als erstes ein Warmhinweis: Es wird kälter unter den Wolken, aber heißer auf den Straßen. Nach den für mehr Akzeptanz für ihre Ackerei baggernden Bauern besetzen heute Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten, Elterinnen und Eltern die Plätze der Stadt und des Landes mit ihrer dauerhaft wichtigen Dauerforderung nach mehr Klimaschutz. Neutral ist in dieser Debatte keiner mehr, deshalb singen Berliner Bands wie Seeed am Brandenburger Tor für Tausende im Klimawandel frierende Demonstrierende. Wie wäre es mit einer neuen Berlin-Hymne am heutigen Black Friday for Future: „Schwarz zu Grün“?
Wer hätte das gedacht: Nach Potsdam bekommt Berlin ein holländisches Viertel – ein Kunstquartier. Hetty Berg, in Den Haag geboren, ist gerade neue Leiterin des Jüdischen Museums geworden. Mariette Rissenbeek, geboren im niederländischen Dorf Posterholt, wird als neue Chefin in drei Monaten die Berlinale eröffnen. Und Paul Spies, in Amsterdam aufgewachsen, leitet erfolgreich das Berliner Stadtmuseum. Versteht sich also Holland besser auf Berlin als wir uns selbst? „Anscheinend sind es nicht mehr die Tomaten, sondern die Museumsdirektoren, die jetzt als wichtigste Exportgüter aus Holland kommen“, sagt Paul Spies am Checkpoint-Telefon. Einen Grund dafür weiß er auch: „In Holland haben wir keine Angst vor flachen Hierarchien, sondern lassen viele Leute mitbestimmen.“ Ja, so ein flaches Land hat seine Vorteile. Und einen flachen Witz sparen wir uns.
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Berlins Stadtmotto „Ortsteile und herrsche“ gilt selbst manchen Bezirken als zu kleinteilig. „Wir bleiben Schmalhans auf Diät“, klagt Pankows Bürgermeister Sören Benn (Linke) über die rot-rot-grünen „Trostpreise“ beim Personalaufbau. In einem selten offenen Gastbeitrag für den Tagesspiegel rechnet Benn auch den eigenen Genossen das Offensichtliche vor: Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter allein seine Verwaltung braucht, um die in Pankow 24 zu bauenden und 30 zu sanierenden Schulen, neue Wohngebiete, die Sanierung von Spielplätzen, die Pflege der Parks, eine gewendete Verkehrspolitik und eine moderne Verwaltung umzusetzen. Ergebnis: 300 Leute seien dafür „notwendig, nicht wünschenswert“ – darunter allein 37 Schulhausmeister. Und Benn rechnet weiter durch und ab: Innerhalb von 30 Jahren sei Pankow von 303.000 Einwohnern auf jetzt 407.000 gewachsen – gleichzeitig seien im Bezirk nur zwei Kilometer Straße und zwei Kilometer Straßenbahn neu gebaut worden. „Der Rest ist weitgehend verrottet“, beklagt Benn. Das Ergebnis liege jeden Tag auf der Straße: „Der Berliner Nordosten ist heute eine verkehrliche Katastrophe.“ Kein Wunder, dass sich da selbst beim Bürgermeister eine Menge aufstaut.
Hundert Mal hab ick Berlin vaflucht. So sang einst Helga Hahnemann (Video hier) und rührte Gefühle in einem rührenden „Kessel Buntes“ zusammen. Natürlich im Friedrichstadtpalast, der Las Vegas nach Ost-Berlin bringen wollte, inzwischen (warum auch immer) mit Bindestrich geschrieben wird und mit variantenreichem Varieté auf der größten Bühne Europas an der Friedrichstraße glitzert. Heute wird das Haus, das schon in vielen Häusern zu Hause war, 100 Jahre jung und hat als wahrer Palast der Republik schon viele Zeitenwenden überlebt. Zur Feier des Jahrhunderts sind Berliner Polizisten, Pflegerinnen und Feuerwehrleute zur Show eingeladen – für sie hält Berlin im Alltag ja manche Verfluchung bereit. Heute mal eine glitzernde Versuchung.
