Thüringen wirkt: Berlins Grüne (62), Linke (71) und SPD (90) haben seit dem Wahldebakel der vergangenen Woche ungewöhnlich viele Parteifreunde gewonnen. In der FDP war eine erhöhte Mitgliederbewegung „sowohl bei den Austritten als auch bei den Eintritten festzustellen“, bei der AfD war einem Sprecher zufolge alles „völlig normal“. Und die CDU? Kann solche Angaben erst nach „mehreren Wochen“ machen. Keine Sorge: Wir melden uns wieder.
CDU-Landeschef Kai Wegner war beim Tagesspiegel zu Gast. Mit (Rück-)Blick auf die Thüringen-Wahl sagte er: „Für die CDU muss weiterhin klar gelten, dass es mit der AfD keinerlei Zusammenarbeit und vor allen Dingen auch keine Abhängigkeit im Regierungshandeln geben darf.“ Es werde „kein Regierender Bürgermeister mit AfD-Stimmen gewählt. Es gab, es gibt und es wird auch in Zukunft keine Zusammenarbeit mit dieser rechtsradikalen Partei geben.“ Der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke sei „brandgefährlich und viel gefährlicher“ als der bisherigen Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). Und: Man dürfe AfD und Linkspartei „nicht gleichsetzen“. Nehmen wir so – auf Wiedervorlage!
Worüber Kai Wegner außerdem gesprochen hat: Familienpolitik. „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine Herkulesaufgabe. Hier müssen wir neue Angebote und Denkansätze entwickeln, um noch mehr Frauen von unserer Politik zu überzeugen“, sagte er im Gespräch mit meinen KollegInnen. Was er auch sagte: „Nun darf es aber auch zukünftig kein Nachteil sein, ein Mann zu sein. Da müssen wir auch vorsichtig sein.“ Und schon sind die Frauen wieder weg.
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Bei der CDU Reinickendorf zu Gast war am Dienstagabend der frühere SPD-Vorsitzende und Außenminister Sigmar Gabriel, der von rund 300 (vorwiegend älteren, zutiefst bürgerlichen) Parteimitgliedern und Sympathisanten geradezu enthusiastisch begrüßt wurde.
Neujahrsempfang! Geladen hatte CDU-MdB Frank Steffel, der zu diesem Anlass traditionsgemäß Gäste aus Politik und Gesellschaft in seinen Bezirk bringt, wie mein Kollege Gerd Appenzeller berichtet. Zum 2020-Auftakt jetzt also Gabriel, der viel zu Außenpolitik sagte – und dann das: „Am Abend lesen wir bei Twitter oder Facebook meist anonymisierte Hetzereien und Polemiken über politisch Andersdenkende und müssen denken, dieses Land sei ein einziges Chaos – wenn wir aber am Morgen auf die Straße, in die Schule oder an den Arbeitsplatz gehen, werden wir mit dem ganz normalen Deutschland konfrontiert. Denkt mal nach, Leute!“ Schien anzukommen. O-Ton Gabriel: „So viel Beifall kriege ich nur bei der CDU…“
Eine Woche, nachdem eine 79-jährige Radfahrerin in Reinickendorf von einem abbiegenden LKW getötet worden ist, startet die Polizei einen Zeugenaufruf. Gesucht wird insbesondere eine Person, die sich während des Unfalls in einem nahegelegenen Schnellrestaurant aufgehalten und mit als erstes um die verunglückte Frau gekümmert haben soll.
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Im Kampf für mehr Sicherheit bekommen Berlins FahrradfahrerInnen überraschende Verbündete: Lkw-FahrerInnen. Gemeinsam haben der Fahrradclub ADFC und der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung am Mittwoch Maßnahmen von Bund und Kommunen gefordert, um weitere Tote zu vermeiden.
