Spranger kandidiert doch wieder: Berliner SPD wird langsam zum Familienbetrieb
Erst wollte sie nicht mehr, nun doch: Iris Spranger tritt auf Listenplatz 1 der SPD Marzahn-Hellersdorf an. Zwei der sechs Wahlkreise werden außerdem von einer Familie besetzt. Von Lorenz Maroldt.
Erst wollte Iris Spranger gar nicht mehr fürs Abgeordnetenhaus kandidieren, dann kam heraus, dass sie doch auf Listenplatz 1 der SPD Marzahn-Hellersdorf antritt (CP exklusiv vom 25.7.) – und jetzt zieht sie die Sache richtig durch: Die Innensenatorin kämpft nach CP-Informationen gegen den Kreisvorsitzenden und Bürgermeister Gordon Lemm auch um das Direktmandat im Wahlkreis 2 – für die weiteren 5 Wahlkreise benennt die SPD auf ihrer Website jeweils nur einen Kandidaten. Offenbar soll Lemm, ein Kritiker des mit Spranger verbündeten Fraktionschefs Raed Saleh, mit allen Mitteln ausgebremst werden.
Auch interessant: Zwei der sechs Wahlkreise in Marzahn-Hellersdorf sind auf der Spitzenposition von Familie Lehmann besetzt – Lemm-Gegner und Spranger-Unterstützer Jan Lehmann in Kreis Nummer 6, seine Tochter Luise Lehmann, bekannt geworden durch ihre gescheiterte Kandidatur um den Parteivorsitz an der Seite von Raed Saleh, in Kreis Nummer 5 (Motto: „Klimaschutz ohne Klassenverrat“). Der Trend zur Dynastisierung der Berliner Politik setzt sich also fort – in Reinickendorf ist die Tochter von Sprangers Ehemann, dem Abgeordneten und Saleh-Vize Jörg Stroedter, als Kreisschriftführerin und Co-Vorsitzende der SPD Frohnau ebenfalls auf dem Sprung zu einer politischen Karriere.
Spranger, die in Reinickendorf lebt, begründet ihre abermalige Kandidatur im Osten Berlins intern so: „In meinen mehr als 30 Jahren Engagement (…) habe ich stets die Themen unseres Bezirkes in den Mittelpunkt meiner Arbeit gestellt.“ Dann nennt sie eine Reihe von Projekten, mit denen sie „unsere Stadt und unseren Bezirk voranbringen“ konnte, u.a.:
„Bürgerinnen und Bürger können sich in unseren Freibädern wieder sicherer fühlen.“
Leider ist aber ausgerechnet Marzahn-Hellersdorf der einzige Berliner Bezirk ohne Freibad, abgesehen vom Kindertümpel „Platsch“. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert bittet der Bezirk darum, das zu ändern – im vergangenen Jahr erklärte die Sport- und Innensenatorin Spranger, sie wolle sich „auch weiterhin dafür starkmachen, dass die nächsten Schritte zügig gemacht werden.“