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Wat is los, noch mehr gute Meldungen? Die Berlinale will am Potsdamer Platz auf dem roten Teppich bleiben. Wegen des bevorstehenden Un-Happy Ends des Kinos „Cinestar“ im vornehmlich von ostdeutschen Touristen bevölkerten „Zony Center“ muss Berlins Filmfestival umplanen und sucht nach alternativen Sälen. „Die Verhandlungen werden wir noch dieses Jahr abschließen“, kündigt Berlinale-Sprecherin Frauke Greiner auf Nachfrage an. Da auch das Haus der Kulturen der Welt umgebaut wird, wo traditionell das Jugendprogramm der Berlinale lief, wird sowieso umgezogen: in die Urania. „Neue Formate ermöglichen mehr Dialog“, freut sich Urania-Direktor Ulrich Weigand. „Internationales Kino für Kinder und Jugendliche bietet uns eine große Chance, auch junge Leute für Diskurskultur zu interessieren.“ Trotz aller Verschnipselung des Festivals über die ganze Stadt sollen die Hauptrollen weiterhin im Berlinale-Palast spielen, um die Ecke halten Cinemaxx und Arsenal die Filmklappe. „Unser Herz schlägt weiter am Potsdamer Platz“, beteuert Frauke Greiner. Oft pocht ja hier nichts Lebhaftes mehr – immerhin die Berlinale will Schrittmacher bleiben.
Diese ist unser Haus. Das dachten zumindest die Mieterinnen und Mieter der jungen Genossenschaft „Diese eG“, die viel Geld in die Hoffnung auf bleibend bezahlbares Wohnen investierten. Nun ist die von Friedrichshain-Kreuzbergs Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) protegierte Genossenschaft zahlungsunfähig, das Land Berlin muss mit bis zu 50 Millionen Euro einspringen. Die Genossenschaft hat Zahlungsverpflichtungen von etwa 50 Millionen Euro für ihre Immobilien angehäuft – offenbar ohne belastbare Finanzierung. Es drohte die Zwangsvollstreckung; und dem Bezirk von „Klein-Robin-Hood“ (Regiermeister Michael Müller über Schmidt) droht weiterhin, für ein Haus in der Rigaer Straße mit einem Millionenbetrag zu haften. Der örtliche SPD-Fraktionschef Sebastian Forck rechnet vor, dass dem Bezirk dann Geld für die Schulsanierung fehlen dürfte. Nachsitzen, bitte!
Das schafft auch nur Hertha: eine ganze Mannschaft als Trainer zu verpflichten. Nicht nur beim Köpenicker Kiezrivalen 1. FC Union staunt man nicht schlecht über Klinsmanns Kompetenz-Kapriolen am Olympiastadion, aber man staunt leise. „Wir kommentieren grundsätzlich keine Personalien anderer Vereine“, lässt Unions sonst stimmgewaltiger Stadion- und Pressesprecher Christian Arbeit wissen. Vielleicht liegt’s ja daran, dass Klinsmann Mittelschwäbisch spricht, wie unser Leser Michael Harr übersetzt hat. Und Unions Schweizer Trainer Urs Fischer Hochalemannisch in seiner besonderen Form Schwyzerdütsch. „Schweizer sprechen das nicht gern in Berlin“, berichtet Harr, „weil man sie belächelt oder gar für Schwaben hält“. Und verwechselbar sein will Union nicht mal, wenn Marmor, Stein und Eisern bricht.
Schlimme neue Welt: Weil sich die Studierendenvertretung Asta der TU Berlin mit den Protesten an den Unis in Hongkong solidarisiert, erhält sie Todesdrohungen. „Wir haben E-Mails bekommen, in denen uns gewünscht wurde, dass wir bei lebendigem Leibe verbrannt werden“, erzählt ein Sprecher, der lieber nicht seinen Namen nennt. Zudem hätten Vertreter der „Gesellschaft chinesischer Akademiker“ das Asta-Büro teilweise blockiert. Zu den Einschüchterungsversuchen kommentiert Gyde Jensen (FDP), Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Bundestag: „Die Reaktionen der chinesischen Behörden zeigen einmal mehr, dass Meinungsfreiheit für sie ein Fremdwort ist.“
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Das finden wir auch.