Erstens: Städte wie Berlin müssen ihre Kreuzungen umbauen, um Autos und Fahrräder im Verkehr zu trennen. Zweitens: FahrradfahrerInnen sollten frühere grüne Ampelphasen bekommen, um die Kreuzung vor den Autos überqueren zu können. Drittens: Der Bund sollte Lkw-Unternehmern finanziell fördern, um Fahrzeuge mit Abbiegeassistenten auszustatten. „Grundsätzlich unterstützen wir die Vorschläge“, heißt es aus der Berliner Verkehrsverwaltung. Fehlt nur noch die Umsetzung.
Noch fährt er spät durch Nacht und Wind – bald vielleicht nicht mehr. Wir haben Sie nach Ihrer Meinung zum BerlKönig gefragt. Sie haben geantwortet. Eine Auswahl: „Natürlich ist der Berlkönig überflüssig, solange er nur im Zentrum verkehrt. (…)“ Olaf R. // „Wovon ist hier die Rede? Ich habe so ein Ding in Köpenick noch nie gesehen. Und Köpenick war vor 100 Jahren schon Stadt.“ Helmut B. // „Ich bin ein Fan. Finde das Angebot großartig, wünschenswert in allen Bezirken. Eine optimale Ergänzung für einen modernen öffentlichen Nahverkehr. (…)“ Dagmar T. // „Für mich ist das Projekt ‚BerlKönig‘ wunderbar. Ich wünsche mir, dass es in der ganzen Stadt funktionieren würde. Die Fahrer sind ausgesprochen freundlich und hilfsbereit und sie werden richtig bezahlt. (...)“ Hilke H. // „(…) Ich wohne in Karow – hier gibt es weder Carsharing noch Berlkönig. Öffis sind überschaubar – und wie bekannt, wird die Situation eher schlechter als besser. Also fahren wir mit dem Auto in die Stadt – zur Arbeit, ins Kino oder Theater. (…)“ Heiko G. // „Für meine 78-jährige Mutter und mich bedeutet der Berlkönig eine große Erleichterung. Als meine Mutter letzte Woche eine Augenoperation hatte, konnte sie mit dem vom mir gerufenen BerlKönig zum Kontrolltermin fahren. (…) Als sie letzten Herbst von einem Sturz beeinträchtigt war, war der Berlkönig eine Möglichkeit zur Mobilität. Gerade wegen dieser Mobilitätserweiterung für ältere Leute plädiere ich unbedingt für den Erhalt des BerlKönigs!“ Friederike M. Und was meinen Sie?

Was die geräumigen BerlKönige BerlinerInnen auch bringen: Barrierefreiheit. Die staatlichen Zuschüsse, die Taxiunternehmen seit 2018 beantragen können, um ein rollstuhlgerechtes Fahrzeug anzuschaffen, sind bis dato gefloppt. Allein zwölf Anträge wurden in den vergangenen zwei Jahren berlinweit gestellt – acht wurden bewilligt, vier stehen aus. (Q: Anfrage Maik Penn MdA CDU)
Das Ziel, „eine spontane Nachfrage“ mit „Inklusionstaxis“ bedienen zu können, lässt sich damit nicht erreichen, gibt der Senat zu. „Wenn ich die Hotline anrufe, um ein Taxi für den gleichen Tag zu ordern, lachen die mich aus“, sagt Inklusions-Aktivist Raul Krauthausen. „Da muss man zwei bis drei Wochen im Voraus bestellen – beim BerlKönig sind es maximal 30 Minuten.“
Ein Grund, weshalb Krauthausen einen Brief an Berlins Regierenden und den Berliner Senat geschickt hat. Aus der Perspektive eines Menschen mit Mobilitätseinschränkung stelle das Angebot des BerlKönigs „einen Meilenstein in der Verbesserung der Alltagsmobilität innerhalb Berlins“ dar, heißt es darin. „Sie und die Vertreter*innen aller regierenden Parteien möchte ich bitten, diesen Aspekt in Ihre Entscheidung über die Zukunft des BerlKönigs mit einfließen zu lassen.“
„Du bist verrückt mein Kind, du musst nach Berlin“, sagte einst Franz von Suppè. „Wer ist so verrückt und kauft noch in Berlin?“, fragt heute Harald Simons vom Forschungsinstitut empirica.
