Das Wochenende bleibt meist sonnig bei bis zu 30°C. Am Sonntag zeigen sich ein paar mehr Wolken

Berlins Universitäten sind exzellentLeser erinnern sich an das Ost-Berliner Traditionslokal AhornblattIn der Charité wurden Siamesische Zwillinge geboren

Hoch die Hände, Sommerwende! Jetzt wird nicht nur der Humor trocken, aber vorher wurde gestern erstmal feucht-fröhlich gewitzelt, gefeiert und getanzt. Denn Berlin ist deutschlandweite Weltspitze, zumindest an den Unis; ja „Berlin rockt“, wie Berlins Regierender Wissenschaftssenator Michael Müller (SPD) nach dem exzellenten Votum von Bund und Ländern in die Mikrofone sang. Die hoch verehrten Präsidenten der geehrten Berliner Universitäten legten am Freitagabend gut aufgelegt noch ein paar belegte Platten auf – und Berlin schwoofte von „Happy“ über „Get Lucky“ zu „Can’t stop the feeling“ (DJ-Playlist von Wissenschaftsstaatsekretär Steffen Krach). Nur Bier und Sekt waren nicht gerade exzellent gekühlt. Aber hey, eiskalt wird dieser Sommer sowieso nicht mehr.

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Ich bin satt, ich mag kein Ahornblatt. So dachte sich Berlin das wohl im Angesicht der sozialistischen Architektur und riss die beliebte Speisegaststätte an der Fischerinsel mit den markanten Spitzfenstern ab (Foto hier). „Eine Sünde“, findet nicht nur das Team des Hotel Palace am Kurfürstendamm – andere Leserinnen und Leser beklagten nach unserem Erinnerungsaufruf im gestrigen Checkpoint eine anhaltende architektonische Armut mit „überall entstehenden Schuhschachteln mit Natursteinverblendung“ (@Eisenstein19 via Twitter). Unser Leser Reinhard Gränz erinnert sich dagegen an viele Feiern, die er als für Ton und Beschallung zuständiger „Meßingenieur“ dort erlebte. Über das Buffet der Partys auf der Terrasse seien am nächsten Tag die Spatzen hergefallen; fürs Abräumen gab es offenbar keine zuständigen Ingenieure.

Telegramm

Auf Berlins Bürgersteigen werden die Zustände immer roller. Am Checkpoint Charlie meinte ein betrunkener Tourist auf einem neuen E-Roller ohne Vorsicht an der Bordsteinkante hochfahren zu müssen – der E-Roller blieb unverletzt. Angesichts des strukturierten Radwegeausbaus und des unstrukturierten Rollerauswufs konstatiert der Fußgänger-Verband heute konsterniert im Tagesspiegel-Gastbeitrag: „Die fahrradgerechte Stadt wiederholt den Kardinalfehler der autogerechten Stadt – sie stellt ein Verkehrsmittel über alle anderen.“ Autor Roland Stimpel spricht für die Mehrheit zumindest der Berliner Verkehrsteilnehmer, wenn er in dem Beitrag fordert: „Alle Räder auf die Fahrbahnen, ob fahrend oder stehend, und Gehwege nur für Füße.“ Sonst geht das nicht mehr lange gut.

Neues Verkehrskonzept für Tegel: Der Flughafen soll irgendwann per Straßenbahn erreichbar sein, wenn er kein Flughafen mehr ist. Bis dahin bleibt er weiterhin nur aus der Luft erreichbar.

Neues Verkehrskonzept für Tempelhof: Der ehemalige Flughafen soll Sex-Boxen als behutsame Randbebauung bekommen, findet Stephan von Dassel. Woanders als an den Parkplatzflächen am Tempelhofer Damm sei zu wenig Platz für solche Verrichtungsboxen für Prostituierte und ihre Freier, findet Mittes Bürgermeister. An der Startbahn von THF könnte es also bald wieder heißen: Gib Gummi!

Kurze Zwischenlandung im Kanzlerinnenamt: Angela Merkel ist weiterhin munter im Amt. US-Präsident Donald Trump allerdings auch. Sie bedauert das unverstohlen (Zitate hier).

