Randale in Berlin – und der Regierende schweigt
Bis zu 50.000 Corona-Leugner auf den Straßen, Randale am Reichstag – und kein Wort dazu von Michael Müller. Erst Sonntagabend äußerte er sich. Von Felix Hackenbruch
Politiker aller Lager (außer der AfD natürlich, die an den Demonstrationen teilnahm) äußerten sich entsetzt und erschüttert. Von einem „unerträglichen Angriff auf das Herz unserer Demokratie“ sprach der Bundespräsident. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sagte: „Nach diesen Szenen sollte der Letzte verstanden haben, dass es auch Grenzen des Anstands gibt, wie weit man mitträgt, wer mit einem mitläuft.“ Und Innenminister Horst Seehofer: „Der Staat muss gegenüber solchen Leuten mit null Toleranz und konsequenter Härte durchgreifen.“ Dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller waren die Geschehnisse in seiner Stadt am Samstag kein Wort wert. Stattdessen schrieb Müller am Sonntagmorgen auf Twitter und Instagram über den Ausbau der U5. Später löschte er den Tweet. Interview- und Statementanfragen lehnte Müller ab. Erst am Sonntagabend, nach viel Kritik im Netz, äußerte sich der Regierende und sprach von einer „Demonstration gegen unsere Demokratie“. Durch das Zögern des Regierenden entstand ein verheerendes Zeichen: Dem Mann, der im kommenden Jahr in den Bundestag möchte, war ebendieser offenbar völlig egal.