Der Volkswirt, der auch Mitautor des Frühjahrsgutachtens des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) ist, steht den anhaltend steigenden Markpreisen laut eigener Aussage „staunend gegenüber“ und erwarte „schon länger, dass sich der Markt dreht“. Bereits jetzt gebe es „Vermietungsschwierigkeiten“. Erwartete Mieten würden nicht immer erzielt – „sogar bei städtischen Wohnungsbaugesellschaften“.
Spätiausverkauf in Berlin? Gleich vier Läden werden aktuell auf ebay Kleinanzeigen angeboten: Einen „Späti mit Backshop in Kreuzberg“ gibt’s für eine Ablöse von 175.000 Euro und eine „Bäckerei mit Späti in Prenzlauer Berg“ für 85.000 Euro. Wer nach Neukölln will, zahlt 35.000 Euro in Herrmannplatz-Nähe (inklusive „Extraeinnahmen durch Amazon und Hermes“) oder 45.000 Euro für Britz („Zur Zeit bieten wir: Tabakwaren, Süßwaren, Getränke, Shisha, Bongs, DHL, Amazon Locker“).
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Berliner Schnuppen
Telegramm
Jürgen Klinsmann macht Schluss. Nach nur zehn Spielen verkündet der Hertha-Chefcoach via Facebook seinen Rücktritt. Durchhaltevermögen mangelhaft. Haho – oh!
Neukölln legt los: Der SPD-Kreisvorstand hat Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und Landesfraktionschef Raed Saleh offiziell als Vorsitzende der Berliner SPD nominiert. „Wir freuen uns sehr über die Teamkandidatur und wünschen viel Erfolg!“
Die unendliche Geschichte der Schulessensausschreibung geht weiter. Die neueste Senats-Überlegung: Caterern nach sechs Monaten kündigen, sollten sie weniger als 12,50 Euro zahlen. Das nächste Problem: Da nach Ablauf der Kündigungsfrist das zweite Schulhalbjahr bereits begonnen hätte, würden die Caterer insgesamt mindestens ein volles Schuljahr den höheren Essenspreis kassieren, ohne den Mindestlohn weiterzureichen. Macht – ausgehend von rund 200 Schultagen pro Jahr – einen Schaden von rund 100.000 Euro täglich.
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Vielleicht hilft mehr ja doch mehr: Berlin bekommt erstmals einen Schulbaukoordinator und CDU-Mann Wilfried Nünthel – einst Stadtrat in Lichtenberg – übernimmt. Er wird Ansprechpartner für die an der Schulbauoffensive beteiligten Schulen und Bezirke.
Und noch mehr: Gregor Kempert, bis dato Schulamtsleiter in Spandau (und Vorstandsmitglied im SPD-Ortsverein Falkensee), wechselt ebenfalls in die Senatsverwaltung. Nach Checkpoint-Informationen übernimmt er die Referatsleitung der Schulentwicklungsplanung.
Das Land Berlin sucht aktuell noch viele, viele QuereinsteigerInnen: „Besonderen Bedarf“ gibt’s laut Amtsblatt für die (Erst-)Fächer Mathematik, Informatik, Biologie, Physik, Chemie, Wirtschaft-Arbeit-Technik (WAT), Musik, Sport, alle sonderpädagogischen Fachrichtungen und – zusätzlich nur für das Lehramt an Grundschulen – Englisch, Deutsch und Sachunterricht mit Naturwissenschaften.
Warum bezirkliche Verwaltungen auf ihren Kollaps zusteuern, zeigt Kollege Ingo Salmen anschaulich im Leute-Newsletter Marzahn-Hellersdorf (kostenlose Anmeldung hier).