Wir wollen Berlin darin unterstützen, Wohnraum effektiv zu schützen. In Kooperation mit Hamburg funktioniert das bereits. Um mehr Effizienz und weniger Bürokratie zu erreichen, setzen wir uns mit den Gastgebern auf Airbnb für einen einfachen und digitalen Registrierungsprozess wie in Hamburg ein.
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Dass auch Berlins Verfassungsschutz schnell aus der Verfassung geraten kann, hat sich schon bei der Aufarbeitung des Anschlags auf dem Breitscheidplatz gezeigt. Linke-Fraktionschef Udo Wolf listet in einem Brief an Verfassungsschutz-Personalrat Frank Becker weitere Versäumnisse der Behörde auf. „Nicht zuletzt meine persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Aufarbeitung des NSU-Skandals bestärken mich in meiner Auffassung, dass Geheimdienste dazu neigen, sich einer demokratischen Kontrolle zu entziehen“, moniert Wolf, dessen Schreiben dem Checkpoint vorliegt. Im Zuge der rechten Anschlagserie in Neukölln, unter anderem auf den Linken-Abgeordneten Ferat Kocak, seien dem Verfassungsschutz Planungen für Anschläge bekannt gewesen seien, dennoch „hat er der Verwendung dieser Informationen durch die Polizei widersprochen und so den Quellenschutz über den Opferschutz gestellt“. Auslöser der Kontroverse war Wolfs Aussage, es gebe „beim Verfassungsschutz noch eine ganze Menge Leute, die man feuern kann“, worauf Becker beim Senat protestiert hatte. Wolf begründet nun den geringen Personalzuwachs damit, dass es beim Verfassungsschutz „kaum wahrnehmbare proaktive Aufklärungsbereitschaft, keine Debatte um persönliches Versagen und personelle Konsequenzen seitens der Behörde“ gebe. Der Streit zwischen Geheimdienst und Linken – jetzt ist er wirklich kein Geheimnis mehr.
Falls Sie heute nur kurz Zeit für ein langes Lesestück haben, dann nehmen Sie sie sich bitte für das meines langjährigen Kollegen Kai Kupferschmidt. Dieser schreibt heute in einem bewegendenden Essay im Tagesspiegel über sein Leben mit dem Aids-Virus. „Zum ersten Mal in meinem Leben erlebe ich so etwas wie Panik. Es ist, als hätte ich Platzangst in meinem eigenen Körper.“ So schreibt Kai über die positive Diagnose, die seine Sicht auf die Welt für viele Jahre negativ verändern sollte. Und dann doch positiv veränderte. Was dieser persönliche Text (schon jetzt nachzulesen im E-Paper, ab heute Nachmittag auch digital) zeigt: Das Leben ist hart und zart zugleich zu uns.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Erst mal eine kurze Frage an den Regierenden Bürgermeister: Herr Müller, was sagen Sie zu den anstehenden Klagen gegen den Mietendeckel? Michael Müllers rührend rotzige Antwort im Abgeordnetenhaus: „Na, und?“ Na, und nun geht’s weiter – vor allem mit Gerangel in der Koalition. Müller, inzwischen ganz gerne im Amt, wollte den Mietendeckel ganz gerne im Parlament von den Fraktionschefs verteidigen lassen. Grüne und Linke riefen aber „Na, und?“ und schickten die Fachpolitiker. Merke: Mit dem Mietendeckel kann man sich immer gegenseitig deckeln.
Die politische Geisterfahrt von Bundesverkehrtminister Andreas Scheuer (CSU) zur Umsetzung einer Pkw-Maut, die dann für gesetzeswidrig erklärt wurde, könnte bald an der letzten parlamentarischen Ausfahrt enden. Der Bundestag setzte einen Untersuchungsausschuss zum Millionen-Desaster ein. Zuvor hatte der Bundesrechnungshof gerügt, Scheuers Ministerium habe bei den zu früh ausgehandelten Mautverträgen „Vergaberecht verletzt“ und „gegen Haushaltsrecht verstoßen“. Aus die Maut. Und für den Schaden blechen wir alle.
Hoppla, die beiden Panda-Zwillinge im Zoo haben Schluckauf (RBB-Video hier). Küsst Mama Meng-Meng heimlich eine Menge andere?
