Berlin-Bashing zum Jahreswechsel: FAZ teilt gegen Berlin aus, Tourismus-Chef wehrt sich

Zum Jahreswechsel schießt die FAZ in zwei Artikeln gegen die Hauptstadt. Doch Tourismus-Chef Kieker hält dagegen und verteidigt Berlin als „Stadt der Freiheit, Toleranz und Kultur“. Von Daniel Böldt und Jessica Gummersbach.

Berlin-Bashing zum Jahreswechsel: FAZ teilt gegen Berlin aus, Tourismus-Chef wehrt sich
Foto: IMAGO / Dirk Sattler

Berlin-Bashing statt Bleigießen: Mit zwei Artikeln schoss die FAZ zum Jahreswechsel in Richtung Bundeshauptstadt. Unter der Überschrift „Träum weiter, Berlin“ bemängelt Simon Strauß eine „lähmende Atmosphäre“ aus „Zurückhaltung und Bedauern“(hier der ganze Text). Er konstatiert einen „seltsamen Trend zur Musealisierung“, der Abschied von Berlin habe inzwischen „einen ähnlich heroischen Reiz“, wie es der Zuzug hatte.

FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube spricht Berlin gleich den Status der Hauptstadt ab: Dem Regierungssitz komme „keinerlei wirtschaftliche, rechtliche, religiöse oder kulturelle Bedeutung“ zu, die ihm einen „Vorrang gegenüber anderen Städten“ einräume. „Arm, aber sexy“ sei vorbei, die Start-up-Szene nicht in Gang gekommen, die Mieten inzwischen zu teuer: „War Berlin vielleicht nur deshalb attraktiv, weil es ärmlich war?“ 

Der zugegeben nicht ganz unparteiische Chef der Tourimus-Agentur Berlins will das nicht unerwidert lassen. „Der Frankfurter Minderwertigkeitskomplex bahnt sich ungebremst den Weg“, sagte Burkhard Kieker auf Checkpoint-Anfrage. Der FAZ-Herausgeber sei bezüglich der Start-up-Szene „erstaunlich uninformiert“: Berlin rangiere im europaweiten Vergleich auf Platz 2 hinter London. Selbstverständlich gebe es Herausforderungen, aber die Anziehung als Stadt der Freiheit, Toleranz und Kultur lasse sich „auch von der FAZ nicht wegschreiben“. Und was denken Sie?