Wichtige Nachricht von Greta Thunberg: Die schwedische Klimaaktivistin versprach gestern bei der Ferien-for-future-Demo in Berlin, bei ihrem Einsatz in den nächsten Jahren nicht nachzulassen: "Ich werde nicht aufgeben, denn es ist ein Kampf um Leben und Tod." (Bericht hier)

Nächster Aufreger von Hans-Georg Maaßen: Der frühere Verfassungsschutzchef hat erneut seine gute Verfassung verloren und die internationale Seenotrettung als … ach, verbreiten wir den rechten radikalen Quatsch einfach mal nicht weiter.

Kurzfristige Reisewarnung: Bevor Sie in den Sommerferien noch nach Venedig gondeln, schmeißen Sie Ihren Kaffeekocher weg. Ein junges Touristenpaar aus Berlin hat sich gerade an der Rialto-Brücke ein paar frische Bohnen aufgebrüht. Die Polizei interessierte das dummerweise die Bohne: Sie verlangte eine Strafe von fast 1000 Euro fürs Kaffeekochen und forderte die beiden ungefiltert auf, die Stadt zu verlassen. „Venedig muss respektiert werden. Und diese Schlechterzogenen, die denken, sie können in die Stadt kommen und machen, was sie wollen, müssen kapieren, dass sie gestellt, bestraft und verbannt werden“, erklärte Bürgermeister Luigi Brugnaro. Das nennt man wohl Coffee to go.

Schnell noch der Marzahn-Countup – Tage seit Nichteröffnung der Frauenfitnessanlage im Freizeitforum: heute genau 1000. (Hintergründe zum „Mini-BER“ des Ostens von Ingo Salmen gibt es hier). Das Ende der Sanierung ist aber immerhin absehbar – in vielleicht möglicherweise schon 40 Wochen.

Siamesische Sensation in der Charitè: Eine Frau brachte miteinander verwachsene eineiige Zwillinge zur Welt; der Kaiserschnitt lief nach Angaben der Klinik vom Freitag gut. Und das ist selten gut.

Aber dann das noch: Berlin verliert das letzte Hemdchen. Das Traditionsgeschäft „Korsett Engelke“ auf der Kanstraße muss schließen. „Wir sind mit großen Größen bekannt geworden“, erzählt Antje Fröhlich, die den auf besondere BHs und eng geschnürte Miederwaren spezialisierten Laden in dritter Generation führte. Nun gibt sich Charlottenburg wieder ein wenig verschlossener.

Das Schlimmste zum Schluss: Köln ist das neue Berlin, behauptet das Clubmagazin "DJ Mag" (via "Berliner Zeitung"). Fragt sich nur: Was ist das neue Neukölln?

Durch­gecheckt

Durchgecheckt

Klaus Lederer ist Kultursenator und Bürgermeister von Berlin. Der langjährige Linke-Chef (Foto: Kai-Uwe Heinrich) ist nach Umfragen der derzeit beliebteste Politiker in Berlin. Und gerade zurück in der Stadt.

Herr Lederer, erst Urlaub, dann mit Wladimir Kaminer in Brüssel unterwegs. Haben Sie keine Lust auf Berlin in den Ferien?

Ersterer war notwendig, Zweiteres war ein Abend in Brüssel – Unlust auf Berlin kann man daraus schwer ableiten. Den Berliner zieht es ja schon immer nach jwd, so auch mich; und dann Berliner Kultur in Brüssel zu präsentieren ist ja auch ganz schön. Wieder hier zu sein aber auch. 

Gibt es etwas, was sie unterwegs für unsere Stadt entdeckt haben?

Ein Mitbringsel für Berlin, seit Jahren schon und doch nie in der Stadt angekommen, ist die Ruhe und Muße, mit der man anderswo die Dinge angeht. Mal ‘nen Gang rausnehmen, das können wir uns hier von anderen gern abschauen.

In Berlin sind zwar gerade weniger Leute unterwegs, dafür stehen überall Elektroroller auf den Bürgersteigen oder verstopfen die Radwege. Sind Sie schon einmal damit unterwegs gewesen?

Nein – gefahren noch nicht, nur ein paar Mal drüber gestolpert. Diese Welle wird, wie Skateboard und Segway auch, an mir vorübergehen. Paragraf eins der Straßenverkehrsordnung spricht von Vorsicht und gegenseitiger Rücksichtnahme. Wenn sich nur alle dran halten würden…

Auch in U- und S-Bahnen ist es oft eng, weil es zu wenige Fahrer und Wagen gibt. Nun hat der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) ein günstiges Jahresticket für 365 Euro vorgeschlagen. Bekommt er dafür von Ihnen im Senat freie Fahrt?

