gehen Sie auch gleich duschen? Dann spülen Sie nicht zu sehr: In Berlin fällt nicht nur der Regen ins Wasser. Sondern auch das Abwasser in die Spree. Dem Flusse am Fuße unserer städtischen Muße geht es oft dreckiger als er aussieht; deshalb nimmt man hier im Sommer lieber kein Flußbad. Da wegen der Trockenheit nun auch noch Blaualgen durch die Wogen walgen, wird das für Sonntag geplante Spreekanalschwimmen zwischen Bodemuseum und Stadtschloss erneut abgesagt. Dickes Weh an der Spree: Berlin hat mal wieder die Kanalisation voll.
Vom Leben gezeichnet sind viele Berlinerinnen und Berliner - bis auf die Haut. Aber wenn das Tattoo keinen mehr umhaut, muss es wieder weg. Damit die Entfernung per Laser nicht gesundheitlich unter die Haut geht (Gefahren sind etwa Verbrennungen, Pigmentveränderungen oder gar Krebserkrankungen), dürfen bald nur noch Ärzte den Körper von alten Liebesschwüren befreien. „Die Tattoo-Entfernung wird viel teurer und es wird lange Wartezeiten geben“, warnt Markus Lühr, der Berliner Gründer von „Tattoolos“ (via dpa auf berlin.de). Christian Raulin, Hautarzt aus Karlsruhe, haut die neue Regelung dagegen positiv um: „Ein Arzt hat eine Ausbildung, medizinisches Verständnis und vielfach auch eine Ethik.“ Das ist vielfach zu hoffen. Wenn nicht, schicken Sie uns bitte einen Laserbrief.
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Erster neuer Wohnturm in Mitte. Nach über 30 Jahren entsteht zwischen historischem Klosterviertel und Alexanderplatz der erste neue Wohnturm in Berlin-Mitte und bildet auf 20 Geschossen den eindrucksvollen Auftakt für das zukünftige Stadtquartier entlang der Alexanderstraße. Alle Etagen stehen bereits im Rohbau, gern beraten wir Sie im Showroom Dircksenstraße 97 - Mo/Mi/Sa 15 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung. Tel. 030 44353-130 www.grandaire.berlin
Zeit für eine Zeitreise – mit dem Bus durch das geteilte Berlin der Achtziger. Als die Hauptstadt der DDR den Gendarmenmarkt sanierte, im „Palazzo Prozzo“ schwoofte und auf dem Bürgersteig nach Orangen anstand, an dessen Rand ein Lada geparkt war, in dem auffällig unauffällig zwei Männer saßen, um die anderen Leute zu beobachten. Wo gibt’s denn sowas? Ab Freitag bei „Time Ride“, einem neuen Zeitreisemuseum am ollen Checkpoint Charlie. Hier wurde das einst zerrissene Berlin mithilfe historischer Bilder und Videos am Computer dreidimensional nachgebaut; nun startet die Stadtrundfahrt – mit VR-Brille auf dem Kopf und Rundumblick vor Augen, begleitet von Zeitzeugen im Ohr. Der Tagesspiegel ist Partner dieses neuartigen Projekts, Geschichte interaktiv zu erleben. Meine erste Testfahrt zurück ins Ost-Berlin meiner Kindheit habe ich gestern gemacht, den Reisebericht können Sie hier nachlesen. Und falls Sie ein Checkpoint-Abo haben (kostenloses Probelesen hier), können Sie fünf mal zwei Karten für die feierliche Eröffnung am Freitagnachmittag gewinnen (einfach per Mail an checkpoint@tagesspiegel.de). Denn in Berlin wird Geschichte gemacht. Damit sie gegenwärtig bleibt.
