Die Lufthansa und der BER
Zuletzt hat die Lufthansa ja einige Stinkbomben über Berlin abgeworfen: Die chronisch unzuverlässige Konzerntochter Eurowings verwandelt Tegel-Terminal D seit der Airberlin-Pleite in ein Wartezimmer für Kassenpatienten, die wichtigste Hauptstadt Europas bietet dem Ex-Staatsbetrieb angeblich „keinen Markt für Langstreckenverbindungen“, und zum BER erklärt Doppelfunktionär Thorsten Dirks (Lufthansa-Vorstand und Frankfurt-München-Lobbyist): „Das Ding wird abgerissen.“ Jetzt ruft Berlins IHK-Chefin Beatrice Kramm den Verkehrsminister um Hilfe für mehr internationale Ziele: In einem Tagesspiegel-Beitrag schreibt sie, Scheuer solle ausländischen Anbietern den Zugang erleichtern. Doch der CSU-Mann wird die in München populäre Berlin-Blockade im Bayernwahljahr fortsetzen, schon aus Gründen der Tradition: Die letzten vier Verkehrsminister (Ramsauer, Dobrindt, Schmidt, Scheuer) kamen stets aus der CSU – und taten immer alles, um den einträglichen Himmel über München zu schützen.
Die Lufthansa will sich jetzt übrigens selbst ein Bild machen vom Abrisskandidaten BER: Am Mittwoch kommt der Vorstand zu Besuch. Hoffentlich funktioniert bis dahin die Entrauchungsanlage – dann könnte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup mal ordentlich Dampf ablassen.
Wir bleiben noch kurz am BER: Unterlagen und Korrespondenzen in siebenfacher Ausfertigung hatte der BER-Untersuchungsausschuss angefordert – stattdessen bekam er je ein Exemplar von fünf ohnehin öffentlich zugänglichen Geschäftsberichten. Die Begründung von Lütke Daldrup: Der mit dem Kopieren verbundene Arbeits- und Kostenaufwand sei „derzeit nicht zu leisten – unsere Priorität gilt der Fertigstellung des Flughafens“. Tja, wie ist das zu verstehen – der BER wird jetzt von Kopierassistenten zusammengeschraubt? Geschäftsführung und Bauleitung waren bisher mit Archivrecherchen beschäftigt? Oder ganz einfach: als Missachtung des Parlaments?