Berlin ist endgültig unregierbar

Weil Ramona Pop ihren Heimflug nach Berlin verpasst hat, war der Senat gestern nicht beschlussfähig.

Berlin ist endgültig unregierbar
Foto: Paul Zinken/dpa

auch urlaubsreif? Dann fahren Sie am besten ins Rote Rathaus; hier entspannt sich der Senat von seinen herbstlichen Verspannungen. Regiermeister Michael Müller (SPD) weilt gerade in den Kurzferien, Klaus Lederer (Linke) auf Kulturfernfahrt in einem Tokio Hotel. Bleibt noch Ramona Pop (Grüne) als Bürgermeisterin allein zu Haus. Die Wirtschaftssenatorin sollte gestern die Senatssitzung leiten (was am Montag noch in der Staatssekretärsrunde laut Protokoll bestätigt worden war), sagte aber am Dienstagmorgen um 8.30 Uhr früh und damit spät ihre Teilnahme ab. Denn in Kroatien, wo sie unabgestimmt auf Urlaub weilte, verpasste Pop einen Nachtbus nach Venedig und damit ihren Flug nach Berlin. Offenbar war der Bus überbucht, heißt es aus ihrem Umfeld, und irgendwer übermütig, heißt es beim Rest des Senats, der sich selbst offenbar überdrüssig wird. Nun hätte auch die von den Koalitionspartnern gemietendeckelte, aber dienstälteste Bausenatorin Katrin Lompscher die Sitzung leiten können – doch es waren auch sonst nur vier andere Senatorinnen und Senatoren anwesend; der Rest fehlte immerhin entschuldigt. Der Senat beschloss daraufhin, dass er diesmal auch formal beschlussunfähig ist und brach die Sitzung wegen des üblichen Berliner Personalmangels ab. Damit ist endlich offiziell, was längst jeder weiß: Berlin ist unregierbar.

Ach so, noch was: Ramona Pop, die gerne selbst mal Regierende Bürgermeisterin der Stadt werden will, hätte klar sein müssen, dass sie mit ihrem eigenwillig eigensinnigen Urlaub die Regierungsfähigkeit der Stadt riskiert – denn die anderen Senatsmitglieder hatten sich schon länger abgestimmt abgemeldet. Und so blieb ihr nur, sich gestern Abend per Briefpost beim Rest der Reiseregierung zu entschuldigen. Auszüge: „Ich habe zur Kenntnis nehmen müssen, dass meine im Sommer gestellte Urlaubsankündigung nicht einvernehmlich beschieden worden ist.“ – „Die Vertretungsregelung für den Regierenden Bürgermeister war … nicht abschließend geklärt.“ – „Ich hatte übersehen, nochmals den verkürzten Urlaub anzuzeigen. Das war ein formaler Fehler, den ich sehr bedaure.“ Ja, Berlin ist ungern eine formale Stadt. Aber eine normale auch nicht mehr.