Berlin selbst den landeseigenen Boden unter den Füßen weggezogen.
Dass ein Pfannkuchen kein Berliner ist und Berliner höchstens Hamburger essen, dürfte sich inzwischen bis zur letzten Wiener rumgesprochen haben. Leider ist das manchen Bäckern in Österreich und Bayern wurst; sie pappen neuerdings Leberkäse, Mett oder ein Schnitzel zwischen zwei Pfannkuchen-Hälften (Beispiele hier). Immerhin die Bezeichnung dafür dürfte eindeutig sein: AuwEiakuchen.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
"Sie töten uns. Jeden Tag könnte es auch mich treffen."
Ein Freund wurde erschossen, ein anderer sitzt im Gefängnis. Reza will trotzdem wieder demonstrieren – und die Wahlen am Freitag im Iran boykottieren. Seine ganze Geschichte gibt es hier.
Tweet des Tages
Wenn du noch Single bist, liegt das daran dass du 2015 den Kettenbrief nicht weitergeschickt hast.
Stadtleben
Essen – Hinter der Theke stapeln sie sich. Dick und braun. Die Oberfläche rau und fest. Beim reinbeißen knuspert’s. Und innen ist es weich und saftig. Butter? Marmelade? Käse? Unnötig. So ein Brot genügt sich selbst. Bei den Bäckereien von „Zeit für Brot“ in Berlin lässt sich ein großes Defizit dieser Stadt ausgleichen: Gutes Schwarzbrot finden. Wem das, schändlicher Weise, zu langweilig ist, der kann sich an süßen Schneckchen sattessen. Etwa an Apfel-Zimt, Wallnuss-Ahorn, weiße Schokolade und Mohn-Mandel. Es gibt mehrere Standorte in Berlin – in Charlottenburg, Mitte und Prenzlauer Berg. Wo, finden Sie hier.
Trinken – Auf ein Glas mit Sally Bowles... ach, nein, im Sally Bowles. Nach der fiktiven Figur aus den Romamen von Christopher Isherwood ist nämlich eine echte Bar in Schöneberg benannt. Ganz im Stil des Musicals „Caberet“, das im Berlin der 1930er Jahre spielt, kann man dort Cocktails auf ausladenden Polstersofas trinken, dazu Jazz und Swing hören – oft wird live gespielt. Am 28. Februar gibt es eine echte „Funkstunde“, mit dem Tariforchester und Gesang von Frollein Söllner – am besten schon mal Plätze reservieren! Di-So 18-1 Uhr. Eisenacher Straße 2, U-Bhf Nollendorfplatz
Geschenk – Die meisten Stücke sind filigran, gar nicht oder nur dezent verziert. Passen Worte die „dezent“ und „filigran“ denn zu Berlin? Die ersten rufen: Nein! Aber: schon irgendwie. Der Schmuck der Marke Jukserei ist speziell, ohne es raushängen zu lassen. Und so kann Berlin auch sein, wenn es will. Die Ringe, Ketten, Armbänder und Ohrringe werden hier entworfen und in Italien angefertigt. Die Firma selbst kommt aus Dänemark. Sie sind aus Silber und Gold, zart und doch auffällig. Der Preis rangiert von 16 Euro für einen Ring oder ein „Good Luck Bracelet“ bis 195 Euro für ein paar Ohrringe. Und wer es nicht so hat mit dezentem Schmuck: Eine Menge Bling-Bling bietet der „Whole Lotta Chain Single Earring“ von dem fünf goldene Ketten vom Ohr bis fast auf die Schulter baumeln (75 Euro).
Berlinbesuch – Das Yoga nicht nur glorifiziertes Dehnen ist, sollte inzwischen bei allen angekommen sein. Und wer glaubt, es sei nicht körperlich anstrengend, der war wohl noch nie beim Yoga. Allerdings geht es immer noch eine Stufe drüber. Wem Hund, Krieger, Baby-Kobra und Co. nicht mehr zu schaffen machen, der muss sich neuen Herausforderungen stellen. Zum Beispiel beim Hot Yoga (auch als Bikram Yoga bekannt). Das System unterscheidet sich kaum, aber man macht die Übungen in einem heißen Raum (bei zwischen 35 und 40 Grad) Die hohe Temperatur lässt die Teilnehmer ordentlich schwitzen. Weil der Körper dadurch schneller aufgewärmt ist, empfiehlt es sich aber nicht nur für Profis, sondern auch für mutige Anfänger oder jene, die weniger beweglich sind (vorausgesetzt, der Kreislauf macht mit). Hot Yoga wird in vielen Studios angeboten, hier ein paar Beispiele: Berlin Hot Yoga (Boxhagener Straße 76-78 S-Bhf Ostkreuz), Bikram Yoga Berlin Mitte (Krausnickstraße 23, S-Bhf Oranienburger Straße), Sunyoga Kreuzberg (Mehringdamm 33, U-Bhf Mehringamm).
