Wie Discounter ihre Kunden abschleppen lassen
Der Einkauf beim Discounter kann in Berlin ganz schön teuer werden – diese Erfahrung machte gerade eine Checkpoint-Leserin. Sie hatte ihr Auto um 10 Uhr auf dem Netto-Parkplatz in der Heilbronner Straße abgestellt, das Mineralwasser eingeladen – aber war dann nicht gleich wegfahren. Das ist nicht erlaubt, der Parkplatz ist privat. Als sie am Nachmittag zurückkam, war der Wagen weg. Naheliegende Vermutung: abgeschleppt. Was dann geschah, klingt allerdings nicht einfach nur wie das ärgerliche Ende eines Einkaufs, sondern eher wie die Lösegeldübergabe inklusive Schnitzeljagd nach einer Entführung.
Bei Netto gab man ihr die Nummer eines anonymen Abschleppdienstes, von dort schickte ihr ein ebenso anonymer Mitarbeiter einen Barcode aufs Handy, mit dem sie an der Kasse ausgewählter Supermärkte (u.a. Rewe, dm, Penny, nicht aber bei Netto in der Heilbronner Straße) eine Summe von 238 Euro zahlen sollte. Erst, wenn das Geld eingegangen sei, würde ihr der Standort des Autos verraten. Die Kundin verzichtete darauf, die Polizei einzuschalten (davon raten Entführer ja immer ab), lief innerhalb von 12 Minuten zu Rewe am Kurfürstendamm (wo ihr gesagt wurde, dass sie da heute nicht die erste sei), zahlte dort das Lösegeld, rief wieder beim anonymen Abschleppunternehmen an und bekam daraufhin eine SMS mit einer Adresse zugeschickt (Johannaplatz in Grunewald, 22 Min. Fußweg).
Wir haben bei Netto nachgefragt, dort wurde das Vorgehen „nach 5 bis 6 Stunden“ als „branchenüblich“ bezeichnet, und: „Die Abwicklung über viacash dient der Beschleunigung des Zahlungsverkehrs und bietet den Vorteil, dass Personen, die ihr Auto widerrechtlich abgestellt haben, ohne großen zeitlichen Aufwand an ihr Fahrzeug gelangen.“ Die Rechtsprechung dazu ist übrigens klar: Das Vorgehen ist legal (BGH V ZR 102/15).