Auf dem Papier sieht die Entwicklung erstmal positiv aus. Von 1606 Stellen im Jahr 2019 ist das Bezirksamt mit Jahresbeginn auf 1807 angewachsen. 2021 sollen es sogar 1857 sein. Das Problem: 322 Stellen sind nicht besetzt. Das ist fast jede fünfte.
Einen Tag vor dem (heute) geplanten Treffen zwischen Vertretern der Investitionsbank Berlin und der Genossenschaft „Diese eG“ haben CDU, FDP und AfD die sich abzeichnende Einigung kritisiert. Solange die Vorkaufsfälle noch geprüft würden, sollten Gespräche nicht fortgesetzt werden.
In Mitte ist am Montagabend eine 53-jährige Frau tot in einem Schlafsack aufgefunden worden. Die Mordkommission ermittelt.
In Charlottenburg sind Unbekannte in die Gedenkhalle der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche eingebrochen. Gestohlen wurden: Geld, zwei Orden, ein Jubiläumsabzeichen, eine Medaille und Silbermünzen. Ein Sündenfall.
Der Berliner Unternehmer Christian Krawinkel hat 100.000 Euro an den AfD-Landesverband Thüringen gespendet. In einem Schreiben weist er darauf hin, dass er „parteipolitisch ungebunden“ sei und nur seine „Rechte als Bürger unseres Vaterlandes“ wahrnehme. Dem Tagesspiegel gegenüber wollte er sich nicht äußern – aber manchmal sagen keine Worte auch mehr als tausend.
Zwei Tweets zum Stand der Berliner Digitalisierungskultur im Jahr 2020.
Finanzverwaltung: „Im Tagesspiegel geht es heute um die Digitalisierung und Rückständigkeit von Behörden. Damit das ein für alle Mal klar ist, wir schämen uns nicht für unser Fax! Ob #oldschool oder #stateoftheart: Wir sind für die Anliegen von Jung und Alt auf allen Kanälen erreichbar!“
Reaktion aus dem Bezirksamt Mitte: „Wir würden euch ja gern Grüße faxen, wissen aber leider nicht, wie man diesen grauen Apparat bedient.“ Faxen mit faxen.
Das stinkt gewaltig: Die Leipziger Straße in Berlin-Mitte gehört zu den am stärksten mit Stickstoffdioxid belasteten Straßen Deutschlands. Der NO2-Ausstoß von 48 Mikrogramm je Kubikmeter Luft war 2019 im Städtevergleich der viertschlechteste Wert.
Verkehrswende konkret: Die BVG sucht eine Projektkoordinatorin und Bauleiterin (w/m/d) für die neuen Straßenbahn-Strecken. (Q: Amtsblatt)
Flughafenplanung konkret: Noch bevor der BER eröffnet ist, wird der BER-Bahnhof aufgerüstet. Die Bahn investiert knapp 700 Millionen Euro.
„It's kaputt“ – die weltbekannte Konzertpianistin Angela Hewitt trauert um ihren Flügel. Träger hatten das fast 600 Kilogramm schwere Instrument in Berlin fallen lassen. Kostenpunkt: 140.000 Euro – und viel Herzschmerz.
„Die Berliner wollen die Loveparade zurück“ – das geht aus einer Forsa-Umfrage für die Berliner Zeitung hervor. 55 Prozent befürworten ein Revival. Begeistert sind vor allem die 30- bis 44-Jährigen.
Berlin, aber Philosophie: „Gespräch Café Berlin Mitte in der Schlange. ‚Ich hab heute was gelesen von Paulo Coelho. Dass man es einfach machen muss und erst weiß, wie es ist, wenn man den Weg geht.‘ ‚Ja einfach mal ins kalte Wasser springen. Einfach mal machen.‘ ‚Ja.‘ ‚Weißt du schon was du nimmst?‘ ‚Nein.‘ (Q: Kathrin Weßling via Twitter)
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Berlin ist die langweiligste, hässlichste Stadt, die es gibt. Aber das ist okay.“
Ai Weiwei im Interview mit der Berliner Zeitung. Widerspruch nehmen wir unter checkpoint@tagesspiegel.de entgegen.
