Bundesliga-Klubs erwägen Spiele mit Zuschauern

Erste Politiker fordern ein Ende der Geisterspiele. Auch bei Hertha und Union wird über Abstandsregeln im Stadion nachgedacht. Die Fans bleiben skeptisch. Von Robert Ide

Bundesliga-Klubs erwägen Spiele mit Zuschauern
Foto: Stuart Franklin/REUTERS

Pssst, hören Sie das? In den stillen Stadien der Bundesliga, in denen derzeit pro Spiel 90 Schweigeminuten für den ursprünglichen Fußball abgehalten werden, geistert eine neue Idee herum. Erste Politiker von SPD und FDP fordern die Verwandlung des geistlosen Gekickes in ein Stadionerlebnis mit Fast-Fan-Folklore (via ARD). Nach Informationen des immer gut informierten früheren Morgenpost-Reporters Uwe Bremer wird bei Hertha BSC bereits intern darüber nachgedacht, wie man ab Herbst vielleicht Sitzplätze mit je einer Reihe Abstand nach vorn und hinten sowie zwei freien Plätzen rechts und links vergeben kann (via Fanpodcast „Damenwahl“). So könnten immerhin gut 15.000 Menschen ins Olympiastadion passen; mehr kämen bei plötzlich wieder möglichen Erstrundenspielen im Europapokal sowieso nicht. Stehplätze wären in dem Szenario allerdings nicht drin; auch An- und Abfahrt dürften ultra-schwierig zu organisieren sein. Die Deutsche Fußball-Liga will sich zum Thema lieber nicht äußern; auch Hertha-Sprecher Marcus Jung würde „gerne zunächst die weiteren Entwicklungen abwarten“. Beim 1. FC Union, der in der Alten Försterei im Zweifel seine drei Stehplatztribünen umbauen müsste, gibt es noch keine konkreten Überlegungen, lässt Sprecher Christian Arbeit wissen. „Aber natürlich hoffen wir, so bald wie möglich wieder vor und für Menschen im Stadion spielen zu können.“

Die Menschen, die das sein könnten, bringt dieser Gedanke bei einer Checkpoint-Umfrage nicht gerade zum Rasen. Hertha-Fan Henriette van der Linden kann sich zwar nichts Schöneres vorstellen, als endlich wieder ins Olympiastadion zu gehen. Andererseits sei die Atmosphäre in einer viertelvollen Stadionschüssel sicher schwer auszulöffeln: „Wenn, dann richtig und keine halben Sachen.“ Nina Trolldenier dagegen schöpft aus der Idee durchaus Hoffnung für die Fans und für Hertha; hofft allerdings, dass mit weniger verkauften Plätzen nicht die Ticketpreise steigen. Union-Fan Domenika Ahlrichs will vor allem einen Fußball ohne Stehplätze nicht stehen lassen. „So stark und laut wir unsere Liebe besingen, müssten in der Alten Försterei vermutlich sechs Meter Abstand zwischen allen gelassen werden – wie in Orchestern bei den Blechbläsern.“ Wäre sie denn gerne Solistin eines Fanchors auf vereinzelten Sitzplätzen? „Verkümmern würde ich, da wäre das Spiel dann auch fast egal.“ Das ist es bei Unions Formtief allerdings ohne Fans gerade auch.