Elternvertreter kritisieren Schulpläne der rot-grün-roten Koalition

Die Eltern finden manche Punkte im Vertrag zwar gut, wie zum Beispiel die Rückkehr zur Lehrerverbeamtung. Insgesamt bewerten sie die Neuerungen aber als zu wenig. Von Anke Myrrhe

Elternvertreter kritisieren Schulpläne der rot-grün-roten Koalition
Wie soll es mit den Schulen weitergehen? Foto: Annette Riedl/dpa

Apropos Sorgen: Die haben bekanntlich vor allem Kinder und ihre Eltern nach 25 Jahren SPD-geführter Bildungsverwaltung – und hier gibt es bedauerlicherweise kaum Hoffnung auf Lernerfolg. Erst an Position 16 der 22 Koa-Punkte findet sich „Bildung, Jugend & Familie“, was in etwa der Prioritäten-Wahrnehmung der Elternschaft entspricht. Giffey seufzte fast resigniert, bevor sie dieses Ressort als letztes in der SPD-Reihe aufzählte, als wollte sie sagen: Was soll‘s, wenn sonst niemand will … Dabei war es einst das Lieblingsthema der Neuköllner Bildungsstadträtin, auch als Bezirksbürgermeisterin ließ sie die Stadt ihre Bildungsverantwortung spüren. Nun ist die heißeste Kartoffel der Stadt erneut bei der SPD gelandet. Wieder nix gelernt.

„Zwischen überfällig und lauwarm“ kommentierte am späten Abend der Landeselternausschuss das Niedergeschriebene. Die Vereinbarungen rund um die Fragen der Personalgewinnung (Rückkehr zur Verbeamtung, vorrübergehend bis 52 Jahre) seien wichtig; als positiv bewertet der Ausschussvorsitzende Norman Heise zudem, dass einzelne Forderungen aus dem Bericht der Qualitätskommission enthalten sind. „Hier fragen wir uns, wenn schon auszugsweise Punkte übernommen wurden, warum dann nicht die relevanten oder besser gleich alle?“ Kann man nicht lernen.

Also weiter im Stoff: „Einige Punkte sind bereits in der letzten Legislatur auf den Weg gebracht worden und müssen nur noch umgesetzt werden. Hier wirken sie wie Fülltext, um das Kapitel nicht all zu kurz werden zu lassen.“ Heises Fazit: „Beim Lesen entsteht der Eindruck, die Beteiligten meinen, Berlin sei bereits auf einem guten Weg. Wir haben hier deutliche Zweifel.“ Konkrete Pläne oder Bekenntnisse habe man sich beispielsweise in den Bereichen Digitalisierung, Klassenfrequenzen, kostenfreies Mittagessen an weiterführenden Schulen und Grundqualifizierung von Quereinsteigenden gewünscht. „Mit Abschluss der Koalitionsverhandlungen ist der Drops nun gelutscht. Er schmeckt weitgehend fad und stößt sauer auf“, sagt Heise. „Die Berliner Bildungslandschaft hat Innovationen und Visionen verdient – nicht nur Ruhe und Kontinuität am Ende der Bildungsrankings.“

Und was meinen Sie? Ist die neue Koalition gut für Berlin?