Dringende Berliner Bedürfnisse: City-Toiletten nehmen weder Bar- noch Plastikgeld
An diversen City-Toiletten hat man trotz Kredit- und anderen Karten die – Pardon – Arschkarte gezogen. Weder Bares noch Plastikgeld werden akzeptiert. Von Lorenz Maroldt
Vor ein paar Tagen stand die nette alte Dame, die ich vom Spazierengehen am Historischen Hafen kenne, ratlos mit ihrem Rollator vor der City-Toilette in der Rungestraße. Mit Kleingeld kam sie hier nicht mehr rein, von der Umstellung auf Kartenzahlung hatte sie noch nichts gehört. Ich wollte ihr mit meiner Karte helfen, aber auch das dauerte ewig. Ich dachte schon, vielleicht bin ich dafür einfach ein bisschen zu blöd.
Dann kam eine Mail von Debora Weber-Wulff im Checkpoint-Postfach an, und ich wusste: Ich bin nicht allein. Sie schrieb:
„Ich hatte gestern das Unglück, kurz vor dem S-Bahnhof Spindlersfeld eine öffentliche Toilette aufsuchen zu wollen. Münzen funktionieren nicht mehr, und laut Aussage am Häuschen geht dort auch die App nicht. Aber frei war's, also habe ich meine EC-Karte gezückt. Es passierte: nichts. Hm, nächste Karte mit ‚kontaktlos‘-Bezahlfunktion: nichts. Dritte Karte, jetzt eine Kreditkarte: nichts. Vielleicht halte ich die Karte falsch, habe alle Orientierungen und über die gesamte Fläche versucht: nichts.
Also habe ich die ‚Service Hotline‘ angerufen. Ich werde begrüßt, man freut sich, dass ich anrufe. Ich soll nur etwas Geduld haben. Ich warte. Dann kommt noch eine Ansage, leider, leider kann man mein Gespräch gerade nicht entgegennehmen, ich soll eine Nachricht hinterlassen und man werde mich umgehend zurückrufen. Ich hinterließ eine Nachricht, es passierte: nichts.“
Wir verkürzen uns die Wartezeit mit einem Zitat von Marie von Ebner-Eschenbach: „Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorüber, in der man kann.“ Wirklich tröstlich ist das nicht – jedenfalls nicht dann, wenn man muss.