gestern das Schlaflied verpasst? Dann aufgewacht und mitgemacht: „Du hast viele Träume / weißt genau, wohin Du willst, / immer auf der Suche / bis Du Deine Sehnsucht stillst.“ Okay, danke fürs Mitsingen! Und so geht’s jetzt weiter: „Ich seh in Dein Herz / Sehe Gute Zeiten, bess’re Zeiten / ein‘ Wedding / der neu beginnt.“ So, bis Oktober können das bitte alle auswendig. Dann wird das insolvente „Prime Time Theater“ an der Müllerstraße mit neuem Betreiber wiederbelebt und darf mit seiner gefeierten Bühnensoap „Gutes Wedding, schlechtes Wedding“ wieder Kiezklischees zum Leuchten und das Publikum zum Lachen bringen. Selbst die wenig Lachkundigen aus der SPD-Zentrale um die Ecke sind hier gern gesehen. Denn der Titelsong des Theaters bleibt ein Brüller selbst in schlechten Zeiten: „Mitte is schitte, Prenz‘lberg is petting, real sex is only Wedding.“ Oder war es doch andersrum?
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Erster neuer Wohnturm in Mitte. Nach über 30 Jahren entsteht zwischen historischem Klosterviertel und Alexanderplatz der erste neue Wohnturm in Berlin-Mitte und bildet auf 20 Geschossen den eindrucksvollen Auftakt für das zukünftige Stadtquartier entlang der Alexanderstraße. Alle Etagen stehen bereits im Rohbau, gern beraten wir Sie im Showroom Dircksenstraße 97 - Mo/Mi/Sa 15 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung. Tel. 030 44353-130 www.grandaire.berlin
Bei den Mieten gibt es in Berlin schon lange auf den Deckel, vor allem für Studierende. Die müssen nicht nur Tausende WG-Gesuche studieren, bevor sie dann beim Besichtigungstermin ihren Master in Form des Vermieters finden, der sich meist auch noch wie der Fernseh-Bachelor aufführt. Die Wohnungssuche kostet neben Nerven auch noch 16,53 Euro – pro Quadratmeter. Konstant mehr zahlen Studentinnen und Studenten nur in Konstanz (20,05 Euro), München und Hamburg, Frankfurt (nicht das an der Oder) oder Wiesbaden. Selbst Köln ist inzwischen billiger als Neukölln. Das ergab eine Umfrage der Uni Maastricht und des Jobportals „Studitemps“ unter 22.000 Studierenden. Immer mehr von ihnen verzichten da lieber gleich auf die Einführungsvorlesungen in Immobilienrecht: 26,7 Prozent der Berliner Hochschüler wohnen noch niedrigschwellig bei Eltern oder Verwandten. Das Gute an dieser WG: Hier gibt’s auch meist ein sauberes WC.
Ein Königreich für einen Brexit. Großbritannien macht sich immer kleiner vor dem Notausstieg aus der EU. In der Nacht zum Donnerstag immerhin zwang das Parlament den Panikpremier Boris Johnson, die Demokratie und seine Vertreter ernst zu nehmen – einen drohenden Schiffbruch im Ärmelkanal ohne vertraglichen Rettungsring lehnte eine Mehrheit im Unterhaus per Gesetz ab (Liveblog hier). Auch bei den von Johnson nun angestrebten Neuwahlen will die Opposition in London auf die Themse treten, solange das Gesetz nicht auch durchs Oberhaus gegangen ist. Die Tage bleiben wild in Wildwestminster.
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Ja, dank Berlins größtem Gastgeber. Denn Veranstaltungen wie die weltweit führende Messe für Consumer und Home Electronics IFA sorgen jährlich für über 670 Mio. Euro mehr Umsatz für das Gastgewerbe.Was die Messe sonst noch für Berlin tut, erfährst du unter hostingtheworld.de
Zum Obst machen sich in Berlin einige, aber wie wär’s mal wieder mit Gemüse? „Esst mehr Pflanzen – schon wegen des Klimaschutzes“, empfiehlt Felix Domke. Der Veganer präsentiert heute im Tagesspiegel einen bunten Salat an Argumenten gegen das Fleisch – im Rahmen unserer gemeinsamen Debattenserie mit der Berliner Zeitung und der Bundeszentrale für politische Bildung zu 30 Jahren Meinungsfreiheit. Quatsch mit Soße? Ab und zu eine gute Steakscheibe abschneiden darf man sich schon, findet dagegen Boris Radczun, Chef des Restaurants „Grill Royal“. Welche Ansicht schmeckt Ihnen besser? Schreiben Sie uns an meinungsvielfalt@tagesspiegel.de – die besten Kommentare werden veröffentlicht. Denn Ihre Meinung ist uns nicht wurst.