„Auch ein medikamentöser, narkosefreier Schwangerschaftsabbruch in geschützter Atmosphäre gehört zu unseren Leistungen.“ Für diesen Satz auf ihrer Homepage muss die Berliner Ärztin Bettina Gaber 2000 Euro Strafe zahlen, urteilte das Kammergericht gestern rechtskräftig. Es handele sich – trotz der Reform des umstrittenen Paragrafen 219a – um unerlaubte „Werbung“ für einen Schwangerschaftsabbruch. „Das ist schon alles ein bisschen irrwitzig“, sagt Gaber (via taz) – und erwägt nun, Verfassungsbeschwerde einzulegen. Für das gute Mindestrecht von Frauen, sich sebstbestimmt zu informieren.
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Öffentliche Veranstaltung
Internetkontrolle - kann Putin Russland vom Netz nehmen?
3. Dezember um 19 Uhr im Tagesspiegel-Verlag
Folgt der Kreml dem Vorbild Chinas? Wie können die demokratische Opposition, unabhängige Zivilgesellschaft und Medien in Russland online bleiben? Eine Diskussion mit ExpertInnen aus Russland und Deutschland.
Unterstützt vom Auswärtigen Amt.
Es war einmal eine Hütte, in der Märchen erzählt wurden – das Schönste war die Sage, dass Berlin immer so charmant improvisiert bleiben könnte wie hier in der Märchenhütte am Monbijoupark. Aber am Ende und inmitten der sich selbst überwuchernden Stadtmitte überwarfen sich die Geschichtenerzähler mit sich selbst – und nun ist zum Jahresende das Märchen zu Ende erzählt. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann trauern wir noch heute.
Wichtiger Blick ins Ausland: Der Irak brennt. Die Menschen auf den vom jahrzehntelangen Krieg zernarbten Straßen kämpfen gegen eigene Armut, die Korruption der Regierung und die Abhängigkeit vom Iran. Die Sicherheitskräfte antworten mit härtester Gewalt, erschossen gestern wieder mindestens 25 Menschen. Und die Welt antwortet mit Schweigen.
Verstörter Blick in die Lausitz: Hier posiert eine Einsatzgruppe der Bereitschaftspolizei aus Cottbus gegen die anstehenden Anti-Kohle-Proteste. Nach einem in einer rechten Chatgruppe geposteten Foto vor einer Mauer mit der Parole „Stoppt Ende Gelände“ wurden die Beamten aus dem Gelände genommen, berichtet mein Kollege Alexander Fröhlich. Disziplinarverfahren wegen des Verstoßes gegen das Neutralitätsgebot laufen. Die Wand, an der auch ein Symbol der rechten Szene prangte, wurde heute Nacht noch überpinselt. Übertünchen lässt sich die Aktion allerdings nicht.
Veräppeln können wir uns in Berlin ja ganz gut. Zum Beispiel mit 15 Bäumen in Karlshorst, die nun gefällt werden sollen, weil sie zu dicke Äpfel tragen. „Die großen Früchte sind wegen des Fallobstes eine Gefahr für Autos und ein Reinigungsproblem“, lässt das Grünflächenamt via Abholzfirma wissen (via „Berliner Zeitung“). Als Ersatz will man neue Bäume mit kleineren Äpfeln pflanzen. Nicht jeder hat’s eben in der Birne.
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Aufstand der Ideen! Die Konferenz für Gesellschaftsmacher*innen am 3.12. in Berlin-Wedding
Von Fridays For Future bis zur Seebrücke: Immer mehr Menschen wollen was verändern. Mit Debatten, Workshops und einer interaktiven Ausstellung schalten wir in den Ideenmodus. Auch dabei: Raul Krauthausen von den Sozialhelden. Eintritt frei. MEHR INFOS
TEILNEHMEN
Huch, diese Nachricht lässt einen zittern: Beim Eishockey gibt‘s Randale, sechs Fans der Berliner Eisbären haben bundesweite Hallenverbote bekommen. Der Verein, der sonst friedlich am Dynamo dreht, distanziert sich: „Hooliganismus gegenüber haben wir null Toleranz.“ Zumindest das ist der richtige Druck am Puck.