Haste mal ‘ne Karte? Was in Berliner Taxis erst nach und nach gilt („Mein Gerät ist heute kaputt“), wird im Internet schon lange abgezockt abgefragt. Mit Kartennummer, Ablaufdatum und aufgedruckter Prüfnummer hat man schnell seinen Einkauf geordert, der dann eine Woche im Café um die Ecke lagert, um nach einer weiteren Woche wieder per Paket zurückgeschickt zu werden. So einfach soll das alles nicht mehr sein: Die EU besteht auf mehr Sicherheit beim Online-Einkauf mit Kreditkarte. Viele Sparkassen und Banken haben die Sache schnell auf die kurze Bank geschoben und neue Tan-Verfahren eingeführt, nur der Handel braucht beim Wandel länger (via Handelsblatt). Also hat die Finanzaufsicht BaFin die neuen Sicherheitsstandards kurzerhand verschoben - von Mitte September auf Mitte Irgendwann. Da würde man schon gerne wissen, wie das ausgehandelt wurde.
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Okay, fangen wir mit den positiven Nachrichten an: Berliner sind toleranter als der meiste Rest der Republik. Sie lehnen autoritäre Staatsformen weitgehend ab, Antisemitismus ebenso, halten Homosexualität für völlig normal, heißen Flüchtlinge willkommen und finden nicht, dass in Deutschland zu viele Muslime leben. Das ergab der „Berlin-Monitor“, eine vom Senat in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage unter 2000 Einwohnern. Natürlich gilt das nicht für AfD-Wähler – diese sind demnach nur zu vier Prozent „zufrieden mit der Demokratie, wie sie in Deutschland existiert“ und wünschen sich mehrheitlich die Führung durch eine „starke Partei“, die „die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert“. Der Denkfehler dabei ist: Wir sind das Volk – das ist die AfD schon geschichtlich nicht. Mit der unverfrorenen Selbstreklamation der friedlichen Revolution vor 30 Jahren („Vollende die Wende“) biedert sie sich zwar an die einstigen DDR-Mitläufer an, wie einstige Oppositionelle jetzt beklagen (Interview dazu hier). Aber die Parteispitze selbst ist voller westdeutscher Wendehälse, die bloß ihr eigenes Blatt im Osten wenden wollen.
Und damit wechseln wir die Spur. Und reihen uns ein in den täglichen Stau durchs nördliche Pankow, in dem der Verkehr noch langsamer fließt als die fast vertrocknete Panke. Bis zum Ossietzkyplatz in Niederschönhausen, wo ein ganz vertrockneter Strauch an einem Parkplatz wartet. Den hatte das Bezirksamt vor 15 Monaten hier eingepflanzt, damit Autos die grüne Parkfläche mit Rasen nicht mit der grauen Parkfläche auf dem Asphalt verwechseln. Dummerweise gilt hier das Motto: Bei Grün darfst Du eingehen. Der Bezirk ließ den Busch verdorren (via @BikerPankow) und sägte ihn nun wieder ab. So wird die grüne Verkehrswende zum Kleinholz. Auf einem Park-and-Schneid-Platz.
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Alles beginnt mit einer Frage:
Wie wollen wir leben?
Am 5. September eröffnet das Futurium im Zentrum Berlins. Erstmals sind im Haus der Zukünfte alle Bereiche zu sehen: In der Ausstellung können Sie spannende Zukunftsoptionen entdecken, sich im Forum in inspirierende Debatten einbringen und im Futurium Lab eigene Ideen ausprobieren.
futurium.de
Jetzt mal was Schönes, natürlich aus Schöneberg: In der Debatte über neue Schulstandorte im Kiez und die prognostizierten Schülerzahlen ging es in der Bezirksverordnetenversammlung gestern hoch her. Der schulpolitische Sprecher der CDU, Christian Zander, sprach von „wilden Spekulationen“, wie meine Kollegin Sigrid Kneist berichtet. „Herr Zander, was meinen Sie mit wilden Spekulationen?“, entgegnete die schulpolitische Sprecherin der Grünen, Martina Zander-Rade. „Das klingt für mich nach Wildem Westen.“ Zanders Antwort: „Sie wissen, ich schätze Sie sehr.“ Was man dazu wissen muss: Die beiden sind verheiratet.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Im Knast sollte man keinen Knast haben: Bilder des Foodbloggers @Gfngniscuisin1 aus der JVA Heidering zeigen der Welt vor den Gittern die einfältige Vielfalt der prisonalen Küche: ein Brötchen, ein Paar Würstchen, etwas Nudelsalat. Eigentlich sind im Gefängnis ja Handys verboten: Umso erstaunlicher, dass man hier jemanden an die Schrippe kriegt.
