KandidatInnen für Silber: eine Fahrgästin, ein Seelöwe, ein Kneipengast
Bei Silber lichtet sich das Feld. Unser bekanntlich größtes zeitgenössisches Problem, die Gendersprache, hat gestern jemand im Polizeipräsidium beim Verfassen einer Unfallmeldung durch die Formulierung „eine 24-jährige Fahrgästin im Bus“ bemerkenswert lässig behandelt. „Gästin“ ist laut Duden „selten“, aber völlig korrekt. Und allemal besser als „weiblicher Fahrgast“, der (die?) obendrein womöglich gerade nicht Herrin ihrer Sinne war, weshalb im Bus nun eine herrenlose Damenhandtasche liegt. Gendergerechte Sprache muss also nicht wehtun. Jedenfalls nicht doll.
Aber etwas mehr Leistung sollte es doch sein für Silber. So wie bei Enzo vielleicht? Der Seelöwe im Zoo ist dreifach kastriert, aber neuerdings schwimmen seine Kinder Nr. 17 und 18 durchs Becken. „Starker Typ“, konstatiert Tsp-Kollege Bernd Matthies. Jedoch wir überlassen ihn lieber der „B.Z.“, die Enzo mit seinen unaufhaltsamen Genen auch an die Oberfläche geholt hatte.
Beinahe hätten wir den Gast der Raucherkneipe „Zur Quelle“ vergessen, der am vergangenen Wochenende glanzvoll ein Wortgefecht gegen einen Teilnehmer der Schwurbler-Demo gewann – mit Kontern wie: „Vergleich das nicht mit der DDR, damit komm ich nicht klar!“ und „Sterben wir hier wie die Fliegen durch die Impfung?“ und „Schon wenn ich dein T-Shirt sehe. Gates. Was hat denn Gates damit zu tun? Chip im Arm oder wat?“ Da der Dialog von den Schurblern live gestreamt wurde, dürfte er ein Publikum erreicht haben, das nicht mehr viele erreichen, die auch außerhalb des Internets existieren. Unsere Freiheit wird jetzt also nicht mehr am Hindukusch verteidigt, sondern in Alt-Moabit. Wäre wohl von Anfang an besser gewesen. Also – hochverdientes Silber!