Hochschule lässt Fassaden-Gedicht überpinseln

Alice-Salomon-Hochschule entscheidet sich für die Kunst auf ihrer Südfassade“, meldet die Alice-Salomon-Hochschule. Ins Deutsche übersetzt: Das vom Asta inkriminierte Gedicht „avenidas“ von Eugen Gomringer („erinnert unangenehm an sexuelle Belästigung“) wird überpinselt und ersetzt durch ein Gedicht von Barbara Köhler („Jemand geht“) - die Lyrikerin hatte vorsorglich bereits im September in der FAZ dekretiert: „Das ist nicht der Untergang des Abendlandes, auch kein Angriff auf die Kunstfreiheit, keine Zensur und keine Barbarei“ (das Überpinseln). Das überzeugte offenbar den Akademische Senat – gestern wurde Köhler erwählt als strahlende Retterin der befleckten Südfassade (mehr zum „Untergang des Abendlandes“ in der Kurzstrecke unter „AfD“)

Für diejenigen, die sich in die Affäre erst jetzt einschalten, hier noch mal das corpus delicti, also die anstößigen Zeilen, die dort jetzt wegkommen und an deren Erstürmung durch die Studierenden nur noch eine kleine Tafel mit Diskurserläuterung am Fuß der Fassade erinnern soll (Übersetzung aus dem Spanischen):
 
Alleen
Alleen und Blumen
 
Blumen
Blumen und Frauen
 
Alleen
Alleen und Frauen
 
Alleen und Blumen und Frauen und
ein Bewunderer
 
Geht natürlich gar nicht, von wegen „Frauen und ein Bewunderer“: Gehwege, Gestrüpp und ein alter Gaffer mit Musen - und das soll ein Gedicht sein? Pah. Schade nur, dass unser Alternativ-Vorschlag durchgefallen ist, denn natürlich hatte sich auch der Checkpoint am Wettbewerb beteiligt, und zwar mit folgenden Zeilen:
 
Köpfe
Köpfe und Bretter
 
Bretter
Bretter und Nägel
 
Köpfe
Köpfe und Nägel
 
Köpfe und Bretter und Nägel und
eine Schraube (locker)