Kinder soll man ja einfach mal laufen lassen – aber was ist eigentlich, wenn sie es mal laufen lassen müssen? In der Kreuzberger Grundschule Reinhardswald pinkeln die Jungs hinter der Turnhalle, manche Mädchen verkneifen sich den Gang zur Toilette lieber ganz, schreibt unser Leser Hennes Schulz. Demnach stinkt es Schülern und Eltern auf den Schulklos gewaltig, manche Toiletten sind bereits von der Schulleitung gesperrt worden. Kein Klokolores: Heute früh sammeln die „Kinder ohne Lobby“ (Schulz) auf ihrem Schulhof Unterschriften für saubere Toiletten; ein Plakat am Hofzaun kündet bereits davon. Denn auch für Kreuzbergs Kinder gilt: Sie wollen nur spülen.
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Es gibt nichts Gutes, außer man ist guten Mutes. Deshalb hier zur Aufmunterung drei Mut machende Meldungen aus der Politik:
1. Hongkongs chinahörige Regierung hat das Auslieferungsgesetz für Oppositionelle nach China zurückgenommen. Hunderttausende hatten auf der Straße die Wende erzwungen. Damit zu Ende ist sie sicher nicht.
2. Irgendein Ende hat irgendwann das gestern begonnene Rennen um den Vorsitz der SPD. Nach nur noch 22 Regionalkonferenzen und einer Urabstimmung könnte es schon im Dezember zwei neue Parteivorsitzende geben. Vielleicht hat die Spezialdemokratische Partei Deutschlands bis dahin sogar wieder das Wort sozial für sich entdeckt.
3. Niemand muss Ostdeutschland rechts liegen lassen. Wie man Protestwähler umschließt, vertrocknete Landschaften engagiert gießt, bis die Demokratie wieder sprießt, zeigt Dirk Neubauer. Der SPD-Bürgermeister von Augustusburg gewinnt durch viele Gespräche und die Bürgerbeteiligung in Haushaltsfragen den Süden Sachsens von Populisten zurück (Porträt hier). Schöne Grüße ins Herzgebirge!
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Hallo, Zukunft!
Willkommen zum Fest der Zukünfte!
Entdecken, diskutieren, ausprobieren – die Möglichkeiten, im Futurium die Zukunft mitzugestalten, sind vielfältig.
Feiern Sie heute ab 19.00 mit uns die Eröffnung des Futuriums.
Bis 8. September halten wir vielfältige Angebote bereit, die sich um die Frage drehen: „Wie wollen wir leben?“.
futurium.de
Fast ganz Deutschland sprach am Mittwoch über die Ermittlungen gegen den früheren Fußballer Christoph Metzelder. Dazu teilte die Staatsanwaltschaft Hamburg mit: „Die Staatsanwaltschaft Hamburg führt ein Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Nationalspieler Christoph Metzelder wegen des Verdachts der Verbreitung kinderpornografischer Schriften. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, über die Kommunikationsplattform Whatsapp Bilder mit kinderpornografischem Inhalt an eine Empfängerin in Hamburg versandt zu haben.“ Metzelder äußerte sich bisher dazu nicht.
Kaum jemand sprach am Mittwoch über den Monitoring-Bericht zur Prävention sexueller Gewalt, der in Berlin vorgestellt wurde. Dazu teilte der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs Johannes-Wilhelm Rörig mit: „Rein statistisch sind ein bis zwei Kinder in jeder Schulklasse in verschiedenen Kontexten von sexueller Gewalt betroffen. Sie brauchen sensibilisierte Fachkräfte, die ihre Signale erkennen und wissen, an wen sie sich bei Vermutung und Verdacht wenden können. Der Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt hängt in Deutschland noch viel zu oft vom Zufall oder Engagement Einzelner ab.“
Der Missbrauch von Kindern ist uns näher, als wir oft wissen wollen. Darüber sollte Deutschland mal reden.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Erst mal in Kiezhausen durchfegen. Huch, was lesen wir da auf dem Schild an der S-Bahnbrücke in Prenzlauer Berg? „Halt Dein Kiez dreckig“, fordert ein Straßenmaler. Ein „E“ und ein „N“ hat er gleich mal irgendwohin geworfen.
