Mein Wochenende mit
Herbert Komnik, Kreuzberger Betriebswirt, über den Silberboom der 80er in den Antik-Handel „reingerutscht“, mit Geschäft in der Gneisenaustraße 71. Begnadeter Geschichtenerzähler und ehrenamtlicher Jugendleiter beim S.C. Berliner Amateure.
„Ich habe vor dreißig Jahren in einer Wohnung in den Ballerhäusern (nach dem Architekten Hinrich Baller) am Fränkelufer gewohnt und es dauerte nicht lange, bis auch bei uns die ersten 'Stinkmobile' vorbeifuhren – vermutlich auf Verwandtschaftsbesuch, denn es gab doch viel Interessanteres in Westberlin zu sehen. Und als sie dann die Baller-Gebäude sahen, sagte einer: Da ist aber einiges schief gelaufen. Kreuzberg war damals der Blinddarm Westberlins: Man konnte sich bei uns nicht verfahren, drei von vier Himmelsrichtungen waren ja Ost. Das war auch günstig für’s Geschäft: Ständig kamen neue Möbel nach Westberlin, die alten schaffte aber niemand weg, der Antik-Markt boomte. Als die Mauer fiel, wurde Kreuzberg auf einmal Herz, Magen, Kopf der Stadt. Vorher wollte da keiner hin. In der Skalitzer Straße habe ich mal eine Wohnung besichtigt: Das Treppenhaus, als wär da gerade erst eine Bombe eingeschlagen, die Türen auf allen Etagen aufgebrochen. Und dann dreißig Jahre Wandel. Diesen Samstag bin ich von 11 bis 18 Uhr regulär im Laden. Und am Sonntag lege ich die Füße hoch und schaue mit meiner Frau Sendung mit der Maus. Das muss schon sein – ich treffe so viele ältere Ehepaare, die nicht mal mehr sagen können, was sie eigentlich voneinander wollen. Wissen sie, man muss im Gespräch bleiben, gemeinsam lachen können, ab und an was gemeinsam unternehmen, und dafür sind die Sonntage da. Bei allem Wandel.“