Und dann auch das noch: Heute wird der nächste Eröffnungstermin des Verfluchthafens BER bekannt gegeben: Es wird wohl ein Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag oder Freitag in der letzten Oktoberwoche 2020 sein (unser Tagesspiegel-BER-Chefaufseher Thorsten Metzner tippt auf Mittwoch, den 28. Oktober). Bald wird also wieder bald sein. Die eigentlich spannende Entscheidung ist derweil BER-typisch vertagt worden. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup (Porträt hier) will gerne weiter machen als nur bis zum Frühjahr nach Eröffnung. Am liebsten bis Ende 2022. Es gab Überlegungen aus Berlin, dies gleich heute mitzubeschließen – die Idee flog von der Tagesordnung. Erst mal sollen lieber ein paar Flugzeuge abheben.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Wir haben unseren Biorhythmus mit den Ferien – den wollen wir gern behalten.“
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verteidigt die späten Sommerferien in Süddeutschland gegen Bundesländer wie Berlin, für deren Schülerinnen und Schüler der Sommer biologisch unrhythmisch schon mal im Juni beginnt.
Tweet des Tages
Warum heißt es Fernbedienung und nicht Schirmherrin?
Stadtleben
Essen – „Schnürt Eure Wanderstiefel und erklimmt den Kreuzberg“, lautet die Aufforderung des Spätzle-Restaurants Peter Schlemihl im Bergmannkiez. Ganz so steinig ist der Weg seit dem Abbau von Florian Schmidts Findlingen zwar nicht mehr. Dennoch fühlt man sich, einmal in der Willibald-Alexis-Straße 25 angekommen, mit rustikalem Gewand passend gekleidet. Mit Datteln an Süßkartoffelstampf, Gorgonzola-Spätzle und Labskaus möchte Schlemihl eine Mischung aus traditionellem Bayerischen Wirtshaus und hipper Berliner Speisewirtschaft sein. Simpler geht es in der Adventszeit zu: Ab Mitte Dezember soll es am Chamissoplatz ganz klassische deutsche Küche geben. Was genau auf der Karte landet, ist noch nicht entschieden – wir halten Sie auf dem Laufenden. Di-So 17-1 Uhr, U-Bhf Gneisenaustraße
Weihnachtsmenü – Der Inbegriff von rustikal, deftig und einfach gut ist das Alt-Berliner Gasthaus Dicker Engel in der Birkenstraße 44 in Moabit. An den Weihnachtsfeiertagen tischt der Engel vorne weg Consommé von der Weihnachtsgans mit Kräuterflädle und Gänseklein auf, freuen kann man sich derweil schon auf die Gänsekeule mit Kartoffelklößen und Rot- oder Grünkohl. Optional wird in der offenen Küche auch Wildgulasch mit Butterspätzle für einen gezaubert. Abgerundet wird das Festtagsessen nicht gar mit Bratapfel oder Spekulatius, sondern mit Dominostein-Tiramisu (3 Gänge für 29,80 Euro). Reservierung online oder unter 030-39809003. Tägl. 16-9 Uhr, U-Bhf Birkenstraße
Trinken – Apropos Weihnachten: Wem es danach gelüstet, sich mit Glühwein ein bisschen in Festtagsstimmung zu bringen, sollte am Sonntag einen Abstecher zum Kunsthandwerklichen Weihnachtsmarkt am Mexikoplatz machen. Checkpoint-Leserin Marion Distler hat dort den besten Glühwein ausfindig gemacht. Die Empfehlung: Der weiße Winzerglühwein, ganz lokal aus der vor Ort ansässigen Weinhandlung VIF. Für sie ist er „jedes Jahr ein Highlight, super lecker und ausgesprochen verträglich.“ Also darf es auch die ein oder andere Tasse mehr sein. An den Adventssonntagen je 11-18 Uhr
