Vierspurige Straße auf Kosten der Bahn: Für die TVO müssen 15 Hektar Wald und eine S-Bahn-Trasse weichen
Die Baukosten der geplanten Tangentialen Verbindung Ost (TVO) könnten ins Unermessliche steigen. Ex-Verkehrssenatorin Jarasch erklärt, wie es dazu kam – und wie es anders ginge. Von Stefan Jacobs.
Noch bis 7. Juni liegen die Planungsunterlagen für die Tangentiale Verbindung Ost (TVO) aus, die eines Tages Köpenick und Marzahn verbinden soll – auf Kosten von gut 15 Hektar Wald und kilometerweit auf der seit Jahrzehnten freigehaltenen Trasse der „Nahverkehrstangente“ für die S-Bahn. Deren Baukosten würden ins Unermessliche steigen, wenn vorher die Straße so gebaut würde wie jetzt geplant. Warum verzapft eine jahrelang grün geführte Verkehrsverwaltung so etwas?
Die ehemalige Verkehrssenatorin Bettina Jarasch erklärt es auf CP-Anfrage so: Es habe einerseits Druck gegeben, das angrenzende Biesdorf zu schonen. Andererseits habe die Verkehrsprognose Bedarf für eine vierspurige Straße ergeben, die selbst Befürworter der TVO in der Verwaltung kritisch gesehen hätten – wegen des Platzbedarfs und der immensen Mehrkosten. Möglicher Ausweg sollte eine neue Verkehrsprognose sein, die nicht – wie sonst üblich – auf dem bisherigen Autoverkehr plus Zuschlag für die wachsende Stadt beruht, sondern neue Randbedingungen wie Mobilitätsgesetz und 49-Euro-Ticket berücksichtigt, sodass möglichst doch eine zweispurige Straße reicht. Doch dann kam die Wiederholungswahl und mit ihr die CDU. Jetzt noch umzuplanen, würde den Bau um Jahre verzögern, sagt Jarasch. Dasselbe gelte allerdings für die absehbaren Klagen gegen die jetzige Variante.