Und damit machen wir weiter mit Nachrichten aus der Kultur-Hauptstadt: Sprengendes Kino: Der grandiose Berlinale-Film „Systemsprenger“ über ein unfassbar unanpassbares Kind soll für Deutschland einen Oscar holen. Springende Tänzer: Das Staatsballett ist Kompanie des Jahres, weil es sich nach Meinung der Jury nach dem Streit um die neue Intendantin Sasha Waltz neu erfunden hat. Abspringender Kurator: Der wegen seiner Ausstellungen gerühmte Direktor der Nationalgalerie, Udo Kittelmann, hört überraschend auf. Vielleicht ruft ihn jetzt die weite Welt aus Berlin hinaus. Sein Motto bleibt hier: Kunst ist super!
Noch zwei Monate bis zum Brexitus: Großbritannien will aber vorher noch nachverhandeln, ließ Premier Boris Johnson gestern beim Staatsbesuch in Berlin wissen. Hinterher wird er schlauer sein – und seine Bürger womöglich die Dummen.
Auf wilden Wiesen wildern willenlos wuchernde Wildpflanzen. Da hat Berlin eine Idee: einen Wilderwald. „Das hier ist eine Wildblumenwiese“ steht auf neuen Schildern von Senat und Wildtierstiftung an zugewachsenen Wegesrändern. „Man muss der Verwahrlosung nur einen neuen Namen geben, schon dient sie der guten Sache“, kommentiert CDU-Generalsekretär Stefan Evers. Ein bisschen wilder könnte die Opposition allerdings auch werden.
Kurze Zwischenfrage: Wer wird in den nächsten Wochen abgeschnittener von der Welt sein: Die östlichen Berliner Stadtbezirke ohne S-Bahn-Anschluss (Übersicht hier)? Die Kinder im Freizeitpark FEZ, die ohne finanzielle Hilfe ihre ehrenamtliche Parkeisenbahn nicht mehr repariert bekommen (via RBB)? Oder die Brandenburger in Dörfern wie Uckerfelde, über die Bürgermeister Peter Gerhardt im Tagesspiegel-Interview (E-Paper hier) berichtet: „Früher hatten wir hier Konsum, Bäcker, Grundschule, Post und eine Gaststätte. Jetzt ist alles dicht.“ Dichter ran an die Gesellschaft bekommt man Menschen nur mit strukturierter Infrastruktur.
Wie Berlin umstrukturiert werden müsste, damit sich hier mal das Klima ändert, ist hinlänglich unbekannt. Einen neuen Versuch unternehmen nun Klimaexperte Emanuel Heisenberg und der frühere Piraten-Abgeordnete Christopher Lauer im Internet-Magazin „Was wäre wenn“. In ihrem Aufsatz (nachzulesen hier) fordern sie mehr isolierte Gebäude, mehr solarbestückte Dächer und „eine Stadt frei von privaten Pkw“. Der Umstieg auf geteilte Leihwagen sei klima- und für alle Nutzer kostengünstiger. Bürgersteige ohne Blechwände würden auf jeden Fall eines verbessern: das Klima für Fußgänger und Kinder.
Bevor Sie das übersehen: Heute ist Tag der Zahnfee, Tag des Fisches und Sei-ein-Engel-Tag. Wie das zusammenpasst? Woher sollen wir das wissen? Vielleicht haben Sie ja eine fische Idee – dann schreiben Sie einfach an checkpoint@tagesspiegel.de. Aber brechen Sie sich bloß keinen Zahnzacken aus der Engelskrone!
Ach noch was, weil ja der Soli ab nächstes Jahr fast gänzlich abgeschafft wird: Solidarität mit Ostdeutschland (und mit abgehängten Regionen im Ruhrgebiet) sollte sich nicht nach einem Zuschlag bemessen, den übrigens auch die Ostdeutschen immer gezahlt haben. Sondern danach, wie viel Abschlag das Leben für viele Menschen noch heute bereithält.
