Neun Jahre warten auf eine Spender-Niere
Die Debatte zur Organspende verläuft emotional aufgeladen. Beginnen wir deshalb mit zwei Zahlen: 84 Prozent – mehr als vier von fünf Deutschen – haben eine positive Einstellung zur Organ- und Gewebespende. Und: Neun Jahre – so lange warten Patienten in der Berliner Charité momentan auf eine Spender-Niere. „Das ist dreimal so lange wie in europäischen Nachbarländern“, sagte Kai-Uwe Eckardt, Chef-Nephrologe an der Charité, am Donnerstagabend dem Checkpoint. Und eine dritte Zahl: Eine Organspenderquote von 11,3 Spendern je eine Million Einwohner bringt Deutschland den allerletzten Platz im europäischen Vergleich.
Die Bereitschaft zu Spenden ist also hoch, nur an der Umsetzung hapert‘s in Deutschland. Charité-Arzt Eckardt ist deshalb enttäuscht von der Entscheidung des Bundestages am Donnerstag: Das Parlament entschied sich gegen die Widerspruchslösung, die Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorgelegt hatte, und für die sogenannte Zustimmungslösung von Grünen-Chefin Annalena Baerbock.
Wer spenden will, muss also ausdrücklich einwilligen. Ist der Wille des Verstorbenen nicht dokumentiert, fällt den Angehörigen die Entscheidung zu. Die große Neuerung: Frau Müller vom Bürgeramt Mitte beispielsweise fragt nun alle zehn Jahre mal nach, wie’s denn aussieht mit der Spendenbereitschaft. Ob’s das bringt? Eckardt glaubt nicht daran: „Die Entscheidung ist im Wesentlichen eine Fortschreibung der bestehenden Regeln das ist keine Alternative.”