Den Kanal voll haben manche von Youtube. Doch jetzt geht die Plattform endlich verstärkt gegen Hassvideos vor. Nach eigenen Angaben sind im vergangenen Quartal mehr als 100.000 Videos wegen erniedrigender Botschaften gelöscht worden – damit hat sich die Zahl laut Youtube-Chefin Susan Wojcicki verfünffacht (via dpa). Der Hass im Netz ist damit allerdings nicht um ein Vielfaches geringer geworden.
Das bringt Berlin zum Rasen: Das erste Bundesligaderby zwischen Union und Hertha findet am 2. November statt, wie die Liga gestern auskugelte. Bis zum Spiel wird das Stadion an der Alten Försterei sicher noch schnell auf 200.000 Plätze ausgebaut; die S-Bahn könnte zur Feier des Tages auch mal ausnahmsweise zwei Sonderzüge nach Köpenick schicken – einen vor und einen nach dem Spiel. Für Union-Präsident Dirk Zingler ist das Spiel der einst durch die Mauer getrennten und mal befreundeten Vereine übrigens ein neuer „Fußball-Klassenkampf“. Das hätte wohl selbst Karl Marx besser ausgedrückt – mit Engels‘ Zunge.
Falls Sie gestern kein Internet hatten: Keine Sorge, wir auch nicht. Bei Vodafone ist offenbar ein Server out of Service (via „Berliner Morgenpost“) – aber am Ende ist auch dieser Checkpoint fertig geworden. Geschrieben übrigens mit Neun-Finger-System. Der zehnte hat Bekanntschaft gemacht mit einer elektrischen Brotschneidemaschine. Deshalb sind manche Witze hier womöglich etwas belegt.
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Tagesspiegel IFA-Gewinnspiel
Jederzeit die beste WLAN-Performance im eigenen Zuhause zu haben, ist der Wunsch einiger Menschen. Gewinnen Sie heute mit dem FRITZ! Mesh Set konstante Höchstgeschwindigkeit und besten Empfang beim surfen in den eigenen vier Wänden. Weitere Preise können Sie hier finden.
Sie dient als Urinal in Las Vegas, als Museumsexemplar in Moskau; in Spanien wurde ein Segment sogar vom Papst gesegnet: Stückweise wurde die alte Mauer, die erst in Berlin und nach ‘89 schnell aus Berlin weg musste, über die Welt verteilt. Nun steht ein 2,6 Tonnen schwerer Klotz Geschichte auch bei Heidi Klum im Garten in Los Angeles, ihr Mann Tom Kaulitz hat ihr zur Hochzeit ein altes Stück bunt bemalen lassen. Nur: Echt kann das Teil gar nicht sein. Es kleben keine alten Kaugummis dran.
Schlechte Nachricht: Im Neuköllner Ortsteil Britz ist am Mittwoch ein 40-jähriger Mann vor einem Wohnhaus attackiert und getötet worden. Der Täter flüchtete, die Umstände sind unklar.
Gute Nachricht: Die krisengeplagte Johanna-Eck-Schule in Tempelhof, die erst viele Lehrer und dann ihren Sozialträger verlor, bis die Schulverwaltung schließlich die Direktorin abberief, bekommt nun Hilfe. Der angesehene Leiter der Lichtenrader Carl-Zeiss-Schule Stephan Zapfe hat die Aufgabe übernommen, den neuen – noch kommissarischen – Schulleiter Engin Catik zu unterstützen. Hilfe zur Selbsthilfe ist immer die beste.
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Wie sieht eigentlich Honeckers Arbeitszimmer aus? Welches Büro wählte Gerhard Schröder nach seinem Umzug nach Berlin? Antworten auf diese und andere Fragen bekommen Sie beim Tag des offenen Denkmals im ehemaligen Staatsratsgebäude. Mitarbeiter der ESMT führen halbstündlich von 12-18 Uhr über den Campus. Mehr Informationen: https://bit.ly/2L53H59
Spannende Nachricht: Berlins früherer SPD-Chef Jan Stöß, zuletzt zwei Jahre beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe tätig, wird wieder Berliner und außerdem Abteilungsleiter in der Senatsfinanzverwaltung. Die innerparteiliche Abteilung Attacke will Stöß aber nicht noch übernehmen. „Ich strebe keine innerparteilichen Ämter auf Landesebene an“, lässt der 46-Jährige wissen. Das Wort „noch“ muss er aber noch lernen.
