Zunächst noch regnerisch, später freundlicher bei max. 18°C. Der Sonntag verspricht sonniger zu werden.

Die SPD versucht's auf dem digitalen Mitgliederforum mit Einigkeit424 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten: die Bilanz der Corona-ProtesteStrandbad Plötzensee wirft den „Volkslehrer“ nach Hetze hinaus

nachdem unser Landespolitik-Redakteur Ulrich Zawatka-Gerlach bereits von der Schwindsucht des Senats geschrieben hat, legt die Deutsche Presse-Agentur nach und stellt die Frage, ob Berlin noch gut regiert wird. Die Antwort fällt mehr als ernüchternd aus. „Amtsmüdigkeit, Fehlschläge, Grabenkämpfe und ein Rücktritt: Ein Jahr vor der Abgeordnetenhauswahl ist beim rot-rot-grünen Berliner Senat wenig vom Schwung und Aufbruchstimmung in der ersten Zeit der Legislaturperiode geblieben. Vielmehr wirkt die Mannschaft um den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD), den es nächstes Jahr in den Bundestag zieht, visionslos, erschöpft und angeschlagen“, heißt es da. Gleich mal nachgefragt bei der Senatskanzlei, wie das aufgenommen wurde. Sprecherin Melanie Reinsch verweist nur auf einen Satz, der bereits im Text steht: „Der Senat ist voll handlungsfähig und hat sich bis zur Wahl noch viel vorgenommen.“ Na dann.

Anzeige

500 Vorführ- und Lagerfahrzeuge aus allen Berliner Centern mit bis zu 30 % Preisvorteil. 
Alle VerkäuferInnen. Alle an einem Ort. Alle Baureihen. Alle Probe fahren. 
Alle Neuheiten. Alle hautnah erleben. 
Nur Samstag, 5. + Sonntag, 6.9. 
Nur in der Mercedes-Welt am Salzufer. 
*Aktionsangebot gültig für ausgewählte Fahrzeuge – solange der Vorrat reicht.
 

Berlins einstige (nicht zu verwechseln mit einzige) Spitzenpartei SPD stolperte am Freitagabend trotzdem schon mal in Richtung Neuanfang. Das designierte Giffey-Saleh-Führungsduo präsentierte sich knapp zwei Monate vor der Wahl der neuen Landesspitze auf einem „Digitalen Mitgliederforum“, Begrüßung durch den amtierenden Vorsitzenden und Regierenden Michael Müller inklusive. Der sagte: „Wir müssen im nächsten Jahr viel arbeiten und kämpfen. Wir wollen weiter regieren, wir sind die führende Kraft in Berlin und das wollen wir bleiben.“ Er warnte aber auch: Das wird „kein Selbstläufer“.

Telegramm

424 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, 429 abgeführte DemonstrantInnen und 59 verletzte PolizistInnen – das ist die Bilanz der Corona-Proteste vom vergangenen Wochenende. Gegen die Verschwörungs-Heilpraktikerin Tamara K., die zum Sturm auf den Reichstag aufgerufen hatte, wird „wegen aufwieglerischen Landfriedensbruchs“ ermittelt. Da helfen auch keine Globuli.

In Wedding haben die Betreiber des Strandbads Plötzensee von ihrem Hausrecht gebraucht gemacht und den antisemitischen Videoblogger Nikolai Nerling vom anliegenden Wohnmobilstellplatz verwiesen. „Wir sind ein multikulturelles Team und akzeptieren keinen Rassismus oder Antisemitismus“, sagt Betreiber Florian Menke – und wird dafür von Unbekannten bedroht. Das E-Mail-Postfach ist voll, das Telefon steht nicht mehr still, die Google-Bewertungen werden durch 1-Stern-Bewertungen heruntergedrückt.

Jeanne Plaumann kommentiert dazu im Weddingweiser: „Klare Kante gegen Rechts ist etwas, was überall wichtig ist. Im Wedding jedoch betrifft es uns alle noch viel mehr. Menschen wie Nerling und ihre Ideologien stellen eine akute Gefahr nicht nur für unsere Demokratie dar, sondern auch für viele Weddinger im Alltag. Es ist essentiell, dass Orte wie das Strandbad Plötzensee sichere Orte für alle sind.“

Neuer Coronafall an Neuköllner Schule: Die Bezirksstadträtin Karin Korte teilt mit, dass ein Schüler positiv getestet wurde. Eine Klasse der Schulanfangsphase mit 17 SchülerInnen sowie 7 Lehrkräften befindet sich vom 26.8. bis 9.9. in Quarantäne.