Schnell noch die letzte Dröhnung aus Neukölln: In der vollen Sporthallen-Sauna bietet ein Junge einen „kostenlosen Aufguss für alle“ an (via @TspSonntag). Er kippt Wasser nach, wedelt halbherzig mit dem Handtuch, stoppt plötzlich und gesteht: „Bin ziemlich auf Drogen.“ Manche mögen’s high.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Ich bin sicher nicht das dekorative Salatblatt an seiner Seite.“
Die Brandenburger SPD-Abgeordnete Klara Geywitz über ihre gemeinsame Kandidatur mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz für den Parteivorsitz.
Tweet des Tages
‘Darf ich Ihnen das Du anbieten?‘ - ‘Ein Bier wäre mir lieber.‘
Stadtleben
Essen – Tote Hose in Britz? Kann nicht sein! Nicht nur darüber sind sich unsere Britzer Leser*innen einig – inspiriert von etlichen Hinweisen und Tipps nach unserem gestrigen CP-Aufruf präsentieren wir heute ein „Stadtleben-Spezial: Britz“. In jeder Nachricht wurde uns versichert, dass das Gallo Nero in der Hannemannstraße 34 eine Empfehlung wert sei. Der Italiener wird besonders für seine Authentizität, seine fairen Preise und die konstante Qualität gelobt. Hier kommen Caprese, Focaccia und Pizza Tonno in familiärer Atmosphäre auf die Karo-Tischdecke. Für das leibliche Wohl sorgt der Chef höchstpersönlich, der seine Gäste als Art Conférencier betreut. Von ihm erfährt man sicher auch, welcher der umbrischen und toskanischen Weine, die die dunklen Wandschränke um einen herum zieren, am besten zum Wunschgericht passt. U-Bhf Blaschkoallee, Di-Sa 16-23 Uhr, So 12-23 Uhr
Trinken & Schenken – Auch das Café in der Infostation des Fördervereins Hufeisensiedlung wurde uns im Zuge unseres Britz-Aufrufs ans Herz gelegt (mehr Empfehlungen nehmen wir unter checkpoint@tagesspiegel.de entgegen - gerne auch für alle anderen Ortsteile). Ehrenamtliche servieren hier frischen Kaffee und Kuchen. Die Räume sollen vor allem als Kieztreff für die Bewohner*innen der „Siedlung der Berliner Moderne“, wie die Hufeisensiedlung von der Unesco geführt wird, dienen. Warum die Sozialbausiedlung architektonisch so besonders ist, erfahren Besucher in den anliegenden Ausstellungsräumen, die außerdem einen kleinen Buchladen mit Fokus auf Architektur beherbergen. Fr und So 14-18 Uhr, Fritz-Reuter-Allee 44, U-Bhf Blaschkoallee
Berlinbesuch – Außerhalb Berlins ranken sich um Neukölln alle möglichen Geschichten und Vorurteile aus einer Zeit, in der in Neukölln keine Hipster wohnten und „Aggro Berlin“ noch existierte. Warum dem Berlinbesuch also nicht das Schloss Britz samt Schlosspark zeigen? Neukölln kann nämlich auch gediegen. Und wenn man schon in der Ecke ist: Das Museum Neukölln (Alt-Britz 41, U-Bhf Parchimer Allee) befindet sich gleich nebenan und zeigt momentan die Sonderausstellung „In guten Händen. Handwerk in Neukölln“ mit Portraits von Kiez-Betrieben und einem kleinen Blick in die Geschichte der Handwerkskunst. Der Eintritt ist frei. Tägl. 10-18 Uhr
Karten sichern für das Feuerblumen- und Klassik Open-Air 2019 im Britzer Garten. Dafür reist die Philharmonie Brünn unter der Leitung von Risto Joost am Samstag (19.30 Uhr) extra zum Sangerhauser Weg 5 und präsentiert Partien aus „Orpheus in der Unterwelt“ und „Le Carnaval romain“. Den krönenden Abschluss stellt eine thematische Synchronisation von Optik und Phonetik dar: Zur Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel färbt knallende Pyrotechnik den Himmel bunt. Karten gibt’s ab 20 Euro.