Eine Meng-Menge Hunger haben die neuen Pandabären im Zoo. Trächtig gewaltig ging es vor einer Woche bei der Geburt der Zwillinge zu, nun füttert die Mutter eines ihrer Jungen mit eigener Milch. Das jüngere Jungtier muss seinen Bärenhunger in einem Brutkasten stillen. Es stand nicht auf der Ziste.
Ach, und das auch noch: Die „Apotheken Umschau“ will sich ab Oktober gegen Langeweile behandeln lassen. Laut Chefredakteur Hans Haltmeier sollen die Themen der Zeitschrift jünger und auch männlicher werden, was auch immer das sein soll. Haltmeier sagt: „Fußpilz ist völlig altersunabhängig. Wo sonst lesen Sie ausführliche Beispiele über Fußpilz?“ Offenbar will man damit vor allem Berliner Leser ansprechen. Denn ein Fußpils hat hier eigentlich fast jeder zur Hand.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Wir gehen keinen Millimeter nach rechts.“
Herbert Grönemeyer bei seinen beiden umjubelten Auftritten am Dienstag und Mittwoch in der Waldbühne (Konzertkritik hier)
Tweet des Tages
„Schönen Tag noch.” - „Naja, Ihnen nicht!” (Frau versus Frau, Nahverkehr Berlin)
Stadtleben
Essen – Den Titel des ältesten noch bestehenden China-Restaurants Berlins wagt dem Wirt des Lon Men so schnell wohl niemand abzustreiten: Schließlich führt er die Wilmersdorfer Institution bereits in der dritten Generation und feiert in diesem Jahr 50-jähriges Jubiläum. Er selbst ist zwar Taiwanese und Vegetarier. Im gemütlichen Gastraum, dessen Einrichtung zwischen schrill und authentisch schwankt, wird trotzdem Ente kross serviert, streng nach dem Motto: Ente gut, alles gut (ab 12,20 Euro). Genauso empfehlenswert sind aber die Hauptgerichte mit vegetarischem Huhn und Rind (9,80 Euro) oder zur Vorspeise der Frühlingszwiebel-Pfannkuchen - Focaccia auf taiwanesische Art. Tgl. 12-22.30 Uhr, Bamberger Straße 30, U-Bhf Bayerischer Platz
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Der Tagesspiegel BERLINER – KUNST mit: Johanna Jaskowska, Selam X, Jimmie Durham, Nasan Tur, Philipp Grütering, Shirin David, Rudolf Zwirner, Monica Bonvicini, Max Rieger, Simon Fujiwara, Alexandra Bircken, Miriam Jonas, Jakob Ganslmeier, Okka Esther Hungerbühler, Johanna Dumet und Dr. Om
Am 7. September im Tagesspiegel
Trinken & Kegeln – Aus der Sommerpause zurück ist seit Samstag die Kugelbahn im Wedding. Kind und Kegel bleiben zuhause, denn hier heißt es in verrauchter Atmosphäre eher: Kindl und Kegel. Die scherenförmige Bahn im Keller hat es geschafft, das Kegeln zum Hipster-Sport zu erheben. Auf der Bühne gegenüber finden regelmäßig Konzerte statt, heute Abend beispielsweise die Reihe „North by Northwest“. Auch wenn der Berliner Nordwesten als Ganzes noch etwas hinterherhinkt, hat sich die Kugelbahn schnell Szenestatus erarbeitet, und das mit langem Atem: Schon mehrfach stand der Laden vor dem Aus, jetzt darf man vorerst bis Januar 2021 bleiben. Tgl. ab 19 Uhr, Grüntaler Straße 51, S-Bhf Bornholmer Straße
Berlinbesuch – Zurück am Mariannenplatz ist der Mobile Dome der Berliner Festspiele: In diesem Jahr präsentiert die bildende Künstlerin Agnieszka Polska mit „The Happiest Thought“ ihre Vision des Planeten Erde vor dem bis dato größten Artensterben seiner Geschichte: Vor 240 Millionen Jahren reduzierte sich die Erdvegetation um 90 Prozent. Diese prähistorische Biosphäre wird zum Leben erweckt in Form eines visuellen Essays, untermalt von Soundeffekten und poetischen Texten, wobei der US-amerikanische Performancekünstler Geo Wyeth durch seinen Live-Vortrag zur séancehaften Atmosphäre beiträgt. Heute Abend um 17 Uhr, danach bis 10. September täglich um 11-15 und 16-21 Uhr. Der Eintritt ist frei. U-Bhf Kottbusser Tor