Tweet des Tages
Berlin ist die einzige deutsche Stadt, in der man nicht ‚in die Stadt gehen‘ kann, unser Misstrauen ist also begründet.
Stadtleben
Essen – Der Berg ruft... also zugegeben, nur der Prenzlauer Berg, aber dafür mit Himalaya-Flair! Denn seit Kurzem wird hier „authentisches nepalesisches Street Food“ im Holy Everest serviert. Wer mag, kann Chana Masala (gebratene Kichererbsen), Brennesselsuppe oder Sherpa-Soup auch im Schneidersitz zu sich nehmen. Gekocht wird vom ehemaligen Bergführer Rajesh Lama. Außerdem lernt man beim Besuch gleich was über das Land, denn in der Karte werden ein paar Details zu EinwohnerInnen, Zeitverschiebung, Regionen und natürlich das Nationalgericht verraten. Neugierig? Gleimstraße 54, S/U-Bhf Schönhauser Allee, Di-Do 12-23, Fr-Sa 12-24 Uhr. Kleiner Funfact zum Schluss (nicht von der Speisekarte): Nepal ist das einzige Land der Welt, dessen Flagge nicht rechteckig ist.
Trinken – Bleiben wir bei den Bergen. Diesmal geht die Reise aber nicht in den Himalaya, sondern Richtung Alpen: Wir wechseln ins Tiroler Viertel. Das ist ein Teil von Pankow, in dem es die Zillertalstraße gibt, die Tiroler Straße, die Brixener Straße – und die Brennerstraße, wo sich das Rocky Blue befindet. Ein Laden, in dem man die Tische an einer Hand abzählen und herrlichen Kaffee genießen kann, und zwar mit super Ausblick: An der Wand hängt das riesige Bild eines verschneiten Berges. Bärig, wie der Tiroler sagen würde. Brennerstraße 92, U-Bhf Vinetastraße, Di-Fr 9.30-18 Uhr, Sa 10-17 Uhr
Geschenk – Eine, nein zwei Push-Mitteilungen, wieder mal wer zurück getreten. Eine Whats-App-Nachricht aus der Kita-Gruppe (bloß nix mit Zucker zum Buffet mitbringen, jaja). Oh und der Chef hat auch schon eine Mail geschrieben. Das alles prasselt auf einen ein, 30 Sekunden nachdem man die Augen auf und den Smartphone-Wecker ausgemacht hat. Direkt von REM ins Remmidemmi, entspannt aufwachen geht anders. Weniger Zeit mit dem Smartphone in der Hand zu verbringen ist ja ohnehin ein beliebtes Ziel für 2020 – und könnte gleich am Morgen beginnen, z.B. mit einem klassischen Wecker, der aus den Schlafzimmern sukzessive zu verschwinden scheint. Im Tagesspiegel-Shop findet sich eine hölzern-melodische Alternative zum piependen Plastik: Bitte hier entlang.
