Hoch die Hände, Januar-Ende! Also raus aus den Federn und rein in die Ferien! Zwar gibt es auch in diesem Winter nur im Berghain richtig Schnee (und neuerdings auch eine Eisbahn – Lauftest hier), aber Berliner bekämpfen die trockene Kälte sowieso am liebsten mit fliegendem Fernweh. Tegel ist angesichts langer Warteschlangen allerdings längst zum Verflugthafen geworden; und Kunden des Berliner Ferienfrachters Germania drohen noch andere Flüche. Die Gesellschaft zahlt ihren Mitarbeitern gerade keine Gehälter mehr – kündigt sich hier die nächste harte Landung nach Air Berlin an? Langsam geht der Hauptstadt am Himmel die Luft aus. Ein unschönes Feld.
Im falschen Film wähnt man sich in Berlin ja öfter. Zum Beispiel wenn man Batman in der U-Bahn trifft (Beweisfoto hier). Oder Dieter Kosslick im Checkpoint (siehe unten). Zur Berlinale herrscht wieder großes Kino; etwa mit dem angolanischen Beitrag „Serpentario“. Die Filmfestspiele bewerben den Film so: „Auf der Suche nach dem Geist seiner Mutter lässt sich ein junger Mann durch eine menschenleere afrikanische Landschaft treiben: eine fulminante Reise zwischen Zukunft und Vergangenheit, die Anleihen bei verschiedenen Filmgenres macht.“ Wenn Sie dieser Sache gegenwärtig werden wollen, oder 400 anderen Filmen aus aller Welt, müssen Sie sich ab Montagmorgen in die filmreifen Berlinale-Warteschlangen einreihen. Wie man beim undurchsichtigen Ticketverkauf trotzdem im richtigen Streifen landet, habe ich hier in zehn Schritten erklärt. Happy End fast garantiert.
Bau schau wem im Berliner Senat: Nun hat Berlins Reagierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) offiziell verkündet, was sowieso schon jeder weiß: Rot-Rot-Grün schafft die selbst ausgegebenen Wohnungsbauziele nicht. Statt 30.000 landeseigene Wohnungen bis 2021 werden höchstens 25.000 errichtet. Mau-Senatorin Katrin Lompscher (Linke) hat auch Wichtigeres zu tun: Sie stellt am kommenden Mittwoch die Berliner Wohnungspolitik in Hamburg öffentlich vor – Motto der Veranstaltung: „Mieten runter! Von Berlin lernen?“ Da sind nicht nur die Norddeutschen platt.
Was soll denn das heißen? Wenn Sie auf Berliner Spielplätzen „Emma und Bruno, kommt her!“ rufen, könnten sowohl sabbernde Vier- als auch Zweibeiner auf Sie zukommen. Denn Namen für Kinder und Tiere werden sich immer ähnlicher. Kurz gesagt: Der Trend für beide Kuschelgruppen geht zum Kurzruf. Das fand Namensforscher Knud (!) Bielefeld heraus (via berlin.de). Die beliebtesten Hundenamen derzeit sind: Balu, Buddy, Charlie, Bruno und Max; Kätzinnen heißen meistens Lilly, Luna, Lucy, Nala oder Mia. Mammamia, war Ihr Kind auch dabei? Früher wäre das nicht passiert, da trugen Tiere noch unmenschliche Namen wie Muschi, Mausi, Mohrle, Pussy oder Tiger. Auch nicht länger als Wort. Aber zum Glück länger her.
In Neukölln brennt leider nicht nur die Luft. Immer wieder gingen Autos von Linken in Flammen auf – bei mindestens einem der Anschläge war auch ein Politiker der AfD verdächtig. Nun brannte in der Nacht zum Donnerstag sein Wagen nach einer Attacke von drei Männern – eine Zivilstreife der Polizei konnte einen der Verdächtigen fassen. Bei dem 39-Jährigen handelt es sich nach Tagesspiegel-Informationen um einen Rechtsextremismus-Experten und Autor – er war auch auf Honorarbasis für die Amadeu Antonio Stiftung tätig (die ihn eilig aus allen Onlinepräsenzen löschte) sowie Mitarbeiter der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin. Die Anwältin des Mannes bestreitet einen „konkreten Tatverdacht“. Unstrittig ist allerdings, dass hier offenbar selbsternannte Rächer nicht nur mit dem Feuer spielen, sondern auch mit dem Rechtsstaat. So zündeln sie selbst an den Wurzeln unserer Demokratie.