Geschenk – Am Glienicker See in Potsdam steht ein zwar hübsch saniertes, aber unscheinbares eingeschössiges Holzhaus mit Garten. Dass über dieses Haus ein gut 450 Seiten dickes Buch geschrieben wurde, sieht man ihm von außen nicht an. Dennoch erzählt Thomas Harding in „Sommerhaus am See“ (im Original: „The House by the Lake“) die bewegte Geschichte des heute als Alexander Haus bekannten Gebäudes. Die Großmutter des Autors verbrachte dort vor ihrer Vertreibung durch die Nazis eine glückliche Jugend. Während des NS-Regimes fiel es in die Hand der Nazis. Später wurde direkt am Ende des Grundstücks die Mauer gebaut - und fiel. So führt das Buch anhand der Schicksale von fünf Familien durch die bewegte deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts. Nun steht das Gebäude unter Denkmalschutz und ist als Gedenkort zugänglich - am Sonntag lädt das Alexander Haus ein zum Tag des offenen Denkmals (12.30-18 Uhr). Am Park 2, 14476 Potsdam
Last-Minute-Tickets – Geschichten auf japanisch zu erzählen ist kein Leichtes. Zum einen wäre da die Sprachbarriere. Zum anderen aber haben die Japaner aus dem Erzählen eine eigene Kunstform gemacht: Beim Rakugo kommt es auf die Beziehung zum Publikum an, die der Darsteller nur mithilfe seiner Stimme und Darbietungskunst aufbaut. Für gewöhnlich gipfelt der Spannungsbogen in einem einzigen Witz. Heute Abend ist eine Kostprobe dieser Kunst im Tieranatomischen Theater der Humboldt-Universität zu sehen. Mit Fächer und Taschentuch als einzigen Requisiten führen die Darsteller Tatekawa Koharu und Ryûtei Ichidô die Geschichten „Der Marderhund-Geldschein“ und „Toku, der Fährmann“ auf. Eine deutsche Übersetzung wird natürlich eingeblendet. Beginn um 18 Uhr, der Eintritt ist frei. Luisenstraße 55/56, S+U-Bahnhof Friedrichstraße
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AN ALLE BERLINERINNEN UND BERLINER
Wir feiern die Meinungsfreiheit! 10 Wochen, 10 Fragen, 10 Debatten, eine Serie über Auto, Klima, Wohnungsnot und vieles mehr. Wir diskutieren mit Prominenten, Experten und mit Ihnen. Testen Sie Berliner Zeitung und Tagesspiegel gratis unter meinungsvielfalt.net
Noch hingehen – Die folgende Berliner Ausstellung endete schon am 20. Mai 1929, für diese Stadtleben-Rubrik also etwas zu spät? Keineswegs, denn in der Kunstbibliothek am Potsdamer Platz ist unter dem Titel „László Moholy-Nagy und die Neue Typografie“ noch bis zum 15. September die vollständig rekonstruierte Ausstellung des ungarisch-US-amerikanischen Bauhaus-Lehrers zu sehen, in der er sich aus künstlerischer Perspektive mit der Zukunft von Druck und Schriftsatz befasste. Daneben werden ausgewählte Beispiele dieser „Neuen Typografie“ aus den 1920er-Jahren gezeigt. Tickets kosten 6/3 Euro, Di-Fr 10-18 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr
Karten sichern – Für Adorno hatte er mit Kunst überhaupt gar nichts zu tun, bei Hermann Hesse lesen wir von „Untergangsmusik“. Im 21. Jahrhundert hat der Jazz sich seinen Platz auch in den gehobenen Sphären der anspruchsvollen Musik erkämpft und feiert sich jährlich auf dem Berliner Jazzfest. Für das Eröffnungskonzert sind die Tickets bereits in den Vorverkauf gegangen (29/20 Euro). Am 31. Oktober bringt der US-amerikanische Komponist Anthony Braxton den Gropius Bau mit über 60 MusikerInnen aus Deutschland, Australien und den USA für sechs Stunden mit seinem „Sonic Genome“ zum Klingen. Die Besucher bewegen sich dabei frei durch das Gebäude, ebenso wie die Musizierenden, die sich bald in kleineren, bald in größeren Ensembles zusammenschließen. Der Kartenverkauf für das restliche Programm startet nächste Woche, am 10. September um 14 Uhr.
