„Mittelständischen Unternehmen muss mit Zuwendungen geholfen werden – sonst droht die Insolvenz“

Kleinunternehmer haben in Berlin rasch Zuschüsse erhalten. Beatrice Kramm will nun ähnliche Programme für den Mittelstand. Aus dem Checkpoint-Newsletter. Von Lorenz Maroldt

„Mittelständischen Unternehmen muss mit Zuwendungen geholfen werden – sonst droht die Insolvenz“
Foto: IHK Berlin/Oliver Lang

Die Soforthilfe für Soloselbstständige und Kleinstunternehmer hat in Berlin gut und schnell funktioniert - aber die 14.000 Berliner Firmen mit 10 bis 50 Beschäftigten haben ein Riesenproblem: Bei der Notkreditvergabe werden sie von den Banken gegängelt und in untragbare private Risiken gedrängt, aber für direkte Finanzhilfen sind sie zu groß – jedenfalls in Berlin. Zehn andere Bundesländer gewähren auch diesen Unternehmen unbürokratische Zuschüsse, der Senat aber tut sich damit schwer und verweist an den Bund. Das Pleitekarussell beginnt sich immer schneller zu drehen – hält es noch jemand an?

Ich habe darüber gestern mit IHK-Präsidentin Beatrice Kramm gesprochen, hier ihre Einschätzung:

Große Teile der Berliner Wirtschaft befinden sich seit drei Wochen im politisch verordneten künstlichen Koma. Die Folgen für die Unternehmen sind verheerend. Um Missverständnissen vorzubeugen: Gesundheit geht vor, deshalb unterstützt die Wirtschaft die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Aber mittelständische Unternehmer, die hunderttausende Jobs in Berlin sichern, gehen bei den Zuschüssen bislang leer aus, für sie wird die Lage immer dramatischer: Sie fühlen sich im Stich gelassen. Ihnen muss mit Zuwendungen geholfen werden – und zwar zügig, denn sonst droht einer Reihe von Unternehmen, die vor vier Wochen noch kerngesund und prosperierend waren, die Insolvenz. Mit fatalen Folgen nicht nur für die Beschäftigten, sondern für die ganze Stadt.“

In der Politik ist zu hören: Am Wochenende soll darüber nochmal gesprochen werden. Besser wär’s. Es ist einem Berliner Unternehmer eben schwer zur vermitteln, warum er ein paar Meter weiter in Brandenburg bis zu 60.000 Euro bekommen kann, hier aber nichts.

Bewegung kommt auch in die Kreditvergabe: Nach Tagesspiegel-Informationen ist die Bundesregierung bereit, ein Paket in Höhe von 300 Milliarden Euro bereitzustellen – und das Geld ohne vorherige Prüfung zu vergeben. Eine kaum vorstellbare Summe. Aber der Bund kann dabei kaum mehr verlieren, als ihn eine neue Massenarbeitslosigkeit kosten würde.