Vergessen wir Dieselgate; jetzt kommt Staubsaugerfarce: Bei den Dreckfressern wird ab heute mit Energie geschleudert. Das sonst bei Elektrogeräten gültige EU-Energielabel wurde nach einem Gerichtsurteil für Staubsauger hinweggefegt (via „Berliner Morgenpost“). Denn die EU hatte den Energieverbrauch ganz nach VW-Vorbild nur durch halbgare Tests mit voll leeren Staubsaugerbeuteln geprüft. Dummerweise reinigt man ja auch, wenn der Sack schon voll, aber noch nicht zu ist – mit dann höherer Energie. Ein Sturm im Windbeutel? Auf jeden Fall wirbelt er Staub auf.
Man könnte meinen, durch viele Razzien gegen familiäre Syndikate stecke die Polizei im Verfolgungs-Clan. Doch am Ende richten Richter über das, was Recht ist. Und so kam Arafat Abou-Chaker, vor zwei Wochen spektakulär im Gerichtssaal verhaftete Milieugröße, jetzt wieder frei. Der Verdacht, eine Straftat planen zu wollen (in diesem Fall die Entführung von Familienangehörigen des Rappers Bushido), reicht nicht dauerhaft für eine Untersuchungshaft. Die Ermittlungen gegen Abou-Chaker laufen weiter und Berlins Polizeigewerkschaft hält es schon für wichtig, „dass er auch mal eine Zelle von innen gesehen hat“. Nun steckt er wieder in den Gittern seiner berüchtigt-berühmten Familie.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Im Standesamt Mitte läuft nicht alles standesgemäß. Da freuen sich die Mitarbeiter über jede Hilfe. Und über jedes ins Büro krabbelnde Baby, dessen Eltern gerade mit der Vaterschaftserklärung im Flur warten. Die Sachbearbeiterin schaut kurz von ihren Akten auf und ruft: „Ah, endlich personelle Verstärkung!“
Nächste Staffel der Netflix-Geheimdienst-Serie “Berlin Station“: In Steglitz wurde nachts ein iranischer Oppositioneller von drei Vermummten auf Persisch angesprochen und dann tätlich angegriffen. Das Opfer vermutet Agenten der Mullahs hinter der Tat. Der Staatsschutz ermittelt. Leider in reality passiert.
Neues vom Brexit: Die britische Premierministerin Theresa May versucht nun… – ach, eigentlich ist es auch egal.
Neues aus dem Bundesdorf: FDP-Chef Christian Lindner beklagt einen Kulturkampf gegen das Auto durch die Grünen: „Die Menschen sollen umerzogen und die Auto-Wirtschaft soll enthauptet werden.“ (via „Bild“). Die nächsten Verhandlungen über eine Jamaika-Koalition verlässt Lindner nicht mehr beleidigt im Sprint, sondern beleidigt im SUV.
Unnützes Wissen: Ein Paar Socken für Berliner Polizisten im Winter kostet laut Senat zwischen 1,87 (kurz) und 2,94 Euro (lang). Streifenpolizisten stehen jeweils fünf Paar zu – allerdings nicht gestreift.
Nützlicher Abgang: Barrie Kosky wird seinen Vertrag als Intendant der Komischen Oper 2022 nicht verlängern. Seiner dann wegen der Sanierung des Hauses durch die Stadt ziehenden Kompanie bleibt er aber als Hausregisseur erhalten. Sozusagen als Großvater von Oper.
Schlechte Nachricht aus Brandenburg: Die nächste mögliche Terminverschiebung am unmöglichem BER wird verschoben – auf die Zeit nach der Landtagswahl (via Stefan Gelbhaar aus dem Verkehrsausschuss des Bundestags). Offen ist nur noch, nach welcher Landtagswahl: 2019 oder 2024?
