Es bleibt verdammt heiß. Deshalb gibt es hier und heute gesammelt die besten Tipps, die Berlin dieser Tage zu bieten hat: Gesundheitsstrategien (Senatsverwaltung), Badeseen (Tagesspiegel), Eisdielen (Tagesspiegel), Abkühlungsmethoden für heiße Nächte (RBB), ein im Stundentakt geregelter Tagesablauf (Berliner Zeitung), die kühlsten Orte (Berliner Zeitung) und Sommerhits „mit Ohrwurmpotenzial“ (Morgenpost). In diesem Sinne: Sweat. A La La La La Long.
Enjoy the silence hat sich derweil wohl das Management von Depeche Mode gedacht und vor dem letzten Konzert der Band in Berlin eine eigene Bahn im Olympiabad reserviert. Drei Tage, jeweils zwei Stunden, für die Allgemeinheit entsprechend gesperrt. Nachgefragt bei den Berliner Bäderbetrieben: Die Anmietung einer ganzen Bahn sei möglich, heißt es. Für die Nutzung einer 50-Meter-Bahn zahle man pro Stunde 60 Euro. Eine 25-Meter-Bahn koste 35 Euro. Zusätzlich zum Eintrittspreis. Festgelegt in der Entgeldordnung. Geld regiert eben selbst die Wasserwelt.
Happy Pride, heißt es am Wochenende! Rund eine Million Menschen werden am Samstag zum Christopher Street Day erwartet, um für Gleichberechtigung zu demonstrieren und die Liebe zu feiern. Vielleicht sogar ein bisschen mehr als sonst, weil es in diesem Jahr einen ganz besonderen Anlass gibt: Der Berliner CSD wird 40. Der Tagesspiegel gratuliert und erscheint zum Geburtstag am Samstag mit mehreren Sonderseiten. Und im Regenbogenmantel.
Einer, der den CSD 1978 mitgegründet hat, war Bernd Gaiser. Mut, sagt er, sei damals ihre wichtigste Eigenschaft gewesen und der Kampf noch immer nicht vorbei. Ich durfte ihn treffen und den Versuch starten, sein Leben in einen Text zu packen. Soviel sei gesagt: Dieser Mann hat viel erlebt.
Nach dem brutalen Brandanschlag auf zwei Obdachlose am S-Bahnhof Schöneweide ist die Polizei weiter auf der Suche nach dem Täter. Der Berliner Zeitung zufolge sollen die Ermittler nach einem 40 bis 60 Jahre alten Mann in einem weißen, verdreckten T-Shirt suchen. Bestätigen wollte die Polizei das am Mittwochabend nicht. Die Opfer habe man noch nicht vernehmen können. Ein Mann liegt mit lebensgefährlichen Verletzungen im Schutzkoma, der andere ist mittlerweile ansprechbar.
Schlagfertig war am Montag eine 93-Jährige in Wedding: Als zwei Männer in ihre Wohnung eindrangen, schlug sie die Räuber mit ihrem Gehstock, biss einem in die Hand, schrie laut um Hilfe, „griff zusätzlich in den Genitalbereich des Täters und drückte fest zu“. Beide Männer flüchteten.
„2017 hat Deutschland in Atem gehalten. Unser Land stand weiter im Fokus des islamistischen Terrorismus“ – so beginnt Horst Seehofer sein Vorwort zum Verfassungsschutzbericht 2017, der diese Woche vorgestellt wurde. Es folgen die Absätze linksextreme Gewalt (2), rechtsextreme Gewalt (3), Reichsbürger (4), Antisemitismus (5), Cyberangriffe (6). (Un-)passend dazu die Anzahl der politisch motivierten Straftaten: Das BKA hat für das Jahr 2017 insgesamt 39.505 registriert. Zuordnung wie folgt: 20.520 „rechts“, 9.752 „links“, 1.102 „religiöse Ideologie“ und 1.617 „ausländische Ideologie“. Bei 6.514 Straftaten konnte keine Zuordnung getroffen werden.
Fteim Almousa abo Staiti wurde in Syrien verfolgt und ist nach Deutschland geflohen. Ihre Familie wollte sie nachholen, das war der Plan. Drei Jahre ist das her. Die große Koalition hatte in der Zwischenzeit den Familiennachzug ausgesetzt. Ihr Mann, die drei Töchter und der Sohn sitzen noch immer im Flüchtlingslager im Libanon fest. Ann Esswein und Felie Moucir Zernack haben die Familie für den Tagesspiegel Sonntag begleitet. Herausgekommen ist in Zusammenarbeit mit unserem Datenteam die Multimedia-Reportage „Geteiltes Leid”. Leseempfehlung. Geht ans Herz.
Avenidas II & die Rückkehr der Frage: Was darf Kunst? Studierende haben in Manchester jüngst ein Gedicht des Nobelpreisträgers und „Dschungelbuch“-Autoren Rudyard Kipling überpinselt, wie Ingo Salmen im Leute-Newsletter Marzahn-Hellersdorf berichtet. Zwar hatten sie nichts am Gedicht selbst, dafür aber am Dichter auszusetzen. Der sei nämlich ein Rassist, sagen die Studierenden. „Fürchterlich plump“, sagt hingegen ein Literaturprofessor. Anders als der Hellersdorfer Asta, der den langen Marsch durch die Institutionen angetreten hatte, um hier in Berlin Gomringers „avenidas“ loszuwerden, ersetzten die englischen Studierenden das Gedicht „If–“ innerhalb weniger Tage durch „Still I Rise“ der US-Bürgerrechtlerin Maya Angelou. Eine Endlosdebatte wollten sie sich durch Pragmatismus sparen.
Telegramm
Kurzer Blick nach Hollywood: Auf dem Walk of Fame hat ein Mann mit einer Spitzhacke den Stern von US-Präsident Donald Trump zertrümmert. Es kommentiert Professor Snape: „Jetzt sind es nur noch sechs Horkruxe.“
Die USA und die EU haben sich derweil am späten Abend auf einen Weg zur Beilegung ihres Handelsstreits geeinigt. Unter anderem wollen beide Seiten Zölle abbauen, die nicht zum Automobilsektor gehören.
Falscher Alarm: Am Mittwochabend hat ein verdächtiger Rucksack im Fernsehturm kurzzeitig für Aufregung gesorgt. Wie die B.Z. berichtet, befanden sich rund 300 Personen im Fernsehturm, als er entdeckt und der Fahrstuhl aus Sicherheitsgründen abgestellt wurde. Den Besuchern wurde freigestellt, ob in der Kuppel zu warten oder den Turm per Treppe zu verlassen. Gegen Mitternacht gab es dann Entwarnung.
Nichts gewusst, nichts gehört, nichts gesehen: Im Brandenburger Pharmaskandal um möglichweise unwirksame Krebsmedikamente wird mehr und mehr deutlich, wie groß das Versagen der Brandenburger Behörden war. Am Mittwoch musste sich Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) im Landtag erklären. Die Chronologie aller Ereignisse finden Sie hier.
Das Quartiersmanagement sollte ärmere Stadtteile stabilisieren – bis sie es alleine schaffen. Weil sie es nun geschafft haben sollen, will Berlin die zusätzliche finanzielle Unterstützung in neun Vierteln streichen. Die Bezirke befürchten Nachteile für die betroffenen Kieze.
War's das wert? 14.019,75 Euro wird die Umweltschutzorganisation Greenpeace zahlen müssen, weil sie Ende Juni mehr als 3000 Liter gelbe Farbe auf den Großen Stern hatte kippen lassen. Bei der Rechnung anteilig: 52,2 Prozent Personalkosten, 37,5 Prozent Fahrzeugkosten und 10,3 Prozent Entsorgungskosten, inklusive Materialkosten.
Wissenswert: In einer Minute werden im weltweiten Web 481.000 Tweets geschrieben, 862.823 Dollar ausgegeben, 1,1 Millionen Bilder bei Tinder nach links oder rechts gewischt, 4,7 Millionen Google-Suchanfragen gestellt, 4,3 Millionen YouTube-Videos geschaut, 187 Millionen Mails versendet.
Apropos Digitalisierung: Kennen Sie den schon? Fragt ein Mann in einem Berliner Ordnungsamt, was eigentlich mit den Meldungen passiert, die per App ankommen. Antwort der Mitarbeiterin: Die Chefin druckt sie ihr nach dem Urlaub aus.
Müllberge, Wartezeiten auf Ämtern oder drohende Abschiebungen: 1571 Anträge sind dieses Jahr im Berliner Petitionsausschuss eingegangen. Und einmal, da hatten zwei ihre Hochzeit auf dem IGA-Gelände geplant und erst nach der festen Buchung eine Mitteilung der „Gärten der Welt“ erhalten, dass jeder Gast 18 Euro Eintritt zahlen solle. Die Verlobten wandten sich an den Ausschuss und die IGA bot einen reduzierten Preis von fünf Euro an. Happy End Berliner Art.
Apropos happy: Gute Neuigkeiten gibt es auch in unserer Rubrik „Amt, aber glücklich“. Ein Elterngeldantrag wurde in Steglitz-Zehlendorf beschieden. In weniger als zwei Wochen. Herzlichen Glückwunsch an Stefanie Schwarze.
Wären die Verantwortlichen dieser Stadt in Sachen Verkehr auch nur halb so engagiert wie Leserin Gabriele Siebert, wir lebten in einem Fahrradparadies. Für unseren #Gefahrenmelder hat sie eine Gefahrenstelle in Steglitz ausgemessen, fotografiert, die Fotos (hier zu sehen) entwickeln lassen, beschriftet & uns per Post geschickt (Computer hat sie keinen). Für alle mit Computer: Einfacher ist es mit unserem Fomular, aber natürlich nur halb so schön.
Gute Möhren, schlechte Möhren. Selbst wenn ein gentechnisches Werkzeug das Erbgut einer Pflanze nur so verändert, wie es auch auf natürliche Weise möglich wäre, müssen diese Organismen als „gentechnisch verändert“ reguliert werden. Das hat der Europäische Gerichtshof jetzt entschieden.
Und sonst? Ein Pizzalieferdienst wirft derzeit Werbung mit den Worten „Halloween – unheimlich lecker“ in die Kreuzberger Briefkästen. Entweder passieren gerade so viele erschreckende Dinge, dass da was durcheinandergebracht wurde. Oder wir haben irgendeinen Hipster-Trend verpasst.
Achso und zu guter Letzt: Unser Lieblingsflughafen hat einen Fortschritt zu melden. Das Zusatzterminal T 2 am BER darf gebaut werden. Der Neubau entsteht vor dem bestehenden Pier Nord und ist ebenfalls für die Billigfluglinien vorgesehen. Flughafenchef Lütke Daldrup sieht in der Baugenehmigung einen „weiteren Meilenstein“. X Meilensteine to go.
Dazu noch der schnell der schöne Vorschlag von Twitter-Nutzer @tomnoppen: „Und Thema Hitze: Ich finde, es ist an der Zeit, dass wir aufhören, zu überlegen, wie wir einen Flughafen nach Berlin kriegen und anfangen zu überlegen, wie wir Berlin ans Meer kriegen.“ Mehr bräuchte es nicht.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
"…"
Jogi Löw zu Özils Rücktritt aus der Nationalmannschaft.
Zitat
"…"
Reinhard Grindel zu Özils Rücktritt aus der Nationalmannschaft.
Zitat
"Nicht mal bei unseren Amateurvereinen in Berlin würden Vorsitzende einen Spieler so im Stich lassen. Dabei war Özil doch unser Weltmeister."
Mehmet Matur, Integrationsbeauftragter vom Berliner Fußballverband, zu Özils Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Das ganze Interview lesen Sie hier.
Tweet des Tages
"Wer in Berlin öfters mit der U-Bahn fährt und trotzdem nicht an Aliens glaubt, den kann ich nicht ernst nehmen."
Antwort d. Red.: Apropos Aliens: Die wurden zwar nicht gefunden, dafür haben Forscher allerdings Wasser auf dem Mars entdeckt. Genau genommen einen 20 Kilometer großen Salzsee.
Stadtleben
Essen im Sommerbad Humboldthain. Das klingt wettergemäß, ist es auch. Im Imbiss Tropez serviert Betreiberin Nele Heinevetter natürlich den kulinarischen Freibadklassiker schlechthin: Pommes. Doch damit nicht genug. Jedes zweite Wochenende verwandelt sie die Gastronomie in einen Kreativ- und Projektraum, wo ausgiebiges Kunstprogramm geboten wird – vom Rapkonzert über die Kunstausstellung zum Bastelworkshop. Und dieses Wochenende setzt Heinevetter noch einen obendrauf: Im Pop-up-Restaurant „Manger à Tropez“ wird den Badegästen ab mittags ein südamerikanisches Menü mit Dadinho de Tapioca, Mango Sorbet und Churros geboten. Wiesenstraße 1 (S-Bhf Humboldthain), bis 2. September, Mo-So 10-18 Uhr, Menü bis 19 Uhr
Oder man zieht sich zurück unter die schattenspenden Linden in Emils Biergarten in der Willner Brauerei (Berliner Straße 80-82, U-Bhf Vinetastraße). Wer an diesem Wochenende seine Freizeitaktivitäten ausschließlich unter dem Aspekt „kühl und schattig“ auswählt, für den haben die Kollegen von „Mit Vergnügen“ weitere elf Schattenplätzchen zusammengestellt.