Null Transparenz bei Lebensmittelkontrollen
Schimmel, Dreck, Verfall – egal: Kein einziger Bezirk macht Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen zugänglich. Jetzt klagen Aktivisten von Foodwatch und „Frag den Staat“. Von Julius Betschka
Bitte das Brötchen erstmal runterschlucken: Wir hatten hier vergangene Woche über die Neuköllner Ekel-Bäckerei Höhn berichtet (CP vom 15.04). Der zuständigen Kontrollbehörde waren Probleme seit 15 Jahren bekannt, notwendige Kontrollen wurden kaum durchgeführt. Die Probleme sind strukturell. Die Organisation „Food Watch“ fragt: „Hat die Behörde nicht nur Monate, sondern jahrelang zugesehen, wie die Großbäckerei auf Schimmel und Dreck Waren für die ganze Stadt produziert hat?“ Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel (SPD) müsse nun „vollständige Transparenz“ schaffen. Klingt einfach. Aber ein anderer Fall zeigt, dass Lebensmittel in Berlin traditionell lieber im Verborgenen produziert werden. Mehr als 3.600 Berliner stellten über die Online-Plattform „Topf Secret“ Anträge zur Herausgabe von Lebensmittelkontrollergebnissen in Bäckereien oder Supermärkten. Trotz gesetzlicher Verpflichtung gab sie laut „Food Watch“ kein einziger Bezirk verwendbar heraus. Keiner. Die Organisation klagt jetzt gemeinsam mit den Transparenz-Aktivisten von „FragDenStaat“ auf Veröffentlichung der Berichte. Schluss mit der Keimzeit.