Berliner Bestatter warten wochenlang auf Ämter

Um geliebten Menschen die letzte Würde zu erweisen, brauchen Begräbnis-Unternehmen eine Sterbeurkunde. Aber deren Ausstellung brauche „katastrophal“ lange. Von Robert Ide

Berliner Bestatter warten wochenlang auf Ämter
Das Leid von Hinterbliebenen wird so unnötig verlängert. Foto: Imago/Richard Wareham

Wenn ein Mensch lange Zeit lebt, sagt die Welt: Es ist Zeit, dass er geht. Die Lebenshymne der Ost-Band Puhdys muss für das Berlin der Neuzeit umgedichtet werden: Wenn ein Mensch lange Zeit tot ist, sagt die Welt: Es ist Zeit, dass er beerdigt wird. „Wir warten leider bis zu zwei Monate auf die Ausstellung einer Sterbeurkunde“, berichtet Sascha Speer von „Westend Bestattungen“, dem Checkpoint. Besonders die Bearbeitungszeiten der Standes- und Sozialämter in Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg, Steglitz-Zehlendorf, Pankow und Mitte seien „katastrophal“, heißt es aus der Branche; nur in Charlottenburg-Wilmersdorf und Spandau gehe es derzeit relativ schnell.

Ohne Sterbeurkunden, die die bezirklichen Standesämter ausstellen, erhalten Hinterbliebene keine Erbscheine, aber auch keine Witwenrente oder gar Grundsicherung. Zudem bestehen andere Bundesländer wie Brandenburg für eine Beerdigung auf einer offiziellen Sterbeurkunde; in Berlin reicht dafür inzwischen eine Bestattungsgenehmigung. „Viele Hinterbliebenen rufen verärgert bei uns an, aber wir können sie nur an die Ämter verweisen“, erzählt Fabian Lenzen von der Berliner Bestatter-Innung. Helfen würde aus Sicht des Berufsverbandes schon, wenn ein Sterbefall digital bei den Ämtern angezeigt werden könnte. Bisher werden die Daten per Post verschickt.

In Berliner Krematorien wartet nach Feuerbestattungen offenbar die Asche vieler Menschen darauf, in die Erde eingelassen zu werden. Zuweilen liege das auch an Familienangehörigen, die bestimmte Formulare nicht einreichen könnten, heißt es. Zudem würden Sozialämter vielen armen Menschen keine vorläufige Beihilfe zur Bestattung zahlen – ohne diese könnten sich Angehörige das aber nicht leisten. „Wir haben hier mehrere offene Fälle aus dem letzten Sommer“, berichtet Bestatter Speer. „Eine Person, die Weihnachten 2021 gestorben ist, konnte noch nicht beerdigt werden. Für die Angehörigen ist das furchtbar.“ Für eine zu lange Zeit.