Seelenlose Gebäudeplanung in Berlin: Der Bahnhof in Köpenick verliert sein Gesicht

Damit die Verkehrswende ein schönes Ende nimmt, fordert Architekt Christoph Wagner: „Bahnhöfe müssen behaglicher werden“. Wie wichtig das ist, zeigt ein Beispiel im Südosten. Von Robert Ide

Seelenlose Gebäudeplanung in Berlin: Der Bahnhof in Köpenick verliert sein Gesicht
Funktional, aber ungemütlich: Bahnsteig am neuen Bahnhof in Köpenick. Visualisierung: DB Netz/Vectorvision

Schöner unsere Stationen und Bahnhöfe! Das verlangen Stadtplanerinnen und Architekten, damit die Verkehrswende noch ein schönes Ende nimmt. „Bahnhöfe müssen behaglicher gestaltet werden“, forderte Architekt Christoph Wagner bei unserer Tagesspiegel-Debatte in der Urania (Video hier). „Es braucht eine klare Wegführung, weil jeder Meter zählt. Eine Straßenbahnhaltestelle 100 Meter vom Bahnhof entfernt, wie in Köpenick, hält vom Umsteigen ab.“ Landschaftsarchitektin Barbara Hutter will die Umgebung der Stationen besser gestalten. „Die Frage von heute lautet: Wie steinern ist ein Platz, wie kann man ihn begrünen? Will ich mich hier gerne aufhalten, weil ich einen Schattenplatz finde?“ Stephan Wilhelm von der „BahnStadt Planungsgesellschaft“ beklagt: „Es gibt immer noch Planungen, die Bäume als Straßenbegleitgrün bezeichnen und Drehtüren als Personenvereinzelungsanlagen. Da kommt der Mensch zu kurz.“

Am Bahnhof Köpenick, der gerade zum Regionalbahnhof umgebaut wird, ist die Bahn offenbar noch festgefahren in der funktionalen Denke. Die Station soll mit dem Umbau ihre traditionelle Empore verlieren und stattdessen ein gesichtsloses Bahnhofsgebäude sowie von Lärmschutzwänden zugestellte Bahnsteige bekommen (Simulationen hier). „Es kann nicht sein, dass man solche Gestaltungen der Bahn überlässt“, klagt Wagner. „Wer soll sich angezogen fühlen, zu diesem Bahnhof hinzugehen?“  

Bahnhofsplaner Wilhelm verspricht, zumindest am Südkreuz nachzuarbeiten. Hier sollen die leeren Parkdecks für Fahrräder nutzbar gemacht werden. Auch am Hauptbahnhof fehlen Radanlagen und Abstellanlagen für E-Roller, wie Grünen-Politikerin Antje Kapek moniert. „Vieles ist auch nicht barrierefrei. Offenbar ist immer noch der sportliche koffertragende Mann, der von A nach B hechtet, der Prototyp für die Planungen.“ Und der Vorplatz? „Da stolpert man seit 17 Jahren blödsinnig über komische Zufahrten“, sagt Hutter. Willkommen in Berlin! We apologize for any inconvenience!