„Antikrist“ in der Deutschen Oper wegen Corona abgesagt

Deutsche Oper, gestern Abend, 19.30 Uhr. In den Garderoben hängen die Mäntel, die Platzanweiser haben ihre Arbeit fürs Erste getan. Der Saal ist gut gefüllt, das Publikum erwartungsfroh: Sie freuen sich auf den „Antikrist“ von Rued Langgaard, der hier eigentlich schon im März 2020 aufgeführt werden sollte. Doch jetzt geht’s endlich los, es wird leise, ein Mann tritt zur Begrüßung auf die Bühne. Er sagt: „Herzlich willkommen zur Aufführung des ‚Antikrist‘… die nicht stattfinden wird.“ Unruhe im Publikum, einige lachen. Nur ein Witz?

Leider nein: Mehrere Mitglieder des Orchesters sind positiv getestet worden, für die Sängerinnen und Sänger sei, weil ohne Maske agierend, ein Auftritt zu gefährlich. Für die sehr kurzfristige Absage (also quasi in der Sekunde des Aufführungsbeginns) bitte man um Entschuldigung. Jetzt beginnen einige zu buhen und zu rufen, fügen sich aber bald ihrem Schicksal, während andere schon aufmunternd klatschen. Das immerhin passt zum „Antikrist“: Am Ende des apokalyptischen Werks siegt die Hoffnung – vielleicht auch schon morgen Abend, denn da steht der abgewendete Weltuntergang wieder auf dem Spielplan.