Die Polizeipräsidentin hat ein Problem mit der gefühlten Sicherheit

Zwölf Glockenschläge für zwölf ermordete Menschen: Um 20.02 Uhr, genau zwei Jahre nach dem Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz, hat Berlin mit Schweigeminuten an die Opfer erinnert. Bereits tagsüber gab es weitere Gedenkveranstaltungen. Die Politik hielt sich dabei betont zurück – auf Wunsch der Angehörigen. Etwas mehr Zurückhaltung hätte auch Polizeipräsidentin Barbara Slowik gutgetan, die „Zeit Online“ anlässlich des Gedenktages ein Interview gab, in dem sie sich überraschend wenig selbstkritisch äußert. Die Aufarbeitung der Ermittlungspannen laufe, und alle Fakten zu dem Anschlag seien auf dem Tisch. Einige Zweifel sind da wohl angebracht, denn erst vorige Woche machten der Tagesspiegel und andere Medien öffentlich, dass der Breitscheidplatz-Attentäter einen Sprengstoffanschlag plante.
Auch innerhalb der Polizei wird über das Interview diskutiert. Besonders Slowiks Aussage, verstärkt und bewusst „gefühlte Sicherheit zu erzeugen“, stößt auf Kritik. Via Twitter wirft ihr ein Beamter vor, „von gefühlter Sicherheit zu schwadronieren“, sich aber „nicht zum Joggen aufs Tempelhofer Feld“ zu trauen. In der Tat steckten mehrere Beamte dem CP, dass Slowik in kleiner Runde berichtet habe, sie jogge nicht über das neben dem Polizeipräsidium gelegene Areal - weil es ihr zu unsicher sei und sie Angst habe, ihr passiere etwas. Ja, es ist ein weites Feld mit der gefühlten Sicherheit.