Last-Minute-Tickets – „Wir trafen uns in einem Garten. Wahrscheinlich unter einem Baum. Oder war's in einem Flugzeug? Wohl kaum, wohl kaum.“ Na, wer hat gesungen statt gelesen? Die ohrwurmreifen Anfangszeile des Lieds der Band „2Raumwohnung“ ist auch der Titel einer Lesung mit Sängerin Inga Humpe heute in der Volksbühne, sowie jener ihres ersten Buches, dass sie dort vorstellt. Es geht um Sehnsucht, ums Saarland und um Songwriting – und wie aus diesem Mix Lieder entstehen, die die Gefühle einer Generation wiedergeben. Mit auf der Bühne sind außerdem die Helene Hegemann (Axolotl Roadkill) und Benjamin von Stuckrad-Barre (Soloalbum). Eintritt 14 Euro, Beginn 20 Uhr. Linienstraße 227, U-Bhf Rosa-Luxemburg-Platz
Noch Hingehen – Ilya und Emilia Kabakov sind dafür bekannt, fantastische Räume zu gestalten. Begehbare Kunst, Installation mit und durch Architektur, wie etwa „The Palace of Projects“, aufgebaut in der Zeche Zollverein, oder „The Red Pavilion“, der auf der 45. Biennale in Venedig 1993 ausgestellt wurde. Aber wie fängt es an? Was ist die Idee, die am Beginn steht? Im Museum für Architekturzeichnungen der Tchoban Foundation sind noch bis Sonntag, 23.2, die Skizzen ausgestellt, die später zu Installationen wurden. Zu sehen sind aber auch Dinge, die nie umgesetzt wurden. „In the Making: Ilya & Emilia Kabakov. Von Zeichnung zu Installation“. Mo-Fr 14-19 Uhr, Sa-So 13-17 Uhr. Eintritt 5/3 Euro. Christinenstraße 18a, U-Bhf Senefelderplatz
Verlosung – Die Bundes-CDU sucht einen neuen Chef, die Berliner SPD streitet über Aussagen von Fraktionschef Raed Saleh, die FDP versucht sich ungelenk aus AfD-Nähe zu manövrieren, die Thüringer Linken machen alles ganz anders und bei den Grünen ist sicher auch irgendwas. Es gilt: Alles halb so mühsam, wenn man Witze darüber macht. Am Politischen Aschermittwoch, dem 26. Februar, treten darum ab 20 Uhr „Wortkünstler“, wie es in der Ankündigung heißt, im Theater des Westens auf, um die Lage der Nation zu analysieren. Wir verlosen 1x2 Karten dafür. Dabei sind: Sarah Bosetti, Josef Brustmann, Fathi Çevikkollu, Nils Heinrich und Georg Schramm. Musik von der Andrej Hermlin and his Swing Dance Band. Kantstraße 12, S/U-Bhf Zoologischer Garten
Berlin heute
Verkehr – A10 (Nördlicher Berliner Ring): Ab 8 Uhr bis 16.03, 16 Uhr, Vollsperrung der Auf- und Abfahrt der Anschlussstelle Oberkrämer Richtung Dreieck Havelland (Hamburg).
Bismarckstraße (Charlottenburg): Richtung Ernst-Reuter-Platz sind in Höhe Wilmersdorfer Straße bis Anfang März nur zwei Spuren frei
Hauptstraße (Friedenau): Von 6 bis 20 Uhr in beiden Richtungen zwischen Niedstraße und Rheinstraße auf jeweils einen Fahrstreifen verengt.
Rummelsburger Straße (Friedrichsfelde): In Höhe Robert-Uhrig-Straße regelt eine Baustellenampel den Verkehr.
Friedenstraße (Friedrichshain): Ab 8 Uhr ist zwischen Friedrichsberger Straße und Pufendorfstraße die Fahrbahn in beiden Richtungen auf jeweils einen Fahrstreifen verengt – bis Anfang März.
Potsdamer Platz (Mitte): Um 18 Uhr startet ein Fahrradkorso. Bis zum späten Abend kann es zu Verkehrseinschränkungen in der Innenstadt kommen.
Müggelheimer Straße (Köpenick): In Höhe Pohlestraße ist die Fahrbahn auf einen Fahrstreifen verengt.
Spandauer Straße (Mitte): Von 11-14 Uhr in beiden Richtungen zwischen Karl-Liebknecht-Straße und Rathausstraße gesperrt.
Messegelände (Westend): Wegen eines Kongresses ist von 9 bis19.30 Uhr mit Verkehrsproblemen zu rechnen.