Gute Nachricht aus Brandenburg: Das Land will doch sein Versprechen einlösen und vom IS verfolgte Jesiden aufnehmen. Das bestätigt die Staatskanzlei in Potsdam. Vor allem Frauen und Kinder sind unter den Bedürftigen, die schon lange Schutz suchen und nun finden.
Das ist ja mal was ganz Neues an der Alten Försterei: Der 1. FC Union will doch in die Fußball-Bundesliga aufsteigen. Im Spitzenspiel der Zweiten Liga gelang Köpenick gestern ein 2:0-Erfolg gegen Köln – inklusive Fallrückzieher-Tor nach 25 Sekunden. Wird auch Zeit, dass sich die Lokalderbys von Hertha BSC nicht nur auf Spandau-West beschränken – morgen Nachmittag zu Gast im Olympiastadion und besser unbekannt als VfL Wolfsburg.
Auch beim Checkpoint läuft‘s: Unser Lauftreff trifft sich auch an diesem Sonnabend auf dem Tempelhofer Feld, um 11 Uhr am Eingang Tempelhofer Damm (hier Eindrücke vom Start letzte Woche). Im Ziel gibt es wieder frisches Obst; einfach dem Bananenduft folgen. Gelaufen werden sechs oder zwölf Kilometer. Gehen Sie da mit?
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
"Wir machen etwas Unerhörtes. Wir wollen, dass der Anteil der Frauen im Parlament dem Anteil in der Bevölkerung entspricht."
Die SPD-Abgeordnete Klara Geywitz vor der Verabschiedung des bundesweit ersten Parité-Gesetzes für gleichberechtigte Wahllisten in Brandenburg.
Tweet des Tages
"Irgendwas bei euch im Büro riecht total verbrannt!" – "Das sind die Mitarbeiter."
Stadtleben
Essen & Trinken mit gutem Gewissen im Deine Leber liebt Dich: Unter dem Claim „Guaranteed Healthy“ geht das Somersby Cider gleich viel reibungsloser die Kehle runter. Kommt man zur Happy Hour (tägl. bis 20 Uhr, 4,50 Euro pro Cocktail) in die Leberstraße 2-4 (S-Bhf Julius-Leber-Brücke) sollte man vielleicht vorher mit der Leber in Dialog treten. Ironiefrei genießen kann man hingegen die hauseigenen „Freshmaker“, selbstgemachte Limonaden aus frischen Früchten, wie den „Jojo’s“ mit Erdbeeren, Limette und Basilikum. Ferner serviert das unprätentiöse Schöneberger Restaurant auch „Soul Food“, also alles, was durch den Magen direkt positiv auf den Serotoninspiegel wirkt: Üppig belegtes Smörrebröd, z.B. mit Mett, Krabbensalat oder Rührei und Avocado. Auch im Angebot: „Julius-Leber“ (Bio-Kalbsleber in Salbeibutter gebraten). Tägl. 16:30-24 Uhr.
Neu in Prenzlauer Berg ist die Lamm Bar. Rau und unfertig mit unvollständig vergipsten Wänden und offenliegenden Rohren gibt sich die Cocktail-Bar in der Wisbyer Straße 1. Warmes Licht wirkt der Kahlheit entgegen, warm halten auch die „Lämmer“ und „Lämmchen“. So heißen hier die Cocktails – je nach Größe. Genauer auf die Karte schauen lohnt sich besonders: Bestellt man Phad Thai, bekommt man kein Nudelgericht, aber dafür einen davon inspirierten Drink aus Rum, Erdnuss und Limette. Snacken kann man im Lamm bald aber auch: Bayshi, bayerisches Sushi, soll bald angeboten werden. Was das ist? Na, etwa Knödelteig-Nigiri mit Leberkas auf Knödelteig mit Meerrettich, Bratensoße und Gürkchen statt Wasabi, Sojasoße und Ingwer. Wir sind gespannt! Mo-Do 18-2 Uhr, Fr-Sa 18-4 Uhr, S/U-Bhf Schönhauser Allee.