Julian Goldmann wünscht einen schönen Donnerstag.
Berlin heute
Verkehr – Auf der Schönerlinder Straße in Buch wird der Abschnitt zwischen Am Posseberg und der Auffahrt zur A 114 wieder freigegeben, dafür kommt es bis Ende Oktober zu neuen Einschränkungen. Die Brücke über die A 114 ist in beiden Richtungen gesperrt, ebenso die Auffahrt auf die A 114 stadteinwärts und die Ausfahrt auf die Schönerlinder Straße stadtauswärts. In Mitte führt ein Kraneinsatz auf der Leipziger Straße in Richtung Potsdamer Platz von 22 bis ca. 5 Uhr für eine Verengung der Fahrbahn auf eine Spur.
Demonstration – An der Invalidenstraße/Ecke Scharnhorststraße trifft sich der Vernunfkraft e.V. mit 30 Demonstranten zu einer Kundgebung unter dem Motto „Windkraft Krisentreffen - Stopp des zügellosen Windkraftausbaus“ (12-15 Uhr). Vor der bolivianischen Botschaft demonstrieren von 13 bis 16 Uhr 20 Menschen für den Schutz des Amazonas in Bolivien (Wichmannstraße 6). Vor dem Rathaus Mitte auf der Karl-Marx-Allee findet zwischen 14 und 18 Uhr eine weitere Kundgebung mit 150 Teilnehmern statt. Das Motto: „Berlin wächst, Jugendarbeit wächst mit“.
Gericht – Ein langjähriger Jugendfeuerwehrwart muss sich wegen Missbrauchs von Kindern verantworten. Opfer seien zwei Jungen gewesen, die dem 60-Jährigen in seinem Ehrenamt anvertraut waren. 45 mutmaßliche sexuelle Übergriffe in der Zeit von 2008 bis 2016 sind angeklagt (9.15 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 135).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Lutz Böse (65), „Alles Liebe von deinen Tegelern“ / Dominik Flügel (23), „fünfmaliger Mitbewohner des Jahres (2015-2019)“ / Dieter Hallervorden (84), Schauspieler und Kabarettist / Jacob Holm (24), Handballspieler bei den Füchsen Berlin / Joachim Hunold (70), Unternehmer / Stephan Lenz (51), seit 2011 Mitglied des AGH (CDU) / Bernd Oertwig (70), „leidenschaftlicher Berliner, Autor und wunderbarster Herzkönig“ / Barbara Riedmüller-Seel (74), ehem. Vizepräsidentin der FU, ehem. Berliner Wissenschaftssenatorin (1989-1991) und Mitglied des AGH (bis 1996) / Daniela Ziegler (71), Schauspielerin und Sängerin
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Klaus-Peter Fähndrich, * 17. Oktober 1935 / Angelika Faust, * 11. August 1944 / Cornelia Horsch, * 26. Mai 1965, ehemalige Direktorin des IDZ
Stolperstein – Lucie Noack (geb. Friedländer, Jhg. 1891) wohnte in der Wilhelmsaue 3, bevor sie am 5. September 1942 mit 796 weiteren Menschen nach Riga deportiert wurde. Kurz nach Ankunft des Zuges wurde sie dort im Alter von 51 Jahren erschossen.
Encore
Zack, zum Schluss räumen wir noch schnell den Haushalt auf. Wenn das mal so einfach wäre. In Tempelhof-Schöneberg bekamen die Bezirksparlamentarier gerade den Haushalt für die nächsten zwei Jahre zugestellt, den sie nächste Woche beschließen sollen – digital verteilt auf 192 verschiedene Dateien. Da viele Verordnete lieber papiern arbeiten, wurden die Druckerpressen angeworfen, bis sich die Geräte vor Überlastung überwarfen. Zumal denen vorher jede Datei einzeln zugeworfen werden musste. Stundenlang brachten Verordnete mit dem Ausdrucken und wohl auch mit manchen Kraftausdrücken zu, schreibt unsere Bezirksreporterin Sigrid Kneist (kostenloser Newsletter hier). Vielleicht sollten sich Berlins Bezirke bald ein paar Druckerkolonnen zulegen.
So, das war unsere letzte Patrone für heute. Morgen munitioniert Sie Laura Hofmann für den Tag. Für mich ist erst mal Schuss mit lustig. Ich grüße Sie,