Dauerärgernis in Berlin: Seit Jahren keine gute Baustellenkoordination

Seit 2012 verspricht der Senat Besserung im Baustellenmanagement - bis heute vergeblich. Der neue zuständige Verkehrsstaatssekretär soll es jetzt für Senatorin Ute Bonde richten. Von Lorenz Maroldt

Dauerärgernis in Berlin: Seit Jahren keine gute Baustellenkoordination
Foto: dpa/Armin Weigel

Ein Riesenärgernis für alle ist die traditionell miserable Berliner Baustellenkoordination, oder besser gesagt: das Fehlen derselben. Straßen werden mehrfach hintereinander aufgerissen, Absperrungen nicht abgestimmt und Arbeiten begonnen, aber wochenlang nicht fortgesetzt. Die Folge: Lange Staus, lange Umwege, aber keine Auswege - Autos und Busse bleiben stecken, Fußgänger und Radfahrer zu gefährlichen Manövern gezwungen. Und der Eindruck ist: Es wird immer schlimmer – das sagt selbst die regierende Politik.

Das sagt sie übrigens schon seit Jahren. Und deshalb schauen wir uns das jetzt mal gemeinsam an:

+ „Der Senat wird sich um eine verbesserte Baustellenkoordinierung kümmern.“ Oliver Friederici (Verkehrspolitischer Sprecher, CDU), 2012.

+ „Baustellenkoordination? Seit Jahrzehnten wird darüber geredet – jetzt will Verkehrssenator Michael Müller (SPD) einen neuen Anlauf machen.“ Tagesspiegel, 2012.

+ „Der Wirrwarr hat aber auch etwas Gutes: Als Konsequenz macht Müller einen neuen Anlauf, um die Baustellenkoodinierung zu verbessern.“ Tagesspiegel, 2013.

+ „Wir erleben jeden Tag in der öffentlichen Debatte, dass erwartet wird, dass sich die Baustellenkoordinierung und die Verkehrslenkung verbessern.“ Michael Müller (Regierender Bürgermeister, SPD), 2014.

+ „Nirgendwo findet eine so katastrophale Baustellenkoordinierung statt wie in Berlin.“ Oliver Friederici (Verkehrspolitischer Sprecher, CDU), 2016.

+ „Wenn man nach fünf Jahren Regierungszeit in einem Antrag formuliert: ‚Für die landesweite Baustellenkoordinierung … müssen neue effektive Wege gefunden werden.‘ Da kann ich nur sagen: Danke schön!“ Harald Wolf (Verkehrspolitischer Sprecher, Linke), 2016.

+ „Wir sorgen für eine optimierte Baustellenkoordination und sichern damit den bestehenden und künftigen Verkehrsfluss.“ Tino Schopf (Verkehrspolitischer Sprecher, SPD), 2017.

+ „Wir haben keine vernünftige Baustellenkoordinierung in dieser Stadt.“ Stefan Förster (Baupolitischer Sprecher, FDP), 2018.

+ „Wir wollen eine zentralisiertere Baustellenkoordinierung.“ Henner Schmidt (Sprecher für Infrastruktur, FDP), 2020.

+ „Was aber nicht sein muss und nicht sein darf, sind regelrechte Geisterbaustellen, auf denen wochenlang kein Bauarbeiter zu sehen ist.“ Kai Wegner (Spitzenkandidat, CDU), 2021.

+ „Wir werden heute noch ausführlich darüber diskutieren, was man tatsächlich tun kann, um Baustelleneinrichtungen und Baustellenmanagement zu beschleunigen.“ Regine Günther (Verkehrssenatorin, Grüne), 2022.

+ „Die Baukoordination klappt ja schon jetzt nicht. Wenn wir das nicht lösen, werden wir versinken.“ Manja Schreiner (Verkehrssenatorin, CDU), 2024.

+ „Das Baustellenmanagement ist ein wesentliches Thema, das wir mit den Bezirken gemeinsam auflegen müssen. Wir haben jetzt auch einen neuen Staatssekretär in dem Bereich. Der ist noch jünger im Amt als ich. Deswegen: Geben sie uns noch einen Moment Zeit.“ Ute Bonde (Verkehrssenatorin, CDU), 2024.

Na gut, ok – EINEN Moment Zeit werden wir ja wohl noch haben! Es kommentiert Ernst Ferstl: „An Zeit fehlt es uns vor allem dort, wo es uns am Wollen fehlt.“

Und da wir hier eben von Geisterbaustellen sprachen (oder besser: Kai Wegner tat es) - hier unser Geisterhaus des Tages: