Merkwürdige Geschäfte einer Landesfirma

Über die Vermietung möblierter Apartments auf Zeit durch „Berlinovo“ hatten wir im Checkpoint schon mehrmals berichtet: Das landeseigene Unternehmen macht viel Geld mit einem Geschäftsmodell, das Senat und Bezirke privaten Anbietern rigoros untersagen – ein Musterbeispiel staatlicher Hypokrisie, denn das Zweckentfremdungsgesetz gilt auch für so genannte Monteurwohnungen (in denen nicht nur Monteure für ein paar Wochen oder Monate unterkommen), die dem gewöhnlichen Wohnungsmarkt entzogen werden. Erst gestern entschied das Verwaltungsgericht gegen einen Mann, der seine Wohnung mit Möbeln ausgestattet und an Firmen untervermietet hatte – das Bezirksamt Spandau war dagegen vorgegangen (VG 6 L 756.17).

Auch „Berlinovo“ bietet „Zeit- und Neuberlinern“ eingerichtete Apartments in ehemals reinen Wohnhäusern an („für Unternehmen, Institutionen und öffentliche Einrichtungen, aber auch für Pendler, Geschäftsreisende, Einzelkunden und Studenten“) – bei mir nebenan sind so welche, schauen wir uns gleich mal drei davon an:
 
Adalbertstraße, 3 Zimmer, 68 qm: ab 1120,-
Fischerinsel, 2 Zimmer, 68 qm: ab 1446,-
Heinrich-Heine-Straße, 2 Zimmer, 50 qm: ab 1200,-
usw.

Nach Senatsbetrachtung eigentlich alle dem „normalen“ Wohnungsmarkt entzogen, bei qm-Preisen von bis zu 24 Euro (warm inkl. aller NK) in landeseigenem Immobilienbestand. Der „Berlinovo“ ist das nicht vorzuwerfen: Es gibt die Nachfrage, und der Senat bemisst ihren Erfolg rein finanziell. Sie reden in der Politik hier nur eben anders als sie handeln. Immerhin verzichtet das Unternehmen bei der Werbung auf die übliche Jubelprosa - während es bei „Berlinovo“ nüchtern heißt: „Alle Apartments verfügen über eine separate, komplett ausgestatte Küche“, bietet sich die Küche der Hochpreiswohnung des privaten Anbieters um die Ecke angeblich „für die Zubereitung raffinierter Speisen“ an. Ein leckeres Geschäft, so oder so.