Wie Berlins Schüler ihre Klima-Proteste verändern wollen
Der Frust bei den Aktivisten von „Fridays for Future” ist groß. Die Streiks haben kaum etwas bewirkt. Jetzt will sich die Gruppe neu organisieren. Von Julius Betschka
Sie haben keinen Preis für etwaige Peinlichkeiten verdient, sondern für ihr Engagement: die Aktivisten von Fridays for Future (FFF). Aber was haben sie erreicht? Zu wenig, so die selbstkritische Erkenntnis der klimabewegten Schülerinnen und Schüler. Sie waren zwar laut, aber außer eines möglichen Aufsichtsratspostens für Chef-Demonstrantin Luisa Neubauer bei Siemens (den sie ablehnte), kam wenig rum. „Der Frust ist groß, dass wir trotz unseres einjährigen Streiks kaum etwas bewirkt haben”, sagt die Berliner Mitorganisatorin Franziska Wessel. Im Dezember kündigten FFF deshalb an, die Streiks zu unterbrechen, um sich neu aufzustellen. Im Checkpoint lesen Sie exklusiv, was sich ändern soll:
1. Dezentraler Protest: Wessel berichtet, man wolle „mehr in die Bezirke gehen“. Bislang wurde jeden Freitag im Invalidenpark in Mitte demonstriert. Das störte am Ende kaum jemanden mehr.
2. Gezielte Kampagnen: Mehr Klimaschutz fordern, das kann ja jeder. FFF wollen sich künftig einzelne Themen herrauspicken, die „Klimaschutz wirklich voranbringen”, sagt Wessel. Als Beispiel nennt sie den Kampf gegen die Beteiligung von Siemens am Bau der australischen Kohlemine Adani. Die Konzernführung hatte gestern bekanntgegeben, dass der Konzern an den Plänen festhält. Prompt kündigten die Klimaaktivisten Proteste in mehreren deutschen Städten an.
3. Kleinere Projekte: Die Berliner Ortsgruppe will sich stärker auf einzelne Aktionen fokussieren – zum Beispiel Proteste vor Kraftwerken oder Unternehmen –, um dort konkret etwas zu bewirken.
4. Keine Radikalisierung: Acht Stunden haben die jungen Berliner Aktivisten am Wochenende debattiert. Radikaler wollen sie trotz des bislang ausbleibenden Erfolgs nicht werden, Sitzblockaden und Straßensperren wird es von FFF auch in Zukunft nicht geben. „Wir sind definitiv eine friedliche und gewaltfreie Bewegung”, sagt Wessel.