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Der Tagesspiegel BERLINER #12 mit: Louis Motaal, Esra Gülmen, Steffi, Inan Batman, Nathan Williams, Shitshow, Mazen Rizk, Harry Sachs, Cemile Sahin, Billy Wagner, Cpt. Olf und Dr. Om
Morgen im Tagesspiegel
Geschenk – Mit gutem Beispiel voran gehen und sich für einen wohltätigen Zweck engagieren, das entspricht dem ursprünglichen Sinn des Weihnachtsfestes. Wenn man dabei auch noch all seine Weihnachtsgeschenke besorgen kann – umso besser (so entspricht es zumindest dem Geist unserer Produktivgesellschaft). Aber wo? Etwa beim Good XSample Charity Flohmarkt am Sonntag im Highsnobiety-Headquarter. Zusammen mit der Obdachloseninitiative One Warm Winter hat die Modemarke Designer, Influencer und Agenturen wie Suzie Grime und die König Galerie davon überzeugen können, ihre ungebrauchten „Samples“ zu spenden – der Erlös geht an die Berliner Obdachlosenhilfe. Natürlich gibt’s auch Kulinarisches: Die Speisekneipe Tisk sorgt für das leibliche Wohl. 14-20 Uhr, Genthiner Straße 32, U-Bhf Kurfürstenstraße
Karten gewinnen für „Ich & Herr Meyer“: „Ich“ ist in dem Fall Christoph Clemens, der mit Jens Brix (aber geboren „Meyer“) seit 15 Jahren ein Kindermusik-Duo formiert. Ihr Anspruch dabei: Kindermusik „aus dem Bauch, die durch den Kopf direkt ins Herz geht“. Auf Wortwitz, leidenschaftliche, „handgemachte“ Musik kann man am Sonntag (12 Uhr) also bauen. Ein Highlight für die Kinder: Es wird wahrscheinlich ihr erster Clubbesuch. Das Konzert findet nämlich im Privat Club in der Skalitzer Straße 85 (U-Bhf Schlesisches Tor) statt. Für das kindergerechte Musikerlebnis verlosen wir 2x2 Karten.
Noch hingehen – Wenn Sie wissen möchten, was es mit der kolonialen Dialektik der Empfindlichkeit auf sich hat, sollten Sie noch bis zum 6. Januar 2020 die Ausstellung „Liebe und Ethnologie“ im Haus der Kulturen der Welt (John-Foster-Dulles-Allee 10, U-Bhf Bundestag) besuchen. Der Eintritt kostet 7 Euro. Mo & Mi 12-19 Uhr, Do 12-22 Uhr, Fr-So 12-19 Uhr
Last-Minute-Tickets – Es sind Fotografien wie man sie erwarten würde, wenn man hört, dass sie der wohl berühmteste Türsteher der Welt geschossen hat: Berghain-Bouncer Sven Marquardt. Seine Schwarz-Weiß-Bilder dokumentierten den Exzess der Nacht, die Eskapaden der Dunkelheit in der Ost-Berliner Subkultur. Doch wer ist der Fotograf, der Mann mit weißem Bart und Tattoos im Gesicht? Das wollte Regisseurin Annekatrin Hendel wissen und hat Marquardt begleitet. Herausgekommen ist der sehr intime Dokumentarfilm „Schönheit und Vergänglichkeit“, der um 18 Uhr seine Premiere in der UCI Kinowelt in der Schönhauser Allee 123 (S/U-Bhf Schönhauser Alle) feiert. Karten kosten 10 Euro.
Alle Stadtleben-Tipps der Woche finden Sie auf checkpoint.tagesspiegel.de.
Maria Kotsev wünscht Ihnen einen spannenden Freitag!
Berlin heute
Verkehr – Mitte / Tiergarten: Großdemonstration zum Klimastreik von Fridays For Future zwischen 12 und 18 Uhr (siehe Demos).
Tempelhofer Damm stadteinwärts vor der Ordensmeisterstraße: wegen Kranarbeiten verengt (8-11 Uhr), Fuß- und Radverkehr nicht betroffen.
Mollstraße (Mitte) in Richtung Torstraße zwischen Otto-Braun-Straße und Prenzlauer Allee: gesperrt ab 16 Uhr bis Montagmorgen, ca. 5 Uhr.
Gesamte Innenstadt: ab 20 Uhr kurzzeitige Sperrungen wegen des Fahrradkorsos der „Critical Mass“, startet am Heinrichplatz in Kreuzberg und geht bis Mitternacht.
Tunnel Tiergarten-Spreebogen Richtung Kreuzberg: gesperrt zwischen 21 und 5 Uhr.