Berlinbesuch – Kann das eigentlich weg? Berlinale, Filmfestspiele in Cannes, Viennale und und und. Jedes Jahr gibt es unzählige Filmfestivals, manche prominenter als andere. Elitäre Zirkel vergeben Auszeichnungen, Besucher stehen ewig Schlange und ein paar politische Statements müssen natürlich auch sein. Zum 70. Mal findet die Berlinale nun schon statt. Da darf man schon mal fragen: Wozu Filmfestivals? Und das tut die Akademie der Künste auch, denn es ist das Thema des 14. Akademie-Gesprächs heute um 20 Uhr. Mit dabei sind Berlinale-Direktor Carlo Chatrian, der Leiter desKarlovy Vary Filmfestivals Karel Och und Eva Sangiorgi, künstlerische Leiterin der Viennale. Akademie der Künste, Pariser Platz 4, S/U-Bhf Brandenburger Tor. Eintritt 6/4 Euro
Last-Minute – Wie viel Geld verdienen Sie? Unangenehme Frage? Pffff, warum denn? Über Geld zu reden mögen viele nicht so gern. Dabei sei der Austausch darüber wichtig, meint Henrike von Platen. Nicht um anzugeben natürlich, sondern für die Gleichberechtigung. Frauen verdienen immer noch weniger als Männer für die gleiche Arbeit, Transparenz könnte helfen, die Lohnlücke zu schließen. Am Mittwoch stellt von Platen beim Nicolai Verlag ihr Buch zum Thema vor, der Titel:„Über Geld spricht man“. Um 19 Uhr geht's los, der Eintritt ist frei, um Anmeldung per Mail wird gebeten. Oranienburger Straße 22, S-Bhf Oranienburger Straße
Noch hingehen – Wenn Roboter als emotional und Menschen als sozial abgestumpft dargestellt werden, resultiert daraus meist kein fröhliches Bild unserer Gesellschaft. Und doch kann man Spaß haben in der Ausstellung „Free Update“ des Künstlers Bjørn Melhus. Denn er verpackt alles in komische Kurzfilme, deren Hauptrolle er selbst verkörpert. Als Audio laufen Fragmente aus Filmen, TV-Sendungen und Youtube-Videos, am Ende steht eine Auseinandersetzung mit dem Einfluss der Massenmedien auf die Gesellschaft. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis Sonntag, 16.2 im KINDL – Zentrum für Zeitgenössische Kunst. Mi-So 12-18 Uhr, Eintritt 5/3 Euro. Am Sudhaus 3, U-Bhf Boddinstraße
Verlosung – Eine exzentrische Filmemacherin hat einen Beitrag über einen exzentrischen Musiker gedreht. Der wird als Berlin-Premiere in einem ehemaligen Krematorium in Wedding gezeigt. Danach setzen sich die Künstler zusammen und reden darüber. Na, wer kommt mit? Wir verlosen 2x2 Tickets für „Felix in Wonderland“ über den experimentierfreudigen Musiker Felix Kubin, gedreht von Marie Losier. Wann: Samstag, 15.2, 19.30 Uhr. Wo: silent green, Gerichtstraße 35, S/U-Bhf Wedding
Mit diesem Stadtleben wünscht Ihnen Melanie Berger einen wunderbaren Mittwoch!
Berlin heute
Verkehr – Potsdamer Platz (Mitte): Ab 18 Uhr kann es wegen eines Fahrradkorsos bis zum späten Abend zu Verkehrsproblemen in der Innenstadt kommen.
Stralauer Straße (Mitte): In Richtung Molkenmarkt Höhe Jüdenstraße ist die Straße bis 21. Februar auf einen Fahrstreifen verengt.
Karl-Liebknecht-Straße (Mitte): Richtung Unter den Linden ist die Linksabbiegespur bis 19. Februar stark verkürzt.
Engeldamm/Köpenicker Straße (Mitte): Von 12 bis 13 Uhr kann es zu Verkehrsproblemen kommen. Siehe Demonstrationen.
Charlottenburger Chaussee (Spandau): In Höhe der Eisenbahnüberführung ist bis Freitagnachmittag nur ein Fahrstreifen frei.
Demonstration – Verdi organisiert von 12 bis 13.30 eine Demo mit dem Titel „Ganztägiger Warnstreik Barmer“. Sie führt vom Bona-Peiser-Weg über das Paula-Thiede-Ufer, den Engeldamm und die Köpenicker Straße wieder zurück zum Ausgangspunkt. Angemeldet sind 700 Teilnehmer. Und von 15.30 bis 17.30 Uhr findet am Pariser Platz nahe der französischen Botschaft die Kundgebung „Bürgerkrieg in Kamerun“ statt. 20 Menschen werden erwartet. Organisator ist eine Gruppe namens „Artistes du changement“.
