Rechtes Tattoostudio oder Rufmord? Szenebekanntes „Utgard“ offenbar von Lichtenberg nach Prenzlauer Berg gezogen
Eine linke Gruppe macht mobil gegen ein neues Tattoo-Studio im Kiez, denn der Betreiber soll in der Neonazi-Szene aktiv sein. Der Hauseigentümer weiß von einem Einzug nichts. Von Nina Breher und Thomas Lippold.
Das Tattoostudio „Utgard“ ist offenbar in die Danziger Straße in Prenzlauer Berg gezogen – und sorgt für Wirbel. Auf Flyern in der Nachbarschaft (Bilder via Ingo Hasselbach/Twitter) wird den Inhabern vorgeworfen, in der Neonazi-Szene aktiv zu sein, Verstrickungen reichten bis ins NSU-Umfeld. Das Studio sei „überregionaler Anlaufpunkt für gewaltbereite Neonazis“. Das Schreiben aus der linken Szene fordert die Hausverwaltung auf, tätig zu werden.
Deren Geschäftsführer denkt nicht daran. Bis zur Plakataktion hatte er nie etwas vom „Utgard“ oder den Betreibern gehört, sagte er am Checkpoint-Telefon. Mieter des Ladens sei seit längerem das Tattoo-Studio „Edelschmerz“, das dort weiterhin ist. Womöglich haben „Utgard“-Leute Zeitslots für Tätowier-Stühle angemietet. „Wenn keiner mir gegenüber auffällig wird, kann und will ich da nichts machen“, sagte der Hausverwalter. Trete ein Mieter offen rechtsradikal auf, sei es „keine Frage“, dass das nicht gehe. „Aber das muss valide sein.“ Deshalb plane er keine Maßnahmen. Den Umgang mit dem Fall, die Flyer, finde er potenziell unfair: „Man muss sich einmal vorstellen: Was, wenn sie nicht schuldig sind? Dann wäre das menschlich grausam“, sagte er und warnte vor voreiligen Urteilen über Menschen, die sich ja vielleicht längst von einer möglichen Neonazi-Vergangenheit abgewendet hätten.
Von einem der beiden „Utgard“-Betreiber ist bekannt, dass er ein Gründungsaktivist der damaligen Ostberliner Neonazi-Szene war. Gegenüber der „Morgenpost“ sprach der Betreiber des Tattoostudios „Edelschmerz“ von „Rufmord“ und nannte die Vorwürfe „absoluten Blödsinn“. An der Eingangstür hängt laut „Morgenpost“ ein Plakat, darauf die Worte: „Everybody’s welcome.“ In welche Richtung(en) das gemeint ist, lässt sich wohl erst abschließend beantworten, sollte etwas über eventuelle aktuelle politische Tätigkeiten der „Utgard“-Leute bekannt werden.