Demonstration – Der „Protest gegen die Grundrente / Symbolische Verleihung einer goldenen Gießkanne“ findet von 8-13 Uhr mit angekündigten 10 Teilnehmern auf dem Zietenplatz in Mitte statt. Anmelder ist die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. In der Leipziger Straße vor dem Bundesrat beginnt um 9.30 Uhr die Kundgebung „Tierhaltung in Deutschland macht Sinn“. Sie geht bis 13 Uhr, 10 Menschen werden erwartet. Organisator ist der Verein Bauförderung Landwirtschaft. Von 10-14 Uhr kann jeder der mag zur „Informationsaktion für die Petition Demand your right to repair your Smartphone“ kommen. 10-14 Uhr, Weltzeituhr am Alexanderplatz, Veranstalter ist der Runde Tisch Reparatur. Zehn Teilnehmer sind angemeldet. „Nein zu Datteln 4“ lautet der Titel des Protests von Greenpeace von 11-14 Uhr in der Willy-Brandt-Straße im Forum vor dem Bundeskanzleramt. Fünf Personen sind angekündigt. Die Tierschutzorganisation PETA ruft zur „Demo gegen Tierversuche in Kosmetika“ auf (Pariser Platz, 11.30-13.30 Uhr, acht Teilnehmer). Die mit Abstand größte Kundgebung morgen ist vom Taxigewerbe organisiert: Ca. 1000 Teilnehmer versammeln sich unter dem Motto „Schützt das Taxi“ vor dem Roten Rathaus von 11.30-14 Uhr. Von 12-14 Uhr findet die Kundgebung „#Mehrals1 – Zeichen setzen für einen starken EU-Haushalt vor dem EU-Sondergipfel zum Mehrjährigen Finanzrahmen der EU“ statt. Ort: Willy-Brandt-Straße, Forum vor dem Bundeskanzleramt, 30 Teilnehmer. Veranstalter ist die Europa-Union Deutschland.
Zu Gast im Bundeskanzleramt ist die Ministerpräsidentin Finnlands Sanna Marin.
Gericht – Weil er eine antisemitische Karikatur auf einer Internetseite veröffentlicht haben soll, wird einem 45-Jährigen der Prozess wegen Volksverhetzung gemacht. Zudem wird ihm im Zusammenhang mit einem eingestellten Video Gewaltdarstellung zur Last gelegt (9.45 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 768).
Universität – Jedes Jahr kührt die Universität der Künste die besten Studenten in den Fächern Violine und Viola beim Max-Rosental-Wettbewerb. Heute um 14 Uhr geben die Preisträger von 2019 ein Konzert im Konzerthaus Berlin am Gendarmenmarkt. Gespielt werden Brahms, Szymanowski und Schubert. Der Eintritt kostet 8 Euro
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Mohamed Ayad, aka Tony D, (37), Rapper / Sascha Grammel (46), Comedian / Helene Hegemann (28), Autorin / Georg „Otto“ Hoffmann, Schulleiter a.D. / Hansi Jochmann (67), Schauspielerin und Synchronsprecherin / Sigrid Kubaschk, „Alles Liebe und Gesundheit zum Geburtstag, Dein Lieblingsmann!“ /Steffi Kühnert (57), Schauspielerin / Minh-Khai Phan-Thi (46), Schauspielerin und Fernsehmoderatorin / Christiane Reiff (68), Schauspielerin / Boriana „Bo“ Rosenmüller, „Produzentin, Casterin, Dozentin & absolute Knallerfrau“ / Barbara Schnitzler (67), Theater- und Fernsehschauspielerin / Harald Ulrich (69) / Hans-Ulrich Unglert (67), „ehrenamtlicher Richter und Tagesspiegelfan“ / nachträglich: Lutz Tempelhagen (67), „Musiker, Komponist, Wortakrobat: Er macht einfach weiter – alles Gute dafür!“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Reinhard Bartel, * 23. Dezember 1955 / Horst Barteldes, * 5. Januar 1941 / Karlpeter Lück, * 14. Juli 1944 / Karl-Heinz Tessendorf, * 28. Juni 1936, Studiendirektor a.D. / Heiner Zacharias
Stolperstein – Fritz Klaus (Jhg 1881), war Richter in Berlin. Er führte eine Beziehung mit dem ehemaligen Sicherheitspolizisten Max Matschke (Jhg 1897). Unter den Nationalsozialisten war Homosexualität ein Verbrechen. Das Paar wurde im Sommer 1939 an die Gestapo verraten und verhaftet, aber kurz darauf wieder entlassen. Im Februar 1939 sollten sie eine mehrmonatige Haftstrafe antreten, nahmen sich jedoch am 19. Februar – heute vor 81Jahren – in der Mauerstraße 78 in Mitte, wo heute ein Stolperstein an Fritz Klaus erinnert, gemeinsam das Leben. Jener für Max Matschke befindet sich in der Friedrichstraße 34.
Encore
So, am Schluss wendet sich das Blatt. Heimlich, still und weise. So muss Tuyêt Pham immer die Notenblätter umblättern, damit das Konzert der Starpianisten in der Berliner Philharmonie nicht abblättert. „Ich wünsche mir, dass man mich nicht bemerkt“, sagt Berlins unbekannteste und damit wichtigste Notenwenderin (das ganze Interview hier). Pham, selbst Musikerin, braucht Tastsinn wie die Klavierspieler neben ihr. Ihre Hände am Flügel schlagen leicht wie unsichtbare Flügel. Und sie muss Musik vorhersehen und -fühlen – mit Sonaten auf den Augen.
Morgen spielt hier Ann-Kathrin Hipp für Sie vor. Ich drehe ab zur Berlinale und melde mich von dort täglich im Tagesspiegel. Ich sehe was, was Du bald liest – und ich grüße Sie,