Destination - Teil 5

„Erzähl mal weiter“ – gemeinsam mit Berliner AutorInnen und Ihnen wollen wir während der Sommerferien Fortsetzungsgeschichten schaffen. Die zweite beendet heute Annett Gröschner (die vorherigen Parts lesen Sie hier).

Destination
Von Annett Gröschner, Jan-Gunnar Franke, Manfred Füger und Gerda Klehr

Das ist doch Stefan!... Bei näherem Hinsehen ist es nicht Stefan, aber Corinna überkommt ein ungutes Gefühl. Es passiert ihr häufig, dass sie eine Person, die sie schon lange aus den Augen verloren hat, im Stadtbild zu erkennen meint, meist irrtümlich. Oft läuft ihr dieser Mensch dann aber ein paar Tage später wirklich über den Weg. Sie sieht vor ihrem inneren Auge Stefan im Flieger rein zufällig neben ihren Töchtern sitzen. Samirah, die völlig unbegabt im Misstrauischsein ist, hat ihm gerade ihre Familiengeschichte auseinanderklamüstert, mit dem Höhepunkt des Fluges zum Geburtstag der Großmutter väterlicherseits nach Beirut, ohne die Schule zu informieren, „typisch unsere Mutter“, dann der plötzliche Lockdown als Höhepunkt der Erzählung, bis Stefan beim Weiterplaudern irgendwann auf Karolinenhof kommt und Lina, ihre große Schwester, reingrätscht und sagt: „Unsere Mutter hatte mal einen Freund da. Der hieß Stefan, kennen Sie den?“

Sicher hat er sich nach der Landung ihrer Kinder angenommen und ist, weil sie mal wieder versagt, das war ja schon vor zwanzig Jahren nicht anders, auf dem Weg zu ihrer Mutter nach Köpenick, die Nummer kennt der Pedant sicher noch auswendig. Erst hört Corinna die Meldung im Radio vorne beim Busfahrer nur mit halbem Ohr, beim Wort BER wird sie hellhörig: „… kam es am ersten Tag des regulären Betriebs zu einem umfassenden Computerausfall, der bis zum späten Abend nicht behoben werden konnte. Am Abend erwartete Flugzeuge wurden auf den Leipziger Flughafen umgeleitet.“ Corinna atmet auf. „Kann ich mal Ihr Handy benutzen?“

Hier geht es kommende Woche mit der nächsten Geschichte weiter – dann mit Paul Bokowski.