A100 (Stadtring) in Richtung Neukölln zwischen den AS Heckerdamm (A111) bzw. Jakob-Kaiser-Platz und Spandauer Damm: gesperrt (22-5 Uhr).
S-Bahn: Ersatzverkehr auf der S5 zwischen Mahlsdorf und Lichtenberg (22-1.30 Uhr), Sperrung der S75 zwischen Ostkreuz und Ostbahnhof (22-1.30 Uhr), Umfahrung mit den Linien S3, S5 oder S7.
Demonstration – Zum Klimastreik von Fridays For Future mit 50.000 Teilnehmenden, die von 12-18 Uhr vom Platz des 18. März über das Reichstagufer zurück zum Platz des 18. März laufen wollen, finden eine Reihe Zubringer-Demos statt. Die erste startet mit 500 Menschen um 10 Uhr am Tränenpalast am S-Bahnhof Friedrichstraße, organisiert von Fridays For Future HU Berlin, und endet am Sowjetischen Ehrenmahl in der Straße des 17. Juni. Zeitgleich laufen 80 AktivistInnen vom Südstern los und peilen die Wilhelmstraße / Behrendstraße als Ziel an. Um 11 Uhr startet die „Fridays For Future“-Gruppe der TU Berlin mit 200 Teilnehmenden in der Straße des 17. Juni und zieht zum Brandenburger Tor. Ebenfalls mehrere Kundgebungen finden heute unter dem Postulat „Bitte unterstützen Sie unsere Initiative, azerbaijanische Beamte zu sanktionieren“ statt. Zuerst stehen rund 250 Personen von 11.30-12.30 Uhr am Werderschen Markt vor dem Auswärtigen Amt, von 13-13.30 Uhr in der Neuen Promenade 5 vor dem Büro von Human Right Watch und anschließend (14-15.15 Uhr) in der Zinnowitzstraße. Am Samstag demonstrieren rund 60 Menschen „für ein neues, friedliches Bolivien“ auf dem Pariser Platz (14-17 Uhr). Und am Sonntag fordert die Berliner Aidshilfe zum Weltaidstag „Behandlung für alle“ am Kottbusser Tor (12-14 Uhr, ca. 20 Teilnehmende). Zum gleichen Thema läuft die Initiative „Go Ahead“ mit ca. 100 Personen vom Mauerpark zum Kollwitzplatz (16-19 Uhr).
Gericht – Der Prozess um das Schicksal der vor mehr als 13 Jahren verschwundenen Georgine Krüger geht weiter. Der 44-jährige Ali K. soll die damals 14-jährige Schülerin vergewaltigt und ermordet haben. Die Leiche wurde nie gefunden. Der Angeklagte schweigt bislang (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 537).
Universität – Das Bewerbungs- und Zulassungsverfahren für medizinische Studiengänge ändert sich 2020 bundesweit, das betrifft u. a. auch den Studiengang Veterinärmedizin an der FU und die Medizinstudiengänge der HU. Vom 1. Dezember 2019 bis 15. Januar 2020 sollten sich Studieninteressierte deshalb zum einheitlichen „Medizintest“ anmelden, der am 9. Mai 2020 stattfindet. Die Anmeldung erfolgt online und kostet 83 Euro.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – „Alles Gute zum Geburtstag dem lieben Volker Devermann (65) aus der Köpi 10a“ / Fabian Dietz (21), Eishockeyspieler bei den Eisbären / Juliane von Friesen (69), Wirtschaftsjournalistin, ehem. Wirtschaftssenatorin / Felix Hackenbruch (28), Checkpoint-Laufgruppenchef, bestens integrierter Berlinschwabe & designierter Autor – „Team Checkpoint wünscht von Herzen alles Gute und schickt Grüße ins Himalaya-Gebirge“ / Johan Koch (29), Handballer bei den Füchsen / Dr. Frank-Peter Muschiol (70), Chef des Borst & Muschiol, „die Belegschaft gratuliert herzlich zum 70. Geburtstag“ / Töns Nickels (50), „dem besten Ehemann, Sohn (Papa guckt bestimmt von oben auf Dich runter), Bruder, Schwager, Onkel, den man sich nur wünschen kann, alles Gute zum Geburtstag!!!" / Hans-Jürgen Reznicek (66), Bassist der Berliner Band Silly / Ulrike Schatz, „Liebste Grüße und einen guten Start von ElMaCaRo" / Susanne Schädlich (54), Schriftstellerin und literarische Übersetzerin
Sonnabend – Henner Bunde (55), ehem. CDU-Wirtschaftsstaatssekretär (2012-19) / „Alles Liebe zum Geburtstag und ein weiterhin schönes Leben meinem Lieblingsmann Friedrich Eichert“ / Thomas Hettche (55), Schriftsteller und Journalist / Heinz Rudolf Kunze (63), Schriftsteller, Rocksänger, Liedermacher / Otto Schadach (80), „fleißiger Sänger bei Gofenberg Chor“ / Nadja Zivkovic (41), CDU-Bezirksstadträtin in Marzahn-Hellersdorf / Sido (39), Rapper / „Guten Morgen liebe Elke, hiermit gratuliere ich recht herzlich zu Deinem heutigen Geburtstag und wünsche Dir einen ganz dollen Tag! Wir sehen uns gegen 19 Uhr, ich freue mich wie Bolle. BERTI.“
Sonntag – Detlev Buck (57), Regisseur und Schauspieler / Wolf-Rüdiger Eisentraut (76), Architekt / Klaus Laternser (79), „Achorman" / Ole Kreins (40), Leitungsreferent bei der Bildungsverwaltung / Martina Michels (64), für die Linke im Europaparlament / Tim Renner (55), ehem. SPD-Kulturstaatssekretär (2014-16) / Peter Wittke (73), „Exil-Berliner und passionierter Checkpoint-Leser und hat immer ein offenes Ohr für mich. Ich wünsche ihm alles Liebe.“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Joachim „Hajo“ Bleske, * 14. Januar 1934 / Dipl. Ing. Fritz Goebel, * 19. November 1927 / Prof. Dr. Harry Hermanns, * 24. April 1947, ehem. Professor für Soziologie an der Fachhochschule Potsdam / Gertrud Makansi, * 30. Mai 1935
Stolperstein – Der gebürtige Rixdorfer Rudi Goldschmidt (Jhg. 1909) lebte in der Lenaustraße 27 im heutigen Neukölln. Nach der Deportation seines Vater, Hermann Goldschmidt, im Herbst 1941 musste der Schneider und Verkäufer als Maschinenarbeiter bei Duer AG Spindlersfeld Zwangsarbeit verrichten. Außerdem musste er seine Wohnung verlassen und zog in die Karl-Marx-Straße 16 in Neukölln (früher Berliner Straße 11), wo ein Stolperstein für ihn verlegt wurde. Am 1. November 1942 musste er auch diese Wohnung verlassen und zog in die Wallnertheaterstraße 2 in Mitte – doch schon am 29. November 1942, heute vor 77 Jahren, wurde er ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert, wo die Nazis ihn am 22. Dezember 1942 ermordeten.
Encore
So, zum Schluss schauen wir noch ins Mehl-Postfach. Da sammeln sich die Beschwerden von Bäckereien, die ab nächstes Jahr für jede verkaufte Schrippe einen Kassenbon ausgeben müssen. Bei Berlins ältester Bäckerei Siebert, die in Prenzlauer Berg mit alten Ost-Schlangen und frischen Zuckerschnecken begeistert, gibt man bei 1000 Kunden am Tag bisher „nur ein paar wenige Bons“ raus, wie Frau Binder am Checkpoint-Telefon erzählt. Ab Januar wächst nun der Gewerbemüll, denn die Bons dürfen wegen ihrer Thermobeschichtung nicht mal ins Altpapier fliegen. Auch Frau Neumann von Neumann's kleine Backstube in Rudow findet die neue Regelung, mit dem das Bundesfinanzministerium möglichen Steuerbetrug eindämmen will, altbacken. Sie musste deshalb schon eine neue Kasse anschaffen für 1000 Euro – für täglich knapp 200 Kassenbons, die künftig im Müll landen werden. So Stulle können Gesetze sein.
Hier tischen Ihnen morgen Lorenz Maroldt und Thomas Wochnik wieder backwarme Neuigkeiten auf. Ich verkrümel mich und grüße Sie,