„Raum für gelebte Utopien“ Visit Berlin zeigt, wie sich Berlins Clubs neu aufstellen und wo mit Maske getanzt werden darf. Der Appell: „Unterstützt eure Lieblingsclubs mit dem Kauf von Tickets, Getränken und vor allem damit, dass ihr Verantwortung zeigt, eure Masken tragt und euch an die Hygienevorschriften der Veranstalter haltet.“

Zukunft Brandenburg: Tesla-Chef Elon Musk gibt weiterhin alles, um Berlins (und Brandenburgs) Lieblings-Investor zu werden. Nachdem er bereits die ganze Nachbarschaft zum großen Giga-Eröffnungsfest geladen hat, präsentiert er via Twitter jetzt seine ersten Deutschkenntnisse: „*Deutschlandflagge* *Schwarzes Herz* Giga Berlin Mannschaft *Schwarzes Herz* *Deutschlandflagge* Vielen Dank für Ihre hervorragende Arbeit an Giga Berlin!!“ Schnauze kennt er noch nicht.

Doch warum generiert Musk mit seinem Deutschlandbesuch soll viel Aufmerksamkeit? Das hat mein Kollege Caspar Schwietering für unseren Fachnewsletter „Background Verkehr und Smart Mobility“ den PR-Experten Daniel Völker von der Agentur „Scholz & Friends Agenda“ gefragt. Völker erkennt bei Musk und Tesla eine klare PR-Strategie. Musk schaffe es durch eine konsequente Personalisierung sich selbst und seinen Twitter-Account als einzigen relevanten Kanal für das Unternehmen Tesla aufzubauen, analysiert der Experte. Hinzu kommt, dass Musk dort und anderswo nicht wie ein gewöhnlicher CEO auftritt, sondern spektakuläre Bilder verwendet (Ein Tesla fliegt ins All) und Fans mitunter direkt anspricht.

Der Mangel an Informationen führt laut Völker dazu, dass alle gebannt auf Musks nächste Äußerung bei Twitter warten. Und paradoxerweise erscheint Musk zugleich sehr zugänglich. „Er schafft Nähe wie kein anderer Wirtschaftsboss“, erklärt der PR-Experte. Fehler könnten dem System „Musk“ dabei nichts anhaben. Denn Musk stehe für eine Revolution. Alles ist deshalb erst im Werden. „Das Scheitern ist bei ihm immer schon eingepreist“, sagt Völker.

Diese Mischung hat Elon Musk zum einflussreichsten Tech-Pionier seit Steve Jobs gemacht. Die gesamte Analyse lesen Sie hier mit einem Background-Probeabo.

Zukunft Stadt: Die Friedrichstraße ist seit Freitag offiziell als Berlins erste Flaniermeile eingeweiht. Anregungen sind bei Senat und Bezik „höchstwillkommen“.

Berlins Polizei sattelt ganz friedrichstraßenlike weiter auf’s Rad um. Seit Freitag sind 43 (statt 20) Beamte für die Fahrradstaffel im Einsatz. 160 sollen es bis 2023 sein. Dazu xhain-Bürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne): „Bei 160 Staffeln, hätte jeder Bezirk 13 Staffeln, das könnte eventuell reichen, um endlich eine wirksame Verkehrskontrolle in Berlin aufzubauen. Bei lediglich 160 Personen, wäre weiterhin sehr viel Luft nach oben, um erfolgreich die StVO in der Stadt durchzusetzen.“ Letzteres.

Am Sonntag jährt sich der Verkehrsunfall in der Invalidenstraßebei dem ein SUV-Fahrer vier Fußgänger getötet hat. Jetzt soll die Straße endlich umgebaut werden. Die Verkehrsverwaltung teilte mit, dass zwischen Gartenstraße und Elisabethkirchstraße ein beidseitig mit Pollern gesicherter Radweg angelegt wird. „Die Ausschreibung für diesen Auftrag läuft, der Zuschlag wird Mitte September erwartet, die Arbeiten sollen im Oktober beginnen“, sagt Sprecher Jan Thomsen und man fragt sich ernsthaft, wie das so lange dauern konnte.

Die für die Umsetzung des Mietendeckel-Gesetzes vorgesehenen gut 150 Stellen sollen bis zum Spätherbst besetzt werden. Bewerber gab's der Senatsverwaltung für Wohnen zufolge genug. Sorgen machen, dass der Deckel vor dem Bundesverfassungsgericht scheitert, müssen sie sich nicht. Von der Berliner Senatsverwaltung heißt es: „Sollte das Bundesverfassungsgericht unserer Rechtsauffassung nicht folgen, werden wir das Personal für andere Aufgaben einsetzen.“

Wegen des Kaufes einer Immobilie in der Boddinstraße 8 hat die SPD-Bundestagsabgeordenete Cansel Kilziltepe Anzeige gegen das Wohnungsunternehmen Akelius erstattet. „Nach einer gründlichen Recherche bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es ich in dem vorliegenden Fall vermutlich um eine illegale Steuerhinterziehung handelt und nicht mehr um einen – auch verwerflichen – legalen Share-Deal zu Steuervermeidung“, sagte sie dem Checkpoint. Auffällig sei der Fall unter anderem, weil die Geschäftsführer des zypriotischen Co-Investors Giannis Beta Ltd „an Teilen der Akelius Gruppe beteiligt“ und „in unterschiedlichen Positionen auch in der Akelius Firmengruppe tätig“ sind. Eine Checkpoint-Anfrage beim Unternehmen bleibt bis dato unbeantwortet. Steuerprüfung übernehmen Sie.

Keine Kampfkandidatur: Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Silke Gebel bewirbt sich im einstigen Ramona-Pop-Wahlkreis Mitte 1 als Direktkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl. „Es gibt noch viel zu tun für Klimaschutz, starke Familien & ein Digitales Berlin“, schreibt sie und teilt auf Checkpoint-Anfrage mit: „Na klar ist das mit Frau Pop abgesprochen. Sie tritt nicht mehr im Wahlkreis an, weil es andere Aufgaben gibt. Wir machen jetzt die Staffelstabsübergabe, nachdem sie den Wahlkreis zweimal gewonnen hat.“

„Er machte einem angst und bange, so wie er sich verausgabte. Wie Birol Ünel sich als kaputter Barkeeper in Fatih Akins Liebesdrama „Gegen die Wand“ 2004 um Kopf und Kragen spielte, wie er einem diesen verlorenen Menschen gerade so nahebrachte und die Grenzen seines Metiers dabei sprengte, das ist auf immer mit seinem Namen verbunden.“ So würdigt Tagesspiegel-Kritikerin Christiane Peitz einen großen Schauspieler. Ünel ist am Donnerstag im Alter von 59 Jahren in einer Berliner Klinik nach schwerer Krankheit gestorben. „Ruhe in Frieden, mein Freund. Du hattest ein Licht in Dir, das mich immer überwältigt hat“, schreibt Fatih Akin auf Twitter.

Ein Bilderrätsel zum Schluss: Twitteruserin @IdaFunkhouser hat ein alleinstehendes Leihfahrrad, samt ordentlich davor drappierten Herrenschuhen und Körbchen mit kaputtem Ipad und leerem Kaffebecher entdeckt und fotografiert. Wir suchen die Berlin-Geschichte dahinter. Schreiben Sie uns: checkpoint@tagesspiegel.de.

Thomas Wochnik

Wochniks Wochenende

Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.

48h Berlin

Auch wenn sein Konterfei was anderes verheißt: Kollege Wochnik weilt im wohlverdienten Urlaub, weshalb an dieser Stelle in den kommenden Wochen Stadtleben-Autorin Stefanie Golla übernimmt. Los geht’s:

Samstagmorgen – Die Club- und Musikszene liegt weiterhin weitgehend brach – aus guten Gründen, und doch existenzbedrohend für viele. „Berlin braucht Musik!“ konstatiert auch das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin (DSO) und schwärmt daher heute in kleinen Ensembles aus, um Kammermusik auf die Straßen Berlins zu bringen. Fast wäre die 2. Auflage der Überraschungskonzerte des DSO wetterbedingt ausgefallen, aber dann fand man unter der Piazza der Mall of Berlin Platz, um regengeschützt musizieren zu können. Los geht es dort um 11.30 Uhr mit Dvořák-Ensembles, danach geht es weiter mit dem Zehlendorfer Bläseroktett am Haus der Kulturen der Welt (12.30 Uhr), den Abschluss macht ein Streichquintett am Kollwitzplatz (19.30 Uhr). Die 11 Pop-Up-Konzerte können als „Tour de la musique“ absolviert oder einfach im Vorbeigehen genossen werden – diese Musik ist nämlich für alle. Infos hier.

Samstagmittag – Derart beschwingt, lohnt ein Abstecher in die Charlottenburger Suarezstraße, wo trotz Corona die 19. Antikmeile zum Vintage-Shopping einlädt. Sogar größer denn je, denn um ausreichend Abstand wahren zu können, wurde die Meile zwischen Kantstraße und Kaiserdamm auf ganze acht Meter verbreitert (hoffentlich haben alle AnwohnerInnen ihre Autos umgeparkt…), auch die Stände stehen weiter auseinander als sonst. Für Abstand sorgen sicher auch die Regenschirme, die Sie brauchen werden, um trockenen Fußes die exklusiven Vintage-Stücke zu begutachten. Bitte nicht wundern, sollten Ihnen Rockabillies oder gar Königin Luise begegnen: Der Antikmarkt gilt dem Citywest-Publikum seit Jahren als Ausgehmeile – stilecht, versteht sich. Neben 35 Antiquitäten- und Designgeschäften, nehmen rund 100 GasthändlerInnen teil, darunter einige, die zur Designbörse Berlin in Moabit ausgestellt hätten. Da diese coronabedingt ausfällt, ist die Antikmeile in diesem Jahr um etliche Vintagemöbel reicher – und das bei freiem Eintritt. U-Bhf Sophie-Charlotte-Platz, 12-20 Uhr

Samstagabend – Den Wandel durch die Zeiten können Sie am Abend in der Philharmonie fortsetzen, wo das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin mit Anne Schwanewilms (Sopran) zum Saisonauftakt „Vorgefühle und Vergangenes“ zum Besten gibt. Das Konzert im Rahmen des Musikfest Berlin vereint Werke von Johann Sebastian Bach, Anton Webern, Alfred Schnittke und Alban Berg, am Pult steht RSB-Chefdirigent Vladimir Jurowski. 19 Uhr, Herbert-von-Karajan-Straße 1 (Mitte), Tickets (20-59 Euro) gibt es an der Abendkasse (bitte ausreichend Zeit einplanen).

Sonntagmorgen – mit Mirabellen. Die kirschgroße „Gelbe Zwetschge“ sieht super süß aus, bleibt aber lange sauer, bevor sie im Spätsommer, also jetzt, doch noch ziemlich lecker wird. Genuss-Kollegin Susanne Leimstoll empfiehlt: am besten frisch genießen, oder einfach und schnell als Galette kredenzen – und liefert das Rezept samt Karamellknusper gleich mit. Reife Früchte bekommen Sie zum Beispiel in Neumanns Erntegarten in Potsdam (Am Heineberg 2). Auf Nachfrage bestätigt Ostbauer Gerhard Neumann: Es gibt noch welche. Vor allem aber werden gerade die „richtigen“ Pflaumen reif. In ca. 10 Tagen rechnet er mit so viel Spätpflaumen, dass er sie gar nicht alle verkaufen kann. Soziale Einrichtungen, auch Kitas und Schulen, können sich gern melden und gratis ernten kommen. Geöffnet ist Mi-So 10-18 Uhr, alle Infos hier. 

Sonntagmittag mit Patti Smith und Fräulein Brehm in der Amerika Gedenkbibliothek verbringen: Von dieser Woche an ist sonntags wieder Programm am Blücherplatz 1 – buchstäblich, denn vieles findet draußen auf der Wiese vor der AGB statt, so lange das Wetter mitspielt. Zum Auftakt gibt es Familienyoga, zum Ausklang einen Presseclub für alle zum Thema „Zukunft Erde: im Kreislauf wirtschaften – geht das?“. Der Eintritt ist frei, für einige Formate aber eine Anmeldung nötig. Ein Platz im Readers Corner aber ist immer frei. 

Sonntagabend – Bevor am Montag wieder – ganz realer – Alltag einkehrt, haben Sie zum Wochenendeende (um im Wochnik’schen Duktus zu bleiben) noch die Möglichkeit, sich in virtuelle Realitäten zu begeben: Bis zum 12. September können FilmenthusiastenInnen im Flughafen Tempelhof an der Virtual-Reality-Sektion der Filmfestspiele von Venedig teilnehmen, die dieses Jahr komplett digital und dezentral in 14 Städten auf drei Kontinenten stattfindet. Berlin ist die einzige Stadt Deutschlands, die die 44 Virtual-Reality-Erfahrungen, darunter 31 Weltpremieren, zeigt – wenn das mal kein Grund ist, sich Mundschutz und VR-Brille aufzusetzen. Tickets für ein einstündiges Zeit(reise)fenster für die „Venice VR Expanded“ gibt es für 15 Euro hier – oder bei uns, denn wir verlosen 5x2 Freikarten. Geöffnet tgl. 10-20 Uhr, U-Bhf Platz der Luftbrücke, Eingang Werner-Loebermann-Weg

Mein Wochenende mit

Durchgecheckt

Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.

An diesem Wochenende zieht es mich Richtung Schwielowsee im Südwesten Berlins. Nicht so sehr, um zu Paddeln, Wandern oder Radeln (das überlasse ich den Zweibeinern), sondern, für eine Genießertour an diesem Samstag. Wie noch heute an 200 Jahre alten Eichenholz-Webstühlen gearbeitet wird, kann live erleben, wer die größte und älteste noch aktive Handweberei Deutschlands in Alt-Geltow besucht (Am Wasser 19, Di-So 11-17 Uhr). Im Museum, 1992 mit EU-Geldern gerettet, werden noch heute von Weberinnen Stoffe in Handarbeit hergestellt. Im Hofidyll hinterm Klinkerhaus mit den blauen Fensterläden steigt mir schon köstlich der Duft bester Hausmacherkuchen, Snacks und Suppen in die Rüsselscheibe. Im Hofladen ertrüffeln Ausflügler Gardinen, Tischwäsche, Decken und Kleidung. Ich dagegen schwinge meine Borsten lieber zu Jazz auf der Streuobstwiese von Justus Mayser: Der Herr ist kein gelernter Obstbauer, sondern Architekt. Als er mit seiner Frau Jutta vor mehr als 20 Jahren nach Langerwisch zog, wollten beide einfach Natur und vorm Haus einen netten Nutzgarten anlegen. Aus dem Hobby wurde eine Mission: Die beiden sind Gründer des Vereins Langerwischer Obstgarten, einer Initiative, die es geschafft hat, dass Raum bekommt, was früher typisch für den Landstrich war: Obstbaumwiesen und -alleen, biologisch bewirtschaftet. Am Samstag gibt es ein Stelldichein auf der Wiese am Priesterweg mit Musik, dazu selbst gekelterten Obstsaft und Essen vom Kulturbund (15 bis 20 Uhr). Mein heimlicher Favorit ist jedoch Sanddorn, für den ich nicht erst bis an die Ostsee streifen muss: Geerntet wird die „Zitrone des Nordens“ auch auf Feldern in Werder, zu hervorragenden Produkten verarbeitet aber im Sanddorngarten Petzow am Glindower See (Fercher Straße 60, Mo-So 10-18 Uhr). Weil jetzt Erntezeit ist, feiert der ganze Hof am Samstag ab 11 Uhr mit Sanddorn-Federweißem, Saft, Likör, Sanddorneis und -bratwurst, die allerdings weniger meinen Geschmack trifft. 

Zeichnung: Naomi Fearn, Idee: Susanne Leimstoll, Text: Stefanie Golla

Lese­empfehlungen

Kein Lese-, aber ein Gucktipp: „Berlin von unten“. Noch bis kommenden Dienstag ist die rbb-Reportage in der Mediathek frei verfügbar. Über Bunkeranlagen aus dem Zweiten Weltkrieg, U-Bahnhöfe, Clubs und all die Tunnel und Röhren, die für eine reibungslose Infrastruktur sorgen. Wer die Stadt neu entdecken will, sollte hier definitiv in den Untergrund gehen.

Smartphone im Kopf: Digital-Visionär Elon Musk macht derzeit nicht nur wegen seiner Gigafactory von sich reden. Sein neuestes Startup „Neuralink“ verspricht nicht weniger, als Hirnfunktionen mittels Chip zu ersetzen und so Krankheiten wie Parkinson, Sehstörungen oder Rückenmarksverletzungen behandeln zu können. Auch Anwendungen zur Schlaganfallprävention sind denkbar. Wie weit wir auf dem Weg zum Cyborg sind, haben meine Kollegen Sascha Karberg, Patrick Eickemeier, Oliver Voß und Sebastian Christ recherchiert (Abo).

Wochen­rätsel

Wie viel Grad lag die die Durchschnittstemperatur im Juni/ Juli/ August über dem langjährigen Mittel?

a) 2,2 Grad
b) 1,8 Grad
c) ist gleich geblieben

 

Schicken Sie uns die richtige Lösung und gewinnen Sie einen Checkpott.

Jetzt mitmachen

Encore

Die neue Woche wird kunstvoll! Am Mittwoch starten sowohl die Berlin Art Week als auch das Gallery Weekend (2020 ist ja sowieso alles anders, da kann ein Wochenende durchaus auch mal mitten in die Woche fallen). Heute gibt's (wie bereits gestern angekündigt) im Tagesspiegel die passende Spezialausgabe „Die Kunst ist zurück“. Kommende Woche versorgen wir sie dann digital auf Tagesspiegel.de mit den besten Tipps für Berlins besondere Guck-Zeit.

Kommen Sie gut (und vielleicht sogar kreativ?) durch das Wochenende!

Ann-Kathrin Hipp