„Nützt Älteren nichts“: Unfallforscher hält nichts vom geplanten Balken-Countdown für Berliner Ampeln

Sicherheitsexperte Siegfried Brockmann hat sich die Signal-Änderungen für den Hauptstadt-Verkehr angesehen. Sein Urteil fällt vernichtend aus. Von Stefan Jacobs

„Nützt Älteren nichts“: Unfallforscher hält nichts vom geplanten Balken-Countdown für Berliner Ampeln
Eine solche Countdown-Ampel wurde 2013 am Fehrbelliner Platz eingeführt. Foto: dpa

Vom nächsten Jahr an sollen alle Berliner Ampeln nach und nach Countdowns aus Leuchtbalken erhalten, die Fußgängern die verbleibende „Räumzeit“ (in der sie schon und der Querverkehr noch Rot haben) anzeigen. Warum eigentlich diese Variante, die in einem Modellprojekt 2016 subjektiv klar am schlechtesten wegkam und objektiv teurer wird als die ebenfalls untersuchten Alternativen „Grünblinken“ und „Rotblinken“?

Die Verkehrsverwaltung erklärt auf CP-Anfrage, die Balken sollen Fußgängern zeigen, wie viel Zeit zum sicheren Queren der Fahrbahn ihnen bleibe, und Abbieger mahnen, „nicht unter falschen Annahmen den Fußverkehr zu bedrängen“. Die damalige Stichprobe sei nur begrenzt aussagekräftig; beim stadtweiten Einsatz „kann jedoch proaktiv die Funktionalität des Signals kommuniziert werden“.

Deutschlands renommiertester Unfallforscher Siegfried Brockmann hält nichts von dem Plan. „Der Konflikt an Ampeln besteht vor allem darin, dass die Grünphase vor allem für ältere Menschen nur inklusive Räumzeit ausreicht“, sagt er. „Juristisch ist der Vorrang der Fußgänger sonnenklar, praktisch wird man permanent von Abbiegern bedrängt. Dagegen würden längere Grünzeiten helfen, aber kein Countdown während der Räumzeit. Der nützt Älteren nichts und kann Jüngere animieren, noch bei Rot loszulaufen.“ Ein großes Interview mit Brockmann, in dem er auch die neue Chefin des Berliner Ampelbetriebs hart kritisiert, erscheint am Sonntag im Tagesspiegel.