Mein Wochenende mit
Anne Laxy ist selbstständige Pressebeauftragte im Kulturbereich und wohnt seit den Siebziger Jahren in Berlin. Besonders oft trifft man sie in ihrem Wilmersdorfer Lieblingscafé – Nicos Süßem Atelier – oder beim morgendlichen Laufen im Kiez.
„Mein Tag fängt seit drei Jahren immer damit an, dass ich fünf Kilometer gehe – Eichhörnchen zählen, mit Hundebesitzern quatschen, schauen, wie die Gingkoblätter fallen. Zweimal eine große Schleife ums Haus der Berliner Festspiele und rüber zur Ludwigskirche, um den Ludwigskirchplatz. Dann zum Zeitungsladen – alle Tageszeitungen kaufen – und als Belohnung in ein Kaffeehaus. So bin ich inzwischen über 9000 Kilometer gelaufen! Ich treffe Nachbarn, kriege den Kopf frei und kann den Tag planen. Das ist das Erste jeden Morgen, das ist das Erste Samstagfrüh – mit einem Unterschied: Samstag klingelt kein Wecker. Danach fahre ich erstmal mit dem Fahrrad zum Wochenmarkt auf dem Hohenzollernplatz. Da bekomme ich mein Essen, mein Gemüse, alles unverpackt. Danach gehe ich mit großem gefüllten spanischen Einkaufskorb in die Perlenbar in der Uhlandstraße 156, ein Modeschmuckladen: Manuela, die Besitzerin, ist meine Nachbarin und Freundin. Dann quatschen wir und sie erzählt mir alles, was im Kiez passiert – wo ein neuer Laden aufmacht, wo jemand zugemacht hat, wer wegzieht. Es ist so schön, wenn man Menschen in seiner Nachbarschaft hat, die einem Geschichten aus dem Kiez erzählen! Abends gehe ich dann wahrscheinlich ins Haus der Berliner Festspiele zur Premiere von „Diamante“ – wenn es an der Abendkasse noch Karten gibt. Das ist ein Immersionsprojekt, für das Mariano Pensotti ein Dorf im Saal aufgebaut hat. Das Publikum geht mit und beeinflusst das Geschehen. Einziger Haken: Das geht 6 Stunden. Sonntagmorgen gehe ich wieder laufen, danach lese ich die Zeitung, die ich am Samstag gekauft habe. Unter der Woche werte ich sie nur aus, am Wochenende sitze ich an meinem großen Esszimmertisch und lese in Ruhe. Mittags radle ich dann rüber zu C/O Berlin zur Ausstellung „No Photos on the Dance Floor!“. Ich glaube, das wird spannend. Ich habe mich viel im Berliner Nachtleben rumgetrieben, als Kulturschaffende und als ausgesprochen gern lebender Mensch. Am späten Nachmittag – mittags und abends ist mir das zu voll – gehe ich ins Benedict in der Uhlandstraße 49, Eggs Benedict essen. Am frühen Abend werde ich dann ganz altmodisch Früchtebrote backen, für meine Freunde und meine Familie – danach gehe ich ins Büro und bereite die nächste Woche vor.“