Mein Wochenende mit
Annemie Vanackere ist studierte Philosophin und seit 2012 Intendantin des Internationalen Produktionshauses HAU Hebbel am Ufer in Kreuzberg (Foto: Dorothea Tuch).
„Im Theater ist das Wochenende immer Teil der Arbeit, weil der Betrieb weiterläuft. Nichtsdestotrotz versuche ich, den Sonntag häufiger für meine Liebsten frei zu haben. Das kommende Wochenende ist besonders, vor allem, weil ich Samstag auf eine Beerdigung fahre – das Private erobert sich so seinen Zwischenraum. Gerahmt wird der von Arbeit: Freitagabend haben wir eine Buchpräsentation mit Lorenzo Marsili, Srećko Horvat und Naika Foroutan im Haus, die ich mit Blick auch auf die Europawahlen nicht verpassen möchte. Anschließend werde ich mich in den Schlussteil von Rabih Mroués neue Theaterproduktion „Borborygmus“ schleichen – ein Privileg meines Jobs – weil sich das Stück sicher mit jeder Aufführung weiterentwickelt. Die letzte ist übrigens Samstagabend. Am Sonntag dann zwei Herzenstermine: Der erste ist die „Unite & Shine“ Demo. Ich erwarte, viele Kolleg*innen aus der Kulturlandschaft zu sehen und dass wir ein positives Zeichen setzen „für die Kunstfreiheit, eine offene Gesellschaft und ihre demokratische Gestaltung in Respekt, Vielfalt und Toleranz“ – so wie „Die Vielen“ es treffend formulieren. Anschließend bin ich auf dem Podium zu „Practice what you Preach?! Vol.2“. Thema: Realität der Gender(un)gleichheit am Theater. Auf das Podium geladen wurden zehn „Intendant*innen“. Kurioserweise haben aber fast alle Häuser – auch die mit männlichen Intendanten – Frauen geschickt. Als ob die Frauen das Thema unter sich aushandeln sollten. Aber die Diskussion betrifft Männer und Frauen gleichermaßen! An diesem Wochenende erwartet mich also eine emotionale Mischung aus intimer Trauer und öffentlichem Engagement - aber kein terminfreier Tag, denn es gilt noch immer: „Das Private ist politisch.“