Last-Minute-Lesung – Für manch einen mag Britz schon JWD sein, fürs Brandenburg-Flair muss man aber schon weiter rausfahren. Das lohnt sich heute allem voran wegen der Buchpremiere von Judith Zander in der Schinkelkirche in Neuhardenberg. Die Schriftstellerin hat sich auf die Spuren von Theodor Fontane durch das Oderland begeben und ihre Ergebnisse literarisch festgehalten. Interessierten präsentiert sie ab 18 Uhr ihre Erkenntnisse zum ersten Mal. Der Eintritt ist frei. Karl-Marx-Allee 26, Neuhardenberg
Noch hingehen – „Was den berühmten Absacker anbelangt – hieran fehlt es (in Britz) definitiv“, schreibt uns eine Checkpoint-Leserin. Bis wir eine gute Kneipe dafür entdecken, sollte man ohnehin noch mal nach Nordneukölln in die queere Kiezkneipe Ludwig fahren. Die steht aus wirtschaftlichen Gründen nämlich vor dem Aus, wie Betreiber Maurus Knowles Leute-Autorin Madlen Haarbach verriet. Am 21. September (20 Uhr) ist es in der Anzengruberstraße 3 „time to say goodbye“, die Abschiedsparty steigt unter dem Motto „All good things come to an end“. Bis dahin erwartet Gäste aber noch ein volles Programm mit Kabarett und Lesungen.
Verlosung – Weiter geht’s mit noch zwei dicken B’s und einer Prise Anarchie: „Berlin is not Bayreuth“ nennt sich das Klassikfestival, das von Freitag bis Sonntag in den alternativen B.L.O.-Ateliers (Kaskelstraße 55, S-Bhf Nöldnerplatz) gastiert. Der Name ist ein Seitenhieb auf die Bayreuther Festspiele, die dieses Jahr mit Wagners „Tannhäuser“ eröffneten. Tannhäuser ist in der Oper der Künstler, der kein Gehör findet, für dessen Kunst das Publikum noch nicht bereit ist. „Berlin is not Bayreuth“ möchte das konterkarieren und sein, „wovor sich alle klassischen Bühnenweihspiele dieser Welt gruseln“. Es möchte Konventionen brechen, Popkultur und Klassik zwanglos zusammenbringen und den Zuschauern Autonomie geben. Sie dürfen sich nämlich frei durch das Gelände bewegen, auf dem es keine festen Bühnen-Grenzen gibt und wo der Zufall richten darf. Wer immer noch denkt, mit Klassik nichts anfangen zu können, den überzeugt vielleicht diese Selbstbeschreibung der Veranstalter: „,Berlin is not Bayreuth‘ wendet sich explizit an jene, die bei Wagner zuerst an Tiefkühlpizza denken.“ Für dieses vielversprechende Kultur-Experiment verlosen wir 2x2 Festivaltickets (bis 12 Uhr).
Das Stadtleben zum Donnerstag von: Maria Kotsev
Berlin heute
Verkehr – Ab 7 Uhr gibt’s auf der Schönhauser Allee an der Kreuzung Wisbyer Straße / Bornholmer Straße (Prenzlauer Berg) stadteinwärts nur eine Spur, Linksabbiegen ist in beiden Richtungen nicht möglich und die Überfahrt von der Wisbyer auf die Bornholmer Straße ist gesperrt. Auf der Kiefholzstraße (Baumschulenweg) gibt’s in Höhe Britzer Verbindungskanal für beide Richtungen abwechselnd nur eine Spur (bis Ende Oktober), eine Baustellenampel soll Chaos vermeiden – zumindest in der Theorie. Auf der A10 kommt es zwischen 21 und 4 Uhr immer wieder zu Verkehrsunterbrechungen zwischen der AS Mühlenbeck und dem Autobahndreieck Pankow. Auf dem Stadtring ist der Tunnel Ortsteil Britz zwischen 21 und 5 Uhr in Richtung Wedding gesperrt, es wird von der A113 über die AS Späthstraße zur AS Gradestraße umgeleitet. Und nun die gute Nachricht: Die AS Adlershof auf der A113 ist wieder in beiden Richtungen befahrbar.
