„Berlin ist eine Brotstadt“
Christa Lutum ist Deutschlands frisch gebackene Bäckerin des Jahres. Im Checkpoint-Gespräch erzählt sie von Berliner Brotgeschäften – und ihrer Lieblingsschrippe. Von Robert Ide und Thomas Lippold
Erst mal ‘ne Schrippe. Mit Berlins bester Bäckerin an der Strippe. Über Christa Lutum, Deutschlands frisch gebackene Bäckerin des Jahres mit eigener Backstube in Charlottenburg, haben wir hier im Checkpoint schon berichtet. Nun hat mein Kollege Thomas Lippold die 61-Jährige befragt, ob Berlin bald kleinere oder größere Brötchen backt:
Frau Lutum, wir erreichen Sie in Weinheim bei den Meisterschaften der Bäckerjugend. Hat das Backhandwerk denn Nachwuchssorgen?
Wir haben insgesamt weniger junge Menschen und die entscheiden sich seltener fürs Handwerk. Im vergangenen Jahr hatten wir 15 Prozent weniger Abschlüsse von Lehrverträgen für Bäckerei. Die Unis erfreuen sich im Gegensatz zu uns großer Beliebtheit.
Was muss ein neuer Bäcker oder eine neue Bäckerin für eine Ausbildung mitbringen?
Interesse und die Lust, etwas Neues zu erlernen. Aber auch Durchhaltevermögen. Wir alle müssen auch mit dem Misslingen von Dingen zurechtkommen. Aber viele junge Menschen tun sich schwer mit Misserfolgen. Dabei gehört das dazu, deswegen bin ich ja kein schlechter Mensch. Geduld mitzubringen und zu sagen: manchmal klappt es erst beim nächsten oder übernächsten Mal – das ist sehr wichtig. Wie im echten Leben.
Ist Berlin eine Brotstadt?
Unbedingt. Wir haben die klassischen Bäcker. Dann gibt es die ganze Bioszene, mittlerweile sind das zehn Prozent der Bäckereien. Und dann sind da noch die neuen, hippen Bäcker, die uns die skandinavische Brotkultur in die Stadt gebracht haben. Ich finde, das befruchtet sich alles. Wo hat man so viel Auswahl?
Welches Backwerk darf auf Ihrem Frühstückstisch auf keinen Fall fehlen?
Ich mag ein weiches, fluffiges Brötchen, vorzugsweise eine Schrippe, ein Rosinenbrötchen oder mal ein Mohnhörnchen. Natürlich geht auch eine Scheibe ordentliches Sauerteigbrot. Ich bin jedenfalls kein Müslimensch.