Dass er das in einem Interview sagt, vorher mit niemandem gesprochen hat, es auch noch Unklarheiten gibt, macht ja den Vorschlag nicht schlecht. Im Kern geht es um besseren Öffentlichen Nahverkehr und bezahlbare Mobilität für alle, da können die Gespräche dann auch nachgeholt werden. Letztlich ist der Vorschlag die Verlängerung der Dinge, die diese Koalition im ÖPNV schon angepackt hat: günstigere Sozial- und Azubitickets, kostenloses Schülerticket, bessere Bedingungen für Firmentickets. Und ein Schritt in die Zukunft hin zu Öffi-Flat und kostenlosen ÖPNV.

Ihre Hilfe als Kultursenator fordern viele auch bei Berlins beliebtesten Tanzschuppen. Das traditionsreiche, mehr als 100 Jahre alte Clärchens Ballhaus bangt nach dem Verkauf des Grundstücks um seine Zukunft. Wie wollen Sie verhindern, dass dieses Berliner Kulturgut verschwindet?

Wenn es ein privater Eigentümer drauf anlegt, wegen höheren Profits Kultur zu verdrängen, dann kann ich kaum was machen. Rechtliche Hebel gibt es nicht. Wir versuchen dann um Verständnis zu werben, zu vermitteln, wir appellieren. Und manchmal, wie beim Rockhaus oder Theater o.N., hilft das und die Kultur gewinnt. Nach meiner Kenntnis will der neue Eigentümer aber das Ballhaus als Kulturort mit seinem klassischen und beliebten Profil erhalten.

Wo haben Sie denn in diesem Sommer schon gut getanzt?

In einer Turnhalle in Friedrichshain-Kreuzberg bei der Hochzeitsfeier eines lieben Freundes.

Thomas Wochnik

Wochniks Wochenende

Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.

48h Berlin

Samstagmorgen – Schöneberg ist dieses Wochenende Berlins Mitte. Ab 11 Uhr steigt hier das Lesbisch-Schwule Stadtfest, an dem sich nicht nur die unmittelbare Nachbarschaft beteiligt. Von weit her werden Besucher, Performerinnen und freiwillige Helfer anreisen. Und das Fest strahlt weit über den Bezirk hinaus, sodass viele Hauptstadtaktivitäten, die gar nicht im offiziellen Programm auftauchen, solidarisch unter Regenbogenflagge stattfinden. Es eröffnet nämlich zugleich auch die Pride Week. Mehr dazu im Queerspiegel und noch weit mehr da draußen. Aber beginnen wir den Tag mit einem stimulierenden Heißgetränk: Sportlich um 7 Uhr öffnet das Galerie-Café Brezel (Fugger-/Kalckreuthstraße) die Ausstellung von Lars Deike und Marcus Rahn mit Kaffee und Frühstück. Wer hier, mitten im Festgeschehen, bis 19 Uhr durchbruncht, bekommt zur Feier des Tages Prosecco aufs Haus – solange der Vorrat reicht.

Samstagmittag – Apropos weit hergereist. Wussten Sie, dass beim Mongolensturm Mitte des 13. Jahrhunderts sogar Teile Brandenburgs vorübergehend in mongolischer Hand waren? Gut, dass die Territorien nicht mehr so genau nachzuvollziehen sind, sonst hätten die heutigen Hohenzollern womöglich auch mit den Nachfahren Ugedei Khans um Ländereien in der Gegend gestritten. Von den Römern mal ganz zu schweigen, die auf den Geschmack hätten kommen können. Wegen der Städtepartnerschaft Schönefeld-Bayangol werden auch heute einige mongolische junge Männer zu Pferde durch die Mark reiten: beim Deutsch-Mongolischen Volksfest, ab 12 Uhr, mit Männerchor, Ringkämpfen und ganz traditioneller mongolischer Elektroparty.

Samstagabend – Apropos territoriale Ansprüche: Bekanntermaßen schwebt über der Neuköllner Kiezkneipe Syndikat schon länger das Pears-Global-Schwert: Die englischen Eigentümer wollen der Bar nach 33 Jahren den Mietvertrag nicht verlängern. Auch wenn nebenan kürzlich ein Fachgeschäft für Pfeil und Bogen eröffnet hat, wird der Streit vor dem Langericht ausgetragen: Am 29. Oktober soll es über den Räumungstitel entscheiden. Hier zum Tagesausklang auf das Stadtfest anstoßen – solidarischer dürfte man heute kaum prosten können. Apropos drohendes Ende: Eine (Art) Multimedia-Oper in der Ruine der Franziskaner Klosterkirche am Alex, School of Harms, Cruising the End Times", befasst sich ab 20 Uhr künstlerisch mit dem „Thermogeddon“, genauer: mit konkreten Möglichkeiten des (Aus-)Sterbens, die durch das Schmelzen des Permafrosts entstehen.

Sonntagmorgen – Weniger dys- als utopisch war dagegen die Vision von John H. Johnson, Gründer der Johnson Publishing Company. Der Enkel afroamerikanischer Sklaven machte es sich zum Ziel, afroamerikanisches Leben kunstvoll zu inszenieren und mit hochwertig gestalteten, bilderreichen Artikeln möglichst positiv zu besetzen, gründete ein Verlagshaus und gelangte als erster Afroamerikaner in die Forbes 400. Mit „The Black Image Corporation“ zeigt der Konzeptkünstler Theaster Gates im Gropius Bau eine Auswahl dieser Bilder. Wie Antworten werden dem Archivmaterial abwechselnd einige zeitgenössische Arbeiten gegenübergestellt. Heute ab 10 Uhr ist Ladies on Paper von Vaginal Davis zu sehen, die den Assoziationsraum der Ausstellung um Queer-, Drag- und subkulturelle Bezüge erweitert.

Sonntagmittag – Von den Bildern der Emanzipation zur Emanzipation der anderen Sinne: Um 15 Uhr führt Gartenrevierleiter Gerhard Klein durch den Charlottenburger Schlossgarten. Im Fokus stehen nicht Farben und Formen, sondern die Gerüche und Klänge – die Führung richtet sich insbesondere an sehbehinderte Menschen, dürfte aber auch Sehenden ganz neue Perspektiven auf Altvertrautes bieten. Wem der Sinn gegen alle Selbstbewegung steht, setze sich um spätestens 14.45 Uhr an Bord des Lounge-Schiffes MS Rhein und lasse sich beim Perfect Sunday Boat Trip für 20 Euro mit elektronischer Musik rund um den Müggelsee chauffieren.

Sonntagabend – Von den Sinnen zu literarischem Sinn: Beim Lauter Niemand Literaturlabor ab 20 Uhr darf jeder Jemand im Chagall (Senefelderplatz) seinen Text vortragen, solange der 10 Minuten Redezeit oder 3 Gedichte nicht übersteigt. Wesentlich reduzierter wird es hingegen im Schlot zugehen, wo um 20 Uhr der brillante Paul Hankinson – und nur er – sein Publikum mit Klavier und Eigenkompositionen sanft in die Woche entlässt. Sanfte Klänge sind in Ihrem Alltag nicht anschlussfähig? Zum Glück gibt es heutzutage für alles Adapter: Bei Global Adapter stehen ab 20 Uhr Ensemble AdapterEnsemble Dal Niente und das Distractfold Ensemble mit zeitgenössischer Musik auf der Bühne des Radialsystems. Um 19 Uhr gibt es eine Einführung in die Stücke – damit auch niemand den Anschluss verpasst.

Mein Wochenende mit

Durchgecheckt

Martin Engler ist als Sänger, Komponist, Schauspieler, Regisseur und Hörspielsprecher mit allen Bühnenwassern gewaschen.

