Strom vom Balkon? Sonnige Aussichten in Berlin – aber nur für Wohnungseigentümer
Der Senat will künftig Balkon-Solaranlagen fördern. Davon profitieren vor allem Eigentümer. Mieter landeseigener Wohnungsunternehmen haben das Nachsehen. Von Lorenz Maroldt
Sonnige Aussichten für alle Fans der Solarenergie – na ja, für fast alle, oder eigentlich sogar: nur für die wenigsten. Mieter landeseigener Wohnungsgesellschaften leben jedenfalls weiter klimatisch und finanziell auf der Schattenseite. Und das kommt so: Der Senat nimmt zwar im kommenden Jahr steckerfertige Balkonanlagen ins Förderprogramm „Solar plus“ auf; wer aber bei Degewo & Co wohnt, kann sich nicht einfach so ein Panel an die Brüstung schrauben, um bei schönem Wetter die Waschmaschine mit günstigem und sauberem Naturstrom ins Schleudern zu bringen – die Gesellschaften sorgen sich ums einheitliche Erscheinungsbild ihrer Klötze. Gefördert werden also vor allem jene, die sich so eine Anlage meistens auch ohne Senatsunterstützung leisten können: Eigentümer in ihrer eigenen Wohnung.
Grundsätzlich schwärmt Staatssekretär Tino Schopf von Solaranlagen für ganz Berlin-Balkonien: Er hält sie für „sinnvoll“, „wichtig“ und „absolut wünschenswert“ – das gab er dem Wirtschaftsausschuss jetzt sogar schriftlich. Was allerdings fehlt: eine Strategie fürs Große und Ganze – und ein einheitlicher Genehmigungsprozess mit der Klärung von Haftungsfragen. Dabei verfügten die landeseigenen Wohnungsgesellschaften über einen großen Hebel, um mit ihren enormen Beständen die Klimaziele des Senats zu erreichen – und ihren Mietern hohe Energiekosten zu ersparen.
Ausgerechnet die FDP, die ja sonst eher eine Subventionsfreude ausstrahlt wie die Wintersonne am Polarkreis, hat das tatsächliche Balkonpotential von „Solar plus“ erkannt: Sie fordert vom Senat ein vereinfachtes Sammelverfahren für die Genehmigung dieser Minikraftwerke (Drucksache 19/0555). Ihr wirtschaftspolitischer Sprecher Christian Wolf sagte dem Checkpoint dazu: „Es wird Zeit, den Mietern ein Angebot zu machen, damit auch sie von der Förderung profitieren.“