Rückmeldung zum Grünen-Vorstoß

Eines muss man den Berliner Grünen lassen, Sie haben mit Ihrem Vorschlag, bestimmte U-Bahn-Wagen nur für Frauen vorzuhalten, um sie vor Belästigungen und sexualisierter Gewalt zu schützen (CP von gestern), etwas ausgelöst.

Eine kleine Auswahl (hier auch auf tagesspiegel.de), der zahlreichen Zuschriften, die uns dazu erreicht haben:

+ „Ich habe jahrelang abends gearbeitet und bin genau zu diesen späten Zeiten unterwegs gewesen. Einfache Belästigung durch blöde Bemerkungen und ‚erzwungene‘ Gespräche waren an der Tagesordnung. Zweimal hatte ich massive Probleme, bei einem Mal musste mein schöner Schirm dran glauben, weil ich einen Mann damit verdreschen musste, da alles andere nicht geholfen hat.“ (Petra)

+ „Immer wieder, (als junge Frau, aber auch als alte) habe ich sexuelle Belästigungen in der BVG und Bus erfahren. Um diese alle zu schildern, würde es Seiten füllen. […] Die meisten Männer können sich diese ekelhaften Augenblicke gar nicht vorstellen. Wissen nicht, dass es so etwas überhaupt gibt. Lachen und finden es sogar noch witzig. Ich weiß nicht, wie man solche Probleme löst, ein Wagon nur für Frauen? Nein, das würde ich nicht wollen, dann käme ich mir vor, wie eine Aussätzige.“ (Heidi)

+ „Die Idee, einen oder mehrere U-Bahn-Wagen exklusiv für Frauen zu reservieren, finde ich hervorragend! Wenn die Gesellschaft (sprich die übergriffigen Männer) wieder auf dem Pfad der Tugend sind, kann man die Aufkleber ja wieder entfernen.“ (Evi)

+ „Es nützt nichts, nur an das Gute im Menschen (hier: Mann) zu glauben. Schon als kleines Mädchen (10 Jahre alt) bin ich in einem Bus bedrängt worden. […] Das hat mich lange verfolgt. Vergessen werde ich es nie. Ich bin heute über 60.“ (Anonym)

+ „Ich bin überrascht bis irritiert, solche Vorschläge im Jahr 2024 zu hören. Wollen Frauen wirklich wieder isoliert sein, haben wir das nicht längst überwunden? Wer regelt die geschlechtertreue Nutzung? […] Ich finde den Vorschlag absolut rückschrittlich, er hilft unserer diversen und ach so offenen Gesellschaft kein bisschen.“ (Paula)

+ „Nachhaltig bestürzt hat es mich, als ein junger Mann in die U6 stieg und rief „Brustkontrolle, alle Frauen einmal ausziehen bitte!“. Ich erwiderte, er solle die sexistische Scheiße lassen, woraufhin er sich über mich beugte, ich saß alleine in einem Vierer, und begann, mich zu beleidigen, als hässlich, unfickbar, schlecht angezogen etc. […] Frauenabteile sind ein Schritt, aber Jungs und Männern ganz deutlich zu machen, dass übergriffiges Verhalten niemals akzeptabel ist, wäre viel wichtiger.“ (Marlene)

+ „In der Frauenbewegung gab es immer mal wieder den Rat, sich in den ersten Wagen von öffentlichen Verkehrsmitteln zu setzen – besonders nachts. Aber Frauenabteile wären auch nicht schlecht.“ (Barbara)

Die Umfrage unter der Checkpoint-Leserschaft ergab derweil (Stand gestern Abend) ein geteiltes Bild: 47 Prozent dafür, 47 Prozent dagegen. Und falls Sie sich das fragen: Ja, wir haben auch Zuschriften von Männern bekommen, die treffendste von CP-Leser Daniel: „Ob ein Frauenwagen oder -abteil eine sinnvolle Maßnahme ist, sollten vor allem Frauen beurteilen. Männer sollten an dieser Stelle einfach mal schweigen, sich zurückhalten und höchstens unterstützen.“