„Vor etwa zehn Jahren sprach ich beim DLF einen Text von Raymond Federman aufs Band, den ich bei der Gelegenheit auch kennenlernte. Mit 14 war er nur knapp den Nazis entkommen – seine Mutter hatte ihn im Wäscheschrank versteckt, als die Gestapo schon die Treppe hinaufkam. Zwei Schwestern, Vater und Mutter wurden deportiert, nur er überlebte. Er gelangte, was an ein Wunder grenzte, nach New York, wo er den ‚Noodle Novel' schrieb. Irgendwann war er Literaturprofessor und enger Freund Samuel Becketts. Aus seiner Geschichte habe ich ein Bühnenstück gemacht, mit dem ich auf ein Festival in die Vereinigten Arabischen Emirate eingeladen wurde. Wie sich herausstellte, war den Veranstaltern überhaupt nicht klar, dass das Stück eine jüdische Geschichte erzählte. Zunächst gab es Aufruhr im Publikum, bald aber auch Interesse und Neugier. Jemand von einer saudi-arabischen Uni wollte den Text haben, um ihn zu übersetzen. Ein Autor aus Bagdad gab uns einen Stapel seiner Texte für Europa mit. Raymond selbst verstarb nur einen Tag vor der Aufführung. Seit zehn Jahren wartet noch ein Text von ihm in meiner Schublade ‚The Voice from the Closet'. Und dieses Wochenende habe ich endlich mal Gelegenheit, mich dem zu widmen um daraus ein Stück zu machen. Den richtigen Hirnproviant dazu hole ich mir mit Fisch, Espresso und Grappa bei ‚Il Casolare' an der Admiralsbrücke.“

Lese­empfehlungen

Fünfundfünfzig verschiedene Städte beschreibt der Reisende Marco Polo dem nicht weit herumgekommenen Mongolenfürsten und Kaiser von China Kublai Khan, um ihm einen Eindruck von dessen Reich zu vermitteln. Tatsächlich aber beschreibe er stets nur seine Heimatstadt Venedig, lässt Autor Italo Calvino seinen Protagonisten Polo irgendwann sagen – ein so schmutziges oder reines Venedig, wie gerade nötig, voller Luftschlösser, Wasserburgen und Ländereien, garantiert entgelt- und steuerfrei, sofort bezugsfrei und mit minimalen Instandhaltungskosten – man muss nur die eigene Vorstellungskraft etwas pflegen. „Die Unsichtbaren Städte“ sind nicht nur für Monarchen eine Empfehlung, besingt Calvino darin doch einen kategorischen Plural jeder Stadt, in der verschiedene Welten nebeneinander existieren – Berliner Pendants seiner Venedig-Beschreibungen zu finden ist auch gar nicht mal so schwer.

Und was liegt zwischen Berlin und Venedig? Genau, Das Wilde Kärnten. So lautet auch der Titel des Romans von Josef Winkler. Wie „Die Unsichtbaren Städte“, ist mir auch dieses Buch bei den Recherchen zu diesem Wochenende immer wieder eingefallen. Es geht im weitesten Sinne um queere Subkultur, Anderssein, rebellisches Aufbegehren – Assoziationen von der Pride Week zum punkigen Syndikat, von der Black Corporation zum Begriff „Lauter Niemand“ und mehr lassen sich hier ausmachen. Vefasst in einer großartigen, jedem stumpfen Antiintellektualismus trotzenden, den Leser ernst nehmenden Sprache.

Wochen­rätsel

Jede sechste Schule in Berlin ist ohne vollständig Leitung. Wie viele Schulleiterstellen sind derzeit länger als drei Monate unbesetzt?

a) 30
b) 23
c) 41

Schicken Sie uns die richtige Lösung und gewinnen Sie einen Checkpott.

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Encore

Seit genau einem halben Jahrhundert stellt der Mond das wohl extravaganteste je erreichte Reiseziel des Menschen dar, was die Stiftung Planetarium übrigens den ganzen Sonntag lang mit einem Sonderprogramm Mondfest feiert. Die beiden 1977 gestarteten Voyager-Raumsonden, die auf ihrer Reise unter anderem die Jupiter- und Saturnmonde schon mal genauer unter ihr Sensorium genommen haben, haben vor wenigen Jahren die Heliosphäre verlassen – es sind die aktuell am weitesten von der Erde entfernten materiellen Erzeugnisse der Menschheit im All. In den kommenden Jahren werden ihre Energievorräte erlöschen und sie werden zu Botschafterinnen der Menschheit. Auf vergoldeten Schallplatten, den „Golden Records“, führen sie nämlich dokumentierte Errungenschaften und humanistische Werte an Bord, für den Fall, dass intelligente fremde Spezies den Sonden einmal begegnen und sich fragen sollten, wie der Erstkontakt mit den federlosen Zweibeinern (der Mensch bei Platon) zu gestalten wäre.

Darauf, dass das aufgeklärte Menschenbild auf den Golden Records auch zutrifft, wenn es einmal soweit ist, kann man die ganze Woche lang im Rahmen der Pride Week anstoßen. Zum Wohl, und haben Sie ein schönes Wochenende.

Robert Ide