Universität – Beschreibt Journalismus das Klima in der Gesellschaft, oder schafft er es? Wie war das früher und was hat sich im digitalen Zeitalter verändert? Mit diesen und mehr Fragen beschäftigt sich Margreth Lünenborg, Professorin für Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität Berlin, heute ab 19 Uhr in ihrem Vortrag „Empörung, Abscheu, Euphorie – wie der Journalismus Affekte erzeugt und steuert“. Deutsches Theater, Schumannstraße 13a, S/U-Bhf Friedrichstraße. Der Eintritt ist frei.
Gericht – Ein 38-Jähriger muss wegen versuchten Mordes an seinem Ex-Arbeitgeber verantworten. Er soll das Opfer mit einem Schlagstock und einer Machete attackiert haben, um sich für die Kündigung zu rächen. Sein früherer Chef habe den Angriff abwehren können (9 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 537).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Rainer Eppelmann (77), Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, ehem. CDU-Politiker und DDR-Oppositioneller / Barbara Honigmann (71), Schauspielerin und Malerin / Marko Kopljar (34), Handballspieler bei den Füchsen Berlin / Stephan Machulik (48), SPD-Stadtrat in Spandau / Ulrich Pietzsch (83), Maler und Schriftsteller / Ulla Plener (87), Historikerin / Fritz W. Scharpf (85), Politik- und Verwaltungswissenschaftler / Gesa Sprung (52), Dipl. Kommunikationswirtin, „Herzlich gratuliert das Agentur SPRUNG Team!“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben –Sabine Christa Moeck-Breitkreuz, * 24. Februar 1956 / Paul Plew, * 19. März 1927 / Bernd „Igel“ Redlich / Dr. Wolfgang Virmond, * 27. Dezember 1940 / In memoriam: Dr. med. Günther Blume, * 14. März 1928
Stolperstein – Herbert Gollnow (Jhg. 1911) war seit 1933 NSDAP-Mitglied, kurzzeitig war er auch in der SS. Gollnow arbeitete im Auswärtigen Amt und bekam Englischunterreicht – seine Lehrerin war Mitglied der Widerstandsgruppe Rote Kapelle. Herbert Gollnow leitete Informationen aus dem Auswärtigen Amt an die Rote Kapelle weiter. Die Widerstandsgruppe wurde aufgedeckt, Gollnow wurde im November 1942 verhaftet. Am 12. Feburar 1943, heute vor 77 Jahren, wurde er im Gefängnis Berlin-Tegel erschossen. Vor dem Haus, in dem er bis zuletzt wohnte, der Feldzeugmeisterstraße 5 in Moabit, erinnert ein Stolperstein an ihn.
Encore
Zum Schluss werfen einen kurzen Blick auf die alljährlichen Extreme des Valentinstags (Freitag):
Europa-Center in Berlin: „Eingerahmt von Rosen und Herzen lädt eine rote Kussmund-Couch zum gemeinsamen Selfie ein, um die Liebe vor passender Kulisse festzuhalten. Nicht nur am romantischsten Tag des Jahres, sondern bereits ab dem 11. Februar steht die Valentinstagsaufmachung allen zur Verfügung, die ihren Gefühlen Ausdruck verleihen wollen.“ Am 14. Februar werden außerdem tausende Rosen verteilt, eine Fotobox aufgestellt und Shoppinggutscheine via Beziehungsquiz verschenkt.
San Antonio Zoo in Texas: Wer will, kann eine Kakerlake (fünf Dollar) oder eine Ratte (25 Dollar) nach dem/der Ex benennen – und im Livestream bei der Verfütterung an Zootiere zusehen. Für's Mitmachen gibt's ein Zertifikat, das „auf Ihren eigenen Social-Media-Seiten geteilt werden kann".
Vielleicht finden Sie ja was dazwischen.
Zwischen Berlinliebe und Berlinchaos übernimmt an dieser Stelle morgen Lorenz Maroldt für Sie. Kommen Sie gut durch den Tag!