Reaktionen auf den Terroranschlag von Halle

wir beginnen heute mit einem Zitat der Berliner Autorin Juna Grossmann („irgendwiejuedisch.com“), veröffentlicht auf Twitter inmitten eines lauten Rauschens nach dem Terroranschlag von Halle:

Es gibt Tage, da habe ich keine Worte, da türmen sie sich in mir, fallen durcheinander und finden nicht ihren Platz, nicht heute, nicht in diesem Medium. Danke für Eure Worte und Zeichen, danke für Gedanken und das Wir. Für den Moment nur das.“

In Berlin hatten sich am Abend viele Menschen erst am Brandenburger Tor versammelt, später, auf Initiative von Staatssekretärin Sawsan Chebli, an der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße. Auch Angela Merkel war gekommen, sie sprach den Angehörigen der Opfer ihr tiefstes Beileid aus. „Unsere Solidarität gilt allen Jüdinnen und Juden am Feiertag Jom Kippur“, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert. Worte und Zeichen,Gedanken und Gedenken, das Motto: „Wir stehen zusammen“.

Von dem Rechtsextremisten, der in Halle mit Sprengkörpern und Schusswaffen die Synagoge stürmen wollte und wahllos zwei Menschen erschoss, heißt es nun, er sei ein Einzeltäter“ gewesen. Das mag kriminalistisch für diesen Fall richtig sein, aber ein vereinzelter Täter ist er nicht. Sein Umfeld ist der Hass, der Rassismus und der Antisemitismus, sein Treibstoff ist die Menschenfeindlichkeit, die sich immer offener zeigt – in sozialen Netzwerken, auf den Straßen und seit ein paar Jahren sogar in den Parlamenten. Das alles geht nicht einfach so wieder weg. Das lässt sich nicht einhegen durch „Normalisierung“ des Umgangs mit jenen, die völkisch berauscht auf das Herz dieser Gesellschaft zielen - und damit andere zum Abdrücken animieren.