Demonstration – Von 9.30-10.30 Uhr versammelt sich ver.di mit ca. 100 Teilnehmenden vor dem Roten Rathaus zur „Reklamation der Kinder- und Jugendhilfe“. Vor dem Aquino Hotel in der Hannoverschen Straße startet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten eine Demonstration „Für mehr Mitbestimmung bei Lieferando“ mit rund 100 Personen und läuft bis zur Lange Straße 31. Der Garten- und Siedlungsanlage Falkenhöhe 1932 e.V. möchte „Vielfalt für Lichtenberg“ und fordert mit 200 Protestlern von 16.30-20 Uhr in der Fischerstraße in Lichtenberg die „Änderung des Flächennutzungsplans“. Und zusammen mit 100 Gleichgesinnten stehen die Freunde der St. Hedwigskathedrale von 18-19 Uhr am Bebelplatz, um gegen „die Schließung und den Umbau der St. Hedwigskathedrale“ zu protestieren.
Gericht – Weil er auf der Flucht vor einer Verkehrskontrolle mit seinem Auto einen Einsatzwagen der Polizei absichtlich gerammt und dann unter Missachtung von roten Ampeln mit bis zu 180 km/h durch Wedding gerast sein soll, wird einem 31-Jährigen der Prozess gemacht (11 Uhr, Amtsgericht Tiergarten. Kirchstraße 6, Saal 2108).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Norman Bröckl (33), Kanute / Mama Christine (66), „Allerherzlichste Glückwünsche zum Geburtstag aus Hannover – dickes Küsschen und Knuddel von Mäuschen und Marek“ / Thomas Heise (64), Regisseur und Dokumentarfilmer / Ilka, „liebstes Sandwich-Kind, viel Erfolg für das nächste Jahr!“ / Georg Klein (28), Volleyballer bei den Recycling Volleys / Florian Kluckert (45), für die FDP im AGH / Raimund Krone (73), Schauspieler und Synchronsprecher / Peter Schaar (65), Volkswirt, ehem. Bundesbeauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit (2003-13) / Samuel Schwarz (36), Eisschnellläufer / Roko Sikirić (38), ehem. Volleyballer / Michael Sziedat (67), ehem. Fußballspieler / Hans-Jörg Vetter (67), ehem. Bankmanager der Landesbank Baden-Württemberg / Sabine Weißler (61), Grünen-Stadträtin in Mitte / Mattias Zachrisson (29), Handballer bei den Füchsen
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Jeannette Müller-ter Braake, * 30. April 1947, ehem. Lehrerin an der Robert-Jungk-Oberschule / Michael Morgenstern, Botschaftsrat, Ständiger Vertreter am Generalkonsulat Breslau / Erhard Ruprecht Rübenach, * 25. Dezember 1935
Stolperstein – Regina Korytowski (Jhg. 1868) wurde heute vor 77 Jahren im Ghetto Theresienstadt ermordet. Vor ihrer Deportation dorthin am 6. August 1942 lebte sie in der Müllerstraße 28 in Wedding.
Encore
Sie ist ein weites Feld, die Existenz von Bielefeld. Seit 25 Jahren wird im Internet der Theorie durchaus stattgegeben, dass diese Stadt nur in der Theorie stattfindet, ja dass an ihrer statt nur ein weites Feld wogt. Bloß den Beweis dafür findet man vorgeblich vergeblich, aber jetzt wird die Sache erheblich: Die Stadt Bielefeld, so sie denn existiert, spendiert eine Million Euro an jene, die die Nichtexistenz von Bielefeld beweisen können (via Tagesschau). Was allerdings die Frage aufwirft, wie existent die Prämie in diesem Fall überhaupt wäre. Zum Glück ist die Lage in Berlin weniger existenziell: Denn Spandau existiert wirklich irgendwo, habe ich von irgendwem mal gehört.
Fahren Sie mal wieder ins Grüne oder machen Sie einfach so blau. Schließlich treibt’s der Sommer noch mal golden gelb. Morgen scheint hier Laura Hofmann für Sie. Ich erscheine dann einfach